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Vom Beisserle zum Scheisserle

Anfang Dezember zog ja Blindfischchen Malik hier ein. Leider entwickelte sich seit seinem Einzug hier so ziemlich nichts wie geplant. Doch wo ein Wunsch, da ein Weg. Manchmal zumindest.

Am 3. Dezember 2016 zog hier ja ein blindes Katerle ein, das von Proda Vinaros aus einer spanischen Perrera gerettet worden war. An dieser Stelle auch nochmals meinen innigsten Dank an diese Leute, dass sie diese besondere Seele (ok: Alle Seelen sind besonders) nicht ihrem vermeintlichen Schicksal überliessen ❤ 

Dank Tipps befreundeter Blindkatzen-Halter hatte ich hier auch alles blindfischchen-gerecht parat gemacht und der Einzug verlief zunächst problemlos.

Malik lebte sich wesentlich schneller ein als zu befürchten stand. Bis.

Ja, ein ungewolltes Wortspiel: Bis die ersten Bisse seinerseits hier Alltag zu werden drohten.

Zuerst biss er mich. Nicht ein bisschen (schon wieder so ein doofes Wortspiel), sondern so richtig, mit Herzblut (ok, Iwon, das mit den Wortspielchen reicht jetzt…). Ich war irritiert.

Er biss meiner Wahrnehmung nach nicht aus Aggression, sondern gerade dann, wenn er scheinbar am entspanntesten war: Beim Kuscheln, beim Streicheln – was immer von ihm ausging bzw. regelrecht eingefordert wurde, um dann wie aus einer Trance heraus plötzlich herzhaft (für mich SCHMERZhaft) zuzubeissen. Ich so: ? Es ist nicht schön, vor der eigenen Katze Angst zu haben. Nach 8 (!) ärztlich verordneten AB-Therapien trug ich in seiner Anwesenheit ab dann immer dicht gefilzte Pulswärmer – denn er zielte fast immer auf die Pulsadern. Öhm, mordlustiger Geselle?

Doch dann biss er auch Felize und Lucie. Und zwar auch so richtig.

Da war für mich kurzschluss-mässig Sense: Malik kann nicht hier bleiben. Wenn er mich beisst – damit lerne ich umzugehen, aber nicht die anderen Katzen. Ein No-Go.

Nach einiger Hysterie meinerseits und zunächst etwas Unverständnis seitens der Vermittlerin, rauften wir uns zusammen und überlegten, was zu tun sei.

Schon wieder monatelang Verhaltenstherapie wie damals bei LouLou und Moriah – ach mönsch, dacht ich. Gmpf.

Die Vermittlerin – nennen wir sie M. aus CH – schlug mir eine Globuli-Therapie vor.

Ich so: Geh weg. 

Ich habe hier schon viel durch mit Katzen, die nicht gerade aus dem optimierten „Verhaltens-Katalog“ kommen. Aber bevor Missverständnisse aufkommen: Das sind alles ganz wunderbare Wesen und ihr Verhalten hat genau zero mit ihrer Herkunft zu tun: Auch genetisch superoptimierte Zuchttiere können Arschlöcher sein. Der Mensch an sich sowieso.

Nur so zum Verständnis.

Und ich habe irre viel dazugelernt, was ICH alles falsch/suboptimal machte: Es ist NIE das Tier, das etwas „falsch“ macht – „falsch“ und „richtig“ sind unsere menschliche Definition. Also ist es unser Fehler, wenn ein Tier mit seinem Verhalten in die „Falsch“-Kategorie fällt. Logisch, nicht? Eben.

Und im Versuch, „meine“ Tiere dazu zu bringen plus minus das zu machen, was ich für wünschenswert halte, weil ich das so möchte, habe ich unter anderem ganz grossartige Erfahrungen mit „Tierpsychologie“ gemacht, von der ich zuvor aus schlichter Unkenntnis wenig hielt (ich Idiot).

Mit Globuli habe ich auch schon viel probiert, aber weder bei Mensch noch Tier je eine Wirkung feststellen können.

Bis vor Maliks Einzug.

Nachdem ich Malik aufgrund der Bissattacken auf Felize und Lucie wieder sozusagen vorübergehend dauerhaft im Arbeitszimmer separiert hatte und mich selber nur noch im Schutzanzug dort rein traute, dachte ich zu mir selbst: Scheiss auf deine Wahrnehmung von Globuli-Wirkung – wenn es diese Möglichkeit gibt, das liebestolle Beisserle hier zu behalten, versuch es wenigstens.

Also tat ich wie geheissen: Globuli dann halt.

 

Eine sehr kompetente Frau kam uns dann aufgrund von M’s Empfehlung für äusserst faires Geld besuchen, analysierte, fragte, notierte, war sympathisch und verabreichte Malik schonmal eine Erstdosis und schickte uns dann wirklich wenige Stunden darauf ihre Langzeit-Mittel.

Mein Fazit:

Malik wurde schon am ersten Tag nach Verabreichung der Erstdosis eines hochpotenzierten Mittels merklich ruhiger ohne dabei „stillgelegt“ zu wirken – er war immer noch er, aber tiefenentspannter. Und wenn er mir gegenüber den Biss-Impuls zeigte, hielt bereits inne, bevor ich ihn sanft zurückweisen musste.

Ich so: wow.

Nach etwa einer Woche traute ich mich, Malik auch wieder von mir begleitet zu den anderen 6 Katzen zu lassen. Und siehe: Hat er zuvor alles attackiert, was nach Katze roch, hielt er nun auch inne und schnupperte erstmal. Ihm nun schon zu vertrauen, wäre viel zu früh – also nutzte ich sein Innehalten, ihn zu konditionieren: 1. super, dass du abwartest, 2. wenn dich wer anbrummt oder gar anfaucht: Sei cool, geh einfach weg.

Nach einem Monat hatte er diese innere Gelassenheit sowie die Konditionierung so weit verinnerlicht, dass er allein beim Stichwort „coole Socke“ (was Besseres fiel mir halt spontan nicht ein) sich von der jeweiligen „Kontrahenten“-Katze abwendete und seiner Wege ging, ohne dass ich aktiv intervenieren musste (zB. mit einem Trennkarton o.ä.). Er legte sich einfach irgendwo gemütlich hin.

Nun ist Malik seit über 3 Monaten hier. Von ihm geht keinerlei aktive Aggression mehr aus – weder mir noch den Katzen gegenüber.

Er braucht aber noch oft, dass man ihm Grenzen setzt – er würde einen sonst gnadenlos unterbuttern nach dem Motto „meine Bedürfnisse zuerst!“. Aber Grenzen kann man gewaltlos bzw. sogar liebevoll setzen – auch das muss Malik noch weiter lernen.

Blöderweise haben nun einige der anderen Zwerglis ihn weiterhin auf dem Radar, vermutlich weil Malik sich hier zu Beginn nicht gerade als Vorbild-Neuzugang zeigte. Vor allem Shakti (die selber gar nicht von ihm attackiert wurde, aber hier leider die Chef-Katze markiert – ey, die bin doch ICH!) möchte ihm offenbar so gar nicht verzeihen.

Aber dafür, dass ich zunächst dachte, die Ausgangslage hier sei hoffnungslos, läuft es inzwischen echt prima. Ich bin tagsüber eh bei Malik im Arbeitszimmer – er hat solche „Verlustängste“, grausam, was der schreien kann, wenn „Mami“ mal den Raum verlässt – vielleicht verständlich, nach allem, was er mutmasslich erlebt hat. Aber das wird langsam auch besser.

Mein Bürokollege im Home-Office:

Die Zwerglis alle ohne „Aufsicht“ allein lassen, würde ich noch nicht wollen. Die Gefahr, dass das sensible Gleichgewicht kippt, ist mir für den Moment noch zu gross: Ich kann nicht ständig überall sein. Und wenn ich bedenke, dass dieser Prozess der „Nachsozialisierung“ bei Moriah rund ein Jahr dauerte, möchte ich nun nach „nur“ drei Monaten nicht alles ruinieren, indem ich übermütig werde.

Aber natürlich ist es das Ziel, dass Malik hier so bald wie möglich frei rumläuft.

Treppen? Kein Problem für Blindfisch (danke auch nochmal an Helga für ihre Tipps dazu!). Katzenbäume? Pfff – da hüpft mir Blindfisch fast schon ZU mutig auf und ab. Terrasse? Tsä – der kleine Mann freut sich so sehr auf den Frühling wie wir alle:

Ich habe mich nicht getraut, unsere Verhaltenstherapeutin zu Malik befragen – die muss mich ja nach LouLou und Mori eh schon echt für einen „Kamikaze“-Fall halten: Immer wieder aufs Neue… Aber dank ihrer Hilfestellung bei LouLou und Moriah wusste ich ja inzwischen ungefähr, was ich zu tun habe. Und es funktioniert auch erneut! Danke, Christine.

Anderseits habe ich Globuli bisher für Unfug gehalten (still und heimlich).

Seit Malik muss ich sagen: Doch, in seinem Fall waren die positiven Veränderungen nach fachkundigster Beratung merklich: In so kurzer Zeit so spürbare Veränderung? Konditionierung allein hätte das wohl nicht geschafft.

Aber in meinen Augen ist es die Kombi von beidem. Danke, dass ich erneut dazulernen durfte!

Wichtig ist wohl
1. Die individuelle Kombination für Mensch und Tier macht es aus.
2. Darum macht niemals 1:1 nach, was ihr irgendwo lest – auch hier: Es sind nur meine Erfahrungen mit meinen Zwergen. Darum nenne ich auch keine konkreten Mittel.
3. Wagt auch Wege, die ihr bisher für sinnlos hieltet, wenn es euch und euren Liebsten dienen könnte.

In diesem Sinne: Jeder hat seinen individuellen Weg zu gehen – er muss ihn nur finden 🙂

Malik scheint ihn gefunden zu haben. Eins der Vermittlungsfotos:

Aktuell:

Und so ist mein Beisserle nun mehrheitlich ein „Scheisserle“ (das ist im deutschen Sprachraum ja ein anerkanntes Kosewort). Herzlichst, Iwon & die 7 Bekloppten ❤

Ein Hoch auf unseren Schutzengel

Zuerst dachte ich an einen schlechten Scherz, als ich letzte Nacht wiedermal in der Notaufnahme des Tierspitals sass. Doch dann erkannte ich die Brillanz des Plans.

Vor nicht einmal einer Woche hatte ich ja berichtet, wie pfauenstolz ich bin, dass das → Foto von Max‘ Pfote in der Wartehalle des Tierspitals Zürich hängt und geschildert, wie oft ich schon verzweifelt eben dort sass und wartete.

Und was tat ich heute Nacht? Genau: In der Wartehalle des Tierspitals sitzen und warten. Erst dachte ich: haha, Schicksal, selten so gelacht, du blöde Nuss.

Inzwischen erkenne ich in all dem einen höheren Plan.

Doch von vorn:

Gestern gegen 21.30 Uhr bereitete ich mir einen Grillspiess und Kartoffeln zu. Ich lasse den Herd kurz unbeaufsichtigt, weil ich im angrenzenden Esszimmer etwas holen möchte und als ich zurück in die Küche komme, ist der Grillspiess weg. Der mutmassliche Täter ist schnell gefunden: Kater Max leckt sich auf der Küchenanrichte sitzend verdächtig genüsslich das zahnlose Schnäuzchen.

Max-Portrait

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sofort machte ich mich auf die Suche nach dem Holzspiess, der in meinem Abendessen gesteckt hatte. Da ich ihn beim besten Willen nirgends finden konnte, kam ich zum naheliegenden Schluss, er müsse sich im Körperinneren meines Katers befinden.

Keine schöne Vorstellung.

Als ich dem Notruf des Tierspitals das vermutete Dilemma schilderte, meinte die nette Dame am anderen Ende der Leitung, wir sollten besser sofort kommen. Also packte ich (hungrig) den Max (satt) ein und rief ein Taxi.

Und da sass ich also wiedermal.

Wer jetzt meint, es sei doch eher unwahrscheinlich, dass eine Katze einen ganzen Grillspiess inhaliert: Mag sein. Aber nachdem meine Katze Mathilde ihre Lunge mal zum kollabieren brachte, weil sie es bei einem kätzisch-dramatischen Akt des sich Übergebens fertig gebracht hatte, sich Futterreste in die Lungenlappen zu katapultieren, und meine Katze Faramee sich kürzlich einen 12 Zentimeter langen Grashalm durchs Nasenloch schob, an dem sie in der Folge fast erstickte, halte ich in Bezug auf bizarre Unfälle bei Katzen schier alles für möglich.

Doch das eigentlich Unfassbare kommt ja erst noch.

Gegen 4 Uhr morgens war ich wieder daheim – Max hatte ich für weitere Abklärungen in der Klinik lassen müssen. Um 5 Uhr klingelte mein Handy und man erklärte mir, dass Max in einem lebensbedrohlichen Zustand sei, er habe Luft und Blut an Orten, wo keines von beidem hingehört, und dass sie jetzt eine Computertomographie (glaub ich) machen, um den Schaden abschätzen und die Ursache (zu dem Zeitpunkt noch mutmasslich der Holzspiess) finden zu können.

Sie wollten noch wissen, welche Massnahmen zu finanzieren ich bereit wäre. Ich so im Halbschlaf: alle, die Sinn machen und Max bei guter Lebensqualität retten könnten. Die nette Stimme am Telefon: „Das kann aber teuer werden.“ Ich: „Ich weiss. Oh ja, ich weiss. Aber ist ok.“

Gegen 7 Uhr klingelt das Handy erneut, die nette Stimme erklärt mir etwas von Darm und Tumor und schlechten Aussichten. Und nochmal die Frage, was ich zu finanzieren bereit sei. Ich nochmal: „Machen Sie alles, was Sinn macht, ihm Leid erspart und bestenfalls sein Leben rettet. Ich sage nochmals: grün.“

Es gibt im Tierspital-Notfall einen Code:
– Rot = Die Ärzte dürfen von sich aus keine medizinischen Massnahmen treffen, die auch das Budget des Halters empfindlich treffen. Im Zweifel einschläfern.
– Orange = Die Ärzte haben so weit freie Hand bei allem, was sie für lebensrettend halten. Teure Massnahmen aber nur nach Rücksprache.
– Grün: Just go for it – rettet lebenswertes Leben nach allen Regeln der verfügbaren Kunst.

Gegen 10 Uhr rufe ich das Tierspital an: Ich habe inzwischen den Holzspiess hier zu Hause unter einer Decke gefunden. Sauber abgenagt. Er war nie in Max drin.

Gegen 15 Uhr der nächste Anruf, die nette Stimme erklärt mir, dass Max ein Lymphom hat und mind. auf der Lunge und/oder auch Milz auch schon etwas sitzt, was dort nicht sein sollte, dass irgendwas mit seinen Blutplättchen und Leukozyten und seinem Knochenmark nicht ist, wies sein sollte. Eine OP mache im Moment so keinen Sinn, besser Chemo. Ich sitze im Treppenhaus des Büros und heule.

Doch zurück zu Hause wird mir klar: Unser Schutzengel ist ein verdammtes Genie.

Max zeigte keinerlei Symptome, der Tumor war auch nicht ertastbar – wir waren ja gerade erst vor wenigen Tagen zur Tierarztkontrolle, alles war scheinbar prima (und das sind auch verdammt gute Ärzte). Nichts hätte ihn davor retten können, elendiglich an dem Mist zu verrecken.

Ausser eins: Wir schauen in die Katze rein.

Doch wer lässt seine Haustiere schon standardmässig regelmässig durchleuchten?

Eben.

Also hat unser brillanter Schutzengel sich gesagt: Ich muss Iwon irgendwie dazu kriegen, in Max‘ Körper schauen zu lassen – und zwar genau an der richtigen Stelle. Und der einzige Weg, wie ich sie dazu kriegen werde, ist, dass Max scheinbar etwas verschlucken muss, was gefährlich genug ist, dass ein CT nötig wird. Guter Plan so weit. Aber Iwon beobachtet ja ihre Katzen nicht den ganzen Tag mit Argusaugen, die muss ja arbeiten und hat ja auch sonst noch was zu tun.

Also muss es in einem Moment sein, den sie unmissverständlich mitbekommt und als Notfall erkennt. Und dann musste er nur noch warten, bis ich mir einen Grillspiess zubereite.

Jetzt mal ehrlich: Unser Schutzengel ist doch ein raffiniertes Ding?

Ohne diesen Twist wäre ich nicht mit Max ins Spital gefahren und er würde stattdessen langsam und still hier vor sich hin sterben.

Doch so haben wir zumindest eine Chance.

Durch FIV kommen noch einige Unbekannte ins Spiel. Max hat ja wie gesagt irgendwas Ungutes mit dem Knochenmark (fragt mich zur Knochenmarksache nicht genauer: Mein Kopf brennt nach einer weiteren Nacht ohne Schlaf und Hiobsbotschaften und ich hab davon eh keine Ahnung, obwohl unsere Ärzte immer alles sehr geduldig erklären – es leuchtet mir alles ein, das ist, was zählt).

Kurz: Das könnte Lymphom-bedingt oder FIV-assoziativ sein. Im Falle des Ersteren würde eine Chemo das potentiell beheben können. Im Falle des Zweiteren nicht – dann bliebe nur Erlösung. Zudem könne eine Chemo Max erst recht qualvoll umbringen, falls die Knochenmarksache FIV-assoziativ wäre. Jetzt gilt es zunächst herauszufinden, was der Fall ist, bevor man mit der Chemo beginnt.

Ja. Und nun heisst es mal wieder: Gutes denken, vertrauen und vom Besten ausgehen. 

Als ich Max heute im Spital besuchte, wirkte er selber zumindest sehr zuversichtlich, unbeschwert und ja fast schon fröhlich. Die Pflegerin meinte auch, er fresse gut, wickle alle um seine Pfötchen und mache alles top mit. Auch mir hat er wieder seinen Löwenschädel mit voller Wucht in die Fresse gerammt und dabei geschnurrt wie eine kleine Motorsägenfabrik.

Max-Tierspital-1

Es war sehr tröstlich zu erleben, dass er selber unter der aktuellen Situation offenbar null leidet. Dann sollte ich das auch so halten. Es wird gut – auf die eine oder andere Weise.

Schutzengel: Ich verneige mich vor dir und danke dir ❤

Kunst für die Katz

Ende März haben Max und ich bei einem Fotoprojekt des Tierspitals Zürich mitgemacht. Heute war ich an der Vernissage. Bei Bild Nr. 8 bin ich fast in Ohnmacht gefallen (← würde heftig.co schreiben 😉 )

Als ich im März bei Facebook den Aufruf des Tierspitals zur Teilnahme an einem ebenso schönen wie ungewöhnlichen Fotoprojekt sah, war ich sofort davon begeistert – und ebenso umgehend ernüchtert: Welches meiner Springinsfeld- und Panikzwerglis würde schon für eine Kamera stillhalten? Und dann noch aushäusig.

Tünn würde mich schon beim Versuch, ihn einzutüten, töten. Felize würde der Einfachheit halber lieber still sterben vor Angst als sowas mitzumachen. Und Shakti würde mir spätestens im Fotostudio die Pulsadern rausreissen.

Entschlossen, das Projekt sowohl für Katz wie Mensch schadlos zu überstehen, kam nur einer hier in Frage: the Max 😀

max-kissen

Also habe ich Max gefragt:
„Duhuuu, Max?“
Max: =^.^=?
Ich: „Würdest du die Unterseite deiner Vorderpfoten fotografieren lassen für ein cooles Projekt?“
Max: „Krieg ich dann Mozzarellabällchen?“
Ich: „Aber nicht die ganze Tüte.“
Max: „Die halbe.“
Ich: „Drei, vier Bällchen.“
Max: „Bazar hier immer.“

Also haben wir einen Termin vereinbart. Max fands da im Fotostudio jetzt nicht einfach nur Klasse, aber er hat für Kamikatze-Zwerglis-Verhältnisse echt sehr super mitgemacht.

Die mussten das Studio danach zwar wahrscheinlich grundsatzenthaaren, da Max seine Haare zur Verteidigung abschoss wie ein Stachelschwein seine Stacheln. Aber die wollten das ja so. Ich mein: Wer lädt sonst fremde Katzen ins Fotostudio ein? Eben.

Zurück zu Hause bekam Max 6 Mozzarellabällchen. Da war er wieder glücklich 😀

Die tolle Fotografin Michelle Aimée hatte uns schon „vorgewarnt“, dass nicht alle Fotos es ins „Finale“ schaffen werden: Nämlich im Warteraum des Tierspitals ausgestellt zu werden.

Also hibbeln: Wenn schon, denn schon. Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn Maxens Pfote dazu beitragen könnte, besorgte Tierhalter im Wartezimmer ein wenig abzulenken und sie ob der Bilder doch ein wenig lächeln müssten – zumal die meisten Kunden dort nicht einfach mal zum Impfen mit ihren Schatzis ins Spital fahren. Nein, eher nicht.

Vetsuisse

Ich selber habe in diesem Raum schon manch bange Stunde und dreimal auch schon halbe Nächte verbracht. Habe von vielen Menschen herzlichen Trost erfahren und anderen geschockten Tierhaltern in bangen Stunden des Wartens mit Mineralwasser, Kaffee und Tränen beigestanden. Ja, gar Freundschaften geschlossen.

Wir Tierspital-Kunden wissen: Es gibt keine bessere tiermedizinische Versorgung im Grossraum Zürich (oder gar auf der Welt?) – und auch menschlich und tierisch sind die Leute dort einfach umsichtig ohne Ende ❤

Doch dieser Warteraum der Ungewissheit ist ein Tränenmeer: Mal der Freude, oft leider auch der Trauer, wenn man zu spät kam und die wirklich tollen Ärzte dort nichts mehr tun konnten, als weiteres Leid zu ersparen.

So hatte ich heute bei meinem Besuch dort ohne Patient dennoch einen Kloss im Hals: Wie oft sass ich schon dort wegen Mathildchen? Einmal ist das Taxi nach Mitternacht mit Thillie an Bord fast bis in die Eingangshalle gerast – damals, als sie fast erstickte und der Taxifahrer echt alles gab, sie zu retten.

Oder kam sie besuchen, wenn sie stationär dort war.

Und an ihrem letzten Tag, als wir sie vor der nächsten OP erlösen mussten.

Aber auch mit Felize, LouLou und Omar war ich einige Male dort. Und sogar ganz früher als junger Mensch mit meinen Kaninchen und Meerschweinchen.

Ein Raum voller Erinnerungen und Emotionen.

Es wäre mir eine Ehre, wenn „wir“ dort auch optisch einen Pfotenabdruck im Wortsinne hinterlassen könnten – für alle sichtbar: Wir waren auch hier, wir wissen, was ihr gerade durchmacht – und es wird gut. Auf die eine oder andere Weise, ihr seid in den besten Händen der Welt.

Ob die Fotos trotz Max‘ zwar nur leichten, aber doch wackligen Widerstands im Studio gut genug wurden?

Sie wurden.

Heute war ich an der Vernissage der „Ausstellung“: Und – yehaaa! – Foto Nr. 8 bei den Katzenpfoten erkannte ich sofort als Mäxchens ❤

Merke: Ich erkenne die Unterseiten der Pfoten meiner Katzen. Öhm… – ach: Entweder hat man einen Tick oder man hat ihn nicht. Ich hab ihn. Andere haben doofere Ticks, find ich 😛

Es war auch sehr schön, all die anderen Verrückten zu treffen, die sowas mitmachen (gut – mit Hunden ists ja einfach, ne? 😉 ), die Fotografin, das Tierspital und viele Angestellte dort, die ihre eigenen Tiere für das Projekt begeistern konnten – ein wirklich schöner Anlass.

Und nun hält das Mäd Mäxchen seine Pfote schützend über Patienten und liebende Wartende dort – ich finde das wunderschön.

Ja, alte sentimentale Kuh ich bin 😀

Danke, Max!

ps: Die schönen Fotos von den Pfoten hat alle Michelle Aimée gemacht. Bitte respektiert ihr Urheberrecht. Wir haben sie alle heute ermuntert, ein Buch mit den Bildern herauszubringen – ich hoffe, sie macht das!

Wie erkenne ich einen guten Tierarzt? Teil 1

Ich möchte hier gerne erläutern, wie Tierhalter erkennen können, ob sie bei ihrem Tierarzt in rundum guten Händen sind. Denn einst zahlte ich den höchstmöglichen Preis dafür, selbst zu spät erkannt zu haben, dass wir es nicht waren. 

Teil 1 ist der schwere Teil, den ich gerne jedem liebenden Tierhalter würde ersparen wollen. Ich wünsche wirklich niemandem, am verfrühten Tod seines geliebten Tiers mitschuldig zu sein – so wie ich es bin.

Dieser Beitrag ist in unvergänglicher Liebe gewidmet: Mogwai † 26. November 2009

mogwai_sternchen

Als ich fassungslos auf ihren sterbenden kleinen Körper starrte, hörte ich wie durch Watte den Tierarzt sagen: «Wir raten ja immer davon ab, solche ausländischen Strassenkatzen aufzunehmen: Die sind fast immer problematisch.»

Meine geliebte Katze Mogwai starb am Abend des 26. November 2009. Hätte ich morgens – als ich sie in die Praxis brachte – auch nur im Ansatz geahnt, wie krank sie ist, wäre ich direkt in die Notaufnahme unseres Tierspitals gefahren. Aber ich ahnte es nicht. Ich hatte im Wortsinne keine Ahnung. Und man hat es mir einen ganzen Tag lang auch nicht gesagt. Erst als es zu spät war.

Ich war seither nicht mehr in dieser Praxis und habe nicht vor, je wieder dahin zu gehen: Meine Vertrauenskurve schiesst nicht nach oben, wenn ein Tierarzt kranke Tiere für «problematisch» hält.

Tierärzten, die ihre Kunden behalten wollen, möchte ich daher ans Herz legen, den folgenden kleinen Kurz-Knigge auswendig zu lernen.

3 Dinge, die ich nicht sagen sollte, wenn ein Katzenhalter vor mir steht, der gerade sein geliebtes Tier verloren hat:

  1. War doch nur eine Katze.
  2. Ich mag sowieso lieber Hunde.
  3. Dieses Tier war problematisch.

Mein Ex-Tierarzt hatte aufgrund von Mogwais Krankheitsverlauf schon früh vermutet, dass sie damals in Spanien vergiftet wurde. Tatsächlich ist es an vielen Orten Spaniens ein durchaus übliches Vorgehen, Giftköder auszulegen, auf die sich die ausgehungerten Strassenkatzen natürlich blindlings stürzen – im Glauben, man wolle ihnen Gutes tun.

Jene enttäuschten Seelen, die nicht sofort ein qualvoller Tod ereilt, sterben nach nur rudimentärer Erstversorgung oft Monate später an den Schäden, die das Gift an ihren Organen anrichtete. Was in einem Menschen vorgeht, der so etwas anrichtet, entzieht sich meiner Vorstellungskraft.

Mogwai war die unbekümmerte Lebensfreude selbst – ich dachte, wir hätten alles überstanden. Doch dann holte die Vergangenheit sie ein. Sie wurde nicht mal drei Jahre alt.

Doch ich bin ja keine rachsüchtige altägyptische Gottheit mit Hang zu bizarren Bestrafungsritualen. Und ich werde auch mein Karma nicht besudeln, indem ich Giftköder auslegenden Menschen Böses wünsche.

Lassen Sie es mich vielmehr so formulieren: Es würde mich nicht die Bohne erschüttern, sollte sich der Zorn der Schöpfung über dieses hinterhältige Vergehen an ihrem Werk darin äussern, dass solchen Leuten alles abfault, was ihnen wichtig ist. So weit die erzieherische Massnahme.

Ich fände es darüber hinaus keineswegs übertrieben, bestünde die eigentliche Strafe für einen heimtückischen Giftmischer darin, dass er wiedergeboren wird. Zum Beispiel in einer ausgehungerten spanischen Strassenkatzenkolonie. Und zwar als Maus. Immer und immer wieder – bis ans Ende aller Tage.

Doch eigentlich wünsche ich solchen Leuten gar nicht, dass sie Schaden erleiden – der angerichtete Schaden und das Leid sind schon gross genug.

Vielmehr würde ich mir wünschen, dass Menschen, die mutwillig oder auch aus Unwissenheit anderen Lebewesen Qualen bereiten, in aller Deutlichkeit gewahr werden, welches Leid sie anrichten, ihr Tun aufrichtig bedauern und künftig respektvoll mit Leben in jeder Form umgehen. Das allein könnte mir eventuell etwas Trost sein.

Und mit Letzterem meine ich nicht nur hinterhältige Giftmischer.

Sondern auch Tierärzte, die über Leben, Lebensqualität und Tod entscheiden. Und Tierhalter, die sich informieren könnten – und den Tierarzt wechseln, wenn nicht alles auf Grün steht.

Ich geissle mich noch heute dafür, dass ich in Mogwais Fall blind auf einen Tierarzt vertraute, statt mich mit ihren Gebrechen auseinanderzusetzen.

Ich blicke noch heute nachts oft hoch zu den Sternen und bitte sie um Verzeihung.

 

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2009 war ich noch sehr unbedarft, was Katzenkrankheiten anging. Mogwais Tod war zwar unnötig, aber nicht umsonst: Seither musste ich weitere Katzen (Palliativfälle) gehen lassen. Das tat auch jedesmal weh. Doch dank Mogwai fand ich eine Tierklinik, die keine rassistischen Vorurteile hat, die uns in allen Belangen stets zur Seite steht – medizinisch, tiersozial und menschlich – und mir keinerlei Informationen vorenthält. Und wenn ichs beim vierten Mal noch immer nicht kapiert habe, dann erklären sie es mir nochmal – sie geben auch Tipps, wo ich mich unabhängig informieren kann, sollte ich noch immer Zweifel zum weiteren Vorgehen haben. Nie wollen sie mir irgendetwas ein- oder ausreden. Sie informieren mich – damit ich Entscheidungen mit bisweilen weitreichenden Folgen treffen kann. Und sie schicken mich umgehend mit meinem Patienten zu einem Spezialisten, wenn sie der Meinung sind, dass sie das in ihrer Praxis nicht im Sinne des vollumfänglichen Tierwohls händeln können.

Und dank Mogwai und unserer aktuellen Klinik schaffte ich es, LouLou, Omar und Mathilde in ihren Krankheiten und letztlich auf ihrem Sterbeweg medizinisch fundiert, menschlich gestützt und vor allem verantwortungsvoll bis zur Regenbogenbrücke zu begleiten, wo ich sie vorerst loslassen musste – bis wir uns wiedersehen.

Mogwai fehlt.

Aufgrund dieser Erfahrungen stellte ich ein kleines Lexikon „Wie erkenne ich einen guten Tierarzt“ zusammen. Damit Sie alle es besser machen, als ich damals. Und dann war Mogwais Tod nicht umsonst ❤

Lucie – manchmal holt die Vergangenheit einen ein :-(

Lucie, meine kleine Prinzessin Kicherbse ❤ hat morgen einen Termin beim Chirurgen. Vermutlich muss ihr steifes Beinchen ab.

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Nicht jeder, der hier mitliest, kennt Lucies Geschichte, darum sei sie hier nochmal ganz kurz zusammengefasst. Lucie kam 2007 als ca. 1-2-jährige Katze aus einem Messie-Haushalt in Madrid zu uns. Sie hat ein steifes Hinterbein sowie einen in der Hälfte abgerissenen Schwanz, seit man sie daran festhielt, um sie kopfvoran gegen eine Wand zu schlagen.

Als sie zu uns kam, wurde sie als Erstes von einem sehr renommierten Katzen-Orthopäden durchgecheckt, ob das Beinchen noch irgendwie zu retten bzw. ihr Leben normalisierbar sei. Er erläuterte mir dann auch aufgrund seiner Untersuchungen, was ihre Vorgeschichte gewesen sein musste. Er riet mir damals, ihr ihr Bein zu lassen, da sie es noch nutzte und auch kitzlig war an den Zehen 🙂 Und er sagte mir auch, dass irgendwann der Zeitpunkt kommt, an dem sie Probleme mit dem Beinchen bekommen wird, weil die ständige Fehlhaltung Gelenkverschleiss und Wirbelsäulenfehlhaltungen verursache. Dennoch hielt er damals an dem Beinchen „fest“, weil es so sehr noch ihr gehörte.

Trotz ihrer schlimmen Vergangenheit war Lucie denn auch durch und durch Sonnenschein zu Mensch und Tier. Sie heisst hier sofort jeden Neuankömmling aufs Herzlichste Willkommen und hüllt ihn in Liebe ein. Sie ist eine richtige kleine Hippiekatze, die zweifellos Blumen im Haar trüge, sofern Katzen so etwas täten.

Doch vergangenen Freitag passierte etwas – ich weiss nicht, was. Morgens um 7 Uhr hat sie noch gefuttert, verhielt sich wie immer. Als ich dann aber rund eine Stunde später ins Büro gehen wollte, sah ich sie in einer Ecke liegen – seltsam verkrümmt, als wäre ihr Rückgrat gebrochen, und sie wimmerte. Ich liess alles fallen und eilte zu ihr.

Als ich sie zugleich ebenso tröstend wie entsetzt streichelte, schrie sie auf vor Schmerz. Und sie hörte nicht mehr auf zu schreien.

Meine Nerven flatterten derweil von dannen – ich begriff nur noch, dass ich sofort im Büro alle Termine absagen und noch viel wichtiger unsere Klinik anrufen musste. Letztere meinte: Kommen Sie einfach so schnell Sie können, wir werden Zeit für Lucie finden!

20 Minuten später waren wir in der Klinik und kamen sofort dran. Der Tierarzt meines Vertrauens, der auch Chiropraktiker ist, versuchte ihr offenbar ausgekugeltes steifes Beinchen so gut zu richten wie das bei ihrem seit der Misshandlung damals verqueren Knochen-, Muskel- und Sehnenaufbau noch anatomisch nachvollziehbar scheint.

Immerhin hat Lucie seither offenbar keine Schmerzen mehr. Aber das malträtierte Beinchen, auf das sie sich die letzten 8 Jahre noch vertrauensvoll stützte, das sie nie zu behindern schien,

 

brach sozusagen weg.

Sie schien mir bisher nie „behindert“ – trotz ihrer schwerwiegenden Verletzungen. Sie war immer fidel, aufgeschlossen, raste die Treppen rauf und runter – Behinderung? Ach wo!

Aber nun ist mein Sonnenscheinchen gebrochen. Und ich weiss, dass es keine so grosse Sache ist, das Beinchen zu amputieren. Das ist eine Routine-OP und Lucie wird lernen, ohne ihre „Bein-Krücke“ auszukommen.

Dennoch hat mich noch nie eine OP wütender/verzweifelter gemacht. Hätte dieser Unmensch damals ihr nicht alle Sehnen, Knochen und Muskeln ausgerenkt, im offensichtlich auf grausame Weise unwissenden Versuch, diese kleine Katze zu erschlagen – dann hätte sie einfach eine glücklich kleine Katze sein können, die Käfern hinterherspringt und weiter keinen Schaden tut.

Doch der Schaden war angerichtet – und nun holt er uns ein. Ich hätte meinem kleinen Sonnenschein von Herzen gewünscht, dass es nun gut ist. Für immer. Und nun zwingt mich dieser Unmensch aus längst verdrängten Tagen, die Entscheidung zu treffen, meinem geliebten Sonnenschein ein Bein abzuhacken.

Das macht mich wütend. Und ich bete für diese unsägliche Person damals, dass Lucie alles gut übersteht. Denn andernfalls wird das Universum keine Zweifel daran haben, wem das Kamikatze-Zwerglis-Land von Herzen Schmerzen ohne Ende wünscht. Und das Universum kann bisweilen auch präzise zuschlagen. Amen.

Verzeiht meinen Zorn – aber wer die Wesen meines Herzens durch solche Qualen schickt, darf nicht mit Gleichmut rechnen 😦

Lucie – mein Sonnenschein! Du wirst das schaffen – versprichst du mir das? Du hast schon so viel mehr geschafft als mancher Mensch es könnte. Ich liebe dich und tu das nur zu deinem Besten 😦

Ein grosses Kämpferherz hat aufgehört zu schlagen.

Geliebte Mathilde, mein Herz Du hast heute entschieden nicht mehr kämpfen zu wollen. Ich hatte dir versprochen, deinen Wunsch zu respektieren. Und das tat ich – auch wenn das mein Herz in Stücke reisst.

Du hattest ein verdammt schweres Leben auf Italiens Strassen einst. Es kostete dich ein Bein, deine Zähne, dein Immunsystem und fast deinen Lebensmut.

Doch über Umwege, die nur das Schicksal einer grossen Liebe finden kann, fandest zu uns nach Zürich. Allen, die daran beteiligt waren, danke ich nochmal aus tiefstem Herzen Dir, Mathilde, ganz besonders.

Du hast mich so viel gelehrt, mir trotz deiner schrecklichen Vergangenheit sofort dein Vertrauen und deine Liebe geschenkt. Ich werde den Moment nie vergessen, als ich dich damals das erste Mal sah. In einer Tierarztpraxis irgendwo zwischen Turin und Mailand. Du kanntest mich nicht und doch hast du mich sofort erkannt Auf deinen drei dürren Beinchen kamst du auch mich zu gehoppst – seither waren wir ein Herz und eine Seele.

Hier konntest du endlich leben. Und du hast dein Leben genossen – so tief und innig und dankbar man sein Leben nur geniessen kann. Und du hast um dein Leben gekämpft: Trotz aller gesundheitlicher Probleme hast du mich und auch die tiermedizinische Fachwelt immer wieder staunen lassen, was eine kleine dreibeinige Strassenkatze alles schaffen kann.

Bis heute.

Heute wolltest du nicht mehr kämpfen. Die Ärztin rief mich vor der geplanten Narkose an: Du würdest sie nicht überstehen, es wäre besser, wenn ich mich verabschieden komme.

Ich durfte im Tierspital von dir Abschied nehmen – sie haben das alles sehr liebevoll „arrangiert“. Ich hatte natürlich wiedermal keine Taschentücher dabei – das hab ich nie, Mathilde. Du hast noch mit dem Beatmungsschlauch genasbusselt – verzeih, wenn ich lache, während ich weine. Und du hast so laut geschnurrt wieder. Das war immer das Problem, dass man deine Herztöne nicht abhören konnte, weil du immer so laut geschnurrt hast.

Als sie heute ein letztes Mal deine Herztöne abhörte, hast du nicht mehr geschnurrt. Man hörte laut und deutlich – diese Stille. Kein Schnurren, kein Herzschlag, einfach nur Stille. Friedlich. Sanft. Heute um 11.10 Uhr.

Es ist vorbei.

Ich hoffe, dass du trotz vieler Jahre voller Leid die wenigen Jahre voller Liebe in Erinnerung an diese Welt behältst. Es ist eine gute Welt – und wir alle können sie täglich ein wenig besser machen, wenn wir nur wollen.

Jetzt ist diese Welt um ein intergalaktisches Kampfschiffchen ärmer. Aber dein Erbe wird weiterleben. Nach Jahren des stillen Leids, nach denen du allen Grund gehabt hättest, uns Menschen zu hassen, hast du stattdessen so viele liebe Menschen erreicht, bezaubert und verzückt Ich bin sicher, sie werden dich auch weiterhin in ihren Herzen tragen und lächeln, wenn sie an dich denken.

So wie ich es tun werde, mein Herz

Und eines Tages werden wir uns wiedersehen und du wirst mich mit deinem Geschnurre wieder um den Schlaf bringen und mir die Haare aus dem Gesicht lecken. Mich dazu bringen, in den unbequemsten Haltungen zu schlafen, nur damit du deinen hübschen klugen Kopf auf meine Hände betten kannst – so wie du es so liebtest.

Grüsse uns unsere Sternchen alle, leuchtet heute Nacht besonders hell für alle, die euch schmerzlich vermissen.

Ich liebe dich – für mich wirst du immer meine kleine grosse Rose sein, die niemals verblüht: The Rose

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Du bist nicht fort. Nur woanders.

Mathilde: Zwischenbericht aus dem Tierspital

Ich war gerade Mathilde besuchen. Was soll ich sagen?

Die nunmehr für Mathildchen zuständige Tierärztin im Spital hat lange mit mir gesprochen. Hoffnung machte sie mir wenig. Die Ärzte nennen Mathildes Gesamtkonstitution „multimorbide“ – ich bevorzuge den Ausdruck „ungünstig“.

Aufgrund von Mathildes Zustand mit all ihren Vorerkrankungen sowie ihres FIV ist das Leben an sich für Mathilde im Moment lebensgefährlich. Sozusagen. Das Herz als Ursache für die Atemnot wurde inzwischen von den Kardiologen ausgeschlossen. Sie sind sich sicher, dass die Lunge nicht nur Symptom, sondern auch Ursache für ihren momentanen Zustand ist. Die eine Lungenhälfte ist vollkommen deformiert und ingesamt hochgradig in Mitleidenschaft gezogen. Sie gehen davon aus, dass es entweder ein Infekt sei oder Krebs (sie nennen es anders – aber es sei faktisch dasselbe).

Medizinisch gesehen gibt es jetzt – wiedermal… – genau zwei Möglichkeiten:
1. direkt einschläfern
2. eine Biopsie und ein CT unter Narkose

Ihre Chancen, die dafür notwendige Narkose überhaupt zu überstehen, stehen etwa 50:50. Wenn man nichts unternimmt, stirbt sie sowieso.

Wenn es Krebs ist, lässt man sie gar nicht erst wieder aufwachen.

Wenn es ein Infekt ist, schicken sei ein Atomwaffenarsenal an Antibiotika in meine kleine Maus – aber ihre Chancen seien dann doch relativ intakt, das alles zu schaffen. Ich habe gefragt, ob ich sie angesteckt haben könnte – ich könnte nur schwer damit umgehen. Die Ärztin meinte, dass das sehr sehr sehr unwahrscheinlich sei – bei Katz und Mensch seien da wohl unterschiedliche Bakterien im Spiel. Ich habe nicht genauer nachgefragt. Ich will einfach glauben, dass ich nicht schuld bin.

Ich vermute, es gibt Stimmen, die meinen, ich solle es gut sein und Mathilde gehen lassen. Ich halte dagegen: Wenn sie die Narkose nicht übersteht, ist das ja faktisch wie einschläfern. Und wenn sie Krebs feststellen, wird die Narkose so weit vertieft, dass es ist wie einschläfern. Wenn es hingegen eine Chance gibt, dass das nur ein vermaledeiter Infekt ist, werden wir sie ergreifen. Mathilde hat jederzeit „die Wahl“ aufzugeben, man wird sie zu nichts zwingen.

Morgen zwischen 10 und 12 Uhr finden also Biopsie und CT statt. Wann immer davor oder während irgendwas anders läuft als geplant, werde ich benachrichtigt. Sonst danach.

Ich habe Mathilde selber heute nur kurz sehen können – auf der Intensiv sind Besuche immer ein wenig schwierig. Dennoch durfte ich sie kurz streicheln und ihr sagen, dass wir alle an sie denken – und ihre Entscheidung akzeptieren. Sie sah wirklich ziemlich schlecht aus, ehrlich gesagt. Aber sie habe heute „munter gefuttert, dabei schon fast abenteuerlustig geschaut“, sagte die betreuende Pflegerin.

Was ich am Zürcher Tierspital – neben der medizinischen Versorgung natürlich – wirklich grossartig finde, ist die „Stimmung“ dort. Das klingt jetzt seltsam, oder? Aber wirklich jeder dort vom Chefarzt bis zum Pfleger, von der Empfangsdame zu den teils verzweifelten Menschen in der Wartehalle – Fragen werden geduldig beantwortet, es werden wortlos Taschentücher gereicht, man versteht einander, hofft und bangt mit, wildfremde Menschen drücken einem die Schulter und wünschen alles Gute – nur schon deswegen muss ich dort immer heulen. Ich weiss Mathilde an einem der liebevollsten Orte der Welt

Morgen also. Mir ist schlecht.

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Nachtrag: Ein grosses Kämpferherz hat aufgehört zu schlagen