Archiv für den Monat Juni 2013

Ich sitze hier und weine – vor Freude

Nur ganz kurz.

Gerade hüpfte Felize zu mir aufs Sofa – so wie früher – um mir ihren Schädel in die Seite zu rammen und zu schmuuuuuuuuuuuuuuuuusen. Was wir türlich taten.

Und nun sitz ich hier und heule.

Ich glaub, ich bin ein ziemlich verkorkster Mensch – wenn man Nicht-Katzenhaltern glauben tät (aber wer tut das schon) 😛

Sie hat mich wieder lieb ❤ Mein Süssmaus hält mich nicht mehr für einen Zombie – hach ❤ (World War Z geh ich trotzdem im Kino gucken: Weiterbildung :D)

*happy*

Felize, kleine Heldin <3

Heute waren wir mit Felize zur Kontrolle im Tierspital – und ich bin sehr stolz auf das Maus, äh: Katz 😀

Ihr Lieben ❤

Danke ganz herzlich an alle, die heute an uns dachten und Daumen drückten – der Zauber wirkt auch hier 😀 😉 ❤

Ok – das Eintüten meiner kleinen Panikmaus war wie vermutet ein Desaster 😦 Ich habe gar nicht irgendwelche sanftmütigen Tricks probiert, sondern habe direkt das Fixleintuch bzw. zu Deutsch Spannbettlaken (danke Frau Vegasfan für die Übersetzung! :D) und die Transportbox geschnappt und bin so bewaffnet wie ein Gladiator auf Felize zu, derweil das Mantra im Kopf: «Wir ziehen das jetzt durch, basta.» Naja – ok: Eher nicht ganz so cool. Spätestens als Felize versuchte, flundermässig mit dem Boden zu verschmelzen, und verweifelt fragend in Todesangst mauzte, brach mir mehrfach das Herz – aber hilft ja auch nix.

Kaum war ich jeweils halbwegs in ihrer Nähe, entflunderte sie sich jeweils pfeilschnell und schoss nach oben in die erste Etage, von dort nach unten, dann wieder hoch, wieder runter – ins Fitnesscenter muss ich heute nicht mehr, püh. In einer zweigeschossigen Wohnung ohne Türen echt kein leichtes Unterfangen, eine Katze in die Enge zu treiben… Schliesslich beging sie endlich wieder den strategischen Fehler, sich ins Bad zu flüchten, worauf ich ja gehofft hatte. Diesmal aber war die Waschmaschine zugestellt, damit sie sich nicht wieder dahinter festklemmt, und alles weggeräumt, was in Scherben darnieder fallen könnte. Nachdem sie ein paar Mal die Wände hoch ist, konnte ich endlich das Bettlaken über sie werfen – Schachmatt.

Ich hatte das von einer lieben Tierschützerin gelernt: Wenn man eine Katze unter einer Decke oder eben einem Laken versenkt, rührt sie sich nicht mehr – man kann dann einfach hin und sie einpacken. Nicht, dass ich diese Methode dem Miteinander langfristig für zuträglich halte und empfehlen würde – aber in der Not… 😦 Bei Felize funktionierts jedenfalls – man muss nur gut genug werfen. Nicht nett – aber für den Moment unsere Rettung.

Als ich Felize also endlich in der Box hatte, war ich erstmal fertisch mit den Nerven. Aber ab dann wurde es gut – richtig gut 😀

Während der Autofahrt war sie recht ruhig (Handtuch über der Box hilft auch). Sie mauzte nicht und hechelte auch nicht wie sonst. Schonmal gut.

In der Klinik aber räumte sie jeden nicht vorhandenen Restzweifel am TA-Training bei mir aus: Sie liess sich diesmal komplett ohne Handtuchwickel behandeln – sie hatte sichtlich Angst, aber keine Panik, immerhin. Das überzeugte mich restlos davon, dass Situationsvermeidung falsch und nur Training unser Weg sein kann.

Das Beste aber: Obwohl ich Felize die Ohrentropfen nicht geben konnte, verheilt alles wunderbar – was natürlich meine grosse Sorge war 😦 Aber wir haben Glück – und noch mehr davon:

+++ breaking news +++

Felizes rechtes Trommelfell wächst zu!!! :-O Das heisst: Sie müsste dann in absehbarer Zeit wieder vollumfänglich hören können. Aus medizinischer Sicht. Boah – wow!!! Krass.

Als wir heimkamen, schoss sie aus der Box – blieb dann aber sofort stehen und sah sich um. Ich liess alles so stehen und ging nochmal weg, weil ich einkaufen musste und auch dachte, dass wegzugehen genau JETZT für mein Mäuschen genau das Richtige sei 😛

Als ich wieder heimkam, sass Felize diesmal nicht verängstigt unterm Bett, sondern hockte draussen auf der Terrasse in ihrem Lieblings-Gras-Topf ❤ Als sie mich sah, erstarrte sie zwar sofort wieder, aber rannte nicht wie die letzten Wochen weg. Sie futterte auch sofort ihr Abendessen und kam vorhin sogar gaaaaaaaaaaaaaaaanz kurz zu mir aufs Sofa – aber das war ihr dann doch zu gruselig 😉

Zwei für uns ganz wichtige Dinge habe ich heute gelernt:
1. Felize wird voraussichtlich vollkommen gesund – die Prognosen stehen jedenfalls sehr gut ❤
2. Vermeidung ist Sch*** – mit jedem Tierarztbesuch wird Panikkatz Felize «cooler» (und ich auch :P), was mir klar zeigt: Man kann auch einer absolut panischen Katze die Panik nehmen. Im Moment leider mit Gewalt 😦 Aber demnächst mit der bedachten Anleitung der Verhaltenstherapeutin unseres vertieften Vertrauens: → Tierarzttraining für Katzen

Wenn ihr auch verängstigte oder gar panische Katzen daheim habt: Bitte arbeitet mit ihnen daran ❤ Sie müssen diese Ängste nicht auf Dauer erleiden – weder beim Tierarzt, noch bei Besuch, noch bei Gewitter oder beim Staubsaugen. Muss alles nicht sein.

Wir sind gerad ein bisschen fix und foxy – aber SEHR zuversichtlich ❤

Herzlichst, Iwon & Kamikatze-Zwerglis

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Fortsetzung: → Lieber Besuch aus Köln

Umzug vollzogen.

Liebe Besucher, liebe Freunde,

Bisher habe ich in einem Katzenforum fleissig von unseren Geschicken berichtet, dann auch hier – und diese Doppelspurigkeit macht einfach keinen Sinn. Obwohl es mir wirklich schwer fällt, unseren Foren-Thread nun brachliegen zu lassen, zumal wir viele tolle Menschen dort kennenlernten, habe ich beschlossen, nur noch hier regelmässig zu berichten, somit auch öfter als bisher 😀

Wie ihr ja wisst, kann man den Blog auch «abonnieren»: Einfach in der Randspalte rechts oben E-Mail-Adresse eingeben, auf «folgen» klicken und nichts verpassen 😀 Wenn ihr selber auch bloggt, verweist doch bitte im Kommentarfeld darauf – gerne abonniere und verlinke ich eure Blogs dann auch 🙂

Eine kleine Vorschau auf die nächsten Beiträge:

1. Am Mittwoch muss Felize wieder ins Tierspital zur Kontrolle wegen ihrer → Mittelohrentzündung. Das Eintüten wird sicherlich wieder ein Desaster: Seit der letzten Kontrolle vor rund drei Wochen sehe ich Felize eh kaum noch, solche Angst hat sie immer noch vor mir :_( Kaum sieht sie mich, wars das Letzte, was ich von ihr sah 😦 Ich hoffe, dass es mit diesem Termin vorerst getan ist und wir dann bald endlich unser → Tierarzttraining konsequent angehen können. So kann das einfach nicht weitergehen. So entspannt sehe ich Felize seit langem nicht mehr:

felize_alltag

2. Möchte ich euch die Kunst und Tierschutzarbeit der grossartigen → italienischen Künstlerin Stefania Re nächer vorstellen, zumal ich vorhabe, selber bald wieder zwei Portraits bei ihr in Auftrag zu geben und damit auch gleich ihren grossartigen Einsatz für italienische Notfellchen zu unterstützen. ❤

3. Weiter ist geplant, die Infoseiten hier auszubauen – etwa zu Krankheitsthemen und Futterfragen. Hier wäre ich auch sehr dankbar für allfällige Gastbeiträge: Wenn ihr euch in einem Katzenthema besonders gut auskennt (zB. eine Krankheit oder Barfen oder was auch immer) und Lust habt, euer Wissen hier zu teilen (→ Anschauungsbeispiel: FIV), wäre das grossartig ❤ Selbstverständlich werdet ihr als Autoren genannt und gern auch auf eure Websites/Blogs verlinkt! 🙂

4. Habt ihr vielleicht Themenwünsche? Mehr Sachinfos oder eher mehr Berichte von den Zwerglis mit Fotostrecken? Euer Wunsch ist mir Befehl 😉

Ich freue mich darauf, unser neues virtuelles «Zuhause» gemeinsam mit euch stetig weiter auszubauen, und hoffe auf freudvolle, spannende, lehrreiche, lustige Zeiten – im Wissen, dass auch traurige oder bange Momente kommen werden. Schön, dass ihr bei uns seid ❤

Herzlich, Iwon & Zwerglis

Happy Move-in-Day, Faramee!!!

Heute vor drei Jahren zog Faramee bei uns ein ❤

Liebste Faramee ❤ Was ein Abenteuer war das mit uns zu Anfang – man sagte mir von fachkundiger Seite, dass du dich wohl nie in einen Alltag integrieren lässt, in dem ein Mensch eine Rolle spielt. Dass du womöglich ein Phantom bleibst, das zwar „hier“ und doch nicht „da“ ist. Dass ich dich kaum je sehen, geschweige denn berühren könnte. Es war mir egal. Ich sah damals die Beschreibung zu dir und dein Bild und es machte „Wusch“ ❤ Du hast mich nicht mehr losgelassen.

Am Anfang hast du gespuckt und gefaucht – du hattest mehrmals kurz hintereinander alles verloren, was dir vertraut war, bist in kurzer Zeit viermal „umgezogen“ von Spanien nach Deutschland und dann hier gelandet. Du warst entwurzelt, verzweifelt und so wütend. Und ich konnte anfangs nicht mehr tun, als das zu akzeptieren und dich so zu nehmen, wie du bist, kleines zauberhaftes Fauchispucki ❤ Ich musste immer grinsen, wenn du mich mit gebleckten Zähnen angespuckt hast – aber glaub mir: Ich hatte ne Heidenangst vor dir. Du konntest zubeissen – herzhaft *g*. Süsse – und heute? Du bist die verschmusteste Pattexkatze, die man sich vorstellen kann – manchmal fast schon „zu“ aufdringlich, dann muss ich dich wegschieben, weil ich mal telefonieren muss oder ne E-Mail beantworten…

Faramee, mein Herz – mein du ❤ Ich liebe dich mehr als es in Worte zu fassen wäre. Ich liebe dich über alles und bin sehr dankbar, dass mir viele Leute damals – allen voran aber meine Cousine – zusprachen, dich aufzunehmen ❤ Du kamst zwar weit her, hast aber immer hierher gehört ❤

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Happy Move-in-Day, liebste Faramee ❤ Ich liebe dich – fast schon so, dass es weh tut ❤

→ Faramees dramatische Reise nach Zürich

Faramee-Special, Teil 2: Von Berlin nach Zürich ins Krankenhaus

Im Juni 2010 flog ich nach Berlin, um meine neue Katze Faramee nach Zürich zu holen. Ich hatte mir das Ganze irgendwie weniger dramatisch vorgestellt…

→ Vorgeschichte: Eiserne Grundsätze

Sie zeigte mir die tiefen Bisswunden in ihrer linken und die Beruhigungstablette in ihrer rechten Hand, als sie sagte: «Du, das mit dem Sedieren – also, das hat nicht geklappt.»

Da stand ich nun an einem Sonntagnachmittag mit einer Katzentransporttasche in einem Vorort von Berlin und betrachtete die Bissverletzung von Faramees Pflegemutter – nennen wir sie M. aus B. «Sie wollte die Tablette partout nicht nehmen, ich habe alles versucht – naja, du siehst. Und jetzt ist es sowieso zu spät, die Tablette würde nicht mehr rechtzeitig wirken.»

Dass Faramee alles andere als «beruhigt» war, bewies sie anschaulich, als es darum ging, sie in die Transporttasche zu kriegen. Eine halbe Stunde lang trotzte sie M.’s Bezirzungen und Einfangraffinessen, rannte hierhin und dann dorthin, duckte sich, täuschte an und – schoss schliesslich zur Tür, wo sie die grosse Freiheit hinter einer kaputten Katzenklappe vermutete. Das musste verhindert werden.

Bisher relativ untätig, hechtete ich nun zur Tür und schob schnell ein Brett vor die Klappe, um Faramees potentiellen Fluchtweg zu verbarrikadieren, was diese wiederum damit quittierte, dass sie herzhaft in meine linke Hand biss. Das Gute daran: Während sie noch mit ihren Zähnen in meiner Hand verkeilt festhing, konnte sich M. mit einer Decke auf das Tierchen werfen und es endlich in die Tasche packen.

Nachdem wir Schweiss und Blut von uns abgewaschen hatten, war es auch schon höchste Zeit, zum Flughafen aufzubrechen. Mit einer richtig schlecht gelaunten Katze im Gepäck.

Am Flughafen angekommen, rannten wir zum Gate, wo ich mich von M. und Freunden verabschiedete, denn den Weg, der nun vor uns lag, mussten wir alleine gehen: die gefürchtete Gepäckkontrolle.

Während ich vor dem Gepäckscanner in der Warteschlange stand, versuchte ich so wenig wie möglich vor Nervosität zu schwitzen. Diese Katze konnte man nicht mal kurz rausnehmen und durch die Kontrolle tragen – das würden die bestimmt verstehen. Ich war zuversichtlich.

Aber nicht lange.

Mit versteinerter Miene schoben zwei uniformierte Männer freudlos die Gepäckstücke durch den Scanner. Als sie die Katzentransporttasche sahen, meinte der jüngere der beiden mit leerem Blick in breitestem Berliner Dialekt: «Is dat ne Katze? Dann nehmse die ma schön da raus, junge Frau, und tragense die separat durch.»

Ich setzte mein bezauberndstes Lächeln auf, zeigte ihm meine angefressene Hand und erklärte in zuckrigster Stimmlage: «Das wird nicht gehen, diese Katze kann man nicht rausnehmen und herumtragen.»
Er, ohne jede Gemütsregung: «Dann bleibtse hier.»
Ich: «Aber – es wird doch eine Möglichkeit geben, die Katze samt Tasche zu kontrollieren?»
Er: «Na, dann hättense sich ma vorher kundig machen sollen, wa?»

Wäre es nicht so extrem kontraproduktiv gewesen, hätte ich ihn richtig fest verhauen. Doch stattdessen versuchte ich ihm zu erklären, dass ich das weiss Gott versucht hätte (siehe dazu: → Vorgeschichte: Eiserne Grundsätze), doch leider gescheitert sei und überhaupt sei das doch Irrsinn – äh: unrealistisch –, Katzen an einem Flughafen auszupacken. Doch er hörte mir gar nicht zu, stattdessen schob er weiter mit versteinerter Miene Gepäckstücke durch den Scanner.

An Flughäfen vergisst man ja schnell mal, dass man eigentlich zahlender Kunde und der Flughafen Dienstleistungsbetrieb ist – vielmehr sind die Uniformierten offensichtlich hervorragend darauf gedrillt, einem mit ihrer lustlosen Verachtung das Gefühl zu geben, man sei die überflüssigste Existenz der Welt.

Derweil glotzten mich die anderen Passagiere neugierig an, wie ich verschwitzt und ratlos mit meiner fauchenden Transporttasche dastand und überlegte, ob es etwas gäbe, was diese Situation noch unangenehmer hätte machen können.

Mir schien, als seien Tage vergangen, bis sich der jüngere der uniformierten Griesgrame endlich meiner erbarmte und meinte, er telefoniere mal und kläre das ab.

Hoffnung keimte in mir – ein Beamter hatte meine Existenz anerkannt.

Nach rund zehn Minuten erschien eine uniformierte Frau, die mir erklärte, der Tierschutz verbiete es, ein Tier durch den Scanner zu schieben, sie sehe aber mein Problem und werde mal schauen. Sie führte uns in einen kleinen Raum, schloss die Tür und griff mit ihrer lederbehandschuhten Hand in Faramees Tasche, aus der es spuckte und fauchte und jaulte. Sie zog schnell die Hand wieder raus, sah mich an und meinte: «Ich verstehe.»

Als sie dennoch versuchte, Faramee aus der Tasche zu ziehen, wehrte die sich heftig, drohte zu Boden zu fallen, weshalb ich instinktiv zugriff und erneut gebissen wurde. Daraufhin ging die Frau raus, kam mit einem seltsamen Gerät zurück, fummelte damit in der Tasche herum und meinte dann: «Alles ok.»

Muss ich das verstehen, warum man das nicht gleich so gemacht hat?

Ich hatte aber sowieso keine Zeit, lange nachzudenken, als ich zum Gate zurück rannte und in tief empfundener Dankbarkeit mit Faramee als letzter Passagier im Flugzeug verschwand.

Während ich mich mit meiner kläglich piepsenden Katzentransporttasche auf unserem Flugzeugsitzplatz einrichtete, versuchte ich, aus den Bisswunden in meiner linken Hand nicht allzu stark zu bluten.

Ich konnte mich im Flugzeug nicht über mangelnde Aufmerksamkeit beklagen – sämtliche Sitzreihen vor, neben und hinter uns sahen interessiert zu uns und rundherum erklangen entzückte «Jöös». Ich bedeckte unauffällig meine zerbissene Hand, blickte mich lächelnd um und meinte: «Ja, ganz liebes kleines Kätzchen, ganz, ganz lieb.»

Nach der Landung ging ich schnurstracks in den roten Zollbereich, wie man mir das gesagt hatte. Ich stellte mich auf Ärger ein, da mir eine Freundin zuvor von ihren Erfahrungen berichtet hatte: «War das ein Stress: Wir standen da mit unserer Katze, und der Zöllner wollte uns partout nicht durch lassen – eine Stunde lang hat er mit uns geschimpft. Ich kam mir vor, als versuche ich, waffenfähiges Uran zu schmuggeln.» Dies hatte mir eine Bekannte berichtet, die rund einen Monat zuvor eine Katze aus Spanien geholt hatte. Darum hatte ich die Einfuhrbestimmungen des Bundesamts für Veterinärwesen (BVET) auswendig gelernt, ausgedruckt und mir per E-Mail nochmals bestätigen lassen, was ich brauche und tun muss, um meine neue Katze Faramee von Berlin nach Zürich zu importieren. All das hatte meine Bekannte allerdings auch vorgekehrt…

Zehn Minuten später sass ich mit Faramee im Taxi. Der Zoll war überhaupt kein Problem gewesen – jetzt ist alles überstanden. Dachte ich.

Endlich zu Hause, fingen nach rund zwei Stunden allerdings meine Bisswunden an zu tuckern. Vor allem der linke Ringfinger sah ziemlich mitgenommen aus. Ich überlegte, wer mir an einem Sonntagabend um 22 Uhr sagen könne, ob ich mir Sorgen machen muss, und rief beim Ärztefon an.

Die Dame am anderen Ende der Leitung liess sich alles genau erläutern und fasste dann meine Schilderungen zusammen: «Katzenbiss also. Und der betroffene Finger ist dick geschwollen und bläulich-schwarz gefärbt. Tut er denn weh?»
Ich: «Ja, absolut, das tut er.»
Dame: «Das ist gut.»
Ich: ???
Dame: «Wenn ein Gliedmass bläulich-schwarz ist, dann ist es entweder abgestorben, oder es liegt nur ein Bluterguss vor. Wenn der Finger abgestorben wäre, täte er aber nicht mehr weh, also ist es wohl ein Bluterguss.»

Sie meinte, ich solle mir keine Sorgen machen, nur wenn die Schmerzen stärker würden, solle ich meinen Arzt konsultieren, was ich am nächsten Tag auch tat. Als mein Hausarzt den Finger sah, wurde er etwas blass und meinte: «Sie brauchen die Fingerkuppe noch, oder?» Ich wurde sofort in die Notaufnahme des Unispitals überwiesen.

Auch dort guckte man einigermassen besorgt, als man mir erklärte, die Wundränder seien schon sehr entzündet, weshalb man sie auskratzen müsse. Nach einer Stunde am Infusionstropf wurde meine Hand örtlich betäubt und operiert. Das fühlte sich an, als ob ein Vogel mit dem Schnabel kleine Stückchen aus dem Finger zupft. Die Chirurgin erklärte mir derweil, ich sei schon ihr fünfter Katzenbissfall an diesem Tag. Katzenspeichel sei wegen seines Reichtums an Keimen und Erregern eine Ausgeburt der Hölle, weshalb sich solche Wunden fast immer böse entzünden. Rund drei Stunden später wurde mein linker Arm in eine Gipsschiene gelegt, ich wurde krankgeschrieben und bekam die Anweisung, die nächsten vier Tage jeweils um 8 Uhr morgens zur Infektionskontrolle zu erscheinen. Nicht mal ausschlafen lassen sie einen…

Die Wunden sind längst verheilt und Faramee hat sich inzwischen vom unanfassbaren, fauchspuckigen Kleinvampir zur ultimativen Kuschelkatze entwickelt.

faramee_portrait_klein

In diesen Tagen fliege ich wieder nach Berlin, um Verwandtschaft zu besuchen. Aber ohne Katze ist Reisen irgendwie langweilig.

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Reisen mit Tieren: Das müssen Sie wissen

Wer mit einem Tier verreisen oder ein Heimtier in die Schweiz einführen will, sollte folgende Einfuhr- und Zollbestimmungen kennen:

Bitte beachten Sie, wenn Sie ein neu adoptiertes Auslandtier in die Schweiz bringen, dass Sie erst Eigentümer des Tieres sind, wenn Sie es selbst in Empfang genommen haben – Sie können als Privatperson (anders als zB. ein registrierter Tierschutzverein) also nicht jemand anderen mit der «Einfuhr» beauftragen.

Faramee-Special, Teil 1: Von eisernen Grundsätzen

Am 13. Juni ist es genau drei Jahre her, dass Faramee und ich auf einer recht abenteuerlichen Reise von Berlin nach Zürich flogen. Die Chronik einer Reise.

Ich hatte etwas getan, was ich sonst – aus gutem Grund – niemals tue: Ich hatte im Internet ein bisschen auf Vermittlungsseiten für Notfallkatzen gestöbert. Ich wollte «nur kurz gucken».

Und was ich sah, war «das» da:

Faramee_Vermittlung
(Foto: Taskali)

Das ist Faramee. Damals auf ihrer Pflegestelle in Berlin, ehemalige spanische Strassenkatze, die andere Katzen liebt und Menschen meidet. In verschiedener Hinsicht eine nicht ganz unkomplizierte Katze. Also genau mein Beuteschema.

Sofort hab ich die Seite zugeklickt und tief durchgeatmet.

Wie ein Mantra wiederholte ich immer wieder: «Du hast Grundsätze. Einer davon ist, dass fünf Katzen die Grenze sind – mehr gibts nicht. Basta.» Dabei guckte ich streng und glaubte allen Ernstes, ich würde mich dran halten.

Das war Ende März 2010. Doch Faramee ging mir während der nächsten Wochen einfach nicht mehr aus dem Sinn. Ich finde viele Katzen wunderbar, genau genommen finde ich sogar alle Katzen ganz wunderbar. Aber ich muss die nicht alle haben. Darum verstand ich selber nicht ganz, warum gerade diese Katze sich so in meinen Gedanken festgebissen hatte. Zumal wirklich alles gegen eine sechste Katze sprach:

  • Erstens: äh – nun: ich hatte mir ganz fest vorgenommen, dass es bei fünf Katzen bleibt.
  • Zweitens: öhm. Puh – naja, es wäre nicht vernünftig.
  • Drittens hat meine Katze LouLou Angst vor anderen Katzen und mit vier Artgenossen schon genug um die Ohren.

Doch meine Standhaftigkeit geriet zusehends in Schieflage.

Als ich eines Tages bei einem Telefonat mit meiner Berliner Cousine von Faramee erzählte und ihr erklärte, warum ich sie ganz unmöglich nehmen kann, fasste meine Cousine in bestechend simpler Logik kurz zusammen: «Also mal abgesehen von irgendwelchen Grundsätzen scheint ja nur LouLous Katzenphobie dagegen zu sprechen, dass du Faramee nimmst. Oder?»
Ich: «Jetzt mal ganz schnörkellos auf die Fakten runtergebrochen: ja.»
Cousine: «LouLou weiss aber gar nicht, wie viele Katzen bei euch rumlaufen, weil sie ja zurzeit immer nur im Arbeitszimmer sitzt, oder?»
Ich: «Naja, streng genommen – korrekt.»
Cousine: «Dann ist es doch auch egal, ob das vier oder fünf sind.»
Ich hatte eigentlich damit gerechnet, dass man meine Vernunft loben und meine Standhaftigkeit stärken würde, stattdessen kaute ich nun freudig nervös an meinen Fingernägeln herum: «M-hm, das kann man so sehen.»
Cousine: «Ausserdem lebt Faramee nicht irgendwo im Timbuktu, sondern hier im Umland von Berlin, genau zwei Dörfer von mir entfernt. Du kommst uns doch sowieso demnächst besuchen, dann nimmst du sie auf der Rückreise einfach mit.»

Es machte «ploink» und da lag sie darnieder, meine Standhaftigkeit.

Nachdem ich das Ok von Faramees Pflegestelle hatte, machte ich mich über die Einfuhrformalitäten für den Zoll und die Transportbestimmungen der Fluggesellschaft kundig.

Beziehungsweise versuchte mich kundig zu machen.

«Das ist ja eine ganz blöde Idee», meinte die Frau am anderen Ende der Leitung, «das kann ich mir nicht vorstellen.» Ich war gerade dabei abzuklären, was ich beachten muss, wenn ich eine Katze mit ins Flugzeug nehmen möchte. Ich hatte gehört, dass man an einigen Flughäfen mitgeführte Haustiere bei der Gepäckkontrolle aus der Transporttasche nehmen muss, was bei Katzen generell jetzt nicht so die prima Idee ist, sie an einem lauten Flughafen voller Menschen mal kurz auszupacken und durch die Gegend zu tragen. Und bei einer verschreckten unanfassbaren Ex-Strassenkatze, die einen überhaupt nicht kennt, ist das sogar ein ziemlich gewagtes Unterfangen… Ich hatte also bei der Fluggesellschaft angerufen, um mich zu vergewissern, ob ich Faramee bei der Gepäckkontrolle wirklich auspacken muss. Die nette Frau am Telefon konnte mir dazu jedoch leider nichts sagen.

Also rief ich beim Berliner Flughafen Tegel an. Ich wurde mit einer Dame verbunden, die mit meiner Frage wie folgt umging:
Dame: «Das weiss ich nicht.»
Ich: «Und wer könnte es wissen?»
Dame: «Das weiss ich auch nicht.»
Ich: «Aber Sie arbeiten doch beim Flughafen und ich habe eine Frage zu den Flughafenbestimmungen – wenn das beim Flughafen niemand weiss, wer dann?»
Dame: «Ich kann ja mal meine Kollegin fragen.»
Ich: «Das wäre nett.»
Die Dame verschwindet aus der Leitung. Nach einigen Minuten kommt sie zurück und meint: «Die weiss das auch nicht.»
Ich: «Und was mache ich jetzt?»
Dame: «Ich werde Sie am besten weiterverbinden.»
Ein Hoffnungsschimmer.
Nach einigen Minuten sagt eine andere Dame leicht missmutig: «Hallo.»
Ich erkläre auch ihr, was ich gern wissen möchte.
Dame 2, entsetzt: «Nein, natürlich dürfen Sie die Katze während des Fluges nicht aus der Transporttasche nehmen!»
Ich: «Ähm, nein. Ob ich sie bei der Gepäckkontrolle rausnehmen muss, möchte ich wissen.»
Dame 2: «Das weiss ich nicht.»
Ich: «Hmpf.»
Dame 2: «Ich werde mal meinen Kollegen fragen.» Sie verschwindet kurz, kommt zurück und meint: «Wie schwer ist Ihr Hund?»

Kurz: Da es trotz redlicher Bemühungen meinerseits bedauerlicherweise unmöglich war, eine zuverlässige Antwort auf diese Schlüsselfrage zu erhalten, beschlossen Faramees Pflegestelle und ich, die Katze entgegen unserer Überzeugung für die Reise mit einem Beruhigungsmittel ausser Gefecht zu setzen.

Ein solider Plan.

Der leider scheiterte.

→ Fortsetzung

Tierarzt-Trainings-Tagebuch – Teil 1

Mir machen ernst: Gestern habe ich das Tierarzttraining mit meiner Panikkatze Felize begonnen.

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WICHTIGER HINWEIS:

Dieses «Tagebuch» ist keinesfalls als Anleitung für andere zu verstehen. In dem Buch, an dem wir uns orientieren → «Tierarzttraining für Katzen» von Christine Hauschild, steht sehr detailliert, worauf beim Training zu achten ist – und was man alles falsch machen kann. Im schlimmsten Fall ist das Training dann nicht nur wirkungslos, sondern man verschlimmert die Angst der Katze womöglich noch. Darum: Don’t try this at home! 😉

Dieser Bericht ist einerseits als Tagebuch für uns selbst gedacht – und allenfalls als Ermutigung (hoffentlich dann nicht das Gegenteil :P) für andere, selber mit ihren Katzen mehr zu arbeiten. Wer ein solches Training angehen möchte, orientiert sich dabei bitte an entsprechender Lektüre oder zieht direkt eine Fachperson hinzu.
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Ausgangslage:
Dieses süsse kleine Dingelchen hier:

Felize

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…heisst Felize, ist ca. 3 Jahre alt, seit bald 2 Jahren bei uns und super verschmust. Allerdings wird sie mit ihren niedlichen 3,5 Kilo «Kampfgewicht» zur Furie, wenn man versucht, sie festzuhalten geschweige denn in eine Transporttasche zu setzen. Und ich meine NICHT, dass sie ein bisschen austickt und rumspuckt – sie macht das da, mit allem was sie dann zu greifen und zu beissen kriegt:

autsch1

autsch2

Bei unserem ersten Tierarztbesuch hat sie zudem in der Transportbox dermassen getobt, dass sie sich die Nase blau schlug und die Box ramponierte, in der Praxis ist sie die Wände nicht nur sprichwörtlich hoch, hat alles runtergeschmissen und war absolut unhändelbar. Als man sie mit Ach und Krach wieder eingefangen hatte, steckte der Tierarzt sie sofort zurück in die Box, weil sie solches Herzrasen hatte, dass er fürchtete, ihr Herz werde gleich explodieren.

Das war letzten Herbst.

Wir waren seither (bis vor kurzem) nicht mehr beim Tierarzt und haben – leider – auch nicht daran gearbeitet. Der Tierarzt und ich waren uns sicher, dass Felize nicht im Wachzustand behandelbar sei und nur im Notfall unter Betäubung behandelt werden soll. Sie war mir auch als absolut panisches taubes Ataxi-Mäuschen vermittelt worden – verblüfft war daher keiner.

Doch dann passierte etwas.

Vor ziemlich genau drei Wochen sah ich abends, wie Felize torkelte, stark speichelte, dann umfiel und krampfte. Nur kurz dachte ich an ihre Unbehandelbarkeit – dann setzte ich sie in die Box und raste mir ihr zur Notaufnahme. Sie musste schlussendlich drei Tage in der Klinik bleiben und das klappte eigentlich auch ganz gut – sie liess sich dort einigermassen behandeln. Gut, sie war ja auch geschwächt und verängstigt – und vor allem verweigerte sie kategorisch das Futter.

Also kam sie nach drei Tagen wieder nach Hause, wo ich ihr zahlreiche Medikamente geben sollte… Es kam, was kommen musste: Nach kurzer Zeit scheiterte ich kläglich – die Medikamente gingen nicht ins Katz, sie hasste mich, verweigerte wieder das Fressen und liess mich nicht näher als zwei Meter an sich ran und hockte nur noch unterm Bett. Meine Verzweiflung war gross – wie soll ich ihr dreimal täglich die notwendige Versorgung zukommen lassen, wenn ich nicht an sie rankomme?

Eine Woche nach der Notaufnahme mussten wir zur Kontrolle. Mit List und Tücke klappte es ganz gut, Felize in die Transportbox zu kriegen – aber Felizes Panik minderte das nicht wirklich.

Und dann: die Offenbarung. (Stellen Sie sich hier bitte eine → theatralisch-hoffnungsfrohe Musikeinspielung vor, um die Wirkung in voller Epik zu entfalten.)

In der Klinik wurde sie untersucht – eingewickelt in ein Handtuch ging das ganz ok. Und dann kam der Neurologe. Ich warnte ihn noch, dass sie vermutlich ausflippt, wenn er sie aus dem Handtuch wickelt. Doch der Mann lächelte erst mich an, dann Felize – hob sie hoch, machte mit ihr die neurologischen Tests, setzte sie auf den Boden, hob sie wieder hoch, drehte sie um die eigene Achse, tanzte sanft mit ihr durch den Raum und setzte sie dann zurück in die Box.

o.O

Und ich traf eine Entscheidung: Wir werden daran arbeiten, dass Felize auch im Alltag behandelbar wird – ich kann den Neurologen ja nicht heiraten, nur weil er der einzige ist, der mit Felize umgehen kann.

Obs klappt, weiss ich nicht – aber wir werden es versuchen.

Alle meine anderen Katzen – auch die ehemals unberührbaren Wildchen wie Shakti und Faramee – sind inzwischen problemlos eintüt- und behandelbar. Sicher kann ich da und dort auch bei denen noch einiges optimieren und eventuell gehe ich einzelne Übungen dann erstmal mit einer weniger dramatisch veranlagten Katze an, bevor ich mich an Felize versuche 😉 Aber noch nie war die Ausgangslage so schwierig – eine solche Panik wie bei Felize kannte ich zuvor nicht bei einer eigentlich «zahmen» Katze. Und ich möchte einfach nicht mehr, dass meine Katze weiterhin solche Todesangst hat, wenn man versucht ihr zu helfen, geschweige denn, dass man ihr nicht helfen kann, weil sie solche Todesangst hat.

Ich gehe wie oben erwähnt nach den Anleitungen vor, die man dem Buch → «Tierarzttraining für Katzen» von Christine Hauschild entnehmen kann. Das Grundprinzip ist positive Konditionierung bzw. Clickern. Im Moment bin ich auf Seite 49/50, wo mir geraten wird, schonmal mit den ersten Übungen zu beginnen, während ich weiterlese:

Aufgabe eins: Etablierung der Verknüpfung von Markersignal und Belohnung
Aufgabe zwei: Marker und Belohnung im Alltag

Noch sind wir optimistisch 😀

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Nachtrag: Zur Zeit pausiert das Training leider auch schon wieder, da Felize sich seit dem letzten Tierarzt-Besuch wenn überhaupt nur unter grösstem Misstrauen im selben Raum wie ich aufhält, was das Training irgendwie recht massiv erschwert… 😦

Nachtrag 2: → Es geht nun doch wieder weiter