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Wie erkenne ich einen guten Tierarzt?

Wie kann der verantwortungsgewillte, aber unerfahrene Tierhalter feststellen, ob sein Tier und er selbst bei einem Tierarzt wirklich in guten Händen sind? Und wie verhält man sich als Tierhalter selber konstruktiv? Eine kleine Checkliste.

Vielleicht sind Sie auch kein unerfahrener Tierhalter – doch auch 30 Jahre „Erfahrung“ schützen im Vertrauensfall vor Fehlern nicht, wie ich im Social-Media-Austausch schon oft feststellen musste.

Sie sind vielleicht sogar überzeugt, dass Sie bereits einen super Tierarzt haben? Gehen da aber eigentlich nicht wirklich so gerne hin – Ihre Tiere dann vermutlich noch weniger. Oder Sie hatten das ein oder andere Mal zwar das Gefühl, nicht wirklich verstanden zu haben, was der Tierarzt da palavert – aber wird schon richtig sein?

Auch dann sind Sie herzlichst eingeladen, sich das Folgende aufmerksam durchzulesen. Ich weiss, wovon ich spreche: Ich vertraute auch einer Tierarztpraxis, in der meine Eltern zuvor mit unseren Haustieren schon immer waren. Ich fühlte mich dort zwar nicht so richtig wohl – aber ich kannte es nicht anders. Bis ich den erschütternden Preis dafür zahlte:  Wie erkenne ich einen guten Tierarzt? Teil 1

Solange höchstens mal eine Impfung, Entwurmung oder Kastration ansteht, sollte das eigentlich jeder Tierarzt hinbekommen.

Allerdings – und das ist wichtig: Jeder Eingriff an einem lebenden Körper kann schief gehen. Es können Tiere aufgrund der Narkose trotz allergrösster Sorgfalt und Kompetenz sterben, es kann bei bestimmten Impfungen zu Sarkomen kommen oder ganz doof gesagt, kann das Tier auf dem Weg zum Tierarzt in einen Autounfall verwickelt werden und sterben.

Was ich sagen möchte: Nicht an allem, was absurd schief laufen kann, sind Tierärzte schuld.

Doch wenn das Tier mal ernsthaft erkrankt, lernt man seinen Tierarzt erst richtig kennen. Und bitte keine falsche Scheu: Wer Zweifel hat, sollte sich schleunigst nach einer neuen Praxis umsehen. Wir Tierhalter sind zahlende Kunden – keine Bittsteller.

Die folgenden Tipps habe ich aufgrund eigener früherer Erfahrungen sowie Schilderungen anderer Tierhalter privat, in Foren oder Social Media zusammengestellt – ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Aber hoffentlich zum Nutzen anderer. Verinnerlichen Sie die Basic-Checkliste:

  • Was?
  • Warum?
  • Wie?

Und noch einige Aspekte darüber hinaus:

Was Tierhalter tun können

    • Schieben Sie nicht einfach alle Verantwortung auf Ihren Tierarzt: Wenn bei der Behandlung eines Haustiers etwas schief läuft, tragen wir Tierhalter die Verantwortung – und unsere Tiere die Konsequenzen. Deswegen dürfen wir auch Ansprüche stellen, Behandlungsentscheidungen in Zweifel ziehen und bei Bedarf eine Zweitmeinung einholen.
  • Zugleich sollten Tierhalter bemüht sein, dem Tierarzt seine Arbeit zu erleichtern, indem sie möglichst präzise schildern (bestensfalls zur Terminvereinbarung – da Sie bis zum Termin evtl. schon diagnostisch wertvolle Massnahmen treffen können), welche Symptome sie alarmierten und wann die Verhaltensveränderung des Tiers etwa festgestellt wurde. Je genauer und sachlicher, desto besser.
  • Weiter sollten Tierhalter bemüht sein zu verstehen, was der Tierarzt erläutert bzw. wenn es sich dabei um ein eher introvertiertes Exemplar handelt, gezielt nachfragen, was, weshalb, warum.
  • Weniger konstruktiv ist es, dem Tierarzt schon eine internet-generierte Ferndiagnose um die Ohren zu hauen oder mit Forderungen anzutanzen. Falls man tatsächlich etwas Interessantes zu den Symptomen gelesen/gehört zu haben meint, kann man auch dazu gezielt nachfragen. Und zieht dann Schlüsse aus der Reaktion des Angesprochenen. Aber nicht vergessen: Der da hat (hoffentlich) Tiermedizin studiert – Google oder Facebook haben definitiv nicht Tiermedizin studiert.

Was den kompetenten Tierarzt ausmacht

1. Ein kompetenter Tierarzt wird Sie nie ohne Diagnose nach Hause schicken.
Wobei auch die Feststellung, dass einem Tier nichts fehlt, in diesem Sinne als „Diagnose“ gelten kann. Der Tierarzt wird dann jedoch genau erläutern können, inwiefern die Sorgen des Tierhalters unbegründet waren: Namentlich:

  • was er aufgrund der Schilderungen des Tierhalters als Ursache in Betracht zog,
  • was er aufgrund dessen medizinisch abklärte und
  • warum er zum Schluss kam, dass medizinisch nichts vorliegt.

Er wird auch erläutern, was stattdessen zur Verhaltensänderung geführt haben könnte.

Beispiel: Eine Katze frisst mit merklich weniger Appetit als gewohnt, was medizinisch diverse Ursachen haben könnte, die der Tierarzt jedoch durch seine Untersuchungen ausschliessen konnte. Evtl. ist es draussen aber gerade seit Tagen fast 40 Grad heiss, was auch bei Menschen häufig zur Einbusse des Appetits führt.

Der fürsorgliche Tierarzt würde dann aber auch Hinweise geben, wie der Tierhalter seiner Katze die Affenhitze erträglicher machen kann und worauf er zu achten hat, falls die Katze ihr Verhalten nicht bald wieder normalisiert.

Evtl. wird er dann zu einem Spezialisten raten, der weitere Untersuchungen vornehmen kann, die er zum Zeitpunkt der Erstkonsultation aber für nicht dringlich erachtet. Selbstverständlich steht es dem Tierhalter frei, sofort auf die Konsultation eines Spezialisten zu bestehen.

Möglicherweise sind auch unterschiedliche Diagnosen denkbar – dann wird Ihr Tierarzt Ihnen das weitere Vorgehen erläutern, wie man über weitere Untersuchungen oder per Ausschlussverfahren so schnell wie möglich auf die richtige Diagnose kommt.

Merke:
→ Wenn Sie die Tierarztpraxis verlassen, muss Ihnen klar sein, was die Symptome Ihres Tieres verursacht hat – oder haben könnte. Also eine schlüssige Antwort auf die Frage: WAS?

→ Auf keinen Fall wird sich ein verantwortungsbewusster Tierarzt in irgendeiner Weise abfälig über Ihre Sorgen äussern, indem er Sie zB. lächerlich macht oder gar tadelt.

2. Ein kompetenter Tierarzt wird Sie nicht auf Verdacht mit Medikamenten eindecken.
Oft hört man von ratlosen Tierhaltern, dass sie ihrem Tier irgendwelche Medikamente geben sollen und auf Nachfrage können sie nicht beantworten, wofür oder wogegen die wirken sollen.

Das kann natürlich auch daran liegen, dass der Tierhalter in der Aufregung einfach nicht verstanden hat, was der Tierarzt ihm erklärte. Das kann mal passieren.

Aber es darf nicht so bleiben: Dann fragen Sie nochmals freundlich nach, warum Sie welche Medikamente geben sollen, was die erhoffte Wirkung ist und bis wann diese Wirkung feststellbar sein sollte – und vor allem, was zu tun sei, wenn diese Wirkung sich nicht wie erhofft einstellt. Ein fürsorglicher Tierarzt wird Ihnen nochmals erläutern, was seine Überlegungen dazu waren und was Ihr Part in dem Ganzen ist (zB. Wirkung dokumentieren, Zeitfenster einhalten – und natürlich dafür zu sorgen, dass Ihr Tier die Medis dann bekommt, wenn es angezeigt ist, um die Wirkung zu erzielen)

So mancher Tierarzt scheint es jedoch völlig normal zu finden, dass er keinen Schimmer hat, was die medizinische Ursache bestimmter Symptome sein könnte, aber ein Breitband-Antibiotikum wirds schon richten.

Merke:
→ Wenn Ihr Tierarzt Ihnen nicht schlüssig erläutern kann oder will, warum er Ihrem Tier welche Medikamente verabreicht, wechseln Sie bitte umgehend die Praxis: Ein solcher Tierarzt hat nicht nur keine Ahnung, sondern offensichtlich auch keinerlei Verantwortungsbewusstsein. Da hilft gar nichts mehr.

→ Ein verantwortungsbewusster Tierarzt wird Sie mit folgenden Fragen nie allein lassen: WARUM und WIE?

3. Ein kompetenter Tierarzt nimmt Ihre Fragen und Sorgen ernst.
Wenn Sie sich schon scheuen, den Tierarzt „mit Fragen zu belästigen“, läuft irgendetwas sehr schief. Glauben Sie mir.

Entweder sind Sie zu bescheiden (dann ändern Sie bitte schleunigst Ihre Anspruchshaltung – zum Wohle Ihrer Tiere) – oder der Tierarzt gibt Ihnen bei jeder Gelegenheit zu verstehen, dass Sie sowieso keine Ahnung haben, irgendwie auch lästig sind und einfach zu tun haben, was er sagt. Falls Ihnen Letzteres bekannt vorkommt: Suchen Sie eine neue Praxis. So schnell wie möglich.

Ein kompetenter und verantwortungsvoller Tierarzt hingegen wird Ihnen so oft auf Ihre Fragen antworten, bis Sie seine Antworten verstanden haben. Wenn er richtig gut ist, fragt er nochmals wohlwollend nach, ob alles klar ist.

In komplexeren Krankheitsfällen kann es von Nutzen sein, Diagnose, Therapie und weiteres Vorgehen inkl. erhoffte Fortschrittsziele und Zeitfenster schriftlich festzuhalten, damit Sie in Ruhe nochmals – und immer wieder – nachlesen können, was nun zu tun sei. Ein anständiger Tierarzt wird Ihnen diese Dienstleistung nicht zusätzlich in Rechnung stellen.

Wenn Sie zwar meinen, alles verstanden zu haben, mit dem weiteren Vorgehen aufgrund der Diagnose aber nicht einverstanden sind, wird ein verantwortungsbewusster Tierarzt Ihre Zweifel ernst nehmen, mögliche weitere Untersuchungen/alternative Therapien mit Ihnen wohlwollend besprechen – und Ihnen auch die Konsequenzen aller möglichen Therapievarianten aus seiner Sicht geduldig, klar und stets freundlich darlegen. Entscheiden müssen nämlich am Ende Sie.

Merke:
→ Nicht vergessen: Letztlich liegt das Wohl Ihres Tieres allein in Ihrer Verantwortung – Sie und Ihr Tier müssen mit den Konsequenzen leben. Darum treffen Sie Ihre Entscheidungen stets wohl bedacht.

4. Ein kompetenter Tierarzt wird Ihnen nichts ein- oder ausreden wollen.
Wenn Sie zB. bei der Diagnose Krebs bei Ihrem Tier lieber mit Globuli hantieren wollen, statt eine möglicherweise lebensrettende, dringende OP einzuleiten, darf Ihr Tierarzt mit all seinem Herzblut an Sie appellieren, der OP den Vorzug zu geben. Und ich persönlich hoffe bei diesem Beispiel, dass Sie auf Ihren Tierarzt hören werden 😉

Aber: Ein kompetenter Tierarzt wird Sie mit sachlichen Argumenten zu überzeugen versuchen – er wird Sie nicht unter Druck setzen oder gar persönlich werden.

Wesentlich häufiger kommt es offenbar vor, dass Tierhalter mit klarer Einstellung zu (ihrer Meinung nach) tiergerechter Fütterung oder Impfskeptiker sich davon belästigt fühlen, dass ihnen ihr Tierarzt ständig bestimmte Futtersorten oder die Impfsequenzen vorschreiben will.

Ich möchte bei diesen konkreten Fragestellungen nicht zur Sache selbst äussern: Ich persönlich höre auf meinen Tierarzt, wenn er im Krankheitsfall bestimmtes Futter empfiehlt (bisher stets mit durchschlagendem Erfolg) oder auch auf seine Impfempfehlungen – das hängt damit zusammen, dass er mich in wesentlich komplexeren Krankheits-Fragestellungen immer korrekt beraten hat. Aber unser Tierarzt respektiert zB. auch, dass ich meinen Katzen partout kein Trockenfutter geben möchte – und gut ist.

Wichtig ist, dass Sie Ihrem Tierarzt auch sagen können, falls Sie gewisse nicht unmittelbar lebensentscheidenden Fragen lieber so handhaben möchten, wie Sie es für richtig halten – er sollte das respektieren und Ihnen nicht (weiterhin) das Gefühl vermitteln, dass er an Ihnen nur Geld verdienen will, indem er Produkte empfiehlt, die Sie für zweifelhaft halten. Ausser: Er hätte medizinisch fundierte Argumente dafür.

Merke:
→ Bei nicht unmittelbar lebensentscheidenden Fragen sollte Ihr Tierarzt Ihnen Ihre Meinung lassen, solange er nicht fundiert argumentieren kann, inwiefern Ihre Haltung früher oder später womöglich lebensentscheidend werden könnte (zB. wenn Sie Ihre Katze vegan ernähren wollen – da sollte der Tierarzt Sie tatsächlich eines Besseren beraten).

5. Ein kompetenter Tierarzt wird Sie auch in Ihrer schwersten Stunde nicht im Stich lassen.
Unser aller Leben ist endlich – und so wird früher oder später für jeden Tierhalter der Moment des Abschieds kommen – machen Sie sich nichts vor: Dieser Moment wird kommen.

Ein fürsorglicher Tierarzt wird Sie auch in der ggf. Palliativpflege Ihres Tiers liebevoll begleiten, Ihnen helfen zu erkennen, wann der „richtige Moment“ ist (nicht zu früh – aber auch nicht zu spät) und er wird die irgendwann unvermeidliche Einschläferung sanft vollziehen, Ihnen erklären, wann was passiert – damit Sie den Prozess bewusst vollziehen können – denn ab jetzt müssen nur noch Sie damit leben, Ihr Haustier nicht mehr. Das ist schlimm genug – machen Sie es nicht noch schlimmer, indem Sie unvorbereitet in diese Situation gehen.

Und kommen Sie bloss nicht auf die komplett bescheuerte, egoistische Idee, der „natürliche Tod“ sei bei einem Haustier ja das „Beste“. Falls Sie zu solchen Ideen neigen, lesen Sie bitte unbedingt meine eigene schwerwiegende Fehlinformation damals dazu – und was ich meinem geliebten Kater deswegen antat: Ich gestehe: Ich habe versagt. Teil 2

Unterschätzen Sie diesen Moment nicht, wenn Ihr geliebtes Tier Sie verlassen muss. Bereiten Sie sich darauf vor. Nur so können Sie Ihre Verantwortung in aller Konsequenz wahrnehmen – und so auch Frieden mit dem Unabwendbaren schliessen.

Auch eine „geplante“ Einschläferung kann traumatisch sein, wenn Ihr Tierarzt Sie nicht darauf vorbereitet, was gleich passieren wird. Lassen Sie sich alles ganz genau erklären.

Ein mitfühlender Tierarzt wird Ihnen für eine absehbare Einschläferung keinen Termin in der „rushhour“ geben, in der alle auf die Uhr gucken, wann Sie endlich „fertig“ sind.

Ein mitfühelnder Tierarzt wird nach Vollzug des nicht mehr Abwendbaren (hoffentlich!) den Raum verlassen und Ihnen die nötige Zeit geben, um Abschied zu nehmen. Wenn er zudem vorausschauend ist, wird er den toten Körper auf ein Handtuch gebetet haben (Sie werden verstehen, wenn Sie es erleben) und für Sie dezent Taschentücher parat stellen.

Ich persönlich habe zwei traumatische Einschläferungen miterlebt – und glauben Sie mir: Das wünsche ich niemandem.

Weil ich aber nun eine grossartige Klinik für meine Tiere habe, viel dazulernte und in jeder Hinsicht wundervoll begleitet bin, waren die drei nächsten Einschläferungen, die ich zu verantworten und begleiten hatte, zwar sicherlich überaus schmerzlich, aber immerhin nicht verstörend.

Und noch kleine Randbemerkung: Es soll Tierhalter geben, die ihre Tiere beim Einschläferungstermin am Empfang abgeben und dann das Weite suchen (ich habe das im Warteraum des Zürcher Tierspitals mehr als einmal selber miterlebt und auch im Bekanntenkreis). Jeder muss selber wissen.

Ich persönlich spucke auf die „Liebe“ solcher Leute – Entschuldigung.

Wer den Sterbeprozess angeblich geliebter Mitwesen – ob Mensch oder Tier – an andere delegiert, hat nicht verstanden, was Liebe und Verantwortung in all ihrer Tiefe bedeuten.

Sie werden vielleicht im ersten so fürchterlich finsteren Tunnel des Schmerzes leichter verdrängen können – aber nicht verarbeiten und daran wachsen. Sie werden im Gegenteil nie den Ausgang aus dem Tunnel finden und in echtem Seelenfrieden an das Wesen zurückdenken können, das sie im hilflosesten Moment seines Seins im Stich liessen.

Der Tod ist die unabwendbare Konsequenz des Lebens. Wer das nicht begriffen hat und versucht, sich davon „fernzuhalten“, sollte keine Verantwortung für andere Lebewesen übernehmen. Meine Meinung.

Merke:
→ Verdrängen Sie den Tod nicht. Er kommt. Immer. Bei jedem. Tun Sie nicht so, als würde Ihr Haustier ewig leben. Machen Sie sich Gedanken darüber, wie Sie damit umgehen wollen, wenn es so weit ist. Mein Beitrag dazu könnte vielleicht helfen: Der Abschied

Warum dieser Beitrag?

Ich selber habe so vieles falsch gemacht in der Vergangenheit – ich hatte rund 10 Jahre lang zwei eigene Katzen (also nach meinem Elternhaus), in denen nie was war. Nichts: Keine Erkältung – einfach nichts.

Doch dann wurden nicht nur diese zwei Katzen auch mal „alt“ (viel älter als ich je erhofft hätte: 21 und 23) und ich entschied mich, meine Katzengruppe zu erweitern. Und damit wuchs natürlich meine Erfahrung – da jedes Wesen ein Individuum ist und seine eigene Geschichte mitbringt.

Aber falls Sie jetzt vermuten, dass die Erweiterung der Katzengruppe Probleme mit sich brachte: Nein, das nicht. Nur: Jedes Tier hatte seinen Rucksack dabei – und ich war damals nicht dafür gewappnet.

Nachdem ich erstmals in meinem Katzenhalterleben mit ernsten Katzenkrankheiten konfrontiert war und leider auf voller Linie versagte, da ich damals all das, was ich oben schrieb, nicht wusste, bin heute von Herzen dankbar, inzwischen wirklich für alle Fälle von kompetenten und fürsorglichen Tierärzten umgeben zu sein: Sowohl in unserer aktuellen Klinik wie auch im Tierspital.

Wir hatten inzwischen hier an Krankheiten: Gingivitis/Hepatitis, HCM, Krebs, CNI, ANV, SDÜ, Pericarditis, Vestibulärsyndrom – ach, und ich weiss gar nicht mehr, reicht ja auch erstmal 😛 Und FIV nannte ich hier bewusst nicht, denn in meinen Augen ist FIV keine „Krankheit“, sondern vor allem erstmal Diagnose. Und nicht mal das.

Und ich bin verdammt froh, mittlerweile so grossartige Tierärzte zu haben, die uns fachlich kompetent, menschlich fürsorglich und tierisch liebevollst auf all unseren Wegen an der Hand/Pfote nehmen.

Wie findet man einen kompetenten Tierarzt?

Man kann natürlich im Internet gucken:

Wie erkenne ich einen guten Tierarzt? Teil 1

Ich möchte hier gerne erläutern, wie Tierhalter erkennen können, ob sie bei ihrem Tierarzt in rundum guten Händen sind. Denn einst zahlte ich den höchstmöglichen Preis dafür, selbst zu spät erkannt zu haben, dass wir es nicht waren. 

Teil 1 ist der schwere Teil, den ich gerne jedem liebenden Tierhalter würde ersparen wollen. Ich wünsche wirklich niemandem, am verfrühten Tod seines geliebten Tiers mitschuldig zu sein – so wie ich es bin.

Dieser Beitrag ist in unvergänglicher Liebe gewidmet: Mogwai † 26. November 2009

mogwai_sternchen

Als ich fassungslos auf ihren sterbenden kleinen Körper starrte, hörte ich wie durch Watte den Tierarzt sagen: «Wir raten ja immer davon ab, solche ausländischen Strassenkatzen aufzunehmen: Die sind fast immer problematisch.»

Meine geliebte Katze Mogwai starb am Abend des 26. November 2009. Hätte ich morgens – als ich sie in die Praxis brachte – auch nur im Ansatz geahnt, wie krank sie ist, wäre ich direkt in die Notaufnahme unseres Tierspitals gefahren. Aber ich ahnte es nicht. Ich hatte im Wortsinne keine Ahnung. Und man hat es mir einen ganzen Tag lang auch nicht gesagt. Erst als es zu spät war.

Ich war seither nicht mehr in dieser Praxis und habe nicht vor, je wieder dahin zu gehen: Meine Vertrauenskurve schiesst nicht nach oben, wenn ein Tierarzt kranke Tiere für «problematisch» hält.

Tierärzten, die ihre Kunden behalten wollen, möchte ich daher ans Herz legen, den folgenden kleinen Kurz-Knigge auswendig zu lernen.

3 Dinge, die ich nicht sagen sollte, wenn ein Katzenhalter vor mir steht, der gerade sein geliebtes Tier verloren hat:

  1. War doch nur eine Katze.
  2. Ich mag sowieso lieber Hunde.
  3. Dieses Tier war problematisch.

Mein Ex-Tierarzt hatte aufgrund von Mogwais Krankheitsverlauf schon früh vermutet, dass sie damals in Spanien vergiftet wurde. Tatsächlich ist es an vielen Orten Spaniens ein durchaus übliches Vorgehen, Giftköder auszulegen, auf die sich die ausgehungerten Strassenkatzen natürlich blindlings stürzen – im Glauben, man wolle ihnen Gutes tun.

Jene enttäuschten Seelen, die nicht sofort ein qualvoller Tod ereilt, sterben nach nur rudimentärer Erstversorgung oft Monate später an den Schäden, die das Gift an ihren Organen anrichtete. Was in einem Menschen vorgeht, der so etwas anrichtet, entzieht sich meiner Vorstellungskraft.

Mogwai war die unbekümmerte Lebensfreude selbst – ich dachte, wir hätten alles überstanden. Doch dann holte die Vergangenheit sie ein. Sie wurde nicht mal drei Jahre alt.

Doch ich bin ja keine rachsüchtige altägyptische Gottheit mit Hang zu bizarren Bestrafungsritualen. Und ich werde auch mein Karma nicht besudeln, indem ich Giftköder auslegenden Menschen Böses wünsche.

Lassen Sie es mich vielmehr so formulieren: Es würde mich nicht die Bohne erschüttern, sollte sich der Zorn der Schöpfung über dieses hinterhältige Vergehen an ihrem Werk darin äussern, dass solchen Leuten alles abfault, was ihnen wichtig ist. So weit die erzieherische Massnahme.

Ich fände es darüber hinaus keineswegs übertrieben, bestünde die eigentliche Strafe für einen heimtückischen Giftmischer darin, dass er wiedergeboren wird. Zum Beispiel in einer ausgehungerten spanischen Strassenkatzenkolonie. Und zwar als Maus. Immer und immer wieder – bis ans Ende aller Tage.

Doch eigentlich wünsche ich solchen Leuten gar nicht, dass sie Schaden erleiden – der angerichtete Schaden und das Leid sind schon gross genug.

Vielmehr würde ich mir wünschen, dass Menschen, die mutwillig oder auch aus Unwissenheit anderen Lebewesen Qualen bereiten, in aller Deutlichkeit gewahr werden, welches Leid sie anrichten, ihr Tun aufrichtig bedauern und künftig respektvoll mit Leben in jeder Form umgehen. Das allein könnte mir eventuell etwas Trost sein.

Und mit Letzterem meine ich nicht nur hinterhältige Giftmischer.

Sondern auch Tierärzte, die über Leben, Lebensqualität und Tod entscheiden. Und Tierhalter, die sich informieren könnten – und den Tierarzt wechseln, wenn nicht alles auf Grün steht.

Ich geissle mich noch heute dafür, dass ich in Mogwais Fall blind auf einen Tierarzt vertraute, statt mich mit ihren Gebrechen auseinanderzusetzen.

Ich blicke noch heute nachts oft hoch zu den Sternen und bitte sie um Verzeihung.

 

Diese Diashow benötigt JavaScript.

2009 war ich noch sehr unbedarft, was Katzenkrankheiten anging. Mogwais Tod war zwar unnötig, aber nicht umsonst: Seither musste ich weitere Katzen (Palliativfälle) gehen lassen. Das tat auch jedesmal weh. Doch dank Mogwai fand ich eine Tierklinik, die keine rassistischen Vorurteile hat, die uns in allen Belangen stets zur Seite steht – medizinisch, tiersozial und menschlich – und mir keinerlei Informationen vorenthält. Und wenn ichs beim vierten Mal noch immer nicht kapiert habe, dann erklären sie es mir nochmal – sie geben auch Tipps, wo ich mich unabhängig informieren kann, sollte ich noch immer Zweifel zum weiteren Vorgehen haben. Nie wollen sie mir irgendetwas ein- oder ausreden. Sie informieren mich – damit ich Entscheidungen mit bisweilen weitreichenden Folgen treffen kann. Und sie schicken mich umgehend mit meinem Patienten zu einem Spezialisten, wenn sie der Meinung sind, dass sie das in ihrer Praxis nicht im Sinne des vollumfänglichen Tierwohls händeln können.

Und dank Mogwai und unserer aktuellen Klinik schaffte ich es, LouLou, Omar und Mathilde in ihren Krankheiten und letztlich auf ihrem Sterbeweg medizinisch fundiert, menschlich gestützt und vor allem verantwortungsvoll bis zur Regenbogenbrücke zu begleiten, wo ich sie vorerst loslassen musste – bis wir uns wiedersehen.

Mogwai fehlt.

Aufgrund dieser Erfahrungen stellte ich ein kleines Lexikon „Wie erkenne ich einen guten Tierarzt“ zusammen. Ich werde es demnächst an dieser Stelle publizieren. Damit Sie alle es besser machen, als ich damals. Und dann war Mogwais Tod nicht umsonst ❤

Hohe Tierarztkosten? Mitmachen und mit etwas Glück gewinnen!

Heute möchte ich euch auf eine Verlosung aufmerksam machen, die ich für eine gute Sache halte: Schickt eure Tierarztrechnungen der letzten 24 Monate bis spätestens 31. Oktober 2014 an http://www.vergleichen-und-sparen.de – und mit etwas Glück wird eure eingeschickte Rechnung bezahlt.

Text des Veranstalters (leider können nur in Deutschland wohnhafte Tierhalter mitmachen): 

vergleichen-und-sparen.de zahlt Ihre Tierarztrechnung: Jetzt großes Gewinnspiel!

Waren Sie mit Ihrem Hund oder ihrer Katze in den letzten 24 Monaten (Rechnungsdatum ab 01.08.2012) bei Ihrem Tierarzt? Dann nehmen Sie jetzt an der Verlosung teil.

Senden Sie uns Rechnungen Ihres Tierarztes aus den letzten 24 Monaten und mit ein wenig Glück übernehmen wir die Kosten einer Rechnung für Sie. Noch bis 31. Oktober ziehen wir aus allen Einsendungen jeweils an jedem Freitag einen Gewinner und erstatten diesem umgehend den Betrag der Rechnung auf sein Konto.

Wenn Sie mehrfach beim Tierarzt waren, können Sie uns natürlich alle Rechnungen übersenden. Jede Rechnung ist wie ein einzelnes Los. Dabei ist es völlig unerheblich, ob Ihr Tier versichert ist oder nicht – auch NICHT-Kunden sind herzlich eingeladen, an unserer Verlosung teilzunehmen. → Teilnahmebedingungen und -formular (Bildnachweis: http://www.vergleichen-und-sparen.de)


 

Wie erkennt man, dass eine Katze krank ist?

Katzen sind wahre Meister darin, Schmerzen zu verbergen. Es kann Leben retten, ihre verbissene Tapferkeit zu ignorieren.

«Meine Katze jault laut auf, wenn ich sie hochhebe», erzählte mir der Bekannte, «warum macht sie das?» Ich sah ihn leicht irritiert an: «In welchen Momenten des Lebens jaulst du laut auf? Na?» Der Bekannte war ehrlich verblüfft: «Meinst du, ihr tut etwas weh?»

Liebe Katzenhalter dieser Welt: Wenn Ihre Katze auf eine Berührung hin laut aufjault, hat sie Schmerzen. Die Ursache dafür sollten Sie bitte umgehend von einem Tierarzt abklären lassen. Danke.

Oft machen es uns Katzen aber tatsächlich sehr schwer zu erkennen, dass sie krank sind oder Schmerzen haben. Denn Katzen sind Meister darin, jede Schwäche zu verbergen – das liegt an ihrem Selbsterhaltungstrieb: In freier Wildbahn würde ein durch Krankheit oder Verletzung angeschlagenes Tier im täglichen Überlebenskampf schnell zum Opfer von Angriffen. Dieses Wissen liegt ihr so sehr im Blut, dass sich eine Katze eher die Zunge abbeisst als rumzujammern.

Wie zeigt eine Katze Schmerzen?

Grundsätzlich ist jede Verhaltensänderung einer Katze Anlass, sich genauer mit ihr zu befassen und die Beobachtungen allenfalls einem Tierarzt zu schildern: Wer nicht gleich hinfahren möchte, kann auch erstmal telefonisch um eine fachliche Einschätzung bitten. Typische Anzeichen für mögliche Erkrankungen sind zum Beispiel:

  • Wenn sie matt wirkt und/oder deutlich mehr schläft als normalerweise, kann das auf verschiedenste gesundheitliche Probleme hindeuten.
  • Wenn sie keinen Appetit zeigt oder trotz Appetit nicht recht fressen mag, könnten zum Beispiel Zahn- oder Zahnfleischprobleme die Ursache sein – oder ungefähr tausend andere Erkrankungen.
  • Wenn die Katze unangenehm aus dem Maul riecht, könnten ebenfalls kaputte Zähne oder entzündetes Zahnfleisch die Ursache sein.
  • Wenn die Katze unrein wird, muss zunächst abgeklärt werden, ob als wahrscheinlichste Ursachen schmerzhafte Blasen- oder Nierenprobleme vorliegen – und nicht etwa «Protest»-Verhalten wie oft fälschlich vermutet. Besonders in Stresssituationen (Umzug, neue Katze ist eingezogen et cetera) wird der unreinen Katze oft Trotzigkeit unterstellt. Sinnvoller wäre es, zunächst abzuklären, ob der Stress bei dem sensiblen Tier nicht womöglich eine Blasenentzündung ausgelöst hat.
  • Wenn die Katze aggressiv ist, gar kratzt oder beisst, kann auch das auf Schmerzen hindeuten – und nicht etwa auf die Katzen zu Unrecht oft unterstellte Arglist und Heimtücke.
  • Wenn sie sich weniger bewegt als früher, nicht mehr spielt oder weniger springt, quälen sie allenfalls Gelenkprobleme.
  • Wenn sie plötzlich viel mehr trinkt als gewöhnlich, könnte das unter anderem ein Indiz für eine Nierenerkrankung sein.
  • Wenn sie sich häufig übergibt, sollte man ebenfalls alarmiert sein, da die Katze dann auch schnell dehydrieren kann.
  • Wenn sie sich nicht mehr richtig putzt, ist ihr Bewegungsapparat eventuell eingeschränkt.
  • Wenn sie sich plötzlich selber Haare ausreisst oder sich wie verrückt putzt, könnte sie womöglich Juckreiz quälen – ausgelöst zum Beispiel durch Parasiten oder eine Futtermittelallergie.
  • Wenn sie sich plötzlich verkriecht, ist das auch selten ein gutes Zeichen.
  • Wenn sie plötzlich mehr miaut als gewohnt, könnten unter anderem Gehörprobleme die Ursache sein. Oder natürlich einfach Schmerzen – dann ist es aber aus den genannten Gründen allerhöchste Zeit, einen Tierarzt zu konsultieren.

Dies ist nur eine bescheidene kleine Auswahl an Verhaltensauffälligkeiten, die Katzenhalter alarmieren sollten – zumal wenn sie über mehrere Tage auftreten.

Das heisst nun nicht, dass Sie bei jedem Pups Ihrer Katze gleich an Darmkrebs denken müssen – aber Sie sollten Auffälligkeiten bitte ernst nehmen. Und wenn Sie jetzt denken: «Das ist doch übertrieben, meine Katze zeigt mehrere dieser Verhaltensweisen», dann wissen Sie ja jetzt, was zu tun ist…

Und noch eine Bitte: Sollten Sie bei Ihrer Katze eine beunruhigende Verhaltensänderung feststellen, fragen Sie bitte zuerst den Tierarzt Ihres Vertrauens und nicht ein Forum oder eine Internetsuchmaschine: Denn während Sie googeln oder in einem Forum diskutieren, leidet Ihre Katze womöglich bitterlich – schlimmstenfalls ringt sie sogar gerade mit dem Tod und hält sich dabei einfach nur ihrer Natur gemäss verdammt tapfer. Alles schon vorgekommen.

Als mein Bekannter sich dann doch noch aufraffen konnte, seine jaulende Katze zu einem Tierarzt zu bringen, stellte sich heraus, dass sie am Schwanzansatz einen üblen Abszess hatte, die Wunde durch und durch vereitert war und zweifellos scheusslich weh tat. Gut, haben wir darüber geredet.

Tierärzte/Notfälle

  • Hier können Sie schweizweit nach Tierärzten suchen: → www.vet-look.ch
  • → Tierkliniken mit 24-h-Notdienst (CH) – suchen Sie bitte eine Klinik raus, bevor Sie sie brauchen und speichern die Nummer im Handy.
  • Tierarztsuche Deutschland: → www.tierarzt-onlineverzeichnis.de
  • Vergiftungen: 24-h-Notruf (Tel. 145) und viele Infos rund um Vergiftungen bei Mensch und Tier: → www.toxi.ch

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