Archiv der Kategorie: Katzenkrankheiten

Run free, Max <3

Heute gegen 11 Uhr musste ich meinen „Sturkopf“ Max gehen lassen. Ich bin gerade etwas überfordert. Eigentlich ist auch alles gesagt. Ausser eins noch: DANKE!

Max kam ja auf etwas ungewöhnliche Weise im März 2015 zu uns. Im Juli 2016 wurde durch einen wirklich absurden Zufall im Tierspital ein absolut tödliches Lymphom bei ihm diagnostiziert. Die Fachärzte sagten damals schon: Es kann morgen vorbei sein – wenn wir Glück haben, noch ein paar Wochen. Weihnachten wird er wohl nicht mehr erleben.

Max-Tierspital-2

Hat er auch nicht. Heute musste ich ihn gehen lassen – ich möchte seine Würde wahren und zeige weder Fotos seiner letzten Tage/Stunden (ich habe auch keine mehr gemacht) noch beschreibe ich näher, was mit seinem Körper im Begriff war zu geschehen.

Aber bis gestern wussten wir nicht, wie extrem schnell am Ende alles gehen wird.

Max blieb wesentlich länger stabil und scheinbar „gesund“ als die Ärzte vermuteten. Doch kurz nach der Diagnose veränderte er sein Verhalten als hätte er uns verstanden.

Er war ja ein Fundkater und man wusste, er war offenbar Zeit seines Lebens Freigänger. Er arrangierte sich dann hier aber zunächst mit Wohnungshaltung. Es lief alles so weit prima. Bis zur Diagnose.

Ab da versuchte er auszubrechen – als hätte er verstanden, dass ihm nicht mehr viel Zeit bleibt?

max-sommer2016-3

Er wanderte erst über die Dachrinnen zu den Nachbarn, die ihn glücklicherweise liebevoll gewähren liessen und mehr als das: Herzlichst willkommen hiessen ❤ Ja, ich war mitunter schon auch neidisch, ja. Bin auch nur ein Mensch – aber Francisca machte das alles auch wirklich super ❤

max-francisca3

Zum Herbst hin reichte ihm das aber nicht mehr. Er wollte noch mehr von seinem kurzen Leben. Wir fanden das nicht leicht, aber wir verstanden.

Glücklicherweise fand ich in einer langjährigen Freundin jemanden, die bereit war, ihm für die letzten Wochen ein perfektes Zuhause als Freigänger zu bieten – etwas ausserhalb der Stadt, aber noch erreichbar. Und so brachte ich ihn Mitte Oktober schwersten Herzens dorthin. In sein persönliches Katzen-Paradies, wie wir nur hoffen konnten. Nicht wissend, ob das für ihn (und uns) so hinhaut, wie ich hoffte. Kaum jemand mochte an meine Vision für Max glauben – aber sie haben mitgemacht (danke!!) Allen voran meiner Freundin, die eigentlich überhaupt nie nix Haustiere haben wollte – und sich dann in kürzester Zeit zur perfekten Katzenmama mauserte 😀 ❤ Grossartig!

max-freedom

 

max-freedom2 freedom-2

 

max-freedom3Wir hatten hier in Zürich das Glück eines gar zauberhaften Oktobers – Herbst, Herbst, Herbst, aber von seiner „wärmsten“ Seite ❤ Und glaubt mir: Max tobte sich nochmal richtig aus – ich habs auf dem GPS ja gesehen und mich aus der Ferne so für ihn gefreut – und manchmal auch gedacht: Junge! Passuf!

wanderungen-max1

Doch dann wurden seine Touren schon bald kleiner.

Die letzten Tage aber baute Max sehr krass ab.

Letzten Samstag waren meine liebe Nachbarin Francisca, die Max immer herzlichst willkommen hiess, und ich nochmal in Max‘ neuem Zuhause. Für einen sterbenden Kater zeigte er sich nochmal sehr agil. Er kam sogar auf uns zu, als wir nach ihm riefen ❤

max-november-1 max-november-2

 

Aber uns war beiden klar, dass es jetzt nicht mehr lange dauert…

Diese wundervollen Erinnerungsfotos hat übrigens Francisca gemacht – sind sie nicht ebenso zauberhaft wie treffend in Anbetracht von Max‘ Situation auch?

Die letzten Fotos von ihm:

max-lastdays max-november-10

 

Max. Wir waren uns nicht immer über alles einig 😉 Und ja – manchmal … als du solchen Terror machtest, weil du raus wolltest, wusste ich nicht, was ich noch denken sollte. Ich war mitunter verzweifelt, vor allem auch weil ich sah, wie sehr du dir etwas wünschst, was ich dir nicht geben kann.

Aber dein Wunsch war mein Antrieb, es zu schaffen, ihn dir zu ermöglichen. Allein hätte ich es allerdings nicht geschafft. Du hast mich jedoch sehr eindringlich an etwas erinnert, was uns Menschen manchmal in Vergessenheit gerät:

Vielleicht ist „die Welt“ manchmal ein Arschloch – wenn zB. geliebte Wesen unausweichlich dem Tod geweiht sind. Doch erleben zu dürfen, wie sogar Menschen, die ich zuvor nicht kannte und sogar solche, die ich noch immer nie persönlich traf, die nicht erklärte „Tierschützer“ sind, einfach „nur“ Nachbarn und Freunde alles tun, um den Traum eines Tiers – meines Katers Max – zu erfüllen, weiss ich wieder: Wir können es, wenn wir alle nur wollen. Wir können fast alles schaffen, wenn wir zusammenarbeiten.

Diese Erinnerung ist Max‘ Erbe: Seid liebevoll, seid nachsichtig, helft, wann immer Ihr könnt – und die Welt wird ein besserer Ort. Nicht plötzlich, nicht für alle, aber Stück für Stück und irgendwann für alle. Max lehrte mich, daran wieder zu glauben ❤️

Max – ich liebe dich unendlich. Max ist nicht fort – nur woanders. Aber er fehlt ❤ Sein Erbe aber wird mir heilig sein. Run free, mein Schatz ❤

Meinen herzlichsten Dank auch an Francisca und Michi, Marina, ihren Nachbarn und die Tierärztin, die alles in ihrem vollen Terminkalender rumgeschoben hat, um Max einen würdevollen Abschied zu ermöglichen – ihr seid alle einfach wundervoll, danke!

Mad Max – bis zum bitteren Ende

Vor rund zwei Wochen bekam mein Kater Max die Diagnose Krebs. Lymphom. Unheilbar. Nichts zu machen.

Er: „Wie, nichts zu machen? Ich mache das Beste draus! Kannste drauf wetten.“

Als mein Kater Max hier vor rund anderthalb Jahren einzog, kannte man seinen Namen nicht. Ich entschied mich für den Namen Max. Mad Max. Besser hätt ichs nicht treffen können.

Wie treue Blog-Leser bereits wissen, ist Max ja im Endstadium Krebs (Lymphom inkl. Metastasen ohne Ende) und die Prognose – wie es im Bericht des Tierspitals dezent formuliert wird: „vorsichtig“. Auf Deutsch: Er wird sterben. Und das bald. Das hat man mir auch in keiner Weise verheimlicht.

Es geschah danach vieles. Mein Nervenkleid lag ein wenig in Fetzen. Nicht weil es Max gesundheitlich schlecht ginge. Im Gegenteil. Aber ich möchte es gerne für euch so „kurz“ 😉 wie möglich zusammenfassen.

Max hat nicht vor, einfach still zu sterben. Im Gegenteil nimmt er sich die noch schönen Seiten des Lebens. Glücklicherweise habe ich die grossartigsten Nachbarn der ganzen grossen weiten Welt ❤

Hier nun, die Story:

An einem Samstag vor rund zwei Wochen klingeln meine Nachbarn auf der rechten Seite im selben Haus bei mir: Mein roter Kater sei gerade bei ihnen.

Ich: Kreiiiiiiisch!!!!!! Wie das?

Die so: „Na, macht ja nix, wir wollten dich nur informieren, der stört nicht.“

Ich: *herzinfarkt* Ich bin schuld. Ich habe mit dem Leinengang seinen Freiheitstrieb reaktiviert. Wir werden hier nie wieder in Ruhe die Terrassentüren offen haben können. Und vor allem: Wie kommt er da rüber? In 25 Metern Höhe?

Max stürzt in den Tod. Minimum!

Meine lieben Nachbarn – im Gegensatz zu mir sehr gelassen: „Du echt, der stört nicht – der kann hier rein und raus wie er mag. Wir mögen ihn sehr – und unsere eigenen Katzen haben auch kein Problem mit ihm.“

Ich: „Danke, lieb von euch!“

In Gedanken: Ich mache Fort Knox aus unserer Terrasse!

Ich mache also Fort Knox aus unserer Terrasse.

Max‘ Ausbruchversuche werden immer waghalsiger und gefährlicher. Ich habe keine ruhige Minute mehr – Horror.

Max bricht sich fast das Genick beim Versuch, Fort Knox zu überwinden.

Ich klingel bei den Nachbarn: „Duhuuu, isses wirklich ok, wenn der Max bei euch regelmässig auf der Matte steht? Ich wüsste nicht, wie ich ihn daran noch hindern könnte.“

Die so: „Ja, echt cool – wir haben ihn gerne hier!“

Ich so: „Mein grösster Horror ist halt, dass er bei den Nachbarn auf der linken Seite landet – die kenne ich nicht, ist ein anderes Haus und ich wüsste nicht einmal, wo klingeln.“

So einigte sich unsere katzenfreundliche Hausgemeinschaft darauf, dass unsere Katzen alle ne Macke haben, wir uns aber damit arrangieren. Wir tauschten Handynummern, gar Schlüssel und Fütterungszeiten aus und Max tat, was er immer tut: Er wickelte alle um seine rotgoldenen Pfötchen.

Prima. Dachte ich.

Ich reisse Fort Knox also wieder ab.

Dann brach Max doch auf die andere Seite zu den Nachbarn links aus. Ich zitterte vor Angst um ihn: Er dackelt da dann auch über sonen Dings, wos bei einem Fehltritt direkt wie auf einer Rutschbahn runter auf die Strasse geht, kein Halten. *ich-still-und-leise-eingeh-vor-Sorge*

Ich rief nach ihm, wollte ihn zurücklocken. Wir sind hier in mind. 25 Metern Höhe – wenn er da runterfällt oder nicht zurückfindet.

Nein, Panik haben andere. Ich war in HELLER Panik.

Da sah ich den Nachbarn auf der linken Seite rauskommen auf die Terrasse. Ich so: „Hallo, hallo, Herr Nachbar!“

Er so: „Ja?“

Ich: „Der Rote da – das ist mein Kater. Finden Sie es schlimm, dass er bei Ihnen auf der Terrasse rumstreunt? Und vor allem: Wie kriegen wir den jetzt zurück?“ Ich setzte mein möglichst unschuldigstes Lächeln auf – und hoffte, die Panik wäre dadurch weniger erkennbar.

Er: „Nö, stört gar nicht. Wir mögen den sehr. Der macht das ja auch schon seit immer. Wussten Sie das nicht? Der springt dann irgendwann wieder aufs Dach und geht zu Ihnen zurück.“

Ich: ????????

Er: „Ja, der ist ständig hier. Kein Problem.“

Ich in Gedanken: Max, du bist echt ein….

Kurzum: Wenn Max mich wie alle meine Katzen etwas lehrte. Dann, dass ich sie nicht vor allem beschützen kann. Ich konnte Max nicht vor dem Krebs beschützen. Und ich kann ihn nicht vor seinem Freiheitsdrang beschützen. Wenn er über Dächer und Regenrinnen zu den Nachbarn balancieren will (was er offenbar seit Monaten tut!) – dann sei es so.

Wie gesagt habe ich zum Glück die allerallerbesten Nachbarn der Welt. Würden sie es nicht tolerieren wollen, bliebe nur Max einzuschläfern. Aber dank diesen grossartigen Leuten darf sich Max zum Ende seines Lebens doch noch ein wenig „austoben“. DANKE! ❤

Und  unser grandioses Schutzengelchen hat über glitschige Regenrinnen und Dächer eine neue Aufgabe 😉

Wie gerade heute eine liebe Freundin (Babs ❤ ) meinte: „Max‘ Geschichte ist fast wie ein Drehbuch: Verwahrlost und alleingelassen fand er dank lieben Menschen den Weg ins Kamikatze-Zwerglis-Land, Der Ausgang völlig ungewiss – aber die Zwerge arrangierten sich zumindest. Dann fand euer Schutzengel Mittel und Wege sein Schicksal bekannt zu machen bei jenen, die es wissen müssen. Und dann bricht Max nochmals aus – und trifft auf die tollsten Nachbarn der Welt – und in gewisser Weise auch seine neue Familie – auf Zeit. (Er fühlt sich dort scheints wirklich wohler als bei uns – weniger Katzen, weniger Medis, so sei es!). Als hätte es für diesen armen so lange unverstandenen Kater genau so sein müssen.“

Mad Max. Er weiss, was er tut. Ich habe selten ein intelligenteres Lebewesen getroffen ❤

Lebe dein Leben solange du es kannst – und geniesse es! ❤

Max ist zu Hause

Vorhin habe ich Max im Tierspital abgeholt. Er ist im Moment einfach nur sehr sehr müde. Sogar zu müde für Mozzarellabällchen.

Max-home

 

Max-home2

Die im Tierspital brauchen allerdings dringend mal einen neuen Frisör. Jedesmal kommen die Katzis mit doofen Frisuren da raus.

Max-home3

Max ruht sich jetzt erstmal aus, so ein Frisörbesuch strengt an.

Max-home4

Die anderen Zwerge halten sicheren Abstand. Ihren gerümpften Nasen nach riecht er nach Medizin, igitt 😉

Heute Abend mal gucken, ob ich all die Medis in ihn reinbekomme. Aber er ist ja ein kooperatives Kerlchen, wird schon klappen.

Willkommen zu Hause, Max!

Max kommt zum Sterben nach Hause

Nachdem wir gestern noch hoffen durften, dass eine Chemotherapie Max‘ Krebs evtl. besiegen könnte, hat sich diese Hoffnung nun zerschlagen.

Ich hatte ja gestern berichtet, → wie Max‘ Schutzengel wirklich alles gab. Doch auch die engagiertesten Schutzengel können nicht zaubern.

Die Spezialisten der Onkologie des Tierspitals Zürich hatten sich nochmals beraten und kamen zum Schluss, dass sie vor einer Chemotherapie doch noch eine Knochenmarkprobe nehmen. Denn falls die Veränderungen im Knochenmark FIV-assoziativ wären, würde eine Chemo nicht nur nichts nützen, sondern könnte Max womöglich erst recht umbringen.

Leider sind die Veränderungen FIV-assoziativ.

Möglichst einfach und hoffentlich nicht völlig falsch zusammengefasst bedeutet das, dass sich bei Max die FIV-Infektion bereits dem Endstadium nähert, so dass das Immunsystem dumme Dinge mit den Zellen seines Körpers anstellt, weshalb im Knochenmark nicht mehr genügend gesunde Zellen nachgebildet werden können, um die Chemo nutzbringend zu gestalten. Irgendwie so. Ich hab gerade nicht den Nerv für medizinische Präzision.

Wie ich inzwischen von der Onkologie aufgeklärt wurde, hätte eine Chemo Max aber so oder so nicht heilen, sondern ihm höchstens noch einige Monate Lebenszeit schenken können.

Ohne Chemo sind es noch ein paar Tage.

Wenn wir richtig viel Glück haben, vielleicht ein paar Wochen, sagen die Fachärzte.

Da es Max aber im Moment noch gut geht, hole ich ihn morgen nach Hause.

Er soll dann Cortison bekommen, das könne das vermaledeite Lymphon wohl evtl. noch etwas in Schach halten. Aber nicht lange.

Natürlich wünschte ich mir, das alles wäre nicht so und meine Katzen würden ewig gücklich umherspringen, mein Essen klauen und tun, was Katzen halt so tun.

Da es aber nunmal so ist, bin ich froh, es wenigstens zu wissen.

Meiner persönlichen Erfahrung nach kann ich mit dem unumgänglichen Abschied von einem geliebten Wesen besser umgehen, wenn ich mich auf den Moment vorbereiten und die letzte gemeinsame Zeit bewusst als solche erleben kann, als wenn der Tod sozusagen mit dem Zweihänder zuschlägt.

Darum trotzdem Danke, lieber Schutzengel. Du hast wirklich dein Bestes gegeben und hätte Max eine Chance gehabt, dann dank dir.

Doch wenn das Schicksal bereits besiegelt ist, können auch die besten Schutzengel und Ärzte nichts mehr tun.

Max und ich werden die gemeinsame Zeit noch geniessen, so gut und so lange wir können. Er wird so viele Mozzarellabällchen bekommen wie er nur will.

Und wenn es so weit ist, werde ich es wissen. Und er auch.

Aber noch ist es nicht so weit.

Carpe diem! Es kann so schnell alles vorbei sein.

max2015-2

Ein Hoch auf unseren Schutzengel

Zuerst dachte ich an einen schlechten Scherz, als ich letzte Nacht wiedermal in der Notaufnahme des Tierspitals sass. Doch dann erkannte ich die Brillanz des Plans.

Vor nicht einmal einer Woche hatte ich ja berichtet, wie pfauenstolz ich bin, dass das → Foto von Max‘ Pfote in der Wartehalle des Tierspitals Zürich hängt und geschildert, wie oft ich schon verzweifelt eben dort sass und wartete.

Und was tat ich heute Nacht? Genau: In der Wartehalle des Tierspitals sitzen und warten. Erst dachte ich: haha, Schicksal, selten so gelacht, du blöde Nuss.

Inzwischen erkenne ich in all dem einen höheren Plan.

Doch von vorn:

Gestern gegen 21.30 Uhr bereitete ich mir einen Grillspiess und Kartoffeln zu. Ich lasse den Herd kurz unbeaufsichtigt, weil ich im angrenzenden Esszimmer etwas holen möchte und als ich zurück in die Küche komme, ist der Grillspiess weg. Der mutmassliche Täter ist schnell gefunden: Kater Max leckt sich auf der Küchenanrichte sitzend verdächtig genüsslich das zahnlose Schnäuzchen.

Max-Portrait

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sofort machte ich mich auf die Suche nach dem Holzspiess, der in meinem Abendessen gesteckt hatte. Da ich ihn beim besten Willen nirgends finden konnte, kam ich zum naheliegenden Schluss, er müsse sich im Körperinneren meines Katers befinden.

Keine schöne Vorstellung.

Als ich dem Notruf des Tierspitals das vermutete Dilemma schilderte, meinte die nette Dame am anderen Ende der Leitung, wir sollten besser sofort kommen. Also packte ich (hungrig) den Max (satt) ein und rief ein Taxi.

Und da sass ich also wiedermal.

Wer jetzt meint, es sei doch eher unwahrscheinlich, dass eine Katze einen ganzen Grillspiess inhaliert: Mag sein. Aber nachdem meine Katze Mathilde ihre Lunge mal zum kollabieren brachte, weil sie es bei einem kätzisch-dramatischen Akt des sich Übergebens fertig gebracht hatte, sich Futterreste in die Lungenlappen zu katapultieren, und meine Katze Faramee sich kürzlich einen 12 Zentimeter langen Grashalm durchs Nasenloch schob, an dem sie in der Folge fast erstickte, halte ich in Bezug auf bizarre Unfälle bei Katzen schier alles für möglich.

Doch das eigentlich Unfassbare kommt ja erst noch.

Gegen 4 Uhr morgens war ich wieder daheim – Max hatte ich für weitere Abklärungen in der Klinik lassen müssen. Um 5 Uhr klingelte mein Handy und man erklärte mir, dass Max in einem lebensbedrohlichen Zustand sei, er habe Luft und Blut an Orten, wo keines von beidem hingehört, und dass sie jetzt eine Computertomographie (glaub ich) machen, um den Schaden abschätzen und die Ursache (zu dem Zeitpunkt noch mutmasslich der Holzspiess) finden zu können.

Sie wollten noch wissen, welche Massnahmen zu finanzieren ich bereit wäre. Ich so im Halbschlaf: alle, die Sinn machen und Max bei guter Lebensqualität retten könnten. Die nette Stimme am Telefon: „Das kann aber teuer werden.“ Ich: „Ich weiss. Oh ja, ich weiss. Aber ist ok.“

Gegen 7 Uhr klingelt das Handy erneut, die nette Stimme erklärt mir etwas von Darm und Tumor und schlechten Aussichten. Und nochmal die Frage, was ich zu finanzieren bereit sei. Ich nochmal: „Machen Sie alles, was Sinn macht, ihm Leid erspart und bestenfalls sein Leben rettet. Ich sage nochmals: grün.“

Es gibt im Tierspital-Notfall einen Code:
– Rot = Die Ärzte dürfen von sich aus keine medizinischen Massnahmen treffen, die auch das Budget des Halters empfindlich treffen. Im Zweifel einschläfern.
– Orange = Die Ärzte haben so weit freie Hand bei allem, was sie für lebensrettend halten. Teure Massnahmen aber nur nach Rücksprache.
– Grün: Just go for it – rettet lebenswertes Leben nach allen Regeln der verfügbaren Kunst.

Gegen 10 Uhr rufe ich das Tierspital an: Ich habe inzwischen den Holzspiess hier zu Hause unter einer Decke gefunden. Sauber abgenagt. Er war nie in Max drin.

Gegen 15 Uhr der nächste Anruf, die nette Stimme erklärt mir, dass Max ein Lymphom hat und mind. auf der Lunge und/oder auch Milz auch schon etwas sitzt, was dort nicht sein sollte, dass irgendwas mit seinen Blutplättchen und Leukozyten und seinem Knochenmark nicht ist, wies sein sollte. Eine OP mache im Moment so keinen Sinn, besser Chemo. Ich sitze im Treppenhaus des Büros und heule.

Doch zurück zu Hause wird mir klar: Unser Schutzengel ist ein verdammtes Genie.

Max zeigte keinerlei Symptome, der Tumor war auch nicht ertastbar – wir waren ja gerade erst vor wenigen Tagen zur Tierarztkontrolle, alles war scheinbar prima (und das sind auch verdammt gute Ärzte). Nichts hätte ihn davor retten können, elendiglich an dem Mist zu verrecken.

Ausser eins: Wir schauen in die Katze rein.

Doch wer lässt seine Haustiere schon standardmässig regelmässig durchleuchten?

Eben.

Also hat unser brillanter Schutzengel sich gesagt: Ich muss Iwon irgendwie dazu kriegen, in Max‘ Körper schauen zu lassen – und zwar genau an der richtigen Stelle. Und der einzige Weg, wie ich sie dazu kriegen werde, ist, dass Max scheinbar etwas verschlucken muss, was gefährlich genug ist, dass ein CT nötig wird. Guter Plan so weit. Aber Iwon beobachtet ja ihre Katzen nicht den ganzen Tag mit Argusaugen, die muss ja arbeiten und hat ja auch sonst noch was zu tun.

Also muss es in einem Moment sein, den sie unmissverständlich mitbekommt und als Notfall erkennt. Und dann musste er nur noch warten, bis ich mir einen Grillspiess zubereite.

Jetzt mal ehrlich: Unser Schutzengel ist doch ein raffiniertes Ding?

Ohne diesen Twist wäre ich nicht mit Max ins Spital gefahren und er würde stattdessen langsam und still hier vor sich hin sterben.

Doch so haben wir zumindest eine Chance.

Durch FIV kommen noch einige Unbekannte ins Spiel. Max hat ja wie gesagt irgendwas Ungutes mit dem Knochenmark (fragt mich zur Knochenmarksache nicht genauer: Mein Kopf brennt nach einer weiteren Nacht ohne Schlaf und Hiobsbotschaften und ich hab davon eh keine Ahnung, obwohl unsere Ärzte immer alles sehr geduldig erklären – es leuchtet mir alles ein, das ist, was zählt).

Kurz: Das könnte Lymphom-bedingt oder FIV-assoziativ sein. Im Falle des Ersteren würde eine Chemo das potentiell beheben können. Im Falle des Zweiteren nicht – dann bliebe nur Erlösung. Zudem könne eine Chemo Max erst recht qualvoll umbringen, falls die Knochenmarksache FIV-assoziativ wäre. Jetzt gilt es zunächst herauszufinden, was der Fall ist, bevor man mit der Chemo beginnt.

Ja. Und nun heisst es mal wieder: Gutes denken, vertrauen und vom Besten ausgehen. 

Als ich Max heute im Spital besuchte, wirkte er selber zumindest sehr zuversichtlich, unbeschwert und ja fast schon fröhlich. Die Pflegerin meinte auch, er fresse gut, wickle alle um seine Pfötchen und mache alles top mit. Auch mir hat er wieder seinen Löwenschädel mit voller Wucht in die Fresse gerammt und dabei geschnurrt wie eine kleine Motorsägenfabrik.

Max-Tierspital-1

Es war sehr tröstlich zu erleben, dass er selber unter der aktuellen Situation offenbar null leidet. Dann sollte ich das auch so halten. Es wird gut – auf die eine oder andere Weise.

Schutzengel: Ich verneige mich vor dir und danke dir ❤

Kunst für die Katz

Ende März haben Max und ich bei einem Fotoprojekt des Tierspitals Zürich mitgemacht. Heute war ich an der Vernissage. Bei Bild Nr. 8 bin ich fast in Ohnmacht gefallen (← würde heftig.co schreiben 😉 )

Als ich im März bei Facebook den Aufruf des Tierspitals zur Teilnahme an einem ebenso schönen wie ungewöhnlichen Fotoprojekt sah, war ich sofort davon begeistert – und ebenso umgehend ernüchtert: Welches meiner Springinsfeld- und Panikzwerglis würde schon für eine Kamera stillhalten? Und dann noch aushäusig.

Tünn würde mich schon beim Versuch, ihn einzutüten, töten. Felize würde der Einfachheit halber lieber still sterben vor Angst als sowas mitzumachen. Und Shakti würde mir spätestens im Fotostudio die Pulsadern rausreissen.

Entschlossen, das Projekt sowohl für Katz wie Mensch schadlos zu überstehen, kam nur einer hier in Frage: the Max 😀

max-kissen

Also habe ich Max gefragt:
„Duhuuu, Max?“
Max: =^.^=?
Ich: „Würdest du die Unterseite deiner Vorderpfoten fotografieren lassen für ein cooles Projekt?“
Max: „Krieg ich dann Mozzarellabällchen?“
Ich: „Aber nicht die ganze Tüte.“
Max: „Die halbe.“
Ich: „Drei, vier Bällchen.“
Max: „Bazar hier immer.“

Also haben wir einen Termin vereinbart. Max fands da im Fotostudio jetzt nicht einfach nur Klasse, aber er hat für Kamikatze-Zwerglis-Verhältnisse echt sehr super mitgemacht.

Die mussten das Studio danach zwar wahrscheinlich grundsatzenthaaren, da Max seine Haare zur Verteidigung abschoss wie ein Stachelschwein seine Stacheln. Aber die wollten das ja so. Ich mein: Wer lädt sonst fremde Katzen ins Fotostudio ein? Eben.

Zurück zu Hause bekam Max 6 Mozzarellabällchen. Da war er wieder glücklich 😀

Die tolle Fotografin Michelle Aimée hatte uns schon „vorgewarnt“, dass nicht alle Fotos es ins „Finale“ schaffen werden: Nämlich im Warteraum des Tierspitals ausgestellt zu werden.

Also hibbeln: Wenn schon, denn schon. Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn Maxens Pfote dazu beitragen könnte, besorgte Tierhalter im Wartezimmer ein wenig abzulenken und sie ob der Bilder doch ein wenig lächeln müssten – zumal die meisten Kunden dort nicht einfach mal zum Impfen mit ihren Schatzis ins Spital fahren. Nein, eher nicht.

Vetsuisse

Ich selber habe in diesem Raum schon manch bange Stunde und dreimal auch schon halbe Nächte verbracht. Habe von vielen Menschen herzlichen Trost erfahren und anderen geschockten Tierhaltern in bangen Stunden des Wartens mit Mineralwasser, Kaffee und Tränen beigestanden. Ja, gar Freundschaften geschlossen.

Wir Tierspital-Kunden wissen: Es gibt keine bessere tiermedizinische Versorgung im Grossraum Zürich (oder gar auf der Welt?) – und auch menschlich und tierisch sind die Leute dort einfach umsichtig ohne Ende ❤

Doch dieser Warteraum der Ungewissheit ist ein Tränenmeer: Mal der Freude, oft leider auch der Trauer, wenn man zu spät kam und die wirklich tollen Ärzte dort nichts mehr tun konnten, als weiteres Leid zu ersparen.

So hatte ich heute bei meinem Besuch dort ohne Patient dennoch einen Kloss im Hals: Wie oft sass ich schon dort wegen Mathildchen? Einmal ist das Taxi nach Mitternacht mit Thillie an Bord fast bis in die Eingangshalle gerast – damals, als sie fast erstickte und der Taxifahrer echt alles gab, sie zu retten.

Oder kam sie besuchen, wenn sie stationär dort war.

Und an ihrem letzten Tag, als wir sie vor der nächsten OP erlösen mussten.

Aber auch mit Felize, LouLou und Omar war ich einige Male dort. Und sogar ganz früher als junger Mensch mit meinen Kaninchen und Meerschweinchen.

Ein Raum voller Erinnerungen und Emotionen.

Es wäre mir eine Ehre, wenn „wir“ dort auch optisch einen Pfotenabdruck im Wortsinne hinterlassen könnten – für alle sichtbar: Wir waren auch hier, wir wissen, was ihr gerade durchmacht – und es wird gut. Auf die eine oder andere Weise, ihr seid in den besten Händen der Welt.

Ob die Fotos trotz Max‘ zwar nur leichten, aber doch wackligen Widerstands im Studio gut genug wurden?

Sie wurden.

Heute war ich an der Vernissage der „Ausstellung“: Und – yehaaa! – Foto Nr. 8 bei den Katzenpfoten erkannte ich sofort als Mäxchens ❤

Merke: Ich erkenne die Unterseiten der Pfoten meiner Katzen. Öhm… – ach: Entweder hat man einen Tick oder man hat ihn nicht. Ich hab ihn. Andere haben doofere Ticks, find ich 😛

Es war auch sehr schön, all die anderen Verrückten zu treffen, die sowas mitmachen (gut – mit Hunden ists ja einfach, ne? 😉 ), die Fotografin, das Tierspital und viele Angestellte dort, die ihre eigenen Tiere für das Projekt begeistern konnten – ein wirklich schöner Anlass.

Und nun hält das Mäd Mäxchen seine Pfote schützend über Patienten und liebende Wartende dort – ich finde das wunderschön.

Ja, alte sentimentale Kuh ich bin 😀

Danke, Max!

ps: Die schönen Fotos von den Pfoten hat alle Michelle Aimée gemacht. Bitte respektiert ihr Urheberrecht. Wir haben sie alle heute ermuntert, ein Buch mit den Bildern herauszubringen – ich hoffe, sie macht das!

Unvergessen: Thillie, mein Herz

«Das ist unmöglich», meinte mein Arzt: «Als hätte Ihnen jemand die Krankheit einfach abgenommen – da ist nichts mehr. Sie sind vollständig geheilt.»

Ich: «Meine Katze ist gestern gestorben.»
Arzt: «An Lungenentzündung?»
Ich: «Ja.»
Arzt: «Unglaublich. Aber ja, so etwas gibt es wirklich.»

Diese Diashow benötigt JavaScript.

«It’s the soul afraid of dying, that never learns to live.»
(Janis Joplin, the rose)

Mathilde, du weisst, dass ich jeden Tag an dich denke. Viel mehr brauche ich dir nicht mehr zu sagen, du weisst es schon: Danke für alles ❤

——————————————————

17. April 2014

Geliebte Mathilde, mein Herz Du hast heute entschieden nicht mehr kämpfen zu wollen. Ich hatte dir versprochen, deinen Wunsch zu respektieren. Und das tat ich – auch wenn das mein Herz in Stücke reisst.

Du hattest ein verdammt schweres Leben auf Italiens Strassen einst. Es kostete dich ein Bein, deine Zähne, dein Immunsystem und fast deinen Lebensmut.

Doch über Umwege, die nur das Schicksal einer grossen Liebe finden kann, fandest zu uns nach Zürich. Allen, die daran beteiligt waren, danke ich nochmal aus tiefstem Herzen Dir, Mathilde, ganz besonders.

Du hast mich so viel gelehrt, mir trotz deiner schrecklichen Vergangenheit sofort dein Vertrauen und deine Liebe geschenkt. Ich werde den Moment nie vergessen, als ich dich damals das erste Mal sah. In einer Tierarztpraxis irgendwo zwischen Turin und Mailand. Du kanntest mich nicht und doch hast du mich sofort erkannt Auf deinen drei dürren Beinchen kamst du auch mich zu gehoppst – seither waren wir ein Herz und eine Seele.

Hier konntest du endlich leben. Und du hast dein Leben genossen – so tief und innig und dankbar man sein Leben nur geniessen kann. Und du hast um dein Leben gekämpft: Trotz aller gesundheitlicher Probleme hast du mich und auch die tiermedizinische Fachwelt immer wieder staunen lassen, was eine kleine dreibeinige Strassenkatze alles schaffen kann.

Bis heute.

Heute wolltest du nicht mehr kämpfen. Die Ärztin rief mich vor der geplanten Narkose an: Du würdest sie nicht überstehen, es wäre besser, wenn ich mich verabschieden komme.

Ich durfte im Tierspital von dir Abschied nehmen. Du hast noch mit dem Beatmungsschlauch genasbusselt – verzeih, wenn ich lache, während ich weine. Und du hast so laut geschnurrt wieder. Das war immer das Problem, dass man deine Herztöne nicht abhören konnte, weil du immer so laut geschnurrt hast.

Als sie heute ein letztes Mal deine Herztöne abhörte, hast du nicht mehr geschnurrt. Man hörte laut und deutlich – diese Stille. Kein Schnurren, kein Herzschlag, einfach nur Stille. Friedlich. Sanft. Heute um 11.10 Uhr.

Es ist vorbei.

Ich hoffe, dass du trotz vieler Jahre voller Leid die wenigen Jahre voller Liebe in Erinnerung an diese Welt behältst.

Jetzt ist diese Welt um ein intergalaktisches Kampfschiffchen ärmer. Aber dein Erbe wird weiterleben. Nach Jahren des stillen Leids, nach denen du allen Grund gehabt hättest, uns Menschen zu hassen, hast du stattdessen so viele liebe Menschen erreicht, bezaubert und verzückt Ich bin sicher, sie werden dich auch weiterhin in ihren Herzen tragen und lächeln, wenn sie an dich denken.

So wie ich es tun werde, mein Herz

Und eines Tages werden wir uns wiedersehen und du wirst mich mit deinem Geschnurre wieder um den Schlaf bringen und mir die Haare aus dem Gesicht lecken. Mich dazu bringen, in den unbequemsten Haltungen zu schlafen, nur damit du deinen hübschen klugen Kopf auf meine Hände betten kannst – so wie du es so liebtest.

Grüsse uns unsere Sternchen alle, leuchtet heute Nacht besonders hell für alle, die euch schmerzlich vermissen.

Ich liebe dich – für mich wirst du immer meine kleine grosse Rose sein, die niemals verblüht: The Rose

Du bist nicht fort. Nur woanders.