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Vom Beisserle zum Scheisserle

Anfang Dezember zog ja Blindfischchen Malik hier ein. Leider entwickelte sich seit seinem Einzug hier so ziemlich nichts wie geplant. Doch wo ein Wunsch, da ein Weg. Manchmal zumindest.

Am 3. Dezember 2016 zog hier ja ein blindes Katerle ein, das von Proda Vinaros aus einer spanischen Perrera gerettet worden war. An dieser Stelle auch nochmals meinen innigsten Dank an diese Leute, dass sie diese besondere Seele (ok: Alle Seelen sind besonders) nicht ihrem vermeintlichen Schicksal überliessen ❤ 

Dank Tipps befreundeter Blindkatzen-Halter hatte ich hier auch alles blindfischchen-gerecht parat gemacht und der Einzug verlief zunächst problemlos.

Malik lebte sich wesentlich schneller ein als zu befürchten stand. Bis.

Ja, ein ungewolltes Wortspiel: Bis die ersten Bisse seinerseits hier Alltag zu werden drohten.

Zuerst biss er mich. Nicht ein bisschen (schon wieder so ein doofes Wortspiel), sondern so richtig, mit Herzblut (ok, Iwon, das mit den Wortspielchen reicht jetzt…). Ich war irritiert.

Er biss meiner Wahrnehmung nach nicht aus Aggression, sondern gerade dann, wenn er scheinbar am entspanntesten war: Beim Kuscheln, beim Streicheln – was immer von ihm ausging bzw. regelrecht eingefordert wurde, um dann wie aus einer Trance heraus plötzlich herzhaft (für mich SCHMERZhaft) zuzubeissen. Ich so: ? Es ist nicht schön, vor der eigenen Katze Angst zu haben. Nach 8 (!) ärztlich verordneten AB-Therapien trug ich in seiner Anwesenheit ab dann immer dicht gefilzte Pulswärmer – denn er zielte fast immer auf die Pulsadern. Öhm, mordlustiger Geselle?

Doch dann biss er auch Felize und Lucie. Und zwar auch so richtig.

Da war für mich kurzschluss-mässig Sense: Malik kann nicht hier bleiben. Wenn er mich beisst – damit lerne ich umzugehen, aber nicht die anderen Katzen. Ein No-Go.

Nach einiger Hysterie meinerseits und zunächst etwas Unverständnis seitens der Vermittlerin, rauften wir uns zusammen und überlegten, was zu tun sei.

Schon wieder monatelang Verhaltenstherapie wie damals bei LouLou und Moriah – ach mönsch, dacht ich. Gmpf.

Die Vermittlerin – nennen wir sie M. aus CH – schlug mir eine Globuli-Therapie vor.

Ich so: Geh weg. 

Ich habe hier schon viel durch mit Katzen, die nicht gerade aus dem optimierten „Verhaltens-Katalog“ kommen. Aber bevor Missverständnisse aufkommen: Das sind alles ganz wunderbare Wesen und ihr Verhalten hat genau zero mit ihrer Herkunft zu tun: Auch genetisch superoptimierte Zuchttiere können Arschlöcher sein. Der Mensch an sich sowieso.

Nur so zum Verständnis.

Und ich habe irre viel dazugelernt, was ICH alles falsch/suboptimal machte: Es ist NIE das Tier, das etwas „falsch“ macht – „falsch“ und „richtig“ sind unsere menschliche Definition. Also ist es unser Fehler, wenn ein Tier mit seinem Verhalten in die „Falsch“-Kategorie fällt. Logisch, nicht? Eben.

Und im Versuch, „meine“ Tiere dazu zu bringen plus minus das zu machen, was ich für wünschenswert halte, weil ich das so möchte, habe ich unter anderem ganz grossartige Erfahrungen mit „Tierpsychologie“ gemacht, von der ich zuvor aus schlichter Unkenntnis wenig hielt (ich Idiot).

Mit Globuli habe ich auch schon viel probiert, aber weder bei Mensch noch Tier je eine Wirkung feststellen können.

Bis vor Maliks Einzug.

Nachdem ich Malik aufgrund der Bissattacken auf Felize und Lucie wieder sozusagen vorübergehend dauerhaft im Arbeitszimmer separiert hatte und mich selber nur noch im Schutzanzug dort rein traute, dachte ich zu mir selbst: Scheiss auf deine Wahrnehmung von Globuli-Wirkung – wenn es diese Möglichkeit gibt, das liebestolle Beisserle hier zu behalten, versuch es wenigstens.

Also tat ich wie geheissen: Globuli dann halt.

 

Eine sehr kompetente Frau kam uns dann aufgrund von M’s Empfehlung für äusserst faires Geld besuchen, analysierte, fragte, notierte, war sympathisch und verabreichte Malik schonmal eine Erstdosis und schickte uns dann wirklich wenige Stunden darauf ihre Langzeit-Mittel.

Mein Fazit:

Malik wurde schon am ersten Tag nach Verabreichung der Erstdosis eines hochpotenzierten Mittels merklich ruhiger ohne dabei „stillgelegt“ zu wirken – er war immer noch er, aber tiefenentspannter. Und wenn er mir gegenüber den Biss-Impuls zeigte, hielt bereits inne, bevor ich ihn sanft zurückweisen musste.

Ich so: wow.

Nach etwa einer Woche traute ich mich, Malik auch wieder von mir begleitet zu den anderen 6 Katzen zu lassen. Und siehe: Hat er zuvor alles attackiert, was nach Katze roch, hielt er nun auch inne und schnupperte erstmal. Ihm nun schon zu vertrauen, wäre viel zu früh – also nutzte ich sein Innehalten, ihn zu konditionieren: 1. super, dass du abwartest, 2. wenn dich wer anbrummt oder gar anfaucht: Sei cool, geh einfach weg.

Nach einem Monat hatte er diese innere Gelassenheit sowie die Konditionierung so weit verinnerlicht, dass er allein beim Stichwort „coole Socke“ (was Besseres fiel mir halt spontan nicht ein) sich von der jeweiligen „Kontrahenten“-Katze abwendete und seiner Wege ging, ohne dass ich aktiv intervenieren musste (zB. mit einem Trennkarton o.ä.). Er legte sich einfach irgendwo gemütlich hin.

Nun ist Malik seit über 3 Monaten hier. Von ihm geht keinerlei aktive Aggression mehr aus – weder mir noch den Katzen gegenüber.

Er braucht aber noch oft, dass man ihm Grenzen setzt – er würde einen sonst gnadenlos unterbuttern nach dem Motto „meine Bedürfnisse zuerst!“. Aber Grenzen kann man gewaltlos bzw. sogar liebevoll setzen – auch das muss Malik noch weiter lernen.

Blöderweise haben nun einige der anderen Zwerglis ihn weiterhin auf dem Radar, vermutlich weil Malik sich hier zu Beginn nicht gerade als Vorbild-Neuzugang zeigte. Vor allem Shakti (die selber gar nicht von ihm attackiert wurde, aber hier leider die Chef-Katze markiert – ey, die bin doch ICH!) möchte ihm offenbar so gar nicht verzeihen.

Aber dafür, dass ich zunächst dachte, die Ausgangslage hier sei hoffnungslos, läuft es inzwischen echt prima. Ich bin tagsüber eh bei Malik im Arbeitszimmer – er hat solche „Verlustängste“, grausam, was der schreien kann, wenn „Mami“ mal den Raum verlässt – vielleicht verständlich, nach allem, was er mutmasslich erlebt hat. Aber das wird langsam auch besser.

Mein Bürokollege im Home-Office:

Die Zwerglis alle ohne „Aufsicht“ allein lassen, würde ich noch nicht wollen. Die Gefahr, dass das sensible Gleichgewicht kippt, ist mir für den Moment noch zu gross: Ich kann nicht ständig überall sein. Und wenn ich bedenke, dass dieser Prozess der „Nachsozialisierung“ bei Moriah rund ein Jahr dauerte, möchte ich nun nach „nur“ drei Monaten nicht alles ruinieren, indem ich übermütig werde.

Aber natürlich ist es das Ziel, dass Malik hier so bald wie möglich frei rumläuft.

Treppen? Kein Problem für Blindfisch (danke auch nochmal an Helga für ihre Tipps dazu!). Katzenbäume? Pfff – da hüpft mir Blindfisch fast schon ZU mutig auf und ab. Terrasse? Tsä – der kleine Mann freut sich so sehr auf den Frühling wie wir alle:

Ich habe mich nicht getraut, unsere Verhaltenstherapeutin zu Malik befragen – die muss mich ja nach LouLou und Mori eh schon echt für einen „Kamikaze“-Fall halten: Immer wieder aufs Neue… Aber dank ihrer Hilfestellung bei LouLou und Moriah wusste ich ja inzwischen ungefähr, was ich zu tun habe. Und es funktioniert auch erneut! Danke, Christine.

Anderseits habe ich Globuli bisher für Unfug gehalten (still und heimlich).

Seit Malik muss ich sagen: Doch, in seinem Fall waren die positiven Veränderungen nach fachkundigster Beratung merklich: In so kurzer Zeit so spürbare Veränderung? Konditionierung allein hätte das wohl nicht geschafft.

Aber in meinen Augen ist es die Kombi von beidem. Danke, dass ich erneut dazulernen durfte!

Wichtig ist wohl
1. Die individuelle Kombination für Mensch und Tier macht es aus.
2. Darum macht niemals 1:1 nach, was ihr irgendwo lest – auch hier: Es sind nur meine Erfahrungen mit meinen Zwergen. Darum nenne ich auch keine konkreten Mittel.
3. Wagt auch Wege, die ihr bisher für sinnlos hieltet, wenn es euch und euren Liebsten dienen könnte.

In diesem Sinne: Jeder hat seinen individuellen Weg zu gehen – er muss ihn nur finden 🙂

Malik scheint ihn gefunden zu haben. Eins der Vermittlungsfotos:

Aktuell:

Und so ist mein Beisserle nun mehrheitlich ein „Scheisserle“ (das ist im deutschen Sprachraum ja ein anerkanntes Kosewort). Herzlichst, Iwon & die 7 Bekloppten ❤

Grumpy old Bambibärchen – unvergessen.

Eigentlich begehe ich ja die Geburts-, Einzugs- und Todestage meiner Zwerge und Sternchen nicht mehr. Eigentlich.

Heute vor fünf Jahren musste ich unter grosser Verzweiflung meine geliebte grande dame LouLou kurz nach ihrem 19. Geburtstag gehen lassen. Sie war nur knapp anderthalb Jahre zuvor notfallmässig von einer Arbeitskollegin bei mir abgestellt worden: Von jetzt auf gleich – als über 17-jährige Katze, die Opfer massiven Katzenmobbings geworden war.

Ich nannte sie anfangs nur „Schnecke“. Die einst so stolze Freigängerin zog sich so tief sie konnte in sich selbst hinein, in der Hoffnung, dass keiner ihre Existenz noch wahrnimmt.

Es brach mir das Herz, diese „Schnecke“ in Empfang zu nehmen, ich konnte nicht verstehen, wie man zulassen konnte, dass aus ihr „das“ geworden war – aber hier war besser als dort. Und so kam es.

Und als ich heute – vielleicht mehr als sonst – an sie dachte, während ich alles Mögliche andere machte (putzen, aufräumen und vieles mehr, was halt auch mal sein muss) – musste ich so oft lachen ob der Erinnerungen während unserer nur rund anderthalb Jahre zusammen. Meinen Versuchen, ihr ihr Selbstwertgefühl wiederzugeben. Ihre Versuche, mich zu lehren, wie Katzenhaltung geht.

Das Unverständnis und die Wut, wie es zu all dem kam, die verkniff ich mir: tempi passati. Denn auch das hat LouLou mich gelehrt.

Und weil LouLou mich in vielerlei Hinsicht von Doofheit (zu einem gewissen Grad wenigstens) befreite, möchte ich ihr zu ihrem fünften Todestag doch nochmal einen Beitrag widmen.

Das wichtigste Thema, an das sie mich heranführte, war „Tierpsychologie“ – oder Verhaltenstherapie. Für uns Tierhalter mehr als für die Tiere: Tierpsychologie? Ja ne, is klar

Unsere ersten Clickerversuche – ja, mei: Kein Pokal für mich 😛

Auch Katzenzusammenführungen – wer eine eine vorhat, mache sich kundig. Davor. Ein erster Schritt dazu: Katzenzusammenführungen – eine Wissenschaft für sich

 

Leider hatte LouLou nicht mehr viel davon – das Schicksal holte sie just dann in den Tod, als sie ihr Leben wieder annehmen wollte. Es dauerte lange für mich, das zu „verstehen“. Und um keinen Preis hätte ich diese Erfahrung nochmals machen wollen, wenn man mir die Wahl gelassen hätte: Vergeblich so sehr um jemanden zu kämpfen, der doch nur verlieren konnte.

Doch meine Katze Moriah vollendete letztlich LouLous Geschichte – und so hat im Rückblick manches plötzlich Sinn, was zunächst so sinnlos schien.

Und das ist vielleicht das Wichtigste, was LouLou mich lehrte: Nichts ist „vergeblich“ – ausser wir lassen es zu.

Geliebte LouLou: Du bist ein heller Stern – und weisst du, du hattest schon immer Recht: Clickern könnte auch bei Menschen vielleicht helfen 😉

Ich liebe dich – du bist nicht fort.

Nur woanders ❤

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Maximierung des Glücks

An einem Samstag Ende März 2015 klingelte das Telefon zu unchristlicher Zeit (also weit vor 12 Uhr). Ich schon so: Geh weg. Ich erkannte jedoch die Nummer: Unsere Tierklinik. Ich so: ????

Im ersten verschlafenen Moment schoss mir durch den Kopf: Habe ich eins der Zwerglis in der Klinik vergessen? Warten wir auf Blutwerte? Kurz: Hä?

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Ich nahm also ab und fragte gedanklich noch nicht ganz im Jetzt angekommen : „Hallo?“
Klinik: „Guten Morgen, Frau B. – es tut mir leid, Sie zu stören!“
Ich: ?
Klinik: „Wir haben eine etwas seltsame Anfrage an Sie.“
Ich: ??
Klinik: „Könnten Sie sich allenfalls unter Umständen womöglich vielleicht eventuell vorstellen, eine weitere FIV-Katze aufzunehmen?“
Ich, hellwach: ???

Die mir wohl bekannte, nette Tierarzthelferin erklärte mir leicht beschämt, dass sie in der Praxis eine Katze hätten, die ihnen vor einigen Tagen von einer Frau vorbeigebracht wurde, weil sie diese aufgrund ihres Zustands als mutmasslichen Streuner versorgen lassen wollte. Tatsächlich war das Tier zwar recht fit, aber das Gebiss war wohl in einem grausigen, blutig-entzündeten Zustand, so dass die Klinik zum Schluss kam, es müssten sämtliche Zähne dringend gezogen werden.

Im Verlaufe der Behandlungsgespräche stellte sich heraus, dass diese Katze gar nicht der Frau gehörte – sie aber sehr wohl bereit war, die anfallenden Kosten für die Zahn-OP zu übernehmen (wow, Respekt!). Wem das Tier gehörte, wusste sie aber auch nicht.

Glücklicherweise war das Tier gechippt, so dass der Besitzer schnell gefunden werden konnte. Da unsere Klinik aber auch nicht wild drauflos operiert, sondern erstmal die Gesamtkonstitution einer Katze eruiert, bevor jemand aufgeschnitten wird, wurde festgestellt, dass das Katzentier FIV+ ist. Als der Besitzer das erfuhr, meinte er wohl – stark verkürzt und ohne Anklage gegen ihn (ich habe nie selber mit ihm gesprochen) – dass die Katze dann besser eingeschläfert werden sollte.

Ein Schicksal, das leider noch immer vielen Katzen bei der Diagnose FIV blüht.smiley_emoticons_sad

Wie ich es von meiner Klinik aber nicht anders erwartet hätte, sahen die das nun wiederum nicht ein, weshalb eine ansonsten völlig fitte Katze nur wegen Zahn-OP und FIV eingeschläfert werden sollte.

Allein: Der Besitzer wollte sie nicht mehr, die Frau, die das alles in Gang gesetzt hatte, konnte nicht, und Tierheime in Zürich nehmen FIV+-getestete Katzen offenbar strikt nicht auf (obwohl die allermeisten Katzen in der CH gar nicht auf FIV getestet sind – aber wenn mans mal weiss….). Unterm Strich bliebe also nur Einschläfern, obwohl medizinisch nicht notwendig. Kurz: Der übliche Scheiss (tschuldigung), sobald FIV diagnostiziert wurde.

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Nachdem die nette Tierarzthelferin mir all das am Telefon geschildert hatte, meinte ich: „Eigentlich wollte ich ja keine siebte Katze mehr. Wann soll ich dort sein?“
Klinik: „Oh! Echt? Wir wagten ja nicht zu hoffen. Wenn Sie heute noch kommen könnten? Das Tierchen lebt nun schon seit Tagen in einer unserer Aufwachboxen – das ist ja nicht so schön.“
Ich: „Geben Sie mir eine halbe Stunde.“

Bevor ich berichte, was mich dann erwartete, möchte ich dies noch kurz einflechten: Ich habe keines meiner Zwerglis je nach seiner Optik „ausgesucht“ – meist waren es eher die Zwerglis, die hier anklopften. Aber insgeheim wünschte ich mir immer, dass mal ein roter Kater hier anpocht – doch das war halt nie so.

Als ich in die Praxis fuhr, wusste ich absolut nichts über das Tier. Ausser dass „es“ FIV+ und FeLV-negativ ist (nicht falsch verstehen, liebe FeLV-Katzenhalter – aber ihr wisst? FIV und FeLV, das geht halt so gar nicht zusammen). Alles andere war nicht wichtig.

Und was ich dann sah, war „das“ da:

Zwerg7Ic

Ich so: smiley_emoticons_gucker2

Zu dem Zeitpunkt wusste ich ansonsten nur, dass der Rottiger männlich (kastriert) und bislang Freigänger war. Wie er sich mit anderen Katzen verträgt oder ob er Wohnungshaltung akzeptieren würde, konnte keiner sagen.

Was soll man machen? Wir mussten es halt ausprobieren. Eine andere Chance gab es ja nicht für ihn.

Einzug3

Nach meiner Erfahrung hier mit Moriahs Zusammenführung, wollte ich diesmal von Anfang an den vorsichtigen Weg beschreiten und alles brav nach Lehrbuch machen (das Moriah und Shakti ja sogar gewidmet ist – so eine Ehre!). Also separierte ich Max, wie ich ihn inzwischen nannte, erstmal.

Einzug6

Doch wer kennt es nicht: Deine Pläne sind allzu oft nicht die deiner Katze. 

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Nach rund 20 Minuten hatte Max die Faxen dicke, streckte sich einmal in voller Länge und öffnete dann die Zimmertür. Ja, bravo. Momoll, super Plan, Iwon.

Und so sah das dann nach ein paar Minuten hier aus:

Max. Irgendwas zwischen 5-10 Jahre alt. Seit einem Monat hier. Fit und prosper - ein freundliches Kraftwerk <3

Max

Max, Faramee und Shakti - am ersten Tag!

Max, Faramee und Shakti – am ersten Tag!

Tünn nimmt auch ne Nase voll - der Kleinste und der Grösste, aber halt Männergemeinschaft, ne? ;-)

Tünn nimmt auch ne Nase voll – der Kleinste und der Grösste, aber halt Männergemeinschaft, ne? 😉

Tünn nimmt auch ne Nase voll - der Kleinste und der Grösste, aber halt Männergemeinschaft, ne? ;-)

Max, Faramee und Shakti - am ersten Tag!

Heute ist Max genau ein Jahr hier – und der sanfte Riese maximierte hier den Spiel-, Chill- und Schmusefaktor wie ein ganz Grosser ❤ Naja – er ist ja auch ca. dreimal so gross und schwer wie die anderen Zwerglis. Aber wenn die Kleinste (Lucie) ihn mal anbafft – holla, da geht er im Galopp fünf Schritte zurück, mein Pazifist ❤

Mit ohne Freigang geht für ihn auch klar und alles prima.

Max, mein Herz – ich weiss nicht, wie du uns gefunden hast, aber du hast alles richtig gemacht. Wir sind überglücklich, dich hier zu haben:

Happy Move-in-Day, mein sanfter Riese

Ich liebe dich so so so sehr. Hoffentlich haben wir viele viele glückliche und gesunde Jahre vor uns ❤

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Haustiere: «Psychische Probleme sind bei jedem Tier möglich»

Die Schmusekatze geht plötzlich die Wände hoch, der sanfte Hund mutiert zum Kläffer: Die tierpsychologische Beraterin Gloria Isler erklärt, inwiefern solcher Ärger meist auf Missverständnissen zwischen Tier und Halter beruht.

Tierpsychologie

Nein. Diese Katze hat kein psychisches Problem (von dem ich wüsste) – das ist nur eine alberne Ostern-Bildmontage – aber ich brauchte halt ein Bild zu dem Beitrag. Exgüsi, liebe Shakti. Wir Tierhalter sind gemein. Und doof. Sorry.

Kamikatze-Zwerglis: Wie reagieren die Leute, wenn Sie sagen, was Sie beruflich machen?
Gloria Isler: Beim Stichwort Tierpsychologie stellen sich viele vor, dass die Katze quasi auf der Couch liegt und mir von ihren Problemen erzählt – das ist natürlich Unsinn. Darum stelle ich mich auch selten als diplomierte tierpsychologische Beraterin vor, sondern als Verhaltenstherapeutin, die Haltern bei Problemen mit ihren Tieren hilft.

Was muss man sich unter einem «psychischen Problem» bei einem Haustier vorstellen?
Meist bemerkt der Halter bald, dass sich das Tier nicht mehr «normal» verhält: Die Katze zerkratzt plötzlich die Möbel, oder der Hund bellt scheinbar ohne Grund. Wenn man genauer hinschaut, zeigt sich oft, dass die Probleme haltungsbedingt sind. Das Tier hat nicht im eigentlichen Sinn ein psychisches Problem, sondern es macht in seiner Sprache deutlich, dass es mit einer Situation nicht klarkommt. Es kommuniziert mit einem aus unserer Sicht unerwünschten Verhalten. Wenn wir jedoch auf diese Signale nicht reagieren, führt das früher oder später zu psychischen Problemen.

Gibt es psychische Probleme bei Tieren, die unbemerkt bleiben, etwa weil sie den Halter eben nicht stören?
Ein plakatives Beispiel ist der Papagei, der sich die Federn selber ausrupft, oder die Katze, die sich kahlleckt – aber das sind ­leider häufig jene Fälle, die nicht zu uns kommen. Denn das wird meist weggeschoben, das Problem wird verdrängt: Das Tier juckt es halt, heisst es dann. Oder wenn zum Beispiel ein Hund nie spielt, sondern nur zum Fressen kommt und sein Geschäft erledigt, beim Spaziergang freudlos hinter einem herdackelt und sich zu Hause gleich wieder in seine angestammte Ecke verkriecht – auch da sollte ein Halter alarmiert sein. Aber solche stillen Signale werden leider häufig ignoriert.

Sind psychische Probleme bei jedem Tier denkbar? Kann denn ein Meerschweinchen depressiv werden?
Psychische Probleme sind grundsätzlich bei jedem Tier möglich – sie haben nur ­jeweils unterschiedliche Ursachen. Es gibt zum Beispiel Tierarten, die von Natur aus auf die Gesellschaft von Artgenossen an­gewiesen sind, zum Beispiel Meerschweinchen oder Wellensittiche, die tatsächlich depressiv werden, wenn sie allein gehalten werden. Oder generell Nager, die in ihren kleinen Käfigen häufig zu wenig Platz haben, um sich artgerecht zu verhalten. Ob nun aber ein Fisch depressiv werden kann? Es gibt wohl Grenzen, so etwas erkennen zu können. Anderseits existiert gute Fach­literatur, in der ideale Haltungsbedingungen für Fische erläutert sind.

Wenn jemand Sie anruft und ein Problem schildert, etwa dass die Katze plötzlich überall hinpinkelt: Wie gehen Sie vor?
Als Erstes müssen gesundheitliche Ur­sachen ausgeschlossen werden. Zunächst kläre ich ab, wann das Tier das letzte Mal beim Tierarzt war. Es ist auch wichtig zu wissen, ob es noch gut sieht und hört, denn auch dadurch könnten Verhaltensänderungen eintreten. Optimal ist, wenn ich Tierhalter und Tier in der gewohnten ­Umgebung kennenlernen kann, da oft die Schilderung des Besitzers unbeabsichtigt mit der Realität nicht ganz übereinstimmt. Als Aussenstehende kann ich die Gesamtsituation objektiv beurteilen und dem Tierhalter erklären, weshalb das Tier das un­erwünschte Verhalten zeigt. Dann erarbeiten wir gemeinsam ein Programm zur Problembehebung, denn oft ist eine Veränderung im alltäglichen Umgang nötig.

Man hört immer wieder von «Protestpinkeln» oder dass der Hund genau wisse, dass er etwas nicht darf, und es trotzdem tut. Kennen Tiere Protest, Trotz oder gar Rache?
Nein, es ist nicht so, dass ein Hund oder eine Katze etwas tut, um dem Halter Schaden zuzufügen. Vielmehr ist es ihre Art zu kommunizieren: «Hey, hier stimmt etwas nicht, mir geht es nicht gut dabei.» Ein Beispiel: Eine Klientin hatte das Problem, dass ihre Katze immer auf ihren nagelneuen Teppich pinkelte. Da muss man genau hinschauen, wie die Gesamtsituation aussieht. Es war so, dass die Katze kurz vorher akzeptieren musste, dass eine neue Katze einzog und das Schlafzimmer plötzlich Sperrgebiet für sie wurde – das hat sie alles problemlos mitgemacht. Aber dann noch dieser neue Wolle-Seiden-Leinen-Teppich, der zudem einen sehr ausgeprägten Geruch hatte, das war einfach zu viel Ver­änderung für sie, da brachte sie auf ihre Weise zum Ausdruck: «Sorry, es reicht.» Das ist aber keine böse Absicht. Es ist gewisser­mas­­sen ein Hilferuf.

Was halten Sie davon, Tiere zu bestrafen oder mit ihnen zu schimpfen, wenn sie etwas «falsch» gemacht haben?
Bis vor wenigen Jahren hat man in der Tiererziehung viel mit Strafen gearbeitet. Man hat dabei aber viel zu wenig berücksichtigt, dass Strafen, emotionaler oder psychischer Druck einen Frust im Tier aufbauen, der sich dann irgendwann entladen kann – eine Weile macht der Hund das vielleicht klaglos mit, aber irgendwann beisst er zu. Es ist mir schleierhaft, weshalb Menschen dann überrascht sind! Wer wirkungsvoll strafen will, muss zudem sehr viel wissen. Der Laie zum Beispiel straft meist viel zu spät, nämlich nach der «Tat», so dass das Tier die Strafe gar nicht mit dem bemängelten Verhalten in Verbindung bringt. Wenn überhaupt, macht Strafen oder Schimpfen nur Sinn, wenn man das Tier «in flagranti erwischt». Aber da man dann auch emotional aufgeladen ist, überfordert man das Tier mit dieser Wut komplett.

Was soll ich stattdessen tun, wenn meine Katze auf den Teppich pieselt?
Wenn man die Katze tatsächlich dabei erwischt, nimmt man sie, ohne ein Wort zu verlieren, hoch und setzt sie ins Katzenklo. Dann wischt man die Pfütze kommentarlos mit geruchsfreiem Putzmittel auf.

Kommentarlos?
In diesem konkreten Beispiel sagt mir die Katze mit ihrem Verhalten, dass ihr der Teppich nicht passt. Wenn ich das mit gros­sem Lamento kommentiere und sage: «Böse Katze, pfui», versteht sie ja den Wortlaut nicht, im Gegenteil: Für sie ist das Applaus. Sie hat meine Aufmerksamkeit, und das war es, was sie erreichen wollte – und das wird sie bestärken, es wieder zu tun. Will man aber langfristig eine Verhaltensänderung bewirken, sollte man Verhalten belohnen, das man gut findet, sowie Negatives positiv besetzen: So erklären wir in diesem Fall ab sofort den Teppich zur «Komfortzone». Wir setzen uns mit der Katze auf den Teppich, spielen mit ihr, geben ihr da ihre Lieblingsleckerli, streicheln sie und erreichen dadurch allmählich, dass die Katze den Teppich als das beste Möbelstück in der Wohnung betrachtet. Eine Gegenkonditionierung hat stattgefunden.

Aber wie kann ich eine Katze mit Belohnungen davon abhalten, auf die Küchenanrichte zu springen, während ich ihr Futter vorbereite?
Indem ich ihr von Anfang an beibringe, dass sie zu warten hat. Wenn sie schön wartet, bekommt sie ihr Futter. So begreift sie: «Wenn ich lange genug hier sitze, ­bekomme ich mein Futter.» Und nicht: «Wenn ich lange genug Rabatz mache, bekomme ich mein Futter.» Am besten geht das, wenn sie mittels Klickertraining lernt, auf bestimmte Kommandos zu hören.

Was heisst denn das, Klickertraining?
Der Klicker ist ein kleines Gerät, mit dem ein Geräusch erzeugt wird, das im Alltag nicht vorkommt und auch nicht zufällig auftreten kann. Beim Training wird dem Tier mit diesem akustischen Signal bestätigt: «Gut gemacht!» Unmittelbar nach dem Ertönen des Klickersignals bekommt es eine Belohnung. Das wird «positive Verstärkung» genannt. Nun wird das Tier versuchen, das Verhalten zu wiederholen, um den Klicker erneut ertönen zu lassen. Nehmen wir als Beispiel einen Hund, der immer bellt, sobald er einen anderen Hund erblickt. Mit Klickertraining wird nun das «Nicht-Bellen» belohnt. Und schon bald wird der Hund den Anblick eines anderen Hundes mit der Chance auf einen Klick verbinden. Er wird, statt zu bellen, den ­Besitzer anschauen, um zu zeigen, dass er nicht bellt und es endlich klicken soll. Klickertraining braucht Konsequenz und etwas Übung, der Erfolg ist bei richtiger Anwendung jedoch garantiert. Denn das Prinzip entspricht dem natürlichen Lernverhalten des Tiers: Wenn es eine besonders erfolgreiche Strategie entwickelt hat, um Beute zu machen, wird es diese Strategie weiterverfolgen. Bleibt hingegen der Erfolg aus, wird die Strategie verworfen.

Am einfachsten wäre es ja, es käme gar nicht zu Problemen. Wie kann man vorbeugen?
Viele stellen sich Tierhaltung zu einfach vor und bereiten sich zu wenig darauf vor. Egal, ob es sich um Hund, Katze, Hamster oder Ziervogel handelt. Oft wird ein Tier aus einer Laune heraus angeschafft, oder man sieht in ihm ein Prestigeobjekt. Da fängt das Grundproblem an. Wer sich für eine Tierart interessiert, sollte sich vorher gründlich informieren – auch über die verschiedenen Rassen und ihre Ansprüche und Besonderheiten. Sonst ist man hinterher ständig am Feuerlöschen.

Worauf sollte ich bei der Anschaffung eines Tiers noch achten?
Welpen und Kätzchen sollten auf keinen Fall jünger als zehn Wochen sein, wenn man sie zu sich holt, ideal wären zwölf Wochen, das ist für die Sozialisierung der Tiere eine ganz entscheidende Zeit, die sie mit ihren Geschwistern und der Mutter verbringen sollten – um von ihnen alles zu lernen, was man als Hund oder Katze so «wissen» muss. Sonst gibt es Probleme.

Was für Probleme?
Sie können einen Hund noch so gut erziehen – wenn er draussen beim Spaziergang seine Artgenossen nicht versteht, nicht ­gelernt hat, Körpersignale zu deuten, wird es zu Konflikten kommen. Für Katzen gilt dasselbe. Diese nonverbale Kommunika­tion mit Artgenossen kann der Tierhalter ihnen nicht beibringen.

Warum werden trotzdem so viele Jungtiere mit acht oder gar sechs Wochen abgegeben?
Weil die Arbeit für den Züchter genau dann erst richtig losgeht: In diesem Alter fressen die Tiere jede Menge, sie sind viele Stunden pro Tag wach, und es geht fast rund um die Uhr die Post ab. Aus eigener Erfahrung weiss ich, wie anspruchsvoll das ist, vor allem wenn ein ganzer Wurf durch Haus und Garten tobt. Und der Züchter ­bekommt ja genauso viel fürs Tier, ob es nun acht oder zwölf Wochen alt ist, aber er spart Geld und Mühe, wenn er es früher abgibt – auf Kosten der Tiere und ihrer künftigen Halter.
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Goria-Isler

Gloria Isler hat jahrelange Erfahrung in Haltung, Training und Zucht verschiedener Haustierarten. 
Die Ausbildung zur diplomierten tierpsychologischen Beraterin absolvierte sie am Institut für angewandte Ethologie und Tierpsychologie (I.E.T.), das 1991 vom international bekannten Verhaltensforscher Dennis C. Turner gegründet wurde.

Gloria Isler ist Mitglied von V.I.E.T.A., dem grössten Berufsverband tierpsychologischer Beraterinnen und Berater Europas. Da die Berufsbezeichnungen «Tierpsychologe» und «Verhaltenstherapeut» nicht geschützt sind, ist man gut beraten, eine Fachperson auszuwählen, die einem solchen Berufsverband angeschlossen ist.

Klickertraining
Wer mehr über Klickertrainig erfahren möchte, findet im Katzentraining-Blog Schritt für Schritt alles leicht verständlich erklärt: Klicker-Tutorial

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Dieses Interview führte ich bereits vor einigen Jahren mit Frau Isler; es erschien ursprünglich bei www.beobachter.ch. Mit freundlicher Genehmigung von Frau Isler publiziere ich das zeitlos interessante Gespräch nochmals in diesem Blog, zumal ich derzeit dabei bin, meine überall verstreuten Beiträge nachhaltiger Natur (nicht all mein Quak-Quak) hier zu sammeln.

Ein Hoch auf LouLou – du bist nicht fort, nur woanders

Heute soll es schon 4 Jahre her sein, dass ich LouLou aufgrund schwerer Krankheit ohne Chance auf Genesung gehen lassen musste. Unvergessen ist jedoch nicht nur mein geliebtes „grumpy old Bambibärchen“, sondern auch, was sie uns hinterliess.

Der 9. Mai. Ein “spezielles” Datum für uns hier: Omar wurde am selben Tag 22 Jahre alt, an dem ich LouLou im Alter von 19 Jahren einschläfern lassen musste.

Nur rund anderthalb Jahre zuvor war mir die damals 17-jährige LouLou von einer damaligen Arbeitskollegin notfallmässig übergeben worden. LouLou war ihre erste Katze gewesen, doch im Laufe der Jahre kamen bis zu acht weitere Katzen hinzu, die LouLou aufs Äusserste mobbten. Als meine Kollegin endlich einsah, dass sie der komplett verstörten LouLou keinen Gefallen tat, sie länger unter ihrem Schreibtisch vegetieren zu lassen, war es schon fast zu spät: LouLou hatte ihre Würde, ihr Selbstvertrauen und jede Freude am Leben verloren.

Der Haken an der Chose war, dass hier ja zu der Zeit auch schon 5 andere Katzen lebten, wenngleich sehr soziale Katzen – aber das wusste LouLou ja nicht. Ein Einzelplatz war zuvor offenbar verzweifelt gesucht, aber nicht gefunden worden.

Also zog LouLou erstmal hier ein.

Da jedoch LouLous Selbstaufgabe und Misstrauen gegen Artgenossen sich in ihrer Seele bereits so festgebissen hatten, begriff ich relativ bald, dass ich professionelle Hilfe brauche, um ihr zu helfen: → Tierpsychologie.

Ich hatte zuvor keinerlei Erfahrung mit diesem Metier und hielt es ehrlich gesagt für Humbug. Halt: Keine Ahnung, aber eine Meinung… smiley_emoticons_rolleyesnew

Die ersten Kontakte mit Tierpsychologen bestätigten meine Vorurteile leider: Jeder Tierpsychologe, den ich damals hier in der Schweiz für LouLou kontaktierte, beschied uns, dass eine 17-jährige Katze sowieso nichts mehr lernt, verrechnete uns für diese fachkundige einminütige telefonische Auskunft 50 Franken und legte auf – oder aber man rief nach meiner Nachricht gar nicht erst zurück.

Da ich LouLou aber leider alleine nicht helfen konnte und ich nicht verantworten konnte, dass sie den Rest ihres Lebens in meinem Arbeitszimmer hinter einer Gittertür verbringt, suchte ich weiter.

Wer unsere Geschichte schon länger verfolgt, weiss, was dann geschah – alle anderen können die 180-Grad-Kehrtwendung meiner Meinung hier nachlesen: Wer einer Katze etwas beibringen möchte, muss vielleicht erstmal selber dazulernen

LouLou hat mir damit eine völlig neue Verständniswelt eröffnet, ich habe so unglaublich viel gelernt, was noch heute all meinen anderen Katzen auch zugute kommt, und ich bin sicher, dass meine Zwerglis und ich heute auch aufgrund all dieser Lernschritte (für mich!) heute so ein rundum harmonisches Leben führen. Als sich nicht zuletzt zwei Jahre später mit Moriah LouLous Geschichte zu wiederholen schien, dachte ich erst an einen schlechten Scherz. Doch es scheint, dass irgendjemand wollte, dass ich die Lektion zu Ende bringe. Bei Moriah gelang es dann auch. An dieser Stelle erneut allerinnigsten Dank an Frau Christine Hauschild – die Verhaltenstherapeutin unseres totalen Vertrauens.

Heute versuche ich sogar aufgrund unserer grandiosen Erfahrungen anderen misstrauischen Tierhaltern ihre Vorbehalte gegenüber Tierpsychologie auszureden smiley_emoticons_gucker2

Leider hatten LouLou und ich nicht genug Zeit. Gerade als sie anfing vergleichsweise selbstbewusst ihre neue Welt zu erobern, geschah etwas Eigenartiges.

Als sie eines Abends im April 2011 selbstbewusst durch die obere Etage stolzierte und alles erkundete, fotografierte ich sie. Aufgrund der Lichtverhältnisse mit Blitz (was natürlich total verboten und böse ist – aber ey: war halt sonst kein Licht da). Als ich die Fotos dann ansah, war ich betroffen. Etwas stimmte nicht. Ihre Augen. Irgendwas war mit ihren Augen.

Normalerweise leuchten Katzenaugen bei Blitzlicht wie übernatürliche Sterne in einem strahlenden Gelb. Doch LouLous Augen leuchteten auf den Fotos nicht. Sie wirkten blutdurchtränkt und stumpf.

Am nächsten Tag fuhr ich sofort mit ihr zum Tierarzt. Der stellte einen dramatisch erhöhten und sehr schmerzhaften Augeninnendruck mit einhergehender Erblindung bei LouLou fest. In der Fachsprache: Glaukom beidseits. Bei normalen Licht kaum zu erkennen.

Ich möchte euch also bitten, wenn ihr eure Katzen mal blitzlicht und ihre Augen seltsam erscheinen: Das könnte ein Symptom für eine äusserst schmerzhafte Erkrankung sein.

Doch das Schicksal war noch viel schlechter gelaunt. Ich hatte nicht mal mehr die Chance, LouLous Erblindung zu verhindern.

Da wir damals eh gerade dauernd beim Tierarzt waren, fiel dem ihre enorme Gewichtszunahme in nur wenigen Tagen auf. Ihr Bauch füllte sich mit Flüssigkeit.

Das ist nie ein gutes Zeichen.

Die Flüssigkeit war zähflüssig und gelblich. Das ist ein noch schlechteres Zeichen.

«Ich kann leider nichts mehr für Ihre Katze tun.»
Der Tierarzt sah mich traurig an. Zwei Minuten zuvor war meine Welt noch in Ordnung gewesen, nichts hatte mich ahnen lassen, dass ich LouLou nun so schnell verlieren würde.

«Wie lange noch?», fragte ich.
«Eine Woche, vielleicht auch zwei. Viel mehr nicht.»

Gute zwei Wochen später stellte LouLou das Fressen gänzlich ein. Von einem Tag auf den anderen war der Ausdruck in ihrem Blick ein anderer: Sie konnte nicht mehr. Das war am 9. Mai 2011.

LouLou – es tut mir so leid, dass wir nur so wenig Zeit hatten, dass ich es in dem Zeitfenster nicht geschafft hatte, dir das Selbtbewusstsein zurückzugeben, dass deiner würdig war. Vor allem aber danke ich dir von ganzem Herzen, dass du mich lehrtest, meine engstirnigen Vorurteile aufzugeben, mich mehr mit eurem Wesen zu befassen, womit du nicht nur Moriahs Lebensglück gerettet hast, sondern auch den anderen Zwerglis und mir völlig neue Wege der intergattischen Kommunikation eröffnetest.

Du warst immer die Grande Dame, die du immer warst – auch wenn du es nicht mehr immer wusstest.

LouLou, meine kleine grosse Diva – du bist unvergessen und ich danke dir von Herzen dafür, was du mich gelehrt hast. Mancher Unwissende mag sagen, eine 17-jährige Katze könne nichts mehr lernen – der das sagt, hat keine Ahnung, wie wir beide wissen ❤ Aber keiner soll sagen, dass ein Katzenhalter nicht dazulernen kann.

Ich verneige mich vor dir und schicke dir heute besonders liebevolle Grüsse – du bist nicht fort, nur woanders ❤

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ps: Grüsse sie mir alle, liebe LouLou – heute besonders natürlich Omar zu seinem 26. Geburtstag ❤ Aber auch alle anderen. Irgendwie fühle ich, dass ihr alle nun beieinander sitzt und auf uns aufpasst. Ich schicke eine Lastwagenladung eurer Lieblingsleckerlis zu euch hoch – lasst es krachen 😉 ❤

MadMax <3

Kürzlich hatte ich ja berichtet, dass hier völlig unverhofft, komplett ungeplant und eigentlich total gewissenhaft vorausschauend gegen meine Vernunft (höhö) dennoch ein weiterer kätzischer Mitbewohner einzog. Als hätten die Zwerglis je Rücksicht auf meine „Vernunft“ genommen….

Katze ist, was passiert, während du andere Pläne machst.

Am 23. März war es also so weit, den Roten heimzuholen. Niemand von uns hatte auch nur den Schimmer einer Ahnung, was seine Vorgeschichte ist, ob er sich mit anderen Katzen verträgt und ob er womöglich Freigang lauthals einfordern würde. Bei letzterem Punkt machte ich mir allerdings die wenigsten Sorgen.

Es mythologisiert zwar munter in der Katzenhalterwelt, dass Katzen, die Freigang kennen, irgendwas zwischen „kaum“ und „NIEMALS!!!!!“ Wohnungshaltung akzeptieren könnten. Ich persönlich kann diese Sichtweise nicht in einem einzigen Fall untermauern: All meine Zwerglis sind als ehemalige Strassenkatzen ja auch „Ex-Freigänger“. Allerdings lernten sie die Strassen und Felder nicht als Freiheit, sondern als bittere Not kennen: Hunger, Kälte, Überlebenskampf. Das Los der Strassenkatzen halt. Die pfeifen alle auf die „Freiheit“…..

Aber über den Roten wussten wir nichts. Absolut gar nichts – ausser, dass er FIV-positiv und ein Riese ist. Also nahm ich mir vor, alles brav nach Lehrbuch zu tun, zumal mich die Autorin schon bei → richtig schwierigen Zusammenführungen beraten hatte, und ich ihrem Fachwissen absolut vertraue:

Und wir durften wieder einmal ein grandioses Katzenbuch illustrieren (Coverseiten): Das ist uns eine Riesenehre!

 

Ich war allerdings verhalten verängstigt: Nochmals Gittertür, monatelanges intensives Training – das war gelinde gesagt trotz unserer grossartigen Erfahrungen mit →Verhaltenstherapie nicht, worauf ich grad so „Bock“ gehabt hätte smiley_emoticons_sad  Doch wat mut, dat mut.

Ich holte ihn also von der Klinik ab:
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Roter in dä Box

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Daheim habe ich ihn erstmal in unserem Katzenauffangsstationszimmer (oder ursprünglich meinem Büro) untergebracht.

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Er war der erste Ankömmling in dem wirklich schönen, grossen Quaräntezimmer, der sozusagen… – seinen eigenen Weg ging. Der Neuankömmling war ca. 20 Minuten in seiner Privatresidenz, ich war unten im hehren Wunsch, ihn erstmal zur Ruhe kommen zu lassen – als ich plötzlich ein lautes „Klack-Krawumm“ hörte: Der Kater kann Türen öffnen  smiley_emoticons_muede

Ich ging ganz leise hoch, um zu schauen: Faramee und Shakti standen eh schon vor der Türe und die Konfrontation war somit in vollem Gange. Nun einzugreifen, schien mir unklug. Also beobachtete ich nur. Max ist zwar drei- bis viermal so gross wie die anderen Katzen hier und FIV-positiv – allerdings auch zahnlos. Die einzige Gefahr, die von ihm also hätte ausgehen können, wären übliche Katzenkampfverletzungen gewesen (was ich natürlich sofort zart unterbunden hätte – den von unserer Therapeutin dafür empfohlenen Sichtschutzkarton hatte ich schon griffbereit) – aber die Gefahr, dass er hier jemanden mit FIV ansteckt, ist durch seine Zahnlosigkeit eh nicht gegeben.

Doch meine Sorgen waren glücklicherweise sowieso umsonst: Max unterwarf sich sofort den vorhandenen Katzen hier – auch als Shakti ihn anbrummte, ging er einfach nur weg. Vor allen Zwerglis hier, die so so so viel kleiner sind als er – zeigte er von Beginn weg immer nur grössten Respekt und Anstand.

Wenn er irgendwo zu ruhen geruhte, und ein anderes Zwergli dann den Platz für sich beanspruchte: Stand er auf und ging weg. Ohne Brummen, ohne Murren. Ich glaube, fauchen kann der gar nicht.

Inzwischen (er ist nun eine Woche hier) darf er von den anderen Zwerglis völlig integriert liegen, wo er will, er frisst Kopf an Kopf mit den anderen, spielt mit den anderen (wobei er niemals seine ganze Kraft nutzt, sondern sich auch mal vor ein viel kleineres Zwergli rücklings auf den Boden wirft, damit er von diesem fachkundig erlegt werden kann smiley_emoticons_rofl3)

Langer Rede kurzer Sinn: Ich hätte hier nach →Mathildes Tod keine siebte Katze mehr aufnehmen wollen – auch wenn es so viele arme Katzenwesen gibt, die so dringend ein Zuhause suchen. Aber Budget, Zeit und Vernunft waren sich einig: No way. Und dann kam, sah und siegte: Max.

 

Hier hat nichts „gefehlt“ – und doch sind wir jetzt komplett ❤ Max passt hierher wie Faust auf Auge, Deckel auf Topf oder siebter Zwerg zu Schneewittchen 😛

Wenn jemand ahnen konnte, dass ich mir heimlich schon immer wünschte, dass hier mal ein roter Tiger anklopft – dann meine verstorbene Herzenskatz Mathilde. Ich sprach nie zu jemandem darüber. Nicht mal zu ihr. Aber ich sehe Max als ihr Erbe – das wir alle hier mit grösster Freude annehmen ❤

Seid herzlich gegrüsst von Schneewönnchen und den 7 Zwergen ❤

Katze ist, was passiert, während du andere Pläne machst…

Letzten Samstagmorgen klingelte das Telefon zu unchristlicher Zeit (also vor 12 Uhr). Ich schon so: Näää, nicht am Samstag. Ich erkannte jedoch die Nummer: Unsere Tierklinik. Ich so: ????

Im ersten verschlafenen Moment schoss mir durch den Kopf: Habe ich eins der Zwerglis in der Klinik vergessen? Warten wir auf Blutwerte? Kurz: Hä?

Ich nahm also ab und fragte noch etwas gedanklich konfus: „Hallo?“
Klinik: „Guten Morgen, Frau B. – es tut mir leid, Sie zu stören!“
Ich: ?
Klinik: „Wir haben eine etwas seltsame Anfrage an Sie.“
Ich: ??
Klinik: „Könnten Sie sich allenfalls unter Umständen womöglich vielleicht eventuell vorstellen, eine weitere FIV-Katze aufzunehmen?“
Ich: hellwach, aber nun ???

Die mir wohl bekannte, nette Tierarzthelferin erklärte mir leicht beschämt, dass sie in der Praxis eine Katze hätten, die ihnen vor einigen Tagen von einer Frau vorbeigebracht wurde, weil sie diese aufgrund ihres Zustands als mutmasslichen Streuner versorgen lassen wollte. Tatsächlich war das Tier zwar recht fit, aber das Gebiss war wohl in einem grausigen Zustand, so dass die Klinik zum Schluss kam, es müssten sämtliche (der wenigen verbliebenen) Zähne dringend gezogen werden.

Im Verlaufe der Behandlungsgespräche stellte sich heraus, dass diese Katze gar nicht der Frau gehörte – sie aber sehr wohl bereit war, die anfallenden Kosten für die Zahn-OP zu übernehmen (wow!). Wem das Tier gehörte, wusste sie aber auch nicht.

Glücklicherweise war das Rottigerchen gechippt und eingetragen, so dass der Besitzer schnell eruiert werden konnte. Da unsere Klinik aber auch nicht wild drauflos operiert, sondern erstmal die Gesamtkonstitution einer Katze eruiert, wurde festgestellt, dass Rottiger FIV+ ist. Als der Besitzer das erfuhr, meinte er wohl – stark verkürzt und ohne Anklage gegen ihn (ich habe nie selber mit ihm gesprochen) – dass die Katze dann besser eingeschläfert werden sollte.

Wer mich kennt weiss, dass ich ein grosser Fivie-Verfechter bin – man muss sich halt auch mal informieren, bevor man über Leben und Tod entscheidet: FIV. Glücklicherweise denkt unsere Klinik ähnlich – sonst wäre ich ja nicht dort 😀

Wie erwartet sah meine Klinik das nun wiederum nicht ein, eine ansonsten völlig fitte Katze nur wegen Zahn-OP und FIV einzuschläfern. Allein: Der Besitzer wollte sie nicht mehr, die Frau, die das alles in Gang gesetzt hatte, konnte nicht, und Tierheime in der Schweiz nehmen FIV+-getestete Katzen offenbar strikt nicht auf (obwohl die allermeisten Katzen in der CH gar nicht auf FIV getestet sind – aber wenn mans mal weiss….) Kurz: Der übliche Scheiss (tschuldigung), sobald FIV diagnostiziert wurde 😦

Glücklicherweise war ich gerade letzte Woche mit all meinen Zwerglis eh in der Klinik zum Gesundheitscheck (das erste Mal seit → Mathildes Tod im April), so dass ich bzw. meine FIV-Katzen Faramee und Moriah der Klinik auch wieder im Bewusstsein war.

Und so kam es zum Anruf am letzten Samstagmorgen.

Nachdem die nette Tierarzthelferin mir all das am Telefon geschildert hatte, meinte ich:
„Eigentlich wollte ich ja keine siebte Katze mehr… Aber ‚eigentlich‘ sagt ja schon alles. Wann soll ich dort sein?“
Klinik: „Oh! Echt? Wir wagten ja nicht zu hoffen. Wenn Sie heute noch kommen könnten? Das Tierchen (ha!) lebt nun schon seit Tagen in einer unserer Aufwachboxen – das ist ja nicht so schön.“
Ich: „Geben Sie mir eine halbe Stunde.“

Bevor ich berichte, was mich erwartete, möchte ich dies noch kurz einflechten: Ich habe keines meiner Zwerglis je nach seiner Optik „ausgesucht“ – meist waren es eher die Zwerglis, die hier anklopften. Aber insgeheim wünschte ich mir immer, dass mal ein roter Kater hier anpocht – doch das war halt nie so. Ich wusste aber absolut nichts über das Tier, als ich in die Praxis fuhr. Ausser dass „es“ FIV+ und FeLV-negativ ist (Nicht falsch verstehen, liebe FeLV-Katzenhalter, ihr wisst?) Alles andere war nicht wichtig. Und was ich sah, war „das“ da:

Zwerg7Ic

 

Ich so: smiley_emoticons_gucker2

Ich erfuhr dann nicht nur, dass er a) männlich (kastriert), b) Rottiger durch und durch und c) menschenfreundlich sondergleichen ist. Aber wie katzensozial war er? Das konnte mir keiner sagen.

Was dann passierte, berichte ich in den nächsten Tagen 😀 Der aktuelle Beitrag ist jetzt schon zu lang 😉

Ps: Er heisst nun – mit seinem Einverständnis – Max. Wann immer ich seinen Namen sage, kommt er direkt angaloppiert smiley_emoticons_gucker2

PPS: Nachtrag: So hat Max sich hier eingelebt → Max – Mathildes Erbe ❤