Archiv für den Monat Juni 2015

Lucies Bein bleibt dran.

Nachdem sich meine gehbehinderte Katze Lucie vor rund zwei Wochen das kaputte Bein ausgekugelt hatte, stand eine Amputation des Beins zur Diskussion. Jetzt nicht mehr.

Gerade war ich mit Lucie nochmal in der Klinik zur Kontrolle: Nach dem mutmasslichen → Unfall vor rund zwei Wochen sollte sie ja eine Woche lang Schmerzmittel bekommen, um zu verhindern, dass durch ihre verrenkte Schonhaltung des schmerzenden Beinchens weiterer Schaden angerichtet wird, der letztlich eine Amputation notwendig gemacht hätte.

Nachdem sie nun seit drei Tagen ohne Schmerzmittel auskommt und das Beinchen inzwischen wieder „normal“ einsetzt (also wie vor dem Unfall halt), ist eine Amputation nun erstmal vom Tisch.

Ich bin sehr erleichtert, dass wir Lucie diese schwere OP vorerst ersparen können.

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puh.

Der Arzt hat Lucie aber schon ermahnt, nicht immer rumzuspringen wie ein gedoptes Eichhörnchen, sondern sich altersgeziemlich ladylike zu bewegen. Lucie und ich haben herzlich gelacht 😛

Sonnenscheinchen ♥

Sonnenscheinchen ♥

Lucies OP-Termin ist erstmal in der Warteschleife

Heute Vormittag fuhr ich mit Lucie zur vereinbarten OP-Voruntersuchung – in der vermeintlichen Gewissheit, dass ihr rechtes Hinterbein amputiert werden muss. Heute. Doch es kam anders.

Gestern berichtete ich hier ja von → Lucies ausgerenktem Beinchen, dem die Amputation droht. (Das Beitragsbild ist übrigens ein Gemälde der begnadeten Künstlerin Stefania Re von Lucie ❤ )

Beim Termin heute wurde natürlich zunächst das fragliche Beinchen gründlichst untersucht, abgetastet und geröntgt, um die Notwendigkeit einer Amputation zu prüfen. Und obwohl sich das Röntgenbild nach Lucies Misshandlung damals in Spanien als anatomisches Schreckensbild darstellt, fand der zuständige Arzt durchaus zuversichtliche Worte zur Gesamtkonstitution des Beins sowie ihrer Hüfte und der in Mitleidenschaft gezogenen Rückenwirbel.

Das Bein sei nun wieder stabil im Hüftgelenk verankert und zeige sich erstaunlich beweglich. Auch seien die durch jahrelange Fehlhaltungen bedingten Folgeschäden an Hüfte und Rücken erstaunlich überschaubar. Er sehe jedenfalls anatomisch derzeit keine Notwendigkeit, das Bein zum jetzigen Zeitpunkt zu entfernen.

Dass Lucie das Bein so verrenkt hält, rühre seiner Einschätzung nach eher daher, dass sie nach der Auskugelung noch immer Schmerzen habe, welche aber sehr wahrscheinlich von den verkrampften Muskeln rund um die betroffene Stelle rührten (ähnlich wie bei einem Hexenschuss, der ja auch noch tagelang schmerzen kann, nachdem die Wirbel wieder eingerenkt sind – kennt ihr? Ich kenns, leuchtet mir schon ein).

Da man es einer Katze schlecht verständlich mache könne, dass Schonhaltungen nur zu noch mehr Problemen und Schmerzen führen, soll ich ihr jetzt eine Woche lang recht betäubende Schmerzmittel geben – in der Hoffnung, dass sie dadurch die verrenkte Schonhaltung aufgibt, und sich wieder getraut, das Beinchen wie vorher in ihre Bewegungen miteinzubeziehen.

Das sei bis dahin zwar für mich kein leichter Anblick, aber sicher erträglicher für mich als eine OP für sie. Wollja – gibs mir! smiley_emoticons_razz

Eine Bein-Amputation sei zwar tatsächlich eine „Routine“-Angelegenheit – was aber nicht bedeute, dass sie nicht zahlreiche Risiken berge: Neben den Risiken einer jeden OP (Narkose, Infektionen, schlechte Heilung etc.), gehe eine Beinamputation auch mit einem grossen Blutverlust einher, was gerade bei einem zarten Wesen wie Lucie nicht zu unterschätzen sei. Zudem erschwere sich das Ganze bei ihr auch, da durch all die verdrehten Knochen, Sehnen, Nervenbahnen und Muskeln es auch für ausgewiesene Fachleute zu einem gewissen Grad ein Blindflug sei, ob sie danach wirklich keine gröberen Probleme bekommt.

Kurz: Der Tierarzt meinte, er nehme Amputationen grundsätzlich nur dann vor, wenn es wirklich keine andere Option mehr gibt. Und bei Lucie erst recht.

Darum wollen wir jetzt versuchen, ob die Schmerzmittel sie dazu bringen können, das Bein wieder als Mitglied ihres Körpers zu akzeptieren. Sozusagen. Derweil nutzen wir die Woche für die Auswertung eines grossen Bluttests für Lucie – denn falls es doch sein müsste, will man natürlich ganz genau wissen, wie es um ihre Gesamtkonstitution steht.

Dann hat er Lucie nochmal chiropraktisch so richtig durchgewalzt und ihre Anatomie mal eben neu sortiert (chrrrrrrrr, knacks, krrrr, plopp, knacks – ich musste mich kurz abwenden, örks) und seither scheint es ihr tatsächlich auch schon wieder viel relaxter zu gehen ❤ Zurück zu Hause zeigte sie endlich mal wieder richtig Appetit, fummelte sich wieder ihre Leckerli zusammen und köpfelte mit ihren Zwerglis-Kollegen.

Und mein Gemütszustand pendelt mal wieder irgendwo zwischen grosser Erleichterung und Panik vor dem Kontrolltermin in exakt einer Woche: Jetzt, da man mir erläuterte, dass eine Amputation alles andere als ein Spaziergang würde, bin ich nicht wirklich tiefenentspannter  smiley_emoticons_panik4 smiley_emoticons_rolleyesnew

Ja, so ist das hier bei uns gerade – puh. Hat jemand zufällig evtl. eine grosse Lastwagenladung „Stahlnerven für Weicheier“ günstig abzugeben? 😛 (Die sind für mich, nicht für Lucie – Lucie mit ihren 2,5 Kilo ist die Nervenstärke selbst ❤ )

ein wenig Schleichwerbung für cat-on ;-)

Lucie – manchmal holt die Vergangenheit einen ein :-(

Lucie, meine kleine Prinzessin Kicherbse ❤ hat morgen einen Termin beim Chirurgen. Vermutlich muss ihr steifes Beinchen ab.

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Nicht jeder, der hier mitliest, kennt Lucies Geschichte, darum sei sie hier nochmal ganz kurz zusammengefasst. Lucie kam 2007 als ca. 1-2-jährige Katze aus einem Messie-Haushalt in Madrid zu uns. Sie hat ein steifes Hinterbein sowie einen in der Hälfte abgerissenen Schwanz, seit man sie daran festhielt, um sie kopfvoran gegen eine Wand zu schlagen.

Als sie zu uns kam, wurde sie als Erstes von einem sehr renommierten Katzen-Orthopäden durchgecheckt, ob das Beinchen noch irgendwie zu retten bzw. ihr Leben normalisierbar sei. Er erläuterte mir dann auch aufgrund seiner Untersuchungen, was ihre Vorgeschichte gewesen sein musste. Er riet mir damals, ihr ihr Bein zu lassen, da sie es noch nutzte und auch kitzlig war an den Zehen 🙂 Und er sagte mir auch, dass irgendwann der Zeitpunkt kommt, an dem sie Probleme mit dem Beinchen bekommen wird, weil die ständige Fehlhaltung Gelenkverschleiss und Wirbelsäulenfehlhaltungen verursache. Dennoch hielt er damals an dem Beinchen „fest“, weil es so sehr noch ihr gehörte.

Trotz ihrer schlimmen Vergangenheit war Lucie denn auch durch und durch Sonnenschein zu Mensch und Tier. Sie heisst hier sofort jeden Neuankömmling aufs Herzlichste Willkommen und hüllt ihn in Liebe ein. Sie ist eine richtige kleine Hippiekatze, die zweifellos Blumen im Haar trüge, sofern Katzen so etwas täten.

Doch vergangenen Freitag passierte etwas – ich weiss nicht, was. Morgens um 7 Uhr hat sie noch gefuttert, verhielt sich wie immer. Als ich dann aber rund eine Stunde später ins Büro gehen wollte, sah ich sie in einer Ecke liegen – seltsam verkrümmt, als wäre ihr Rückgrat gebrochen, und sie wimmerte. Ich liess alles fallen und eilte zu ihr.

Als ich sie zugleich ebenso tröstend wie entsetzt streichelte, schrie sie auf vor Schmerz. Und sie hörte nicht mehr auf zu schreien.

Meine Nerven flatterten derweil von dannen – ich begriff nur noch, dass ich sofort im Büro alle Termine absagen und noch viel wichtiger unsere Klinik anrufen musste. Letztere meinte: Kommen Sie einfach so schnell Sie können, wir werden Zeit für Lucie finden!

20 Minuten später waren wir in der Klinik und kamen sofort dran. Der Tierarzt meines Vertrauens, der auch Chiropraktiker ist, versuchte ihr offenbar ausgekugeltes steifes Beinchen so gut zu richten wie das bei ihrem seit der Misshandlung damals verqueren Knochen-, Muskel- und Sehnenaufbau noch anatomisch nachvollziehbar scheint.

Immerhin hat Lucie seither offenbar keine Schmerzen mehr. Aber das malträtierte Beinchen, auf das sie sich die letzten 8 Jahre noch vertrauensvoll stützte, das sie nie zu behindern schien,

 

brach sozusagen weg.

Sie schien mir bisher nie „behindert“ – trotz ihrer schwerwiegenden Verletzungen. Sie war immer fidel, aufgeschlossen, raste die Treppen rauf und runter – Behinderung? Ach wo!

Aber nun ist mein Sonnenscheinchen gebrochen. Und ich weiss, dass es keine so grosse Sache ist, das Beinchen zu amputieren. Das ist eine Routine-OP und Lucie wird lernen, ohne ihre „Bein-Krücke“ auszukommen.

Dennoch hat mich noch nie eine OP wütender/verzweifelter gemacht. Hätte dieser Unmensch damals ihr nicht alle Sehnen, Knochen und Muskeln ausgerenkt, im offensichtlich auf grausame Weise unwissenden Versuch, diese kleine Katze zu erschlagen – dann hätte sie einfach eine glücklich kleine Katze sein können, die Käfern hinterherspringt und weiter keinen Schaden tut.

Doch der Schaden war angerichtet – und nun holt er uns ein. Ich hätte meinem kleinen Sonnenschein von Herzen gewünscht, dass es nun gut ist. Für immer. Und nun zwingt mich dieser Unmensch aus längst verdrängten Tagen, die Entscheidung zu treffen, meinem geliebten Sonnenschein ein Bein abzuhacken.

Das macht mich wütend. Und ich bete für diese unsägliche Person damals, dass Lucie alles gut übersteht. Denn andernfalls wird das Universum keine Zweifel daran haben, wem das Kamikatze-Zwerglis-Land von Herzen Schmerzen ohne Ende wünscht. Und das Universum kann bisweilen auch präzise zuschlagen. Amen.

Verzeiht meinen Zorn – aber wer die Wesen meines Herzens durch solche Qualen schickt, darf nicht mit Gleichmut rechnen 😦

Lucie – mein Sonnenschein! Du wirst das schaffen – versprichst du mir das? Du hast schon so viel mehr geschafft als mancher Mensch es könnte. Ich liebe dich und tu das nur zu deinem Besten 😦