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Ein Hoch auf LouLou – du bist nicht fort, nur woanders

Heute soll es schon 4 Jahre her sein, dass ich LouLou aufgrund schwerer Krankheit ohne Chance auf Genesung gehen lassen musste. Unvergessen ist jedoch nicht nur mein geliebtes „grumpy old Bambibärchen“, sondern auch, was sie uns hinterliess.

Der 9. Mai. Ein “spezielles” Datum für uns hier: Omar wurde am selben Tag 22 Jahre alt, an dem ich LouLou im Alter von 19 Jahren einschläfern lassen musste.

Nur rund anderthalb Jahre zuvor war mir die damals 17-jährige LouLou von einer damaligen Arbeitskollegin notfallmässig übergeben worden. LouLou war ihre erste Katze gewesen, doch im Laufe der Jahre kamen bis zu acht weitere Katzen hinzu, die LouLou aufs Äusserste mobbten. Als meine Kollegin endlich einsah, dass sie der komplett verstörten LouLou keinen Gefallen tat, sie länger unter ihrem Schreibtisch vegetieren zu lassen, war es schon fast zu spät: LouLou hatte ihre Würde, ihr Selbstvertrauen und jede Freude am Leben verloren.

Der Haken an der Chose war, dass hier ja zu der Zeit auch schon 5 andere Katzen lebten, wenngleich sehr soziale Katzen – aber das wusste LouLou ja nicht. Ein Einzelplatz war zuvor offenbar verzweifelt gesucht, aber nicht gefunden worden.

Also zog LouLou erstmal hier ein.

Da jedoch LouLous Selbstaufgabe und Misstrauen gegen Artgenossen sich in ihrer Seele bereits so festgebissen hatten, begriff ich relativ bald, dass ich professionelle Hilfe brauche, um ihr zu helfen: → Tierpsychologie.

Ich hatte zuvor keinerlei Erfahrung mit diesem Metier und hielt es ehrlich gesagt für Humbug. Halt: Keine Ahnung, aber eine Meinung… smiley_emoticons_rolleyesnew

Die ersten Kontakte mit Tierpsychologen bestätigten meine Vorurteile leider: Jeder Tierpsychologe, den ich damals hier in der Schweiz für LouLou kontaktierte, beschied uns, dass eine 17-jährige Katze sowieso nichts mehr lernt, verrechnete uns für diese fachkundige einminütige telefonische Auskunft 50 Franken und legte auf – oder aber man rief nach meiner Nachricht gar nicht erst zurück.

Da ich LouLou aber leider alleine nicht helfen konnte und ich nicht verantworten konnte, dass sie den Rest ihres Lebens in meinem Arbeitszimmer hinter einer Gittertür verbringt, suchte ich weiter.

Wer unsere Geschichte schon länger verfolgt, weiss, was dann geschah – alle anderen können die 180-Grad-Kehrtwendung meiner Meinung hier nachlesen: Wer einer Katze etwas beibringen möchte, muss vielleicht erstmal selber dazulernen

LouLou hat mir damit eine völlig neue Verständniswelt eröffnet, ich habe so unglaublich viel gelernt, was noch heute all meinen anderen Katzen auch zugute kommt, und ich bin sicher, dass meine Zwerglis und ich heute auch aufgrund all dieser Lernschritte (für mich!) heute so ein rundum harmonisches Leben führen. Als sich nicht zuletzt zwei Jahre später mit Moriah LouLous Geschichte zu wiederholen schien, dachte ich erst an einen schlechten Scherz. Doch es scheint, dass irgendjemand wollte, dass ich die Lektion zu Ende bringe. Bei Moriah gelang es dann auch. An dieser Stelle erneut allerinnigsten Dank an Frau Christine Hauschild – die Verhaltenstherapeutin unseres totalen Vertrauens.

Heute versuche ich sogar aufgrund unserer grandiosen Erfahrungen anderen misstrauischen Tierhaltern ihre Vorbehalte gegenüber Tierpsychologie auszureden smiley_emoticons_gucker2

Leider hatten LouLou und ich nicht genug Zeit. Gerade als sie anfing vergleichsweise selbstbewusst ihre neue Welt zu erobern, geschah etwas Eigenartiges.

Als sie eines Abends im April 2011 selbstbewusst durch die obere Etage stolzierte und alles erkundete, fotografierte ich sie. Aufgrund der Lichtverhältnisse mit Blitz (was natürlich total verboten und böse ist – aber ey: war halt sonst kein Licht da). Als ich die Fotos dann ansah, war ich betroffen. Etwas stimmte nicht. Ihre Augen. Irgendwas war mit ihren Augen.

Normalerweise leuchten Katzenaugen bei Blitzlicht wie übernatürliche Sterne in einem strahlenden Gelb. Doch LouLous Augen leuchteten auf den Fotos nicht. Sie wirkten blutdurchtränkt und stumpf.

Am nächsten Tag fuhr ich sofort mit ihr zum Tierarzt. Der stellte einen dramatisch erhöhten und sehr schmerzhaften Augeninnendruck mit einhergehender Erblindung bei LouLou fest. In der Fachsprache: Glaukom beidseits. Bei normalen Licht kaum zu erkennen.

Ich möchte euch also bitten, wenn ihr eure Katzen mal blitzlicht und ihre Augen seltsam erscheinen: Das könnte ein Symptom für eine äusserst schmerzhafte Erkrankung sein.

Doch das Schicksal war noch viel schlechter gelaunt. Ich hatte nicht mal mehr die Chance, LouLous Erblindung zu verhindern.

Da wir damals eh gerade dauernd beim Tierarzt waren, fiel dem ihre enorme Gewichtszunahme in nur wenigen Tagen auf. Ihr Bauch füllte sich mit Flüssigkeit.

Das ist nie ein gutes Zeichen.

Die Flüssigkeit war zähflüssig und gelblich. Das ist ein noch schlechteres Zeichen.

«Ich kann leider nichts mehr für Ihre Katze tun.»
Der Tierarzt sah mich traurig an. Zwei Minuten zuvor war meine Welt noch in Ordnung gewesen, nichts hatte mich ahnen lassen, dass ich LouLou nun so schnell verlieren würde.

«Wie lange noch?», fragte ich.
«Eine Woche, vielleicht auch zwei. Viel mehr nicht.»

Gute zwei Wochen später stellte LouLou das Fressen gänzlich ein. Von einem Tag auf den anderen war der Ausdruck in ihrem Blick ein anderer: Sie konnte nicht mehr. Das war am 9. Mai 2011.

LouLou – es tut mir so leid, dass wir nur so wenig Zeit hatten, dass ich es in dem Zeitfenster nicht geschafft hatte, dir das Selbtbewusstsein zurückzugeben, dass deiner würdig war. Vor allem aber danke ich dir von ganzem Herzen, dass du mich lehrtest, meine engstirnigen Vorurteile aufzugeben, mich mehr mit eurem Wesen zu befassen, womit du nicht nur Moriahs Lebensglück gerettet hast, sondern auch den anderen Zwerglis und mir völlig neue Wege der intergattischen Kommunikation eröffnetest.

Du warst immer die Grande Dame, die du immer warst – auch wenn du es nicht mehr immer wusstest.

LouLou, meine kleine grosse Diva – du bist unvergessen und ich danke dir von Herzen dafür, was du mich gelehrt hast. Mancher Unwissende mag sagen, eine 17-jährige Katze könne nichts mehr lernen – der das sagt, hat keine Ahnung, wie wir beide wissen ❤ Aber keiner soll sagen, dass ein Katzenhalter nicht dazulernen kann.

Ich verneige mich vor dir und schicke dir heute besonders liebevolle Grüsse – du bist nicht fort, nur woanders ❤

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ps: Grüsse sie mir alle, liebe LouLou – heute besonders natürlich Omar zu seinem 26. Geburtstag ❤ Aber auch alle anderen. Irgendwie fühle ich, dass ihr alle nun beieinander sitzt und auf uns aufpasst. Ich schicke eine Lastwagenladung eurer Lieblingsleckerlis zu euch hoch – lasst es krachen 😉 ❤

Glückwunsch zum Ehrentag, geliebtes Möhrchen ♥

Gestern vor zwei Jahren startete der Moriah-Express um dich heimzuholen ♥ Damals dachte ich noch, dies sei der schwierigste Teil deiner Reise…

Wer uns schon länger kennt, weiss ja auch längst, wie es damals dazu kam, dass ich Moriah wiedermal vollkommen unvorbereitet, unbeabsichtigt und darum ganz klar total unschuldig, weil schicksalsträchtig fremdgesteuert auf einer Notfellchen-Vermittlungsseite entdeckte – wer die Geschichte noch nicht kennt, sie aber gerne kennenlernen möchte, findet sie unter → „Haben Katzen Humor? Ja, tiefschwarzen“.

Viele von euch wissen auch längst, dass ich als damals bereits einigermassen→ geübte Katzen-Reisebegleiterin das Unterfangen, Moriah von Cádiz nach Zürich zu holen…

Total unterschätzt hatte. smiley_emoticons_rolleyesnew

Wie das Abenteuer dann dank der routinierten Vermittlungs-Organisation und grossartiger Unterstützung herzensguter Menschen schliesslich doch gelang, hatte ich im Beitrag →“Happy Move-in-Day, Weihnachtswunder Moriah ♥“ schonmal ausführlich beschrieben.

Und auch dass mit Moriahs Einzug hier die eigentliche Herausforderung erst richtig begann, ist regelmässigen Lesern dieses Blogs hinlänglich bekannt – wem nicht, hier nachzulesen: → Moriah: Therapie der Katzenhasserin geht aktiv weiter.

Moriah und Shakti haben sogar Geschichte geschrieben – sozusagen: Ihre erste Buchwidmung (wir fühlen uns sehr geehrt smiley_emoticons_kolobok-party-dancers):
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Zu finden in: „Katzenzusammenführung mit Herz und Verstand“ von Christine Hauschild.
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Nochmals ganz ganz herzlichen Dank (jetzt ohne Scheiss: Diese Buchwidmung ist das Grösste – leider gab es das Buch ja damals in unseren Anfängen noch nicht. Aber das rührt uns sehr, dass wir bei einer so versierten Katzentherapeutin so einen „nachhaltigen“ Eindruck hinterliessen – oder andersum: Es tut mir leid, es tut mir leid, es tut mir leid, dass wir so anstrengend waren). Vor allem aber: Ohne Frau Hauschilds grossartige Beratung mit vielen aufschlussreichen Tipps und Strategien und vor allem auch unerschütterliche Zuversicht hätte mich wohl bisweilen der Mut verlassen, dass Moriah je ihre panische Angst vor anderen Katzen ablegt. Doch nach rund einem halben Jahr intensiven Trainings konnte ich vermelden: Zusammenführung abgeschlossen.

Und weil ihr das alles schon wisst, wisst ihr bestimmt auch, wie unbeschreiblich glücklich ich bin, dass Ex-Artgenossen-„Hasserin“ Moriah sich hier trotz aller anfänglichen Hürden inzwischen wunderbar eingelebt hat und fester Bestandteil unserer kleinen Zwergen-Herde wurde  smiley_emoticons_liebhab

Ich stehe heute zudem auch in regelmässigem Kontakt mit ihrer spanischen Pflegemutter, die Moriah damals diesen wunderschönen Brief (aus dem Englischen übersetzt) mit auf ihre Reise ins Ungewisse gab:

“Hallo,
Mein Name ist Messina (dort hiess Moriah so). Ich war eine Streunerkatze, die an einem verlassenen leeren Ort nahe dem Ozean in der Stadt Chiclana bei Cádiz lebte. Ich lebte dort mit ungefähr 30 anderen Katzen. Eine nette Frau gab mir Futter und Wasser.

Ich wurde im Oktober 2011 zusammen mit 13 Freunden und Verwandten gerettet. Wir hatten Glück. Die meisten der anderen Katzen wurden vergiftet.

Ich hatte drei Würfe. Meine beiden ersten Babys wurden von gemeinen Menschen getötet, eines wurde totgeschlagen. Ich hatte einen zweiten Wurf ein paar Tage nach meiner Rettung letztes Jahr. Ich war so gestresst und verängstigt, dass ich meinen Babys nicht gerecht werden konnte. Sie starben trotz aller Bemühungen unserer Retter.

Den dritten Wurf hatte ich im März diesen Jahres. Es waren vier wunderschöne langhaarige Babys. Das Mädchen starb Ende August, die Jungs sind inzwischen recht gross. Sie sind wunderschön und sehr lieb. Ich habe immer noch etwas Angst vor Fremden, diese grossen zweibeinigen Wesen waren sehr grausam zu meinen Freunden und mir. Ich traue ihnen nicht bis ich sicher bin, dass sie mir nicht wehtun.

Ich würde mir wünschen, dass wer immer sich nun um mich kümmern wird, geduldig ist und lieb. Meine spanischen Retter würden sich wünschen, dass meine künftige Menschin mit ihnen in Kontakt bleibt und ihnen von mir berichtet.

Herzlichen Dank, dass du dich künftig um mich kümmern möchtest. Ich freue mich auf ein Leben in einem richtigen Zuhause – etwas, das ich niemals zuvor kannte.”

Liebe Olga – ich hoffe, Moriahs und deinen Wunsch erfüllt und ihr ein „richtiges“ Zuhause geschenkt zu haben – auch wenn sie es in den ersten Wochen ganz ganz ganz schrecklich fand. Moriah gestern Mittag auf der Terrasse:
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Ihre Reise dahin in Bildern (auf die Bilder klicken, um sie vergrössert anzuzeigen und die Galerie zu öffnen):

Am sehr sehr frühen Morgen des 22. Dezember 2012 brachte dich der Moriah-Express sicher in dein neues Zuhause – nochmals ganz herzlichen Dank an alle in irgendeiner Form Beteiligten!  smiley_emoticons_hug

Happy Move-in-Day, kleines Weihnachtswunder! ♥ ♥ ♥ smiley_emoticons_torte

Ich habe eine Entscheidung getroffen. Ich hoffe, dass sie folgenreich ist.

Und zwar werde ich ein Buch schreiben. Ich meine, ein richtiges Buch mit Buchstaben und allem, was dazugehört: Drama, Liebe, Verrat und Totschlag. Und natürlich Katzen. Was sonst?

In meinem Urlaub hatte ich viel Zeit. Zeit, zu lesen. Zeit, nachzudenken. Ich erspare euch die Details. Euch zuliebe direkt das Fazit: Es gibt eigentlich nur zwei Fähigkeiten, für die ich je von anderen Menschen wohlwollende Rückmeldung bekam: ein gewisses Talent zu zeichnen und ein gewisses Talent zu schreiben.

Die Zeichnerei habe ich ja schon in Buchform festgehalten: „Anderswo zuhause“. Die englische Version und das Malbuch sollten übrigens pünktlich zu Weihnachten fertig werden 😀 Doch dies nur so am Rande (höhö).

Ich sollte überhaupt wieder mehr zeichnen. Solange ich noch kann. Statt mich zB. auf Facebook mit mitunter sehr sehr seltsamen Gestalten rumzuschlagen. Womit ich natürlich nicht meine FB-Freunde meine. Aber (fast) alle anderen.

Und ich sollte endlich mal ein Buch schreiben. Das wollte ich schon immer, allein: Ich wusste nicht, worüber. Nun weiss ich es.

So viel sei vorweg verraten: Mathilde hat auch aus dem Jenseits eine unglaublich inspirierende Wirkung auf mich. Nicht falsch verstehen, bitte: Alle meine Zwerglis bedeuten mir die Welt – jedes einzelne. Aber… wer Thillie und unsere Geschichte kannte, beziehungsweise, wer mich davor kannte, kann vielleicht immerhin im Ansatz nachvollziehen, wie sehr diese Seele mein Leben umgekrempelt hat. Und damit meine ich nicht, dass ich zum besessenen Tierschützer wurde, wie manche in meinem Umfeld es sehen. Ich meine damit auch nicht, dass ich vielleicht zu einer Katze ein spirituelleres Verhältnis hatte, denn je zu einem Menschen. Ich meine damit schlicht und ergreifend, dass diese Katze mir die Augen für Dinge öffnete, die ich zuvor nicht sah.

Nur wenige Menschen schafften dasselbe. Oder werden es in Zukunft tun.

Jaja, jetzt kommt so ein Laien-Katzenhaltungsratgeber oder son Scheiss, denkt ihr vielleicht. Weit gefehlt. Naja – ok: Der eine oder andere Aspekt zum Thema Respekt gegenüber Mitlebewesen könnte evtl. tatsächlich eine Rolle spielen. Aber da kennen sich andere viel besser aus als ich.

In meinem bahnbrechenden Buch soll es vielmehr um folgende Themen gehen: Liebe, Freundschaft, Verrat, Dummheit, Facebook, Internetforen, Lernfähigkeit, Krankheit, Trauer, Tod, Mord, Ausserirdische, das Universum. Und natürlich um Katzen. Worum sonst?

Als Cover hätte ich gern Stefania Res Gemälde von Mathilde, das sie mir einst schenkte – falls das Buch ein Bestseller wird, könnte ich sie sogar endlich dafür bezahlen 😉
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Ich bin total gespannt, was dabei rauskommt. Sonst noch jemand? 😛

Katzenzusammenführungen: Eine Wissenschaft für sich ;-)

Heute möchte ich gern ein bisschen Werbung machen. Nicht, weil ich davon etwas habe, sondern weil hoffentlich alle, die in der Zukunft Katzenzusammenführungen planen, etwas davon haben – und vor allem aber deren Katzen ♥

Es ist ein längst überholter Mythos, dass Katzen strikte Einzelgänger seien. Im Gegenteil sind sie für ein erfülltes Dasein auf Sozialkontakte mit Artgenossen angewiesen. Wenige Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel. Eine Katze mit Freigang findet allenfalls draussen mit Nachbarskatzen Sozialkontakte. Wohnungskatzen hingegen haben diese Möglichkeit nicht und sollten gemäss Schweizer Tierschutz auf keinen Fall allein gehalten werden.

Doch genau wie der Mensch verträgt sich die Katze aber nicht mit jedem beliebigen Artgenossen: Sie würden ja vermutlich auch nicht einfach raus auf die Strasse gehen und mit irgendeinem Passanten eine Wohngemeinschaft gründen. Nehme ich mal an.

Sollen Katzen, die einander noch nicht kennen, zusammengeführt werden, gilt es, Gemeinsamkeiten zu beachten: Meist vertragen sich Katzen mit Katzen und Kater mit Katern besser, weil sie ein ähnliches Spielverhalten haben (Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel). Weiter sollten die Katzen altersmässig nicht zu weit auseinanderliegen: So wird eine gesetzte Katzen-Omi kaum Freude an einem quirligen Katerbengel haben, der ihr dauernd auf die Nerven geht. Katzen weisen charakterlich zudem eine ähnliche Bandbreite auf wie Menschen: Es gibt Schüchterne, Draufgänger, Diven, Hitzköpfe, Sanftmütige und so weiter. In der Regel gilt hier: Gleich und gleich gesellt sich gern. Das sind mal einige Grundregeln. Doch auch die garantieren noch kein Gelingen des Unterfangens.

Ich habe hier ja eine sehr soziale Truppe von derzeit sechs ehemaligen Strassenkatzen aus verschiedenen Ländern. Unsere Zusammenführungen (bislang 9 in den letzten fast 5 Jahren – da ich auch Palliativfälle aufnehme, ist leider die „Fluktuation“ hier entsprechend hoch) liefen in der Vergangenheit eigtl. immer vollkommen problemlos.

Bis auf zweimal.

Bei beiden Problemfällen handelte es sich um Katzen, die aufgrund ihrer Vorgeschichte panische Angst vor anderen Katzen hatten. So war LouLou in ihrem früheren Zuhause leider von anderen Katzen massiv gemobbt worden (ich hatte die Folgen völlig unterschätzt), bei Moriah wiederum war es so, dass sie mir als superkatzensozial vermittelt wurde – was sich hier dann zu unser aller Entsetzen leider als Fehlinformation herausstellte. Erst dachte ich bei Moriah an den alten Zauberspruch, der bei Zusammenführungen grundsätzlich gilt: Zeit und Liebe werden es schon richten.

Aber das reicht halt nicht immer.

Als Moriah anfing, meine anderen Katzen hier mit mutmasslicher Verletzungsabsicht zu attackieren, war mir dann doch endlich klar, dass wir – wiedermal – professionelle Hilfe von unserer bewährten Verhaltenstherapeutin Christine Hauschild brauchten, die uns schon zuvor bei LouLou geholfen hatte. Natürlich prüfte ich auch den Gedanken, Moriah zu ihrem eigenen Besten wegzugeben – doch: wohin? Sie stammt aus Cadiz, ihre Vermittlungsorga ist in Deutschland daheim und wir sind hier in der Schweiz. Naja – und scheue, schwarze Katzen sind jetzt auch nicht unbedingt ein Bestseller auf dem eh schon völlig überfluteten „Markt“ des Katzenangebots. Wenn sie dann auch noch FIV+ ist, ist eh Sense. Das alles waren ja genau die Gründe, warum sie herkam: Unvermittelbar 😦 Also gaben wir uns rund ein halbes Jahr Zeit, die Zusammenführung hier doch noch hinzubekommen: Stichtag war Weihnachten 2013.

Wer uns noch nicht (so gut) kennt, kann Moriahs ganze Geschichte und unser hartnäckiges Training (Gott sei Dank liegt das nun hinter uns – verzeih, Christine) bei Interesse hier nachlesen: Moriahs Therapie geht weiter

Es war ein langer und steiniger Weg. Und ich gebe zu: Bisweilen fehlte mir der Glauben, dass wir es schaffen. Ich überlegte zwischendurch auch, wohin ich Moriah denn geben würde – Einzelhaltung? Sie war doch erst zwei Jahre alt – den Rest des Lebens allein? Oder zu einer einzigen anderen sehr sozialen Katze? Wo sollte die zu finden sein? Wie reagiert ihre Orga? Wird es ihr gut gehen?

Und während all diese Gedanken in meinem Hirn rotierten, hielt ich mich eisern an den Trainingsplan, den unsere Verhaltenstherapeutin für uns erdacht hatte – auch wenn ich es oft hasste, es Zeit und Nerven raubte. Wir mussten es versuchen. Wenigstens versuchen.

Heute sind wir eine glückliche kleine Katzentruppe. Ja, Moriah hat noch viel zu entdecken, ihr Bewegungsradius muss noch grösser werden, sie mutiger und unabhängiger von mir. Aber das Gröbste ist geschafft. Bilder wie diese lassen mein Herz im Dreieck hüpfen:

Und auch wenn Moriahs Fall durch die Missverständnisse bei der Vermittlung (was immer passieren kann) gar arg speziell gelagert war, möchte ich aufgrund unserer mitunter erschütternd beglückenden Erfahrungen mit Verhaltenstherapie eine Buchempfehlung aussprechen, zumal zum Thema gerade das neue Buch unserer Verhaltenstherapeutin Christine Hauschild erscheint:

Buchtipp
KATZENZUSAMMENFÜHRUNG mit Herz und Verstand
von Christine Hauschild

Der Inhalt:
Es gibt verschiedene Varianten, zwei Katzen miteinander bekannt zu machen. Da wir bei den ersten Begegnungen die Weichen für das zukünftige gemeinsame Leben stellen, lohnt es sich, mit Bedacht vorzugehen.

Mit diesem Buch lernen Sie:
· Was gilt es bei der Auswahl der passenden Partnerkatze zu beachten?
· Wie einfach oder schwierig wird die Zusammenführung?
· Welche Risiken und Fehler können Sie vermeiden?
· Und vor allem: Es werden drei verschiedene geeignete Wege der Katzenzusammenführung erklärt. Dazu gibt es viele praktische Hinweise zur Ausführung.

„Katzenzusammenführung mit Herz und Verstand“ ist ab sofort im Buchhandel und Internetbuchhandel erhältlich.
ISBN 9783735740748, BoD, Paperback, 116 Seiten, €14,90

Hier kann man auch schon mal vorab virtuell drin blättern.

Und falls jemandem das Cover positiv auffällt … sagt es ruhig 😛 ❤

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Happy Move-in-Day, Faramee!!! ♥

Geliebte Faramee – heute vor vier Jahren sass ich hier zur WM-Eröffnung mit einer Katze, die mich abgrundtief hasste und mit einer Bissverletzung, die mich fast zwei Finger meiner linken Hand gekostet hätte. Und ich bereue nichts! ♥

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Als ich dich das erste Mal in einem Forum auf der Katzenvermittlungsseite sah, wars um mich geschehen – the point of no return. Dabei wollte ich ja „nur kurz gucken“… ha-ha. Deine Pflegemama hatte dir den für mich so sonderbar zauberhaften Namen gegeben: Faramee. Ich musste einfach wissen, welch Wesen sich hinter einem solchen Namen verbirgt. Und so sah ich dich ♥

Der Rest ist Geschichte.

Kurz zusammengefasst: Die wirklich sehr sehr erfahrene Pflegemama, die dich aus falsch verstandenem Tierschutz gerettet hatte, bevor es zum Schlimmsten kommen konnte, meinte damals zu mir, nachdem wir uns einig waren, dass sie mir zutraut, mich um eine Katze wie dich zu kümmern: „Mach dich darauf gefasst, einen blinden Passagier, einen unsichtbaren Mitesser mitdurchzufüttern – Faramee wird sich Menschen gegenüber vermutlich nie mehr öffnen. Ist das ok für dich?“

Ich sagte „Ja“ – ich wollte ja keine „Kuschelkatze“ für mich, sondern DIR ein Zuhause geben, mit anderen Katzen, die du so sehr liebst. Wenn du mich nicht liebst, ist das ok. Vollkommen ok. Ich bin tagsüber ja eh im Büro, und irgendwie wirst du das Leben hier schon erträglich finden – zumal gemessen daran, was dir sonst geblüht hätte.

Über ein halbes Jahr lang sah ich dich kaum je. Und wenn, dann waren deine Ohren flach am Hinterkopf scheinbar festgetackert, dein Maul stand weit offen, so dass ich deine blitzblanken Fangzähne gut sehen konnte (Autsch! Die hattest du mir ja schon ins Fleisch gejagt) und vor allem aber auch deine süsse rosa Zunge 😀 Und ich hörte ein donnergrollendes Fauchen, das direkt aus der Hölle (deiner entsetzlichen Angst) zu kommen schien. Ich fand dich immer wunderschön – auch als du damals noch die Übernamen „fauchendes Schrankeckchen“, Flurfratze, Kammervampir und dergleichen mehr trugst. Du hasstest mich halt – das ist ok.

Und dann geschah etwas, womit wohl kaum jemand, der dich kannte, gerechnet hatte.

Eines Tages kamst du auf meine Hand zu, als ich sie dir hinhielt (ui – ich hatte Schiss, dass du sie mir abbeisst 😛 ). Und dann – einfach so – war das Eis gebrochen. Und es wurde klar: Du wolltest einfach nie mehr entwurzelt werden, einfach nur geliebt werden, einfach nur zu Hause sein.

Und das bist du ♥ Du bist inzwischen wie ein zweites „Ich“ – immer da, wo ich bin, und so liebesbedürftig ♥ Inzwischen lässt du dich sogar von Gästen abknutschen 😀 ❤ Was für Katzen ja eh schon nicht unbedingt Usus ist – gemessen an deiner Geschichte aber wirklich einfach umso herzerwärmender zu sehen. Und als dieses Jahr im April → Mathilde starb, warst du es vor allem, die dann immer um mich war, mich teils einfach beobachtete – und sich anbot, da zu sein, sich aber nie aufdrängte.

Faramee ♥ Du bist ein unglaubliches Wesen. Und hast etwas geleistet, das viele Menschen zu leisten nicht in der Lage sind: Du bist über deinen Schatten gesprungen, hast deine Ängste und „Vorurteile“ überwunden, dich geöffnet für ein neues Leben.

Du sollst mir ein Beispiel sein.

Ich liebe dich mehr als Worte sagen können. Und manch einer mag meinen, du seist ja „nur“ eine Katze – und ich weiss: Der hat keine Ahnung.

Ich liebe dich. Happy Move-in-Day, meine zauberhafte Scheckenkatze – auf viele viele glückliche gemeinsame Jahre ♥

Ps: Du brauchst mich diesmal für WM-Tore der deutschen Elf auch nimmer beissen, gell? Viermal – vier Tore, damals. Aber die Jungs müssen das schon selber hinkriegen 😛
PPs: Sorry, dass deine Heimat-Nationalmannschaft Spanien heute so demontiert wurde – aber das ist dir ja eh schnuppe. Dafür gabs ne Extra-Runde Leckerli 😀
PPPs: ICH LIEBE DICH!

Der 9. Mai – wiedermal…

Der 9. Mai. Ein „spezielles“ Datum für uns hier: Omar wurde am selben Tag 22 Jahre alt, an dem ich LouLou mit 19 einschläfern lassen musste.

«Ich kann leider nichts mehr für Ihre Katze tun.» Der Tierarzt sah mich traurig an. Zwei Minuten zuvor war meine Welt noch in Ordnung gewesen, nichts hatte mich ahnen lassen, dass ich LouLou nun so schnell verlieren würde.

«Wie lange noch?», fragte ich.
«Eine Woche, vielleicht auch zwei. Viel mehr nicht.»

Gute zwei Wochen später stellte LouLou das Fressen gänzlich ein. Von einem Tag auf den anderen war der Ausdruck in ihrem Blick ein anderer: Sie konnte nicht mehr. Das war am 9. Mai 2011.

Geliebtes grumpy old Bambibärchen LouLou Heute vor drei Jahren musste ich dich nach kurzer, aber schwerster Krankheit ohne Heilungschance schwersten Herzens auf die Reise schicken.

Nur anderthalb Jahre zuvor kam die einst so stolze Freigängerkönigin LouLou «notfallmässig» zu mir, weil sie in ihrem alten Zuhause bei einer Arbeitskollegin von 8 anderen Katzen aufs Heftigste gemobbt wurde. Zunächst war ich zuversichtlich, dass sie schnell begreifen würde, dass ihr hier nichts mehr passiert und ihr keiner Böses will. Doch nachdem sie sich wochenlang weigerte, meinen Schreibtisch zu verlassen, begriff ich, dass wir professionelle Hilfe brauchten. So fand ich zur Tierpsychologie.

Gerade als LouLou endlich auftaute und langsam aus ihrer Schockstarre erwachte, kam die furchtbare Diagnose. Keine Hoffnung.

LouLou – es tut mir von ganzem Herzen unendlich leid, dass ich es nicht geschafft habe, dir zu Lebzeiten deine Würde und dein Selbstbewusstsein vollumfänglich zurückzugeben. Das brach mir vielleicht noch mehr das Herz als dein Tod selbst.

Ein Video aus deinem alten Zuhause – damals als du noch glücklich warst.

Nachdem du hier als zutiefst verstörtes Elend ankamst, und ich einsah, dass wir ohne professionelle Hilfe nicht weiterkommen, schrieb ich mehrere Tierpsychologen an. Frau Christine Hauschild war die einzige, die uns helfen wollte – und es auch tat. Neben vielen weiteren hilfreichen Tipps, gehörte natürlich auch Clickern zum Behandlungsplan. Es dauerte, bis LouLou und ich es begriffen 😛 Aber dann klappte es immer besser:

Doch der Tod war schneller als wir zwei 😦

Bitte an alle noch etwas unerfahrenen Katzenhalter „da draussen“: Informiert euch über Katzenhaltung. Katzen sind NICHT (!) per se Einzelgänger – im Gegenteil: Als Strassentiere schliessen sich die meisten zu sogenannten Kolonien zusammen. Aber man sollte schon ein wenig vertieft sich damit auseinandersetzen, wen man zu wem setzt – das wäre bei uns Menschen ja nicht anders. Oder würde jemand von euch einem Passanten auf der Strasse ad hoc ein Zimmer in der eigenen Wohnung anbieten? Eben.

LouLou – geliebtes grumpy old Bambibärchen Auch du hast mich so viel gelehrt – und dank dir und unseren Erfahrungen mit Verhaltenstherapie profitierten wir alle hier. Nachhaltig. Du hast unser Leben für immer verändert – zum Besseren. Es tut mir so leid, dass ich deines nicht ebenso zum Besseren verändern konnte.

Nie wieder wollte ich mich auf eine solche Konstellation einlassen und eine Katze hier aufnehmen, die panische Angst vor anderen Katzen hat. Nie wieder wollte ich diese Hilflosigkeit erleben, wieder monatelang mit einer Gittertür leben und mich als Tierquäler fühlen, der einem Wesen einfach nicht geben kann, was es sich wünscht. Aber hat euch je interessiert, was ich will? Nein. Und das ist gut so.

Und so wurde mir Moriah vermittelt. Als katzensozial. Was sie aber leider nicht war. Sie war genau wie du, LouLou: Sie hatte Angst vor allem und jedem – am meisten aber vor anderen Katzen. Wenn ich versuchte zu verstehen, fühlte es sich so an, als müsste ich in einem Haus voller Zombies leben – ohne zu wissen, dass die inzwischen alle Veganer wurden. So verstand ich deine Angst. Und so ging gewissermassen „alles von vorne los“: Gittertür, Clickertraining, Vertrauensaufbau, Kartons und Handtücher rumtragen, um gezielt eingreifen zu können. Über Monate. Ich hätte schreien können. Ständig musste ich an mein Versagen bei dir, LouLou, denken – und konnte oftmals einfach keine Hoffnung fassen, es diesmal hinzukriegen 😦

Doch was sollte ich sonst tun? Moriah war genau wie du aufgrund der Umstände nicht einfach so „weiterzuvermitteln“. Wohin denn?

Also mussten wir es versuchen – wenigstens versuchen. Mit allem, was ich habe.

Ich weiss, du sitzt jetzt auf deinem himmlischen Wölkchen (das ist halt meine Vorstellung 😛 ) und grinst frech, denn du weisst: Bei Moriah konnte ich vollenden, was ich bei dir nicht geschafft habe. Die Gittertür ist schon lange nicht mehr im Einsatz und wandert dieses Wochenende definitiv wieder in den Keller.

Und so schliesst sich der Kreis.

Manchmal denke ich, man muss Situationen so oft immer wieder erleben, bis man sozusagen ein nächstes „Level“ erreicht. Wie bei einem Computerspiel sozusagen. Oder wie früher in der Schule.

Wer es ist, der sich die Prüfungen für einen ausdenkt, vermag ich nicht zu sagen. Aber rückblickend ergibt oft vieles Sinn, das einem in der Prüfung selber einfach nur als Schikane erscheint.

Ich danke dir, LouLou – für alles. Und speziell auch dafür, dass du Moriah ein neues Leben geschenkt hast. Denn ohne dich, weiss ich nicht, ob wir das hinbekommen hätten

Ihr wacht sogar noch nach dem Tod übereinander.

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Und Omar – mein Omar  Von dir habe ich auch noch tolle alte Videos gefunden, als ich kürzlich in den Archiven stöberte. Ach, mein Herz, mein Schöner – du wärst heute 25 geworden, ein Vierteljahrhundert. Doch was ist das im Vergleich zur Ewigkeit, die du in meinem Herzen ruhst 

Ich denke eh so oft an dich Ich gratuliere dir aber heute nach drüben von ganzem Herzen. Ihr habt heute ennet der Regenbogenbrücke bestimmt ne tolle Geburtstagsparty gefeiert 😉 Und nun liegst du „bequem“ da wie so oft einst hier
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All meine lieben Sternchen: Ich denke oft an euch Ihr seid nicht fort. Nur woanders.

LouLou und Omar: Unsere Kerze brennt heute besonders hell für euch. Ich liebe euch unverdrossen abgöttisch – ob damals hier oder nun woanders

Liebe Blog-Lesende: Bitte verzeiht, dass es hier gerade so „multipelmorbide“ zugeht (ein Wort aus Mathildes letzter Diagnose – das kannte ich vorher gar nicht). Ich muss das gerade verarbeiten, dass ich innert nur rund 4 Jahren nun schon 5 Sternchen gehen lassen musste. Ich möchte aber nicht, dass ihr weint Denn: Absurderweise ist das alles nicht „nur“ traurig – dieser „Prozess“ hat auch sein Gutes. Irgendwie. Schwer zu erklären. Das alles zu verstehen und vielleicht sogar irgendwann zu begreifen – es hilft mir einfach, das niederzuschreiben. Ich danke euch allen, die meine Zwerglis ins Herz geschlossen haben. Ich verspreche euch: Es werden auch wieder fröhliche und unbesorgte Zeiten kommen

Moriahs Training, Fortsetzung

Nur weil ich nicht mehr regelmässig berichte, heisst das nicht, dass wir hier faul rumliegen. Also. Die Katzen schon. Mehrheitlich. Aber nicht nur.

Die Zusammenführung zwischen Moriah und den anderen Zwerglis ist ja noch immer am Laufen. Wobei, nein: Die Zusammenführung zwischen Moriah und 5 von 6 anderen Zwerglis ist abgeschlossen. Nur zwischen Moriah und Shakti noch nicht. Wobei, nein: Genau genommen ist alles ziemlich prima 🙂 Ausser dass Moriah ihren Radius noch immer aus Ängstlichkeit unnötig einschränkt 😦

Konkret verfolgt sie mich im Alltag wie ein Schatten bzw. wagt sich nicht weiter von mir weg als so ca. 2 Meter. Ich möchte aber gerne aus diversen Gründen, dass Moriah ihr Wohlbefinden nicht so extrem an mich kettet.

Darum hatten wir vor rund 3 Wochen wieder mal ein Telefonat mit der Verhaltenstherapeutin unseres Vertrauens. Für Interessierte möchte ich hier gern nachtragen, wie das weitere Vorgehen definiert wurde, um Moriah zu mehr Unabhängigkeit zu verhelfen:

1. Gittertür: In meiner Anwesenheit ist die Gittertür zum Arbeitszimmer (aus psychologischen Gründen weigere ich mich, es weiterhin „Moriahs Zimmer“ zu nennen – das ist für uns alle hier wichtig. Vor allem für Shakti) nun stets offen. Auch nachts. Es kommt zu vereinzelten Fauchereien, aber nie mehr zu Eklats wie früher (man erinnere sich, dass Moriah die anderen Zwerge teils mit Verletzungsabsicht angriff, weils sie solche Angst vor ihnen hatte). Dennoch wird die Gittertür in Absprache mit unserer TP weiterhin geschlossen, wenn ich aushäusig bin. Denn es darf nun auch nichts mehr passieren. Das wäre sehr, sehr kontraproduktiv.

2. Radiuserweiterung: Moriah kommt zwar inzwischen fast selbstverständlich runter zu uns, wenn ich da bin und Shakti nicht direkt vor der Zimmertür hockt. Aber: Sie klebt dann förmlich an mir. In wohl dosierten Einheiten wird nun darum gezielt Moriahs Bewegungsradius spielerisch erweitert, aber nie so, dass sie Gefahr läuft, überfordert zu sein. Das heisst zB. auch, dass ich meine Gewohnheiten verändern muss, indem ich mich unter anderem auch mal an ungewohnten Orten hinsetze (sprich: Nicht abends auf dem Sofa festklebe – das tut mir auch mal ganz gut 😉 ), beim Spielen mehr Raum schaffe, und Moriah zu Spaziergängen einlade, damit sie die Wohnung besser kennenlernt und auch die Terrasse.

3. Shaktis Training: Da ja nur noch zwischen Shakti und Moriah Spannungen bestehen bzw. Shakti inzwischen rasend wird, wenn sie nicht ins Arbeitszimmer kann, wenn sie möchte, gehe ich noch bewusster auf sie ein, indem ich sie anspreche, auf sie eingehe und sie durch Aufmerksamkeit belohne, wenn sie sich entspannt benimmt.

4. Entspannungstraining: Sowohl für Shakti wie für Moriah gibts eine „Entspannungskonditionierung“. Das geht so: Wann immer eine von beiden sich tiefenentspannt in Wohlergehen suhlt, sage ich ein bestimmtes Wort (bei Moriah ist das „easy“, bei Shakti „wohlig“). Das muss so trilliardenfach wiederholt werden, bis sich das jeweilige Wort für die jeweilige Katze im Hirnchen als Entspannungssignal eingebrannt hat, so dass man es später auch in kritischen Situationen eben als solches einsetzen kann. Bis es so weit ist, darf das Wort aber wirklich nur in entspannten Situationen eingesetzt werden. Unsere TP meinte, dafür müsse das Wort jeweils so ca. eine Million Mal korrekt eingesetzt worden sein 😀 Aber hey: Wir habens ja ned eilig 😛

5. Unterstützende Mittel: Moriah bekommt zudem wieder Calmex zur Stärkung ihres Selbstvertrauens in nun wieder doch recht ungewohnten Situationen, Shakti bekommt die BB Gentian gegen Misstrauen.

Unsere Handlungsanleitungen sind natürlich sehr viel konkreter und minutiös individuell auf Moriahs und Shaktis Charaktere abgestimmt. Da ist unsere TP sehr genau und spezifisch – nicht dass jemand meint, das sei hier so unspezifisches Wischiwaschi, wie ich es hier beschreibe. Meines Erachtens bringt es aber nichts, wenn ich das hier in aller Ausführlichkeit schildere, da dies a) recht anstrengend für mich und zugleich ohne jeden Nutzen für andere wäre; und b) andere dazu verleiten könnte, unsere Massnahmen auf ihre Probleme 1:1 zu übertragen, wovor ich genau „warnen“ möchte: Im Grundsatz schildere ich sozusagen als Mutmacher/Inspiration sehr gern, was die Überlegungen hier bei uns so grob runtergerissen sind, welche Mittel und Wege wir als Lösungsansätze sehen, und wie begeistert ich bin, was wir dank all dem hier schon entgegen allen Vorzeichen erreicht haben. Aber meine Schilderungen/Erfahrungen sind niemals für irgendjemanden Ersatz, sich selber für die individuelle Situation bei Fachkräften kundig zu machen. Ich möchte aber jeden ermuntern, genau das zu tun.

Für alle, die uns gerade erst kennenlernen, nochmal ein Vergleich meiner Katze Moriah früher (3 Monate lang hinter meiner alten Staffelei lebend):
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Und kürzlich:
moriah_terrasse

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Die Umsetzung der neuen Tipps funktioniert so weit gut. Keine Eklats mehr, Moriah wird zunehmend neugieriger, Shakti zunehmend entspannter – kurz: Es läuft echt ziemlich grossartig. Ich bin echt einfach nur froh und dankbar, dass ich meine früheren Vorurteile gegen Tierpsychologie bzw. Verhaltenstherapie (wie ichs heute lieber nenne) überwunden habe und seither den Zwerglis und mir in so vieler Hinsicht geholfen ist.

Gleichzeitig möchte ich – aus meiner persönlichen Erfahrung – daran erinnern, dass nicht jeder „Tierpsychologe“ einem helfen kann. Manche irritieren einen eher. Es ist genau wie bei einem Tierarzt immens wichtig, an den/die richtigen für die individuelle Situtation und Bedürfnisse zu „geraten“. Recherche, Bauchgefühl und Hinterfragen hilft. Wie so oft 😉 Die Zwerglis und ich sind überaus gesegnet, genau die Frau der Stunde für unsere Bedürfnisse gefunden zu haben (wer hatte mir damals eigtl. Frau Hauschild empfohlen? Herrgott, wie undankbar, dass ich das grad nimmer präsent habe – sorry!) – unglaublich, was ihre Tipps hier schon bewirkt haben, selbst wenn die Ausgangslage teils hoffnungslos schien (LouLou, Moriah). Und nebenbei profitierten auch die unkomplizierteren Zwerge, weil ich einfach insgesamt auf diesem Wege so unglaublich viel lernte

Das alles ist einfach nur faszinierend und toll – alle profitieren. Solche Win-win-Situationen gibts ja selten genug. Einfach grosse Klasse, macht mich sehr happy – und die Zwerglis auch 😀 ❤
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Nachtrag, 9. April: Moriahs erste Radiuserweiterungen auf eigene Faust

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