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Haustiere: «Psychische Probleme sind bei jedem Tier möglich»

Die Schmusekatze geht plötzlich die Wände hoch, der sanfte Hund mutiert zum Kläffer: Die tierpsychologische Beraterin Gloria Isler erklärt, inwiefern solcher Ärger meist auf Missverständnissen zwischen Tier und Halter beruht.

Tierpsychologie

Nein. Diese Katze hat kein psychisches Problem (von dem ich wüsste) – das ist nur eine alberne Ostern-Bildmontage – aber ich brauchte halt ein Bild zu dem Beitrag. Exgüsi, liebe Shakti. Wir Tierhalter sind gemein. Und doof. Sorry.

Kamikatze-Zwerglis: Wie reagieren die Leute, wenn Sie sagen, was Sie beruflich machen?
Gloria Isler: Beim Stichwort Tierpsychologie stellen sich viele vor, dass die Katze quasi auf der Couch liegt und mir von ihren Problemen erzählt – das ist natürlich Unsinn. Darum stelle ich mich auch selten als diplomierte tierpsychologische Beraterin vor, sondern als Verhaltenstherapeutin, die Haltern bei Problemen mit ihren Tieren hilft.

Was muss man sich unter einem «psychischen Problem» bei einem Haustier vorstellen?
Meist bemerkt der Halter bald, dass sich das Tier nicht mehr «normal» verhält: Die Katze zerkratzt plötzlich die Möbel, oder der Hund bellt scheinbar ohne Grund. Wenn man genauer hinschaut, zeigt sich oft, dass die Probleme haltungsbedingt sind. Das Tier hat nicht im eigentlichen Sinn ein psychisches Problem, sondern es macht in seiner Sprache deutlich, dass es mit einer Situation nicht klarkommt. Es kommuniziert mit einem aus unserer Sicht unerwünschten Verhalten. Wenn wir jedoch auf diese Signale nicht reagieren, führt das früher oder später zu psychischen Problemen.

Gibt es psychische Probleme bei Tieren, die unbemerkt bleiben, etwa weil sie den Halter eben nicht stören?
Ein plakatives Beispiel ist der Papagei, der sich die Federn selber ausrupft, oder die Katze, die sich kahlleckt – aber das sind ­leider häufig jene Fälle, die nicht zu uns kommen. Denn das wird meist weggeschoben, das Problem wird verdrängt: Das Tier juckt es halt, heisst es dann. Oder wenn zum Beispiel ein Hund nie spielt, sondern nur zum Fressen kommt und sein Geschäft erledigt, beim Spaziergang freudlos hinter einem herdackelt und sich zu Hause gleich wieder in seine angestammte Ecke verkriecht – auch da sollte ein Halter alarmiert sein. Aber solche stillen Signale werden leider häufig ignoriert.

Sind psychische Probleme bei jedem Tier denkbar? Kann denn ein Meerschweinchen depressiv werden?
Psychische Probleme sind grundsätzlich bei jedem Tier möglich – sie haben nur ­jeweils unterschiedliche Ursachen. Es gibt zum Beispiel Tierarten, die von Natur aus auf die Gesellschaft von Artgenossen an­gewiesen sind, zum Beispiel Meerschweinchen oder Wellensittiche, die tatsächlich depressiv werden, wenn sie allein gehalten werden. Oder generell Nager, die in ihren kleinen Käfigen häufig zu wenig Platz haben, um sich artgerecht zu verhalten. Ob nun aber ein Fisch depressiv werden kann? Es gibt wohl Grenzen, so etwas erkennen zu können. Anderseits existiert gute Fach­literatur, in der ideale Haltungsbedingungen für Fische erläutert sind.

Wenn jemand Sie anruft und ein Problem schildert, etwa dass die Katze plötzlich überall hinpinkelt: Wie gehen Sie vor?
Als Erstes müssen gesundheitliche Ur­sachen ausgeschlossen werden. Zunächst kläre ich ab, wann das Tier das letzte Mal beim Tierarzt war. Es ist auch wichtig zu wissen, ob es noch gut sieht und hört, denn auch dadurch könnten Verhaltensänderungen eintreten. Optimal ist, wenn ich Tierhalter und Tier in der gewohnten ­Umgebung kennenlernen kann, da oft die Schilderung des Besitzers unbeabsichtigt mit der Realität nicht ganz übereinstimmt. Als Aussenstehende kann ich die Gesamtsituation objektiv beurteilen und dem Tierhalter erklären, weshalb das Tier das un­erwünschte Verhalten zeigt. Dann erarbeiten wir gemeinsam ein Programm zur Problembehebung, denn oft ist eine Veränderung im alltäglichen Umgang nötig.

Man hört immer wieder von «Protestpinkeln» oder dass der Hund genau wisse, dass er etwas nicht darf, und es trotzdem tut. Kennen Tiere Protest, Trotz oder gar Rache?
Nein, es ist nicht so, dass ein Hund oder eine Katze etwas tut, um dem Halter Schaden zuzufügen. Vielmehr ist es ihre Art zu kommunizieren: «Hey, hier stimmt etwas nicht, mir geht es nicht gut dabei.» Ein Beispiel: Eine Klientin hatte das Problem, dass ihre Katze immer auf ihren nagelneuen Teppich pinkelte. Da muss man genau hinschauen, wie die Gesamtsituation aussieht. Es war so, dass die Katze kurz vorher akzeptieren musste, dass eine neue Katze einzog und das Schlafzimmer plötzlich Sperrgebiet für sie wurde – das hat sie alles problemlos mitgemacht. Aber dann noch dieser neue Wolle-Seiden-Leinen-Teppich, der zudem einen sehr ausgeprägten Geruch hatte, das war einfach zu viel Ver­änderung für sie, da brachte sie auf ihre Weise zum Ausdruck: «Sorry, es reicht.» Das ist aber keine böse Absicht. Es ist gewisser­mas­­sen ein Hilferuf.

Was halten Sie davon, Tiere zu bestrafen oder mit ihnen zu schimpfen, wenn sie etwas «falsch» gemacht haben?
Bis vor wenigen Jahren hat man in der Tiererziehung viel mit Strafen gearbeitet. Man hat dabei aber viel zu wenig berücksichtigt, dass Strafen, emotionaler oder psychischer Druck einen Frust im Tier aufbauen, der sich dann irgendwann entladen kann – eine Weile macht der Hund das vielleicht klaglos mit, aber irgendwann beisst er zu. Es ist mir schleierhaft, weshalb Menschen dann überrascht sind! Wer wirkungsvoll strafen will, muss zudem sehr viel wissen. Der Laie zum Beispiel straft meist viel zu spät, nämlich nach der «Tat», so dass das Tier die Strafe gar nicht mit dem bemängelten Verhalten in Verbindung bringt. Wenn überhaupt, macht Strafen oder Schimpfen nur Sinn, wenn man das Tier «in flagranti erwischt». Aber da man dann auch emotional aufgeladen ist, überfordert man das Tier mit dieser Wut komplett.

Was soll ich stattdessen tun, wenn meine Katze auf den Teppich pieselt?
Wenn man die Katze tatsächlich dabei erwischt, nimmt man sie, ohne ein Wort zu verlieren, hoch und setzt sie ins Katzenklo. Dann wischt man die Pfütze kommentarlos mit geruchsfreiem Putzmittel auf.

Kommentarlos?
In diesem konkreten Beispiel sagt mir die Katze mit ihrem Verhalten, dass ihr der Teppich nicht passt. Wenn ich das mit gros­sem Lamento kommentiere und sage: «Böse Katze, pfui», versteht sie ja den Wortlaut nicht, im Gegenteil: Für sie ist das Applaus. Sie hat meine Aufmerksamkeit, und das war es, was sie erreichen wollte – und das wird sie bestärken, es wieder zu tun. Will man aber langfristig eine Verhaltensänderung bewirken, sollte man Verhalten belohnen, das man gut findet, sowie Negatives positiv besetzen: So erklären wir in diesem Fall ab sofort den Teppich zur «Komfortzone». Wir setzen uns mit der Katze auf den Teppich, spielen mit ihr, geben ihr da ihre Lieblingsleckerli, streicheln sie und erreichen dadurch allmählich, dass die Katze den Teppich als das beste Möbelstück in der Wohnung betrachtet. Eine Gegenkonditionierung hat stattgefunden.

Aber wie kann ich eine Katze mit Belohnungen davon abhalten, auf die Küchenanrichte zu springen, während ich ihr Futter vorbereite?
Indem ich ihr von Anfang an beibringe, dass sie zu warten hat. Wenn sie schön wartet, bekommt sie ihr Futter. So begreift sie: «Wenn ich lange genug hier sitze, ­bekomme ich mein Futter.» Und nicht: «Wenn ich lange genug Rabatz mache, bekomme ich mein Futter.» Am besten geht das, wenn sie mittels Klickertraining lernt, auf bestimmte Kommandos zu hören.

Was heisst denn das, Klickertraining?
Der Klicker ist ein kleines Gerät, mit dem ein Geräusch erzeugt wird, das im Alltag nicht vorkommt und auch nicht zufällig auftreten kann. Beim Training wird dem Tier mit diesem akustischen Signal bestätigt: «Gut gemacht!» Unmittelbar nach dem Ertönen des Klickersignals bekommt es eine Belohnung. Das wird «positive Verstärkung» genannt. Nun wird das Tier versuchen, das Verhalten zu wiederholen, um den Klicker erneut ertönen zu lassen. Nehmen wir als Beispiel einen Hund, der immer bellt, sobald er einen anderen Hund erblickt. Mit Klickertraining wird nun das «Nicht-Bellen» belohnt. Und schon bald wird der Hund den Anblick eines anderen Hundes mit der Chance auf einen Klick verbinden. Er wird, statt zu bellen, den ­Besitzer anschauen, um zu zeigen, dass er nicht bellt und es endlich klicken soll. Klickertraining braucht Konsequenz und etwas Übung, der Erfolg ist bei richtiger Anwendung jedoch garantiert. Denn das Prinzip entspricht dem natürlichen Lernverhalten des Tiers: Wenn es eine besonders erfolgreiche Strategie entwickelt hat, um Beute zu machen, wird es diese Strategie weiterverfolgen. Bleibt hingegen der Erfolg aus, wird die Strategie verworfen.

Am einfachsten wäre es ja, es käme gar nicht zu Problemen. Wie kann man vorbeugen?
Viele stellen sich Tierhaltung zu einfach vor und bereiten sich zu wenig darauf vor. Egal, ob es sich um Hund, Katze, Hamster oder Ziervogel handelt. Oft wird ein Tier aus einer Laune heraus angeschafft, oder man sieht in ihm ein Prestigeobjekt. Da fängt das Grundproblem an. Wer sich für eine Tierart interessiert, sollte sich vorher gründlich informieren – auch über die verschiedenen Rassen und ihre Ansprüche und Besonderheiten. Sonst ist man hinterher ständig am Feuerlöschen.

Worauf sollte ich bei der Anschaffung eines Tiers noch achten?
Welpen und Kätzchen sollten auf keinen Fall jünger als zehn Wochen sein, wenn man sie zu sich holt, ideal wären zwölf Wochen, das ist für die Sozialisierung der Tiere eine ganz entscheidende Zeit, die sie mit ihren Geschwistern und der Mutter verbringen sollten – um von ihnen alles zu lernen, was man als Hund oder Katze so «wissen» muss. Sonst gibt es Probleme.

Was für Probleme?
Sie können einen Hund noch so gut erziehen – wenn er draussen beim Spaziergang seine Artgenossen nicht versteht, nicht ­gelernt hat, Körpersignale zu deuten, wird es zu Konflikten kommen. Für Katzen gilt dasselbe. Diese nonverbale Kommunika­tion mit Artgenossen kann der Tierhalter ihnen nicht beibringen.

Warum werden trotzdem so viele Jungtiere mit acht oder gar sechs Wochen abgegeben?
Weil die Arbeit für den Züchter genau dann erst richtig losgeht: In diesem Alter fressen die Tiere jede Menge, sie sind viele Stunden pro Tag wach, und es geht fast rund um die Uhr die Post ab. Aus eigener Erfahrung weiss ich, wie anspruchsvoll das ist, vor allem wenn ein ganzer Wurf durch Haus und Garten tobt. Und der Züchter ­bekommt ja genauso viel fürs Tier, ob es nun acht oder zwölf Wochen alt ist, aber er spart Geld und Mühe, wenn er es früher abgibt – auf Kosten der Tiere und ihrer künftigen Halter.
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Goria-Isler

Gloria Isler hat jahrelange Erfahrung in Haltung, Training und Zucht verschiedener Haustierarten. 
Die Ausbildung zur diplomierten tierpsychologischen Beraterin absolvierte sie am Institut für angewandte Ethologie und Tierpsychologie (I.E.T.), das 1991 vom international bekannten Verhaltensforscher Dennis C. Turner gegründet wurde.

Gloria Isler ist Mitglied von V.I.E.T.A., dem grössten Berufsverband tierpsychologischer Beraterinnen und Berater Europas. Da die Berufsbezeichnungen «Tierpsychologe» und «Verhaltenstherapeut» nicht geschützt sind, ist man gut beraten, eine Fachperson auszuwählen, die einem solchen Berufsverband angeschlossen ist.

Klickertraining
Wer mehr über Klickertrainig erfahren möchte, findet im Katzentraining-Blog Schritt für Schritt alles leicht verständlich erklärt: Klicker-Tutorial

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Dieses Interview führte ich bereits vor einigen Jahren mit Frau Isler; es erschien ursprünglich bei www.beobachter.ch. Mit freundlicher Genehmigung von Frau Isler publiziere ich das zeitlos interessante Gespräch nochmals in diesem Blog, zumal ich derzeit dabei bin, meine überall verstreuten Beiträge nachhaltiger Natur (nicht all mein Quak-Quak) hier zu sammeln.

Der 9. Mai – wiedermal…

Der 9. Mai. Ein „spezielles“ Datum für uns hier: Omar wurde am selben Tag 22 Jahre alt, an dem ich LouLou mit 19 einschläfern lassen musste.

«Ich kann leider nichts mehr für Ihre Katze tun.» Der Tierarzt sah mich traurig an. Zwei Minuten zuvor war meine Welt noch in Ordnung gewesen, nichts hatte mich ahnen lassen, dass ich LouLou nun so schnell verlieren würde.

«Wie lange noch?», fragte ich.
«Eine Woche, vielleicht auch zwei. Viel mehr nicht.»

Gute zwei Wochen später stellte LouLou das Fressen gänzlich ein. Von einem Tag auf den anderen war der Ausdruck in ihrem Blick ein anderer: Sie konnte nicht mehr. Das war am 9. Mai 2011.

Geliebtes grumpy old Bambibärchen LouLou Heute vor drei Jahren musste ich dich nach kurzer, aber schwerster Krankheit ohne Heilungschance schwersten Herzens auf die Reise schicken.

Nur anderthalb Jahre zuvor kam die einst so stolze Freigängerkönigin LouLou «notfallmässig» zu mir, weil sie in ihrem alten Zuhause bei einer Arbeitskollegin von 8 anderen Katzen aufs Heftigste gemobbt wurde. Zunächst war ich zuversichtlich, dass sie schnell begreifen würde, dass ihr hier nichts mehr passiert und ihr keiner Böses will. Doch nachdem sie sich wochenlang weigerte, meinen Schreibtisch zu verlassen, begriff ich, dass wir professionelle Hilfe brauchten. So fand ich zur Tierpsychologie.

Gerade als LouLou endlich auftaute und langsam aus ihrer Schockstarre erwachte, kam die furchtbare Diagnose. Keine Hoffnung.

LouLou – es tut mir von ganzem Herzen unendlich leid, dass ich es nicht geschafft habe, dir zu Lebzeiten deine Würde und dein Selbstbewusstsein vollumfänglich zurückzugeben. Das brach mir vielleicht noch mehr das Herz als dein Tod selbst.

Ein Video aus deinem alten Zuhause – damals als du noch glücklich warst.

Nachdem du hier als zutiefst verstörtes Elend ankamst, und ich einsah, dass wir ohne professionelle Hilfe nicht weiterkommen, schrieb ich mehrere Tierpsychologen an. Frau Christine Hauschild war die einzige, die uns helfen wollte – und es auch tat. Neben vielen weiteren hilfreichen Tipps, gehörte natürlich auch Clickern zum Behandlungsplan. Es dauerte, bis LouLou und ich es begriffen 😛 Aber dann klappte es immer besser:

Doch der Tod war schneller als wir zwei 😦

Bitte an alle noch etwas unerfahrenen Katzenhalter „da draussen“: Informiert euch über Katzenhaltung. Katzen sind NICHT (!) per se Einzelgänger – im Gegenteil: Als Strassentiere schliessen sich die meisten zu sogenannten Kolonien zusammen. Aber man sollte schon ein wenig vertieft sich damit auseinandersetzen, wen man zu wem setzt – das wäre bei uns Menschen ja nicht anders. Oder würde jemand von euch einem Passanten auf der Strasse ad hoc ein Zimmer in der eigenen Wohnung anbieten? Eben.

LouLou – geliebtes grumpy old Bambibärchen Auch du hast mich so viel gelehrt – und dank dir und unseren Erfahrungen mit Verhaltenstherapie profitierten wir alle hier. Nachhaltig. Du hast unser Leben für immer verändert – zum Besseren. Es tut mir so leid, dass ich deines nicht ebenso zum Besseren verändern konnte.

Nie wieder wollte ich mich auf eine solche Konstellation einlassen und eine Katze hier aufnehmen, die panische Angst vor anderen Katzen hat. Nie wieder wollte ich diese Hilflosigkeit erleben, wieder monatelang mit einer Gittertür leben und mich als Tierquäler fühlen, der einem Wesen einfach nicht geben kann, was es sich wünscht. Aber hat euch je interessiert, was ich will? Nein. Und das ist gut so.

Und so wurde mir Moriah vermittelt. Als katzensozial. Was sie aber leider nicht war. Sie war genau wie du, LouLou: Sie hatte Angst vor allem und jedem – am meisten aber vor anderen Katzen. Wenn ich versuchte zu verstehen, fühlte es sich so an, als müsste ich in einem Haus voller Zombies leben – ohne zu wissen, dass die inzwischen alle Veganer wurden. So verstand ich deine Angst. Und so ging gewissermassen „alles von vorne los“: Gittertür, Clickertraining, Vertrauensaufbau, Kartons und Handtücher rumtragen, um gezielt eingreifen zu können. Über Monate. Ich hätte schreien können. Ständig musste ich an mein Versagen bei dir, LouLou, denken – und konnte oftmals einfach keine Hoffnung fassen, es diesmal hinzukriegen 😦

Doch was sollte ich sonst tun? Moriah war genau wie du aufgrund der Umstände nicht einfach so „weiterzuvermitteln“. Wohin denn?

Also mussten wir es versuchen – wenigstens versuchen. Mit allem, was ich habe.

Ich weiss, du sitzt jetzt auf deinem himmlischen Wölkchen (das ist halt meine Vorstellung 😛 ) und grinst frech, denn du weisst: Bei Moriah konnte ich vollenden, was ich bei dir nicht geschafft habe. Die Gittertür ist schon lange nicht mehr im Einsatz und wandert dieses Wochenende definitiv wieder in den Keller.

Und so schliesst sich der Kreis.

Manchmal denke ich, man muss Situationen so oft immer wieder erleben, bis man sozusagen ein nächstes „Level“ erreicht. Wie bei einem Computerspiel sozusagen. Oder wie früher in der Schule.

Wer es ist, der sich die Prüfungen für einen ausdenkt, vermag ich nicht zu sagen. Aber rückblickend ergibt oft vieles Sinn, das einem in der Prüfung selber einfach nur als Schikane erscheint.

Ich danke dir, LouLou – für alles. Und speziell auch dafür, dass du Moriah ein neues Leben geschenkt hast. Denn ohne dich, weiss ich nicht, ob wir das hinbekommen hätten

Ihr wacht sogar noch nach dem Tod übereinander.

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Und Omar – mein Omar  Von dir habe ich auch noch tolle alte Videos gefunden, als ich kürzlich in den Archiven stöberte. Ach, mein Herz, mein Schöner – du wärst heute 25 geworden, ein Vierteljahrhundert. Doch was ist das im Vergleich zur Ewigkeit, die du in meinem Herzen ruhst 

Ich denke eh so oft an dich Ich gratuliere dir aber heute nach drüben von ganzem Herzen. Ihr habt heute ennet der Regenbogenbrücke bestimmt ne tolle Geburtstagsparty gefeiert 😉 Und nun liegst du „bequem“ da wie so oft einst hier
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All meine lieben Sternchen: Ich denke oft an euch Ihr seid nicht fort. Nur woanders.

LouLou und Omar: Unsere Kerze brennt heute besonders hell für euch. Ich liebe euch unverdrossen abgöttisch – ob damals hier oder nun woanders

Liebe Blog-Lesende: Bitte verzeiht, dass es hier gerade so „multipelmorbide“ zugeht (ein Wort aus Mathildes letzter Diagnose – das kannte ich vorher gar nicht). Ich muss das gerade verarbeiten, dass ich innert nur rund 4 Jahren nun schon 5 Sternchen gehen lassen musste. Ich möchte aber nicht, dass ihr weint Denn: Absurderweise ist das alles nicht „nur“ traurig – dieser „Prozess“ hat auch sein Gutes. Irgendwie. Schwer zu erklären. Das alles zu verstehen und vielleicht sogar irgendwann zu begreifen – es hilft mir einfach, das niederzuschreiben. Ich danke euch allen, die meine Zwerglis ins Herz geschlossen haben. Ich verspreche euch: Es werden auch wieder fröhliche und unbesorgte Zeiten kommen

Tünn ist grundimmunisiert – ich nehme jetzt AB

Heute früh war es so weit: Tünn musste zu seiner Grundimmunisierung. Ich musste anschliessend zum Arzt.

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Jaja: „Unschuldig gucken“ war früher…

Unter der Woche ist es schwierig, morgens vor der Arbeit stundenlang scheiternde Eintütversuche zu unternehmen. Also musste Tünn heute „dran glauben“.

Um 9 Uhr fing ich an. Um 11.30 Uhr (eine Viertelstunde vor Praxisschluss) hatte ich ihn. Beim Versuch, ihn einzutüten, fand er gar interessante Wege, mir zu entkommen, die sogar Spiderman vor Hochachtung erblassen liessen – Tünn kann meterweise Wände senkrecht und waagrecht – je nach Bedarf auch beides zugleich – hoch- und runterrasen. Und ist dabei noch so rücksichtsvoll, die meisten meiner Bilder hängen zu lassen.

Als er sich wieder ins Dachgebälk flüchtete, holte ich diesmal die Leiter aus dem Keller – die er prompt nutzte, um an mir vorbeiflutschend wieder in die Tiefe zu rasen.

Irgendwann machte er glücklicherweise den strategischen Fehler, sich ins Bad zu flüchten. HA! Tür zu. Hab dich. Im Bad fauchte, spuckte und brummte es :-O

Als ich Tünn ins Laken gewickelt hatte (anders hätte ich ihn nicht zu greifen bekommen), schob ich ihn in die Transportbox – damit er da nicht im Laken erstickt, war ich so freundlich, seinen Kopf vorher auszuwickeln, was er prompt mit einem herzhaften Biss in meinen linken Zeigefinger quittierte. Nun, der ist das von Shakti und Faramee früher schon gewohnt – er blutete also pflichtbewusst stundenlang vor sich hin und beim Tierarzt wurde erstmal ich notfallmässig versorgt 😛 Wirklich alles war vollgeblutet: Die Box, das Bad, mein Weg zum Taxi.

In der Praxis war Tünn wenig kooperativ, aber es reichte für die Grundimmunisierungsspritze. Von einer jährlich zu wiederholenden Impfung riet uns die Tierärztin dringend ab. Nicht weil sie Impfgegnerin wäre, sondern weil sie nicht JEDES Jahr von Tünn gebissen werden möchte. Alle zwei Jahre reicht, meinte sie.

Tünn gehts inzwischen wieder gut – er hat gefuttert, seine Transportbox nachträglich daheim äusserst interessiert inspiziert und seine Leckerli abgeholt.

Ich nehme derweil die nächsten fünf Tage Antibiotika und fände es schön, wenn die Wunde aufhören tät, zu tuckern. Ich muss nämlich morgen an eine Weiterbildung in München und kann eine Katzenbissauskratzung gerade so gar nicht gebrauchen.

Ich weiss nun, wer unser nächster Tierarzttrainings-Kandidat ist. Zum Glück. Mir wäre ja schon bald langweilig geworden, seit es mit Felize so relativ gut läuft.

Katzen.

Dreierlei: Panikkatzen, Geisterkatzen und Kinderbücher :D

Wir haben hier gerade allerlei News – ich halte mich so kurz wie möglich 😉

Geisterkatze
Zuerst: Gestern berichtete ich von unserer „Geisterkatze“. Das Rätsel, woher das nächtliche Maunzen kommt, scheint gelöst (scrolle zu „Nachtrag“): → Unheimliche Dinge geschehen: Wir hören Stimmen :-O Nur die Frage, wie man das Problem – vornehmlich für die Katze – nun noch löst, ist mir ein wenig schleierhaft 😦 Tipps?

Panikkatze
Ich war heute Vormittag mit Felize zur letzten Kontrolle im Tierspital wegen ihrer → Mittelohrentzündung.

Diagnose: Sie ist als komplett geheilt entlassen! *juhuuuuu* ♥♥♥  Das Trommelfell des betroffenen Ohrs sei bilderbuchmässig verheilt und könnte gemäss Tierärztin als Musterbeispiel fürs Lehrbuch herhalten 😀 Felize kann darüber hinaus definitiv hören und ihre Kopfschiefhaltung hat sich merklich gebessert ❤

Verhaltenstherapie: Ich konnte Felize heute fast problemlos eintüten – „fast“ gemessen an Mathilde, Lucie, Faramee oder Moriah, die ich einfach nehmen und in die Tasche setzen kann. „Problemlos“ gemessen an Felize 😛

Ich ging mit dem Laken zu ihr (ich wollte es noch nicht ohne wagen – Feigling ich bin) – sie sah mich fragend an, ich nickte und legte es sanft über sie ♥ Dann konnte ich sie einfach so hochheben und zur parat gestellten Box tragen, dort reinsetzen und gut war ♥ ♥ ♥ Sie hat während der ganzen Fahrt weder getobt, noch gemauzt noch gehechelt bis zum Anschlag wie früher. Im Spital war sie ganz ruhig, liess ALLES klaglos mit sich machen – kein Mucks, keine Panik, keine Gegenwehr ♥ Und dann fuhren wir heim – wieder alles ok. Zuhause angekommen, guckte sie mich von Herzen giftig an und verschwand erstmal 😛 Und gerade JETZT klettert sie felizelike auf mir rum und will SCHMUSEN ♥ ♥ ♥ Hach, hach, HACH!!!!

Die Tierärztin war bei der Untersuchung ebenfalls begeistert – nicht nur von den medizinischen Ergebnissen. Sie meinte (Französin, süss): „Frau Blum. Was aben Sie mit dieser Katzö gömacht? Ausgetauscht? Das ist nüscht die Katzö, die üsch ier kennengelernt atte. DIESE Katzö ist kooperativ und entspannt. Was aben Sie gemacht?“ Ich sagte nur vielwissend: „Tierarzttraining – unter Anleitung der besten Veraltenstherapeutin dör Welt“ 😀  ♥ ♥ ♥

Ahnt jemand, wie happy wir hier gerade sind? 😀

Gut: Mittwochmorgen muss ich dann Tünn erstmals eintüten. Schauen wir, wie euphorisch ich dann noch bin mit meinen Kruxen hier 😛

Ich werde mit Felize auf jeden Fall weiterarbeiten – es ist schier unfassbar für alle, die sie je „in Action“ 😛 erlebten, wie klasse sie sich inzwischen entspannen kann ♥ ♥ ♥

Kinderbuch
Es ist erschienen: Seit heute kann man „Anderswo zuhause“ Edition Schweiz und Edition Deutschland/Österreich im Online-Buchhandel bestellen *ju-huuuuuuuuuuubel* – mehr Infos hier: → „Anderswo zuhause“ Es würde mich sehr freuen, wenn ihr mal reinschaut und ggf. die Bücher weiterempfehlt – am allerliebsten nicht aus Gefälligkeit, sondern weils euch gefällt, denn DAS würde mich echt happy machen ♥ ♥ ♥

Wir haben grad ne gute Welle hier – und ich bin sehr dankbar dafür. Am meisten freue ich mich für Felize, die gesundheitlich und auch „persönlich“ echt ganz gewaltige Fortschritte gemacht hat ♥ ♥ ♥

Tierarzttraining mit Felize – Fortsetzung

Wir haben unser Tierarzttraining mit Felize wieder aufgenommen. Es gibt erste Erfolge.

Anfang Juni hatte ich mit Panikmaus Felize ein Tierarzttraining nach Anleitung des Buches → „Tierarztraining für Katzen“ von Christine Hauschild begonnen. Just in dieser Zeit mussten wir jedoch aufgrund ihrer → schweren Mittelohrentzündung so oft zur Kontrolle ins Tierspital, dass sie aufgrund der ewigen Eintüterei so verstört und ängstlich wurde, dass ich schon bald gar nicht mehr an sie herankam, um irgendwas zu trainieren. In meiner Gegenwart war sie nur noch ein zusammengekauertes Bündel Angst. Zudem dürfte ihr → wiederkehrendes Gehör weiter dazu beigetragen haben, dass sie einfach vollkommen überfordert war. Also unterbrachen wir das Training auch gleich wieder.

Nach der bislang → letzten Kontrolle Ende Juli haben wir auch auf Anraten der behandelnden Tierärztin das Training nun wieder aufgenommen, allerdings nicht „nur“ nach Anleitung des oben genannten Buches, sondern mit direkter Beratung und Begleitung durch Frau Hauschild, da Felizes Angststörung auch nach Einschätzung der Spital-Ärztin sogar für Katzen weit über das „normale“ Mass hinausgeht.

Phase 1
1. Clickern & Target
Da Felize durch die vielen Tierarztbesuche und ihr wiederkehrendes Gehör solche Angst vor allem und jedem insbesondere aber vor mir hatte, galt es zunächst, jede Annäherung ihrerseits zu belohnen: Immer wenn sie sich mir näherte, wurde geclickt und belohnt. Zudem sollte die Targetstab-Übung dazukommen. Allerdings zeigte sich, dass Felize vor Targetstäben und allem, was einem solchen ähnelt, Angst hat und panisch wegrast 😦

2. Drück-mich-Übung
Da Felize jede „Manipulation“ an sich als Angriff versteht und sich weder zwecks Behandlung festhalten noch in irgendeiner Weise versorgen liess (zB. Ohrentropfen, Augen putzen), übten wir ganz sachte, dass sie „Druck“ auszuhalten lernt: Wenn sie neben mir liegt und ich sie streichle, sollte ich zeitweise mit einer Hand leichten Druck auf sie ausüben und dann wieder nachgeben. Das wird jeweils mit einem Marker-Signal angekündigt, wir wählten naheliegenderweise das Wort „drück“:
→ Signal „drück“ → Druck → Gegendruck → Belohnungssignal („yes“) → Belohnung (Kraulen am Ohr – diese Belohnung verfolgte ebenfalls ein bestimmtes Ziel, später dazu mehr).

3. Bewegung aushalten
Da Felize äusserst schreckhaft ist/war, sprang sie jedesmal entsetzt auf und rannte weg, wenn ich mich nur schon bewegte geschweige denn aufstand und irgendwohin ging. Dass sie vor Bewegungen zB. meines Arms jeweils panisch flüchtete, machte eine Behandlung wie Ohren oder Augen reinigen natürlich besonders schwierig bzw. unmöglich. Also mussten wir auch das trainieren: Jedesmal, bevor ich mich in Felizes Anwesenheit bewege, kündige ich das mit einem Wort-Signal an („move“ – merke: Es ist wichtig, für solche Signale Wörter zu verwenden, die man sonst im Alltag nicht verwendet, damit keine Missverständnisse entstehen. Daher bieten sich hierfür fremdsprachige Begriffe an):
→ Signal („move“) → Bewegung → zur Belohnung kurzes Laserpointerspiel. Effekt: 1. Vorwarnung und 2. Gegenkonditionierung durch Belohnung (es passiert nix Schlimmes, im Gegenteil).

4. Telizen S bzw. Calmex
Die Ärztin im Tierspital war wie gesagt nach diversen Behandlungsrunden der Überzeugung, dass Felizes Angst vor Tierarztbesuchen und Behandlungen weit über das „normale“ Mass hinausgeht. Also „verschrieb“ sie uns → Calmex für Katzen, das ich erstmal aufwendig per Internetversand auftreiben musste. Bis das hier war, hat Felize darum erstmal → Telizen S bekommen, das ich schon hier hatte.

Das alles haben wir dann rund drei Wochen lang geübt, dann hatten wir Ende August einen neuen Beratungstermin mit Frau Hauschild.

Felize hatte sich in den drei Wochen wirklich sehr vielversprechend entwickelt. Sie scheint mir deutlich weniger schreckhaft, sie kommt wieder regelmässig zu mir, lässt sich streicheln, drücken und springt nicht mehr jedesmal panisch weg, wenn ich mich mal bewege.

Phase 2
Jetzt galt es, dass Felize unterscheiden lernt, wann ich Tierarzttraining mit ihr mache, und wann wir einfach nur so rumlümmeln und sie mit keinen „Attacken“ 😉 von mir rechnen muss.

1. Tierarzttrainingsankündigung
Hierfür dient ein Handtuch, das ich entweder mit aufs Sofa nehme oder eben nicht. Wenn das Handtuch da ist, heisst das, dass wir jetzt gezielt Behandlungen üben: zB. Ohr putzen oder Pfote drücken.

2. Ohren putzen
Da ich von der Tierärztin den Auftrag habe, Felize regelmässig das von der Mittelohrentzündung in Mitleidenschaft gezogene rechte Ohr zu putzen (höhö – ja, klar…), übten wir das als erste konkrete Behandlung. Hier sollte ich schrittweise vorgehen und Felize erstmal ganz sachte mit dem Reinigungsmittel und dem Wattebausch bekannt machen. Doch ich war zu ungeduldig (nicht zur Nachahmung empfohlen, auch wenns bei uns gut ging): Da eine unserer Belohnungen ja Ohren kraulen ist, missbrauchte ich diese eines Tages im Affekt, ihr gleich kraulenderweise das Ohr zu reinigen redface Wir hatten wohl mehr Glück als was anderes, dass ich Felize damit nicht erschreckte. Aber immerhin kann ich ihr nun problemlos die Ohren und auch die Augen (sie hat da manchmal so Zeugs im Augenwinkel, das ich da nicht haben will) reinigen 😀

3. Clickern & Target
Da Felize Angst hat vor Targetstäben und allem, was danach aussieht, soll ich nun ein Target nehmen, das nicht länglich ist: einen Spielball, mein Portemonnaie oder sonst was. Den Targetgegenstand halte ich ihr hin, und wenn sie mit der Nase draufzukommt, gibts „yes“ und Belohnung. Das klappt jetzt sehr gut 🙂

Zudem haben wir als Pfotentarget ein Stück Pappe dazugenommen, auf das sie sich mit den Vorderpfoten stellen soll.

Erwünschter Effekt: Statt Angst zu haben, wenn ein Mensch etwas in der Hand hält, soll Felize anfangen, den Gegenstand interessant zu finden.

4. Bewegungen aushalten
Auch das üben wir wie oben beschrieben weiter und es klappt immer besser: Ich kann jetzt auch mal was vom Tisch nehmen oder sogar aufstehen, ohne dass Felize panisch wegrennt – wenn ich es vorher angekündigt habe. Das Timing ist hier sehr wichtig.

5. Drück mich
Auch das üben wir wie oben beschrieben weiter. Klappt sehr gut.

6. Kartons und Taschen ins Laserpointerspiel einbauen
Felize hat an sich kein Problem damit, freiwillig in eine Transportbox zu gehen – allerdings tut sie das nie dann, wenn es für einen Tierarztbesuch nötig wäre 😛 Und sie ist auch immer sehr sehr misstrauisch – wenn ich dann auch nur gucke, rennt sie gleich wieder raus. Um ihr Behälter jeder Art also spielerisch vertrauter zu machen, werden Kartons, Katzentunnel und auch Transportkisten beim Spiel mit dem Laserpointer miteinbezogen. Tunnel und Kartons sind kein Problem – aber das mit der Tasche/Box durchschaut sie cool Ich glaube aber festzustellen, dass sie immerhin anfängt mit dem Gedanken zu spielen, doch mal reinzugehen, wenn der Laserpunkt darin verschwindet 😉

7. Telizen S und Calmex
Nachdem Felize rund vier (?) Wochen Calmex bekommen hatte, hatte ich den Auftrag stattdessen nochmal eine Woche lang Telizen S zu geben, um zu schauen, ob ein Unterschied in ihrem Verhalten festzustellen ist. Beschwören würde ich es nicht, aber ich hatte den Eindruck, dass Felize in dieser Woche mit Telizen eher wieder unsicherer wurde. Das ist sicher weit von einem wissenschaftlichen Beweis entfernt, aber mein Eindruck war, dass sie mit Calmex selbstsicherer und neugieriger ist 🙂

Ja. So üben wir hier. Ende September muss ich mit Felize nochmals zur Kontrolle ins Tierspital. Ich gehe nicht davon aus, dass sie mir dann freiwillig in die Box hüpft und in der Praxis freudvoll alles mit sich machen lässt 😉 Aber seit wir das Training wieder aufgenommen haben, stelle ich eine deutliche Entspannung der Gesamtsituation fest:

  • Felize vertraut mir wieder viel mehr als während der letzten Wochen – ich würde sogar sagen, mehr als sie es je zuvor tat.
  • Felize ist rundum neugieriger und aufgeweckter. Es ist nicht mehr jede Situationsveränderung (wenn ich zB. in ihrer Gegenwart etwas in die Hand nehme oder aufstehe) beängstigend.
  • Felize macht unsere Tierarzttrainings-Übungen wie „Drück-mich“ und Target nun mit Freude mit – es scheint ihr Spiel und Schule zugleich ♥
  • Und vielleicht das Wichtigste für uns in der aktuellen Situation: Ich kann kleinere Manipulationen an ihr vornehmen wie zB. Ohren reinigen. Das ist wirklich super, da medizinisch notwendig.

Alles in allem bin ich im Moment sehr zuversichtlich, dass es da noch sehr viel Potential gibt. Wir bleiben jedenfalls dran 🙂 ♥<

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FortsetzungDreierlei: Panikkatzen, Geisterkatzen und Kinderbücher

Felizes Mittelohrentzündung, Kontrolle Nr. 3

Heute war ich wieder mit Felize im Tierspital zur Kontrolle des Genesungsverlaufs ihrer Mittelohrentzündung. Es sieht in verschiedener Hinsicht gut aus.

Zunächst zum medizinischen Befund: Alles ist wunderbar verheilt so weit. Felizes Trommelfell, das durch die otitis media bzw. Mittelohrentzündung schon ziemlich schwer vorgeschädigt war, und dann beim Absaugen des Eiters von den Chirurgen weiter aufgeschnitten werden musste, ist nun fast komplett zugewachsen 🙂 Gemäss der Spital-Tierärztin muss nicht mit bleibenden Schäden gerechnet werden.

In zwei Monaten müssen wir zur Schlusskontrolle (hoffentlich SCHLUSSkontrolle…).

Zum psychischen Befund: Die uns betreuende Tierärztin ist auch der Meinung, dass Felizes extreme Angst sogar für kätzische Verhältnisse weit über der üblichen Norm liegt und behandelt werden sollte. Ob Felizes momente Verstörtheit mit dem Wiedererlangen des Gehörs zusammenhängt, konnte sie auch nur spekulieren: Denkbar sei es. Sie empfahl uns jedenfalls Calmex Tropfen für Katzen sowie – tataaaaa: Klickertraining 😀 Somit werden wir in den nächsten Tagen unser → Tierarzttraining wieder aufnehmen. Und ich werde auch unsere Verhaltenstherapeutin Frau Hauschild auf Felizes Probleme ansprechen 🙂

Das Eintüten heute verlief sozusagen fast schon routiniert: Ich wusste, was ich zu tun habe – und Felize auch: Sie gab auf 😦 Das machte es alles in allem relativ problemlos, das Bettlaken über sie zu verbringen und sie dann ohne Gegenwehr in die Transportbox zu schieben.

Der Haken: Felize hat immer noch extreme Angst. Aber: keine Panik. Immerhin. Sie geht nicht mehr die Wände hoch oder kratzt und beisst wie ne Irre um sich. Auch auf der Fahrt verhielt sie sich relativ ruhig und bei der Behandlung waren keine Zwangsmassnahmen wie Handtuchwickel mehr nötig.

Ich möchte das gern als Fortschritt betrachten – irgendwie. Sie ist nun behandelbar. Aber was meine Freude darüber beträchtlich trübt, ist der Umstand, dass sie wie gesagt gewissermassen aufgibt und zugleich extrem um ihr Leben fürchtet. Das darf natürlich nicht so bleiben, daran werden wir jetzt wirklich konsequent arbeiten. Aber im Vergleich dazu, wie unser erster Tierarztbesuch verlief, bei dem sie mich sozusagen krankenhausreif biss und kratzte, die Praxis zerlegte und schlicht nicht untersucht werden konnte, ist das jetzt schon irgendwie für alle angenehmer… 😉

In diesem Sinne versuche ich, Felizes → Mittelohrentzündung und dem daraus folgenden Vestibulärsyndrom irgendwas Positives abzugewinnen.

Und eines Tages – ganz bestimmt – wird mein Mäuschen auch wieder so traumselig vertrauensvoll neben mir dösen:

felize_zunge

Oder keck aufm Sofa fläzen, OBWOHL ich existiere:
felize_dez

<3<3<3

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Fortsetzung: → Tierarzttraining mit Felize, Fortsetzung

Felize, kleine Heldin <3

Heute waren wir mit Felize zur Kontrolle im Tierspital – und ich bin sehr stolz auf das Maus, äh: Katz 😀

Ihr Lieben ❤

Danke ganz herzlich an alle, die heute an uns dachten und Daumen drückten – der Zauber wirkt auch hier 😀 😉 ❤

Ok – das Eintüten meiner kleinen Panikmaus war wie vermutet ein Desaster 😦 Ich habe gar nicht irgendwelche sanftmütigen Tricks probiert, sondern habe direkt das Fixleintuch bzw. zu Deutsch Spannbettlaken (danke Frau Vegasfan für die Übersetzung! :D) und die Transportbox geschnappt und bin so bewaffnet wie ein Gladiator auf Felize zu, derweil das Mantra im Kopf: «Wir ziehen das jetzt durch, basta.» Naja – ok: Eher nicht ganz so cool. Spätestens als Felize versuchte, flundermässig mit dem Boden zu verschmelzen, und verweifelt fragend in Todesangst mauzte, brach mir mehrfach das Herz – aber hilft ja auch nix.

Kaum war ich jeweils halbwegs in ihrer Nähe, entflunderte sie sich jeweils pfeilschnell und schoss nach oben in die erste Etage, von dort nach unten, dann wieder hoch, wieder runter – ins Fitnesscenter muss ich heute nicht mehr, püh. In einer zweigeschossigen Wohnung ohne Türen echt kein leichtes Unterfangen, eine Katze in die Enge zu treiben… Schliesslich beging sie endlich wieder den strategischen Fehler, sich ins Bad zu flüchten, worauf ich ja gehofft hatte. Diesmal aber war die Waschmaschine zugestellt, damit sie sich nicht wieder dahinter festklemmt, und alles weggeräumt, was in Scherben darnieder fallen könnte. Nachdem sie ein paar Mal die Wände hoch ist, konnte ich endlich das Bettlaken über sie werfen – Schachmatt.

Ich hatte das von einer lieben Tierschützerin gelernt: Wenn man eine Katze unter einer Decke oder eben einem Laken versenkt, rührt sie sich nicht mehr – man kann dann einfach hin und sie einpacken. Nicht, dass ich diese Methode dem Miteinander langfristig für zuträglich halte und empfehlen würde – aber in der Not… 😦 Bei Felize funktionierts jedenfalls – man muss nur gut genug werfen. Nicht nett – aber für den Moment unsere Rettung.

Als ich Felize also endlich in der Box hatte, war ich erstmal fertisch mit den Nerven. Aber ab dann wurde es gut – richtig gut 😀

Während der Autofahrt war sie recht ruhig (Handtuch über der Box hilft auch). Sie mauzte nicht und hechelte auch nicht wie sonst. Schonmal gut.

In der Klinik aber räumte sie jeden nicht vorhandenen Restzweifel am TA-Training bei mir aus: Sie liess sich diesmal komplett ohne Handtuchwickel behandeln – sie hatte sichtlich Angst, aber keine Panik, immerhin. Das überzeugte mich restlos davon, dass Situationsvermeidung falsch und nur Training unser Weg sein kann.

Das Beste aber: Obwohl ich Felize die Ohrentropfen nicht geben konnte, verheilt alles wunderbar – was natürlich meine grosse Sorge war 😦 Aber wir haben Glück – und noch mehr davon:

+++ breaking news +++

Felizes rechtes Trommelfell wächst zu!!! :-O Das heisst: Sie müsste dann in absehbarer Zeit wieder vollumfänglich hören können. Aus medizinischer Sicht. Boah – wow!!! Krass.

Als wir heimkamen, schoss sie aus der Box – blieb dann aber sofort stehen und sah sich um. Ich liess alles so stehen und ging nochmal weg, weil ich einkaufen musste und auch dachte, dass wegzugehen genau JETZT für mein Mäuschen genau das Richtige sei 😛

Als ich wieder heimkam, sass Felize diesmal nicht verängstigt unterm Bett, sondern hockte draussen auf der Terrasse in ihrem Lieblings-Gras-Topf ❤ Als sie mich sah, erstarrte sie zwar sofort wieder, aber rannte nicht wie die letzten Wochen weg. Sie futterte auch sofort ihr Abendessen und kam vorhin sogar gaaaaaaaaaaaaaaaanz kurz zu mir aufs Sofa – aber das war ihr dann doch zu gruselig 😉

Zwei für uns ganz wichtige Dinge habe ich heute gelernt:
1. Felize wird voraussichtlich vollkommen gesund – die Prognosen stehen jedenfalls sehr gut ❤
2. Vermeidung ist Sch*** – mit jedem Tierarztbesuch wird Panikkatz Felize «cooler» (und ich auch :P), was mir klar zeigt: Man kann auch einer absolut panischen Katze die Panik nehmen. Im Moment leider mit Gewalt 😦 Aber demnächst mit der bedachten Anleitung der Verhaltenstherapeutin unseres vertieften Vertrauens: → Tierarzttraining für Katzen

Wenn ihr auch verängstigte oder gar panische Katzen daheim habt: Bitte arbeitet mit ihnen daran ❤ Sie müssen diese Ängste nicht auf Dauer erleiden – weder beim Tierarzt, noch bei Besuch, noch bei Gewitter oder beim Staubsaugen. Muss alles nicht sein.

Wir sind gerad ein bisschen fix und foxy – aber SEHR zuversichtlich ❤

Herzlichst, Iwon & Kamikatze-Zwerglis

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Fortsetzung: → Lieber Besuch aus Köln