Grumpy old Bambibärchen – unvergessen.

Eigentlich begehe ich ja die Geburts-, Einzugs- und Todestage meiner Zwerge und Sternchen nicht mehr. Eigentlich.

Heute vor fünf Jahren musste ich unter grosser Verzweiflung meine geliebte grande dame LouLou kurz nach ihrem 19. Geburtstag gehen lassen. Sie war nur knapp anderthalb Jahre zuvor notfallmässig von einer Arbeitskollegin bei mir abgestellt worden: Von jetzt auf gleich – als über 17-jährige Katze, die Opfer massiven Katzenmobbings geworden war.

Ich nannte sie anfangs nur „Schnecke“. Die einst so stolze Freigängerin zog sich so tief sie konnte in sich selbst hinein, in der Hoffnung, dass keiner ihre Existenz noch wahrnimmt.

Es brach mir das Herz, diese „Schnecke“ in Empfang zu nehmen, ich konnte nicht verstehen, wie man zulassen konnte, dass aus ihr „das“ geworden war – aber hier war besser als dort. Und so kam es.

Und als ich heute – vielleicht mehr als sonst – an sie dachte, während ich alles Mögliche andere machte (putzen, aufräumen und vieles mehr, was halt auch mal sein muss) – musste ich so oft lachen ob der Erinnerungen während unserer nur rund anderthalb Jahre zusammen. Meinen Versuchen, ihr ihr Selbstwertgefühl wiederzugeben. Ihre Versuche, mich zu lehren, wie Katzenhaltung geht.

Das Unverständnis und die Wut, wie es zu all dem kam, die verkniff ich mir: tempi passati. Denn auch das hat LouLou mich gelehrt.

Und weil LouLou mich in vielerlei Hinsicht von Doofheit (zu einem gewissen Grad wenigstens) befreite, möchte ich ihr zu ihrem fünften Todestag doch nochmal einen Beitrag widmen.

Das wichtigste Thema, an das sie mich heranführte, war „Tierpsychologie“ – oder Verhaltenstherapie. Für uns Tierhalter mehr als für die Tiere: Tierpsychologie? Ja ne, is klar

Unsere ersten Clickerversuche – ja, mei: Kein Pokal für mich 😛

Auch Katzenzusammenführungen – wer eine eine vorhat, mache sich kundig. Davor. Ein erster Schritt dazu: Katzenzusammenführungen – eine Wissenschaft für sich

 

Leider hatte LouLou nicht mehr viel davon – das Schicksal holte sie just dann in den Tod, als sie ihr Leben wieder annehmen wollte. Es dauerte lange für mich, das zu „verstehen“. Und um keinen Preis hätte ich diese Erfahrung nochmals machen wollen, wenn man mir die Wahl gelassen hätte: Vergeblich so sehr um jemanden zu kämpfen, der doch nur verlieren konnte.

Doch meine Katze Moriah vollendete letztlich LouLous Geschichte – und so hat im Rückblick manches plötzlich Sinn, was zunächst so sinnlos schien.

Und das ist vielleicht das Wichtigste, was LouLou mich lehrte: Nichts ist „vergeblich“ – ausser wir lassen es zu.

Geliebte LouLou: Du bist ein heller Stern – und weisst du, du hattest schon immer Recht: Clickern könnte auch bei Menschen vielleicht helfen 😉

Ich liebe dich – du bist nicht fort.

Nur woanders ❤

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8 Gedanken zu „Grumpy old Bambibärchen – unvergessen.

  1. Gudy

    Liebste Iwon <3,
    ist es nicht erstaunlich, was LouLou in so kurzer Zeit erreicht hat? Es war ihre Aufgabe, dich auf deinen wachsenden Kamikatze-Clan in dem Sinn vorzubereiten, dass du sie nicht ergeben in irgendein Schicksal tropfen lässt, sondern ihnen eine verantwortungsvolle Dosine bist. Du hast ihr Erbe und auch das all deiner Sternchen angenommen.
    Du hast einen sehr liebevollen Beitrag an und über Grumpy old Bambibärchen geschrieben und sicher sitzt sie grade mit ihren Freunden am Silbersee und lässt sich das wieder und wieder vorlesen und ist ganz stolz, dass sie deine Fellnase sein durfte.

    Liebe LouLou <3, ich schicke dir die allerliebsten Grüße ins Regenbogenland. Du wirst Iwon wieder sehen und dann habt ihr ganz viel auszutauschen.

    Herzliche Grüße sendet
    Gudy

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    1. kamikatzezwerglis Autor

      Liebste Gudy – ja, da hast du wohl wie so oft recht ❤ LouLous Schicksal war "Scheisse" (sorry für den Ausdruck), aber zumindest für viele nach ihr war es nicht umsonst. Ohne LouLou hätte ich das mit Mori wohl kaum gepackt. Und wer weiss, wie viele Googelnde ihre Geschichten inzwischen lasen und auch lernten ❤ Ich sehe es ja zumindest teils in den E-Mail-Anfragen über den Blog: Nicht so ganz wenige möchten aus den Schicksalen meiner Katzen lernen. Das macht mich glücklich – denn so war es wie gesagt nicht vergebens.

      Wenn ich mich an diesen unangenehmen Menschen meiner ersten Zeit mit LouLou erinnere, der mir 150 Franken dafür verrechnete, mir in zwei Minuten zu sagen: "Eine 17-jährige Katze lernt sowieso nix mehr. Einschläfern könnte helfen.". Ja – das sind halt "Lernprozesse", die ein überalteter "Tierpsüchologe" nicht mehr mitgekriegt hat. Ich sage da aber nicht "einschläfern könnte helfen". Auf dieses Niveau möchte man gar nie sinken.

      Darum mögen mich Leute auch für bekloppt halten, wenn sie nicht anders können oder wollen: So manche Katze lehrte mich schon wesentlich mehr als die allermeisten Menschen, mit denen ich je zu tun hatte. Aber natürlich bin ich auch um kluge, besonnene und liebe Menschen froh ❤

      In diesem Sinne herzlichste Grüsse von Schneewönnchen und ihren 7 Zwergen

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  2. Brigitte

    LouLou ❤ – ihr "Werdegang" bei Dir war der Anlass, Deine Kolumne (an anderer Stelle damals) mit Faszination zu verfolgen – sie war es, die uns letztendlich zusammengebracht hat! Und ich habe gleichermaßen mitgetrauert, als sie gehen musste – aber ich habe auch sehr viel Freude daran gehabt, erleben zu dürfen, wie diese arme, verängstigte Katze sich schlussendlich doch für das Leben entschieden hatte. Vom Dasein als Schreibtisch-Höhlen-Katze hatte sie sich zum Schluss verabschiedet – und ich empfand es als äußerst unfair, dass sie so plötzlich gehen musste. Aber das Universum ist oft unfair – oder wir können einfach nicht erkennen, was es uns damit sagen will.
    Unvergessen ist Grumpy old Bambibärchen auf jeden Fall – und in unseren Herzen immer gegenwärtig! ❤ ❤ ❤

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    1. kamikatzezwerglis Autor

      Liebste Brigitte – das wusste ich gar nicht, dass LouLou dich zur Zwerglis-Kolumne führte ❤ Und gell: Du hast ja auch eine Schwäche für ältere Katzendamen? ❤ Ist es nicht zauberhaft, wenn man erleben darf, wie sie nochmals aufblühen?

      Aber wie du schreibst: Just als LouLou dazu bereit war, nochmals zu erblühen, kam das Schicksal mit der Axt. Und handkehrum denke ich mir inzwischen bisweilen: Vielleicht war das ja auch alles, was an Weg noch zu gehen war: Statt kriechend in den Tod zu kippen, erhobenen Hauptes ihm entgegengehen. Und dabei Spuren zu hinterlassen, die nachhaltig sind. Vielleicht ist das sogar mehr, als so mancher Mensch je erreichen wird? Zumindest ist es mehr, als ich bislang erreicht habe im Leben.

      Ich danke dir, dass auch du das grumpy Bärchen noch im Herzen trägst ❤

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      1. Brigitte

        Oh ja – ich landete ganz zufällig beim „Beobachter“ – und war sofort hingerissen von Deiner Art, zu berichten! 🙂 Und erst etwas später entdeckte ich einen Thread im Katzenforum und dachte noch: „Hhhmmm – diese Katzen kennst Du doch!“ 😀
        Und es stimmt – meine älteren Katzendamen machen mir jeden Tag bewusst, dass es niemals zu spät ist, zu versuchen, etwas zu ändern und besser zu machen! ❤

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  3. Britta

    Liebe Iwon, Gudy und Brigitte, eure Kommentare sind allesamt so liebevoll ausgedrückt <3, was soll ich da noch schreiben? Ja, ich zähle auch zu denjenigen, die das Grumpy-Bärchen nicht vergessen haben. Wie auch, in der Art und Weise wie du immer über deine liebsten Vierbeiner schreibst? Unsere Pelzköppe haben uns doch so einiges gelehrt in all den Jahren, in denen wir bei ihnen wohnen dürfen 🙂 . Wenn ich überlege, wie ich angefangen habe, mit Einzelkatze, die doch kein Problem damit hat, 10 Stunden am Tag allein zu sein! Wir lernen alle tagtäglich, und wenn wir dadurch danach Gutes tun, ist es auch in Ordnung. Ich wünschte, ich könnte wenigstens halb so ausdrucksvoll schreiben wie Iwon *schnief*.

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  4. Babs

    Liebste Beste,
    fünf Jahre sind schon vergangen?? Ich fasse es kaum, erinnere ich mich doch so lebhaft an das Grumpy Old Bambibärchen ❤
    Deine Worte, wie immer so, so schön zu lesen, klug, heiter, traurig und wütend. Alles zusammen in ein paar Zeilen gepackt; das gelingt dir wieder und wieder bestens, mein Herz.
    Aber die hier:

    "Vielleicht war das ja auch alles, was an Weg noch zu gehen war: Statt kriechend in den Tod zu kippen, erhobenen Hauptes ihm entgegengehen. Und dabei Spuren zu hinterlassen, die nachhaltig sind."

    haben mich besonders tief berührt. Denn diese Möglichkeit erscheint mir als einzig erträgliche Erklärung für das Schicksal, bzw. das Ende von LouLou das so was von zu früh kam.

    Die Deine

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    1. kamikatzezwerglis Autor

      ❤ ❤ ❤ Wie schön, dass auch du sie noch in lebhafter Erinnerung hast! ❤ Und ja: Manchmal kann man wohl nichts weiter mehr tun als in Würde zu gehen – und ich unaussprechlich dankbar, dass ich LouLou dabei helfen durfte, auf ihren letzten Metern wenigstens ihre Würde wiederzufinden, wenn ich auch nicht mehr für sie tun konnte 😦

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