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Maximierung des Glücks

An einem Samstag Ende März 2015 klingelte das Telefon zu unchristlicher Zeit (also weit vor 12 Uhr). Ich schon so: Geh weg. Ich erkannte jedoch die Nummer: Unsere Tierklinik. Ich so: ????

Im ersten verschlafenen Moment schoss mir durch den Kopf: Habe ich eins der Zwerglis in der Klinik vergessen? Warten wir auf Blutwerte? Kurz: Hä?

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Ich nahm also ab und fragte gedanklich noch nicht ganz im Jetzt angekommen : „Hallo?“
Klinik: „Guten Morgen, Frau B. – es tut mir leid, Sie zu stören!“
Ich: ?
Klinik: „Wir haben eine etwas seltsame Anfrage an Sie.“
Ich: ??
Klinik: „Könnten Sie sich allenfalls unter Umständen womöglich vielleicht eventuell vorstellen, eine weitere FIV-Katze aufzunehmen?“
Ich, hellwach: ???

Die mir wohl bekannte, nette Tierarzthelferin erklärte mir leicht beschämt, dass sie in der Praxis eine Katze hätten, die ihnen vor einigen Tagen von einer Frau vorbeigebracht wurde, weil sie diese aufgrund ihres Zustands als mutmasslichen Streuner versorgen lassen wollte. Tatsächlich war das Tier zwar recht fit, aber das Gebiss war wohl in einem grausigen, blutig-entzündeten Zustand, so dass die Klinik zum Schluss kam, es müssten sämtliche Zähne dringend gezogen werden.

Im Verlaufe der Behandlungsgespräche stellte sich heraus, dass diese Katze gar nicht der Frau gehörte – sie aber sehr wohl bereit war, die anfallenden Kosten für die Zahn-OP zu übernehmen (wow, Respekt!). Wem das Tier gehörte, wusste sie aber auch nicht.

Glücklicherweise war das Tier gechippt, so dass der Besitzer schnell gefunden werden konnte. Da unsere Klinik aber auch nicht wild drauflos operiert, sondern erstmal die Gesamtkonstitution einer Katze eruiert, bevor jemand aufgeschnitten wird, wurde festgestellt, dass das Katzentier FIV+ ist. Als der Besitzer das erfuhr, meinte er wohl – stark verkürzt und ohne Anklage gegen ihn (ich habe nie selber mit ihm gesprochen) – dass die Katze dann besser eingeschläfert werden sollte.

Ein Schicksal, das leider noch immer vielen Katzen bei der Diagnose FIV blüht.smiley_emoticons_sad

Wie ich es von meiner Klinik aber nicht anders erwartet hätte, sahen die das nun wiederum nicht ein, weshalb eine ansonsten völlig fitte Katze nur wegen Zahn-OP und FIV eingeschläfert werden sollte.

Allein: Der Besitzer wollte sie nicht mehr, die Frau, die das alles in Gang gesetzt hatte, konnte nicht, und Tierheime in Zürich nehmen FIV+-getestete Katzen offenbar strikt nicht auf (obwohl die allermeisten Katzen in der CH gar nicht auf FIV getestet sind – aber wenn mans mal weiss….). Unterm Strich bliebe also nur Einschläfern, obwohl medizinisch nicht notwendig. Kurz: Der übliche Scheiss (tschuldigung), sobald FIV diagnostiziert wurde.

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Nachdem die nette Tierarzthelferin mir all das am Telefon geschildert hatte, meinte ich: „Eigentlich wollte ich ja keine siebte Katze mehr. Wann soll ich dort sein?“
Klinik: „Oh! Echt? Wir wagten ja nicht zu hoffen. Wenn Sie heute noch kommen könnten? Das Tierchen lebt nun schon seit Tagen in einer unserer Aufwachboxen – das ist ja nicht so schön.“
Ich: „Geben Sie mir eine halbe Stunde.“

Bevor ich berichte, was mich dann erwartete, möchte ich dies noch kurz einflechten: Ich habe keines meiner Zwerglis je nach seiner Optik „ausgesucht“ – meist waren es eher die Zwerglis, die hier anklopften. Aber insgeheim wünschte ich mir immer, dass mal ein roter Kater hier anpocht – doch das war halt nie so.

Als ich in die Praxis fuhr, wusste ich absolut nichts über das Tier. Ausser dass „es“ FIV+ und FeLV-negativ ist (nicht falsch verstehen, liebe FeLV-Katzenhalter – aber ihr wisst? FIV und FeLV, das geht halt so gar nicht zusammen). Alles andere war nicht wichtig.

Und was ich dann sah, war „das“ da:

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Ich so: smiley_emoticons_gucker2

Zu dem Zeitpunkt wusste ich ansonsten nur, dass der Rottiger männlich (kastriert) und bislang Freigänger war. Wie er sich mit anderen Katzen verträgt oder ob er Wohnungshaltung akzeptieren würde, konnte keiner sagen.

Was soll man machen? Wir mussten es halt ausprobieren. Eine andere Chance gab es ja nicht für ihn.

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Nach meiner Erfahrung hier mit Moriahs Zusammenführung, wollte ich diesmal von Anfang an den vorsichtigen Weg beschreiten und alles brav nach Lehrbuch machen (das Moriah und Shakti ja sogar gewidmet ist – so eine Ehre!). Also separierte ich Max, wie ich ihn inzwischen nannte, erstmal.

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Doch wer kennt es nicht: Deine Pläne sind allzu oft nicht die deiner Katze. 

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Nach rund 20 Minuten hatte Max die Faxen dicke, streckte sich einmal in voller Länge und öffnete dann die Zimmertür. Ja, bravo. Momoll, super Plan, Iwon.

Und so sah das dann nach ein paar Minuten hier aus:

Max. Irgendwas zwischen 5-10 Jahre alt. Seit einem Monat hier. Fit und prosper - ein freundliches Kraftwerk <3

Max

Max, Faramee und Shakti - am ersten Tag!

Max, Faramee und Shakti – am ersten Tag!

Tünn nimmt auch ne Nase voll - der Kleinste und der Grösste, aber halt Männergemeinschaft, ne? ;-)

Tünn nimmt auch ne Nase voll – der Kleinste und der Grösste, aber halt Männergemeinschaft, ne? 😉

Tünn nimmt auch ne Nase voll - der Kleinste und der Grösste, aber halt Männergemeinschaft, ne? ;-)

Max, Faramee und Shakti - am ersten Tag!

Heute ist Max genau ein Jahr hier – und der sanfte Riese maximierte hier den Spiel-, Chill- und Schmusefaktor wie ein ganz Grosser ❤ Naja – er ist ja auch ca. dreimal so gross und schwer wie die anderen Zwerglis. Aber wenn die Kleinste (Lucie) ihn mal anbafft – holla, da geht er im Galopp fünf Schritte zurück, mein Pazifist ❤

Mit ohne Freigang geht für ihn auch klar und alles prima.

Max, mein Herz – ich weiss nicht, wie du uns gefunden hast, aber du hast alles richtig gemacht. Wir sind überglücklich, dich hier zu haben:

Happy Move-in-Day, mein sanfter Riese

Ich liebe dich so so so sehr. Hoffentlich haben wir viele viele glückliche und gesunde Jahre vor uns ❤

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Wie erkenne ich einen guten Tierarzt?

Wie kann der verantwortungsgewillte, aber unerfahrene Tierhalter feststellen, ob sein Tier und er selbst bei einem Tierarzt wirklich in guten Händen sind? Und wie verhält man sich als Tierhalter selber konstruktiv? Eine kleine Checkliste.

Vielleicht sind Sie auch kein unerfahrener Tierhalter – doch auch 30 Jahre „Erfahrung“ schützen im Vertrauensfall vor Fehlern nicht, wie ich im Social-Media-Austausch schon oft feststellen musste.

Sie sind vielleicht sogar überzeugt, dass Sie bereits einen super Tierarzt haben? Gehen da aber eigentlich nicht wirklich so gerne hin – Ihre Tiere dann vermutlich noch weniger. Oder Sie hatten das ein oder andere Mal zwar das Gefühl, nicht wirklich verstanden zu haben, was der Tierarzt da palavert – aber wird schon richtig sein?

Auch dann sind Sie herzlichst eingeladen, sich das Folgende aufmerksam durchzulesen. Ich weiss, wovon ich spreche: Ich vertraute auch einer Tierarztpraxis, in der meine Eltern zuvor mit unseren Haustieren schon immer waren. Ich fühlte mich dort zwar nicht so richtig wohl – aber ich kannte es nicht anders. Bis ich den erschütternden Preis dafür zahlte:  Wie erkenne ich einen guten Tierarzt? Teil 1

Solange höchstens mal eine Impfung, Entwurmung oder Kastration ansteht, sollte das eigentlich jeder Tierarzt hinbekommen.

Allerdings – und das ist wichtig: Jeder Eingriff an einem lebenden Körper kann schief gehen. Es können Tiere aufgrund der Narkose trotz allergrösster Sorgfalt und Kompetenz sterben, es kann bei bestimmten Impfungen zu Sarkomen kommen oder ganz doof gesagt, kann das Tier auf dem Weg zum Tierarzt in einen Autounfall verwickelt werden und sterben.

Was ich sagen möchte: Nicht an allem, was absurd schief laufen kann, sind Tierärzte schuld.

Doch wenn das Tier mal ernsthaft erkrankt, lernt man seinen Tierarzt erst richtig kennen. Und bitte keine falsche Scheu: Wer Zweifel hat, sollte sich schleunigst nach einer neuen Praxis umsehen. Wir Tierhalter sind zahlende Kunden – keine Bittsteller.

Die folgenden Tipps habe ich aufgrund eigener früherer Erfahrungen sowie Schilderungen anderer Tierhalter privat, in Foren oder Social Media zusammengestellt – ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Aber hoffentlich zum Nutzen anderer. Verinnerlichen Sie die Basic-Checkliste:

  • Was?
  • Warum?
  • Wie?

Und noch einige Aspekte darüber hinaus:

Was Tierhalter tun können

    • Schieben Sie nicht einfach alle Verantwortung auf Ihren Tierarzt: Wenn bei der Behandlung eines Haustiers etwas schief läuft, tragen wir Tierhalter die Verantwortung – und unsere Tiere die Konsequenzen. Deswegen dürfen wir auch Ansprüche stellen, Behandlungsentscheidungen in Zweifel ziehen und bei Bedarf eine Zweitmeinung einholen.
  • Zugleich sollten Tierhalter bemüht sein, dem Tierarzt seine Arbeit zu erleichtern, indem sie möglichst präzise schildern (bestensfalls zur Terminvereinbarung – da Sie bis zum Termin evtl. schon diagnostisch wertvolle Massnahmen treffen können), welche Symptome sie alarmierten und wann die Verhaltensveränderung des Tiers etwa festgestellt wurde. Je genauer und sachlicher, desto besser.
  • Weiter sollten Tierhalter bemüht sein zu verstehen, was der Tierarzt erläutert bzw. wenn es sich dabei um ein eher introvertiertes Exemplar handelt, gezielt nachfragen, was, weshalb, warum.
  • Weniger konstruktiv ist es, dem Tierarzt schon eine internet-generierte Ferndiagnose um die Ohren zu hauen oder mit Forderungen anzutanzen. Falls man tatsächlich etwas Interessantes zu den Symptomen gelesen/gehört zu haben meint, kann man auch dazu gezielt nachfragen. Und zieht dann Schlüsse aus der Reaktion des Angesprochenen. Aber nicht vergessen: Der da hat (hoffentlich) Tiermedizin studiert – Google oder Facebook haben definitiv nicht Tiermedizin studiert.

Was den kompetenten Tierarzt ausmacht

1. Ein kompetenter Tierarzt wird Sie nie ohne Diagnose nach Hause schicken.
Wobei auch die Feststellung, dass einem Tier nichts fehlt, in diesem Sinne als „Diagnose“ gelten kann. Der Tierarzt wird dann jedoch genau erläutern können, inwiefern die Sorgen des Tierhalters unbegründet waren: Namentlich:

  • was er aufgrund der Schilderungen des Tierhalters als Ursache in Betracht zog,
  • was er aufgrund dessen medizinisch abklärte und
  • warum er zum Schluss kam, dass medizinisch nichts vorliegt.

Er wird auch erläutern, was stattdessen zur Verhaltensänderung geführt haben könnte.

Beispiel: Eine Katze frisst mit merklich weniger Appetit als gewohnt, was medizinisch diverse Ursachen haben könnte, die der Tierarzt jedoch durch seine Untersuchungen ausschliessen konnte. Evtl. ist es draussen aber gerade seit Tagen fast 40 Grad heiss, was auch bei Menschen häufig zur Einbusse des Appetits führt.

Der fürsorgliche Tierarzt würde dann aber auch Hinweise geben, wie der Tierhalter seiner Katze die Affenhitze erträglicher machen kann und worauf er zu achten hat, falls die Katze ihr Verhalten nicht bald wieder normalisiert.

Evtl. wird er dann zu einem Spezialisten raten, der weitere Untersuchungen vornehmen kann, die er zum Zeitpunkt der Erstkonsultation aber für nicht dringlich erachtet. Selbstverständlich steht es dem Tierhalter frei, sofort auf die Konsultation eines Spezialisten zu bestehen.

Möglicherweise sind auch unterschiedliche Diagnosen denkbar – dann wird Ihr Tierarzt Ihnen das weitere Vorgehen erläutern, wie man über weitere Untersuchungen oder per Ausschlussverfahren so schnell wie möglich auf die richtige Diagnose kommt.

Merke:
→ Wenn Sie die Tierarztpraxis verlassen, muss Ihnen klar sein, was die Symptome Ihres Tieres verursacht hat – oder haben könnte. Also eine schlüssige Antwort auf die Frage: WAS?

→ Auf keinen Fall wird sich ein verantwortungsbewusster Tierarzt in irgendeiner Weise abfälig über Ihre Sorgen äussern, indem er Sie zB. lächerlich macht oder gar tadelt.

2. Ein kompetenter Tierarzt wird Sie nicht auf Verdacht mit Medikamenten eindecken.
Oft hört man von ratlosen Tierhaltern, dass sie ihrem Tier irgendwelche Medikamente geben sollen und auf Nachfrage können sie nicht beantworten, wofür oder wogegen die wirken sollen.

Das kann natürlich auch daran liegen, dass der Tierhalter in der Aufregung einfach nicht verstanden hat, was der Tierarzt ihm erklärte. Das kann mal passieren.

Aber es darf nicht so bleiben: Dann fragen Sie nochmals freundlich nach, warum Sie welche Medikamente geben sollen, was die erhoffte Wirkung ist und bis wann diese Wirkung feststellbar sein sollte – und vor allem, was zu tun sei, wenn diese Wirkung sich nicht wie erhofft einstellt. Ein fürsorglicher Tierarzt wird Ihnen nochmals erläutern, was seine Überlegungen dazu waren und was Ihr Part in dem Ganzen ist (zB. Wirkung dokumentieren, Zeitfenster einhalten – und natürlich dafür zu sorgen, dass Ihr Tier die Medis dann bekommt, wenn es angezeigt ist, um die Wirkung zu erzielen)

So mancher Tierarzt scheint es jedoch völlig normal zu finden, dass er keinen Schimmer hat, was die medizinische Ursache bestimmter Symptome sein könnte, aber ein Breitband-Antibiotikum wirds schon richten.

Merke:
→ Wenn Ihr Tierarzt Ihnen nicht schlüssig erläutern kann oder will, warum er Ihrem Tier welche Medikamente verabreicht, wechseln Sie bitte umgehend die Praxis: Ein solcher Tierarzt hat nicht nur keine Ahnung, sondern offensichtlich auch keinerlei Verantwortungsbewusstsein. Da hilft gar nichts mehr.

→ Ein verantwortungsbewusster Tierarzt wird Sie mit folgenden Fragen nie allein lassen: WARUM und WIE?

3. Ein kompetenter Tierarzt nimmt Ihre Fragen und Sorgen ernst.
Wenn Sie sich schon scheuen, den Tierarzt „mit Fragen zu belästigen“, läuft irgendetwas sehr schief. Glauben Sie mir.

Entweder sind Sie zu bescheiden (dann ändern Sie bitte schleunigst Ihre Anspruchshaltung – zum Wohle Ihrer Tiere) – oder der Tierarzt gibt Ihnen bei jeder Gelegenheit zu verstehen, dass Sie sowieso keine Ahnung haben, irgendwie auch lästig sind und einfach zu tun haben, was er sagt. Falls Ihnen Letzteres bekannt vorkommt: Suchen Sie eine neue Praxis. So schnell wie möglich.

Ein kompetenter und verantwortungsvoller Tierarzt hingegen wird Ihnen so oft auf Ihre Fragen antworten, bis Sie seine Antworten verstanden haben. Wenn er richtig gut ist, fragt er nochmals wohlwollend nach, ob alles klar ist.

In komplexeren Krankheitsfällen kann es von Nutzen sein, Diagnose, Therapie und weiteres Vorgehen inkl. erhoffte Fortschrittsziele und Zeitfenster schriftlich festzuhalten, damit Sie in Ruhe nochmals – und immer wieder – nachlesen können, was nun zu tun sei. Ein anständiger Tierarzt wird Ihnen diese Dienstleistung nicht zusätzlich in Rechnung stellen.

Wenn Sie zwar meinen, alles verstanden zu haben, mit dem weiteren Vorgehen aufgrund der Diagnose aber nicht einverstanden sind, wird ein verantwortungsbewusster Tierarzt Ihre Zweifel ernst nehmen, mögliche weitere Untersuchungen/alternative Therapien mit Ihnen wohlwollend besprechen – und Ihnen auch die Konsequenzen aller möglichen Therapievarianten aus seiner Sicht geduldig, klar und stets freundlich darlegen. Entscheiden müssen nämlich am Ende Sie.

Merke:
→ Nicht vergessen: Letztlich liegt das Wohl Ihres Tieres allein in Ihrer Verantwortung – Sie und Ihr Tier müssen mit den Konsequenzen leben. Darum treffen Sie Ihre Entscheidungen stets wohl bedacht.

4. Ein kompetenter Tierarzt wird Ihnen nichts ein- oder ausreden wollen.
Wenn Sie zB. bei der Diagnose Krebs bei Ihrem Tier lieber mit Globuli hantieren wollen, statt eine möglicherweise lebensrettende, dringende OP einzuleiten, darf Ihr Tierarzt mit all seinem Herzblut an Sie appellieren, der OP den Vorzug zu geben. Und ich persönlich hoffe bei diesem Beispiel, dass Sie auf Ihren Tierarzt hören werden 😉

Aber: Ein kompetenter Tierarzt wird Sie mit sachlichen Argumenten zu überzeugen versuchen – er wird Sie nicht unter Druck setzen oder gar persönlich werden.

Wesentlich häufiger kommt es offenbar vor, dass Tierhalter mit klarer Einstellung zu (ihrer Meinung nach) tiergerechter Fütterung oder Impfskeptiker sich davon belästigt fühlen, dass ihnen ihr Tierarzt ständig bestimmte Futtersorten oder die Impfsequenzen vorschreiben will.

Ich möchte bei diesen konkreten Fragestellungen nicht zur Sache selbst äussern: Ich persönlich höre auf meinen Tierarzt, wenn er im Krankheitsfall bestimmtes Futter empfiehlt (bisher stets mit durchschlagendem Erfolg) oder auch auf seine Impfempfehlungen – das hängt damit zusammen, dass er mich in wesentlich komplexeren Krankheits-Fragestellungen immer korrekt beraten hat. Aber unser Tierarzt respektiert zB. auch, dass ich meinen Katzen partout kein Trockenfutter geben möchte – und gut ist.

Wichtig ist, dass Sie Ihrem Tierarzt auch sagen können, falls Sie gewisse nicht unmittelbar lebensentscheidenden Fragen lieber so handhaben möchten, wie Sie es für richtig halten – er sollte das respektieren und Ihnen nicht (weiterhin) das Gefühl vermitteln, dass er an Ihnen nur Geld verdienen will, indem er Produkte empfiehlt, die Sie für zweifelhaft halten. Ausser: Er hätte medizinisch fundierte Argumente dafür.

Merke:
→ Bei nicht unmittelbar lebensentscheidenden Fragen sollte Ihr Tierarzt Ihnen Ihre Meinung lassen, solange er nicht fundiert argumentieren kann, inwiefern Ihre Haltung früher oder später womöglich lebensentscheidend werden könnte (zB. wenn Sie Ihre Katze vegan ernähren wollen – da sollte der Tierarzt Sie tatsächlich eines Besseren beraten).

5. Ein kompetenter Tierarzt wird Sie auch in Ihrer schwersten Stunde nicht im Stich lassen.
Unser aller Leben ist endlich – und so wird früher oder später für jeden Tierhalter der Moment des Abschieds kommen – machen Sie sich nichts vor: Dieser Moment wird kommen.

Ein fürsorglicher Tierarzt wird Sie auch in der ggf. Palliativpflege Ihres Tiers liebevoll begleiten, Ihnen helfen zu erkennen, wann der „richtige Moment“ ist (nicht zu früh – aber auch nicht zu spät) und er wird die irgendwann unvermeidliche Einschläferung sanft vollziehen, Ihnen erklären, wann was passiert – damit Sie den Prozess bewusst vollziehen können – denn ab jetzt müssen nur noch Sie damit leben, Ihr Haustier nicht mehr. Das ist schlimm genug – machen Sie es nicht noch schlimmer, indem Sie unvorbereitet in diese Situation gehen.

Und kommen Sie bloss nicht auf die komplett bescheuerte, egoistische Idee, der „natürliche Tod“ sei bei einem Haustier ja das „Beste“. Falls Sie zu solchen Ideen neigen, lesen Sie bitte unbedingt meine eigene schwerwiegende Fehlinformation damals dazu – und was ich meinem geliebten Kater deswegen antat: Ich gestehe: Ich habe versagt. Teil 2

Unterschätzen Sie diesen Moment nicht, wenn Ihr geliebtes Tier Sie verlassen muss. Bereiten Sie sich darauf vor. Nur so können Sie Ihre Verantwortung in aller Konsequenz wahrnehmen – und so auch Frieden mit dem Unabwendbaren schliessen.

Auch eine „geplante“ Einschläferung kann traumatisch sein, wenn Ihr Tierarzt Sie nicht darauf vorbereitet, was gleich passieren wird. Lassen Sie sich alles ganz genau erklären.

Ein mitfühlender Tierarzt wird Ihnen für eine absehbare Einschläferung keinen Termin in der „rushhour“ geben, in der alle auf die Uhr gucken, wann Sie endlich „fertig“ sind.

Ein mitfühelnder Tierarzt wird nach Vollzug des nicht mehr Abwendbaren (hoffentlich!) den Raum verlassen und Ihnen die nötige Zeit geben, um Abschied zu nehmen. Wenn er zudem vorausschauend ist, wird er den toten Körper auf ein Handtuch gebetet haben (Sie werden verstehen, wenn Sie es erleben) und für Sie dezent Taschentücher parat stellen.

Ich persönlich habe zwei traumatische Einschläferungen miterlebt – und glauben Sie mir: Das wünsche ich niemandem.

Weil ich aber nun eine grossartige Klinik für meine Tiere habe, viel dazulernte und in jeder Hinsicht wundervoll begleitet bin, waren die drei nächsten Einschläferungen, die ich zu verantworten und begleiten hatte, zwar sicherlich überaus schmerzlich, aber immerhin nicht verstörend.

Und noch kleine Randbemerkung: Es soll Tierhalter geben, die ihre Tiere beim Einschläferungstermin am Empfang abgeben und dann das Weite suchen (ich habe das im Warteraum des Zürcher Tierspitals mehr als einmal selber miterlebt und auch im Bekanntenkreis). Jeder muss selber wissen.

Ich persönlich spucke auf die „Liebe“ solcher Leute – Entschuldigung.

Wer den Sterbeprozess angeblich geliebter Mitwesen – ob Mensch oder Tier – an andere delegiert, hat nicht verstanden, was Liebe und Verantwortung in all ihrer Tiefe bedeuten.

Sie werden vielleicht im ersten so fürchterlich finsteren Tunnel des Schmerzes leichter verdrängen können – aber nicht verarbeiten und daran wachsen. Sie werden im Gegenteil nie den Ausgang aus dem Tunnel finden und in echtem Seelenfrieden an das Wesen zurückdenken können, das sie im hilflosesten Moment seines Seins im Stich liessen.

Der Tod ist die unabwendbare Konsequenz des Lebens. Wer das nicht begriffen hat und versucht, sich davon „fernzuhalten“, sollte keine Verantwortung für andere Lebewesen übernehmen. Meine Meinung.

Merke:
→ Verdrängen Sie den Tod nicht. Er kommt. Immer. Bei jedem. Tun Sie nicht so, als würde Ihr Haustier ewig leben. Machen Sie sich Gedanken darüber, wie Sie damit umgehen wollen, wenn es so weit ist. Mein Beitrag dazu könnte vielleicht helfen: Der Abschied

Warum dieser Beitrag?

Ich selber habe so vieles falsch gemacht in der Vergangenheit – ich hatte rund 10 Jahre lang zwei eigene Katzen (also nach meinem Elternhaus), in denen nie was war. Nichts: Keine Erkältung – einfach nichts.

Doch dann wurden nicht nur diese zwei Katzen auch mal „alt“ (viel älter als ich je erhofft hätte: 21 und 23) und ich entschied mich, meine Katzengruppe zu erweitern. Und damit wuchs natürlich meine Erfahrung – da jedes Wesen ein Individuum ist und seine eigene Geschichte mitbringt.

Aber falls Sie jetzt vermuten, dass die Erweiterung der Katzengruppe Probleme mit sich brachte: Nein, das nicht. Nur: Jedes Tier hatte seinen Rucksack dabei – und ich war damals nicht dafür gewappnet.

Nachdem ich erstmals in meinem Katzenhalterleben mit ernsten Katzenkrankheiten konfrontiert war und leider auf voller Linie versagte, da ich damals all das, was ich oben schrieb, nicht wusste, bin heute von Herzen dankbar, inzwischen wirklich für alle Fälle von kompetenten und fürsorglichen Tierärzten umgeben zu sein: Sowohl in unserer aktuellen Klinik wie auch im Tierspital.

Wir hatten inzwischen hier an Krankheiten: Gingivitis/Hepatitis, HCM, Krebs, CNI, ANV, SDÜ, Pericarditis, Vestibulärsyndrom – ach, und ich weiss gar nicht mehr, reicht ja auch erstmal 😛 Und FIV nannte ich hier bewusst nicht, denn in meinen Augen ist FIV keine „Krankheit“, sondern vor allem erstmal Diagnose. Und nicht mal das.

Und ich bin verdammt froh, mittlerweile so grossartige Tierärzte zu haben, die uns fachlich kompetent, menschlich fürsorglich und tierisch liebevollst auf all unseren Wegen an der Hand/Pfote nehmen.

Wie findet man einen kompetenten Tierarzt?

Man kann natürlich im Internet gucken:

Wie erkenne ich einen guten Tierarzt? Teil 1

Ich möchte hier gerne erläutern, wie Tierhalter erkennen können, ob sie bei ihrem Tierarzt in rundum guten Händen sind. Denn einst zahlte ich den höchstmöglichen Preis dafür, selbst zu spät erkannt zu haben, dass wir es nicht waren. 

Teil 1 ist der schwere Teil, den ich gerne jedem liebenden Tierhalter würde ersparen wollen. Ich wünsche wirklich niemandem, am verfrühten Tod seines geliebten Tiers mitschuldig zu sein – so wie ich es bin.

Dieser Beitrag ist in unvergänglicher Liebe gewidmet: Mogwai † 26. November 2009

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Als ich fassungslos auf ihren sterbenden kleinen Körper starrte, hörte ich wie durch Watte den Tierarzt sagen: «Wir raten ja immer davon ab, solche ausländischen Strassenkatzen aufzunehmen: Die sind fast immer problematisch.»

Meine geliebte Katze Mogwai starb am Abend des 26. November 2009. Hätte ich morgens – als ich sie in die Praxis brachte – auch nur im Ansatz geahnt, wie krank sie ist, wäre ich direkt in die Notaufnahme unseres Tierspitals gefahren. Aber ich ahnte es nicht. Ich hatte im Wortsinne keine Ahnung. Und man hat es mir einen ganzen Tag lang auch nicht gesagt. Erst als es zu spät war.

Ich war seither nicht mehr in dieser Praxis und habe nicht vor, je wieder dahin zu gehen: Meine Vertrauenskurve schiesst nicht nach oben, wenn ein Tierarzt kranke Tiere für «problematisch» hält.

Tierärzten, die ihre Kunden behalten wollen, möchte ich daher ans Herz legen, den folgenden kleinen Kurz-Knigge auswendig zu lernen.

3 Dinge, die ich nicht sagen sollte, wenn ein Katzenhalter vor mir steht, der gerade sein geliebtes Tier verloren hat:

  1. War doch nur eine Katze.
  2. Ich mag sowieso lieber Hunde.
  3. Dieses Tier war problematisch.

Mein Ex-Tierarzt hatte aufgrund von Mogwais Krankheitsverlauf schon früh vermutet, dass sie damals in Spanien vergiftet wurde. Tatsächlich ist es an vielen Orten Spaniens ein durchaus übliches Vorgehen, Giftköder auszulegen, auf die sich die ausgehungerten Strassenkatzen natürlich blindlings stürzen – im Glauben, man wolle ihnen Gutes tun.

Jene enttäuschten Seelen, die nicht sofort ein qualvoller Tod ereilt, sterben nach nur rudimentärer Erstversorgung oft Monate später an den Schäden, die das Gift an ihren Organen anrichtete. Was in einem Menschen vorgeht, der so etwas anrichtet, entzieht sich meiner Vorstellungskraft.

Mogwai war die unbekümmerte Lebensfreude selbst – ich dachte, wir hätten alles überstanden. Doch dann holte die Vergangenheit sie ein. Sie wurde nicht mal drei Jahre alt.

Doch ich bin ja keine rachsüchtige altägyptische Gottheit mit Hang zu bizarren Bestrafungsritualen. Und ich werde auch mein Karma nicht besudeln, indem ich Giftköder auslegenden Menschen Böses wünsche.

Lassen Sie es mich vielmehr so formulieren: Es würde mich nicht die Bohne erschüttern, sollte sich der Zorn der Schöpfung über dieses hinterhältige Vergehen an ihrem Werk darin äussern, dass solchen Leuten alles abfault, was ihnen wichtig ist. So weit die erzieherische Massnahme.

Ich fände es darüber hinaus keineswegs übertrieben, bestünde die eigentliche Strafe für einen heimtückischen Giftmischer darin, dass er wiedergeboren wird. Zum Beispiel in einer ausgehungerten spanischen Strassenkatzenkolonie. Und zwar als Maus. Immer und immer wieder – bis ans Ende aller Tage.

Doch eigentlich wünsche ich solchen Leuten gar nicht, dass sie Schaden erleiden – der angerichtete Schaden und das Leid sind schon gross genug.

Vielmehr würde ich mir wünschen, dass Menschen, die mutwillig oder auch aus Unwissenheit anderen Lebewesen Qualen bereiten, in aller Deutlichkeit gewahr werden, welches Leid sie anrichten, ihr Tun aufrichtig bedauern und künftig respektvoll mit Leben in jeder Form umgehen. Das allein könnte mir eventuell etwas Trost sein.

Und mit Letzterem meine ich nicht nur hinterhältige Giftmischer.

Sondern auch Tierärzte, die über Leben, Lebensqualität und Tod entscheiden. Und Tierhalter, die sich informieren könnten – und den Tierarzt wechseln, wenn nicht alles auf Grün steht.

Ich geissle mich noch heute dafür, dass ich in Mogwais Fall blind auf einen Tierarzt vertraute, statt mich mit ihren Gebrechen auseinanderzusetzen.

Ich blicke noch heute nachts oft hoch zu den Sternen und bitte sie um Verzeihung.

 

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2009 war ich noch sehr unbedarft, was Katzenkrankheiten anging. Mogwais Tod war zwar unnötig, aber nicht umsonst: Seither musste ich weitere Katzen (Palliativfälle) gehen lassen. Das tat auch jedesmal weh. Doch dank Mogwai fand ich eine Tierklinik, die keine rassistischen Vorurteile hat, die uns in allen Belangen stets zur Seite steht – medizinisch, tiersozial und menschlich – und mir keinerlei Informationen vorenthält. Und wenn ichs beim vierten Mal noch immer nicht kapiert habe, dann erklären sie es mir nochmal – sie geben auch Tipps, wo ich mich unabhängig informieren kann, sollte ich noch immer Zweifel zum weiteren Vorgehen haben. Nie wollen sie mir irgendetwas ein- oder ausreden. Sie informieren mich – damit ich Entscheidungen mit bisweilen weitreichenden Folgen treffen kann. Und sie schicken mich umgehend mit meinem Patienten zu einem Spezialisten, wenn sie der Meinung sind, dass sie das in ihrer Praxis nicht im Sinne des vollumfänglichen Tierwohls händeln können.

Und dank Mogwai und unserer aktuellen Klinik schaffte ich es, LouLou, Omar und Mathilde in ihren Krankheiten und letztlich auf ihrem Sterbeweg medizinisch fundiert, menschlich gestützt und vor allem verantwortungsvoll bis zur Regenbogenbrücke zu begleiten, wo ich sie vorerst loslassen musste – bis wir uns wiedersehen.

Mogwai fehlt.

Aufgrund dieser Erfahrungen stellte ich ein kleines Lexikon „Wie erkenne ich einen guten Tierarzt“ zusammen. Damit Sie alle es besser machen, als ich damals. Und dann war Mogwais Tod nicht umsonst ❤

Lucies Bein bleibt dran.

Nachdem sich meine gehbehinderte Katze Lucie vor rund zwei Wochen das kaputte Bein ausgekugelt hatte, stand eine Amputation des Beins zur Diskussion. Jetzt nicht mehr.

Gerade war ich mit Lucie nochmal in der Klinik zur Kontrolle: Nach dem mutmasslichen → Unfall vor rund zwei Wochen sollte sie ja eine Woche lang Schmerzmittel bekommen, um zu verhindern, dass durch ihre verrenkte Schonhaltung des schmerzenden Beinchens weiterer Schaden angerichtet wird, der letztlich eine Amputation notwendig gemacht hätte.

Nachdem sie nun seit drei Tagen ohne Schmerzmittel auskommt und das Beinchen inzwischen wieder „normal“ einsetzt (also wie vor dem Unfall halt), ist eine Amputation nun erstmal vom Tisch.

Ich bin sehr erleichtert, dass wir Lucie diese schwere OP vorerst ersparen können.

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puh.

Der Arzt hat Lucie aber schon ermahnt, nicht immer rumzuspringen wie ein gedoptes Eichhörnchen, sondern sich altersgeziemlich ladylike zu bewegen. Lucie und ich haben herzlich gelacht 😛

Sonnenscheinchen ♥

Sonnenscheinchen ♥

Lucies OP-Termin ist erstmal in der Warteschleife

Heute Vormittag fuhr ich mit Lucie zur vereinbarten OP-Voruntersuchung – in der vermeintlichen Gewissheit, dass ihr rechtes Hinterbein amputiert werden muss. Heute. Doch es kam anders.

Gestern berichtete ich hier ja von → Lucies ausgerenktem Beinchen, dem die Amputation droht. (Das Beitragsbild ist übrigens ein Gemälde der begnadeten Künstlerin Stefania Re von Lucie ❤ )

Beim Termin heute wurde natürlich zunächst das fragliche Beinchen gründlichst untersucht, abgetastet und geröntgt, um die Notwendigkeit einer Amputation zu prüfen. Und obwohl sich das Röntgenbild nach Lucies Misshandlung damals in Spanien als anatomisches Schreckensbild darstellt, fand der zuständige Arzt durchaus zuversichtliche Worte zur Gesamtkonstitution des Beins sowie ihrer Hüfte und der in Mitleidenschaft gezogenen Rückenwirbel.

Das Bein sei nun wieder stabil im Hüftgelenk verankert und zeige sich erstaunlich beweglich. Auch seien die durch jahrelange Fehlhaltungen bedingten Folgeschäden an Hüfte und Rücken erstaunlich überschaubar. Er sehe jedenfalls anatomisch derzeit keine Notwendigkeit, das Bein zum jetzigen Zeitpunkt zu entfernen.

Dass Lucie das Bein so verrenkt hält, rühre seiner Einschätzung nach eher daher, dass sie nach der Auskugelung noch immer Schmerzen habe, welche aber sehr wahrscheinlich von den verkrampften Muskeln rund um die betroffene Stelle rührten (ähnlich wie bei einem Hexenschuss, der ja auch noch tagelang schmerzen kann, nachdem die Wirbel wieder eingerenkt sind – kennt ihr? Ich kenns, leuchtet mir schon ein).

Da man es einer Katze schlecht verständlich mache könne, dass Schonhaltungen nur zu noch mehr Problemen und Schmerzen führen, soll ich ihr jetzt eine Woche lang recht betäubende Schmerzmittel geben – in der Hoffnung, dass sie dadurch die verrenkte Schonhaltung aufgibt, und sich wieder getraut, das Beinchen wie vorher in ihre Bewegungen miteinzubeziehen.

Das sei bis dahin zwar für mich kein leichter Anblick, aber sicher erträglicher für mich als eine OP für sie. Wollja – gibs mir! smiley_emoticons_razz

Eine Bein-Amputation sei zwar tatsächlich eine „Routine“-Angelegenheit – was aber nicht bedeute, dass sie nicht zahlreiche Risiken berge: Neben den Risiken einer jeden OP (Narkose, Infektionen, schlechte Heilung etc.), gehe eine Beinamputation auch mit einem grossen Blutverlust einher, was gerade bei einem zarten Wesen wie Lucie nicht zu unterschätzen sei. Zudem erschwere sich das Ganze bei ihr auch, da durch all die verdrehten Knochen, Sehnen, Nervenbahnen und Muskeln es auch für ausgewiesene Fachleute zu einem gewissen Grad ein Blindflug sei, ob sie danach wirklich keine gröberen Probleme bekommt.

Kurz: Der Tierarzt meinte, er nehme Amputationen grundsätzlich nur dann vor, wenn es wirklich keine andere Option mehr gibt. Und bei Lucie erst recht.

Darum wollen wir jetzt versuchen, ob die Schmerzmittel sie dazu bringen können, das Bein wieder als Mitglied ihres Körpers zu akzeptieren. Sozusagen. Derweil nutzen wir die Woche für die Auswertung eines grossen Bluttests für Lucie – denn falls es doch sein müsste, will man natürlich ganz genau wissen, wie es um ihre Gesamtkonstitution steht.

Dann hat er Lucie nochmal chiropraktisch so richtig durchgewalzt und ihre Anatomie mal eben neu sortiert (chrrrrrrrr, knacks, krrrr, plopp, knacks – ich musste mich kurz abwenden, örks) und seither scheint es ihr tatsächlich auch schon wieder viel relaxter zu gehen ❤ Zurück zu Hause zeigte sie endlich mal wieder richtig Appetit, fummelte sich wieder ihre Leckerli zusammen und köpfelte mit ihren Zwerglis-Kollegen.

Und mein Gemütszustand pendelt mal wieder irgendwo zwischen grosser Erleichterung und Panik vor dem Kontrolltermin in exakt einer Woche: Jetzt, da man mir erläuterte, dass eine Amputation alles andere als ein Spaziergang würde, bin ich nicht wirklich tiefenentspannter  smiley_emoticons_panik4 smiley_emoticons_rolleyesnew

Ja, so ist das hier bei uns gerade – puh. Hat jemand zufällig evtl. eine grosse Lastwagenladung „Stahlnerven für Weicheier“ günstig abzugeben? 😛 (Die sind für mich, nicht für Lucie – Lucie mit ihren 2,5 Kilo ist die Nervenstärke selbst ❤ )

ein wenig Schleichwerbung für cat-on ;-)

Lucie – manchmal holt die Vergangenheit einen ein :-(

Lucie, meine kleine Prinzessin Kicherbse ❤ hat morgen einen Termin beim Chirurgen. Vermutlich muss ihr steifes Beinchen ab.

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Nicht jeder, der hier mitliest, kennt Lucies Geschichte, darum sei sie hier nochmal ganz kurz zusammengefasst. Lucie kam 2007 als ca. 1-2-jährige Katze aus einem Messie-Haushalt in Madrid zu uns. Sie hat ein steifes Hinterbein sowie einen in der Hälfte abgerissenen Schwanz, seit man sie daran festhielt, um sie kopfvoran gegen eine Wand zu schlagen.

Als sie zu uns kam, wurde sie als Erstes von einem sehr renommierten Katzen-Orthopäden durchgecheckt, ob das Beinchen noch irgendwie zu retten bzw. ihr Leben normalisierbar sei. Er erläuterte mir dann auch aufgrund seiner Untersuchungen, was ihre Vorgeschichte gewesen sein musste. Er riet mir damals, ihr ihr Bein zu lassen, da sie es noch nutzte und auch kitzlig war an den Zehen 🙂 Und er sagte mir auch, dass irgendwann der Zeitpunkt kommt, an dem sie Probleme mit dem Beinchen bekommen wird, weil die ständige Fehlhaltung Gelenkverschleiss und Wirbelsäulenfehlhaltungen verursache. Dennoch hielt er damals an dem Beinchen „fest“, weil es so sehr noch ihr gehörte.

Trotz ihrer schlimmen Vergangenheit war Lucie denn auch durch und durch Sonnenschein zu Mensch und Tier. Sie heisst hier sofort jeden Neuankömmling aufs Herzlichste Willkommen und hüllt ihn in Liebe ein. Sie ist eine richtige kleine Hippiekatze, die zweifellos Blumen im Haar trüge, sofern Katzen so etwas täten.

Doch vergangenen Freitag passierte etwas – ich weiss nicht, was. Morgens um 7 Uhr hat sie noch gefuttert, verhielt sich wie immer. Als ich dann aber rund eine Stunde später ins Büro gehen wollte, sah ich sie in einer Ecke liegen – seltsam verkrümmt, als wäre ihr Rückgrat gebrochen, und sie wimmerte. Ich liess alles fallen und eilte zu ihr.

Als ich sie zugleich ebenso tröstend wie entsetzt streichelte, schrie sie auf vor Schmerz. Und sie hörte nicht mehr auf zu schreien.

Meine Nerven flatterten derweil von dannen – ich begriff nur noch, dass ich sofort im Büro alle Termine absagen und noch viel wichtiger unsere Klinik anrufen musste. Letztere meinte: Kommen Sie einfach so schnell Sie können, wir werden Zeit für Lucie finden!

20 Minuten später waren wir in der Klinik und kamen sofort dran. Der Tierarzt meines Vertrauens, der auch Chiropraktiker ist, versuchte ihr offenbar ausgekugeltes steifes Beinchen so gut zu richten wie das bei ihrem seit der Misshandlung damals verqueren Knochen-, Muskel- und Sehnenaufbau noch anatomisch nachvollziehbar scheint.

Immerhin hat Lucie seither offenbar keine Schmerzen mehr. Aber das malträtierte Beinchen, auf das sie sich die letzten 8 Jahre noch vertrauensvoll stützte, das sie nie zu behindern schien,

 

brach sozusagen weg.

Sie schien mir bisher nie „behindert“ – trotz ihrer schwerwiegenden Verletzungen. Sie war immer fidel, aufgeschlossen, raste die Treppen rauf und runter – Behinderung? Ach wo!

Aber nun ist mein Sonnenscheinchen gebrochen. Und ich weiss, dass es keine so grosse Sache ist, das Beinchen zu amputieren. Das ist eine Routine-OP und Lucie wird lernen, ohne ihre „Bein-Krücke“ auszukommen.

Dennoch hat mich noch nie eine OP wütender/verzweifelter gemacht. Hätte dieser Unmensch damals ihr nicht alle Sehnen, Knochen und Muskeln ausgerenkt, im offensichtlich auf grausame Weise unwissenden Versuch, diese kleine Katze zu erschlagen – dann hätte sie einfach eine glücklich kleine Katze sein können, die Käfern hinterherspringt und weiter keinen Schaden tut.

Doch der Schaden war angerichtet – und nun holt er uns ein. Ich hätte meinem kleinen Sonnenschein von Herzen gewünscht, dass es nun gut ist. Für immer. Und nun zwingt mich dieser Unmensch aus längst verdrängten Tagen, die Entscheidung zu treffen, meinem geliebten Sonnenschein ein Bein abzuhacken.

Das macht mich wütend. Und ich bete für diese unsägliche Person damals, dass Lucie alles gut übersteht. Denn andernfalls wird das Universum keine Zweifel daran haben, wem das Kamikatze-Zwerglis-Land von Herzen Schmerzen ohne Ende wünscht. Und das Universum kann bisweilen auch präzise zuschlagen. Amen.

Verzeiht meinen Zorn – aber wer die Wesen meines Herzens durch solche Qualen schickt, darf nicht mit Gleichmut rechnen 😦

Lucie – mein Sonnenschein! Du wirst das schaffen – versprichst du mir das? Du hast schon so viel mehr geschafft als mancher Mensch es könnte. Ich liebe dich und tu das nur zu deinem Besten 😦

Gemeinsam statt einsam – oder was Falschinformation anrichten kann

Kürzlich las ich online eine Artikelüberschrift, die mich schaudern liess. Was dann geschah, war erst sehr irritierend. Dann aber sehr beglückend.

Die Einleitung ist nicht zufällig so formuliert: Online-„Medien“ wie www.heftig.co und Konsorten haben das Spektakel gesellschaftsfähig gemacht – Hauptsache: Aufmerksamkeit; wohingegen Relevanz, Informations- oder Wahrheitsgehalt zur Nebensache verkümmern. Ist doch in zwei Minuten sowieso alles wieder vergessen. Oder war es gar nicht so herum? Wollte vielleicht die Leserschaft schon immer lieber Spektakel als Information?

Denn das im Folgenden gemeinte Medium hat traditionell schon immer eine sehr eigensinnige Auffassung von Berichterstattung (von „Journalismus“ mag ich in diesem Zusammenhang nur sehr ungern sprechen). Und erfreut sich seit vielen Jahren grösster (und erschreckender) Beliebtheit.

Kurzum: Kürzlich las ich auf der Website dieser äusserst erfolgreichen deutschen Tageszeitung mit den vier grossen Buchstaben im Bereich Bezahlinhalte in Ermangelung eines Bezahlinhalte-Abos nur diese Schlagzeile:

SAMMY (7) IST HIV-POSITIV
Mein Kater hat Aids

Ich so:  smiley_emoticons_muede

Es dauerte nicht lange, bis die erste FIV-bedingte Tötungsabsichtserklärung besorgter Katzenhalter für unschuldige Katzen aufgrund dieses Artikels bei mir eintraf.

Versteht mich bitte nicht falsch: Ich verstehe die Verunsicherung von Katzenhaltern, die sich mit FIV nicht auskennen – es ging mir damals vor inzwischen über 5 Jahren absolut ähnlich. Ich verstehe das. Aber da ich seither mit FIV niemals – in Worten: NIEMALS – schlechte Erfahrungen machte, mich informiert habe, die Rückbestätigung unserer Klinik und des Zürcher Tierspitals habe, dass das „ganz normale“ Katzen sind, kann ich einfach nicht mehr still dabei zuschauen, wie Katzen aufgrund dieser „Diagnose“ aufgegeben werden.

Ich habe mir dann sogar ein Bezahl-Abo der gemeinten deutschen Tageszeitung geleistet, um nachzulesen, was die da schrieben.

Ganz kurz zusammengefasst: Bis auf die effektheischerische Überschrift, die Bilder der auffällig hübschen und kaum bekleideten (…) zitierten Katzenhalterin, die selber den grössten Mist über FIV erzählt: War der Artikel in summa zwar total irreführend, aber journalistisch gesehen kaum „angreifbar“.

Und jetzt kommt der schöne Teil: Die liebe Katzen-Hilfe Uelzen fragte mich in einem Fall einer aufgrund des erwähnten Online-Berichts überaus verunsicherten Katzenhalterin an, ob ich nicht mal mit ihr sprechen könnte, da diese verunsicherte Katzenhalterin nunmehr kurz davor stand, ihren FIV-Kater (der keinerlei Anzeichen für ein FIV-Endstadium zeigte) aufzugeben 😦

Natürlich rief ich mit Erlaubnis der Katzen-Hilfe Uelzen noch am selben Abend die sehr engagierte und nette, aber sehr irritierte Dame an. Es war ein wunderbares Gespräch ❤ Die Probleme im konkreten Fall scheinen (wie so oft, wenn FIV ins Spiel kommt) eigentlich ganz woanders als bei FIV zu liegen – wir konnten das klären und ich bin sehr zuversichtlich, einem weiteren Menschen das Thema FIV nahe gebracht zu haben und so die wahren Probleme zwischen Tier und Mensch in den Fokus gerückt zu haben 🙂

Ich fand es ganz grosse Klasse, dass die so engagierten Tierschützer der Katzen-Hilfe Uelzen beim Thema FIV auf mich zukamen – ebenso, wie ich kürzlich jemanden an sie verwies bei einem Thema (Kittenaufzucht), von dem ich wiederum nichts verstehe.

Es ist wundervoll, immer wieder zu erleben, wie überregionale, gar grenzüberschreitende Zusammenarbeit so viel Gutes bewirken kann: Bitte kein Gärtchendenken. Wie mein geschätzter Geologielehrer damals im Gymnasium schon immer sagte: Man muss nicht alles wissen. Man sollte aber wissen, wo man das Wissen findet – und keine Grenzen scheuen ❤

In diesem Sinne möchte ich euch auch bitten, mal kurz auf die neuste Aktion der Katzen-Hilfe Uelzen aufmerksam zu werden – es geht hierbei aktuell um die extrem liebe Dame, von der ich oben srpach:
Für Facebooker: https://www.facebook.com/events/1583306448550069/
Für alle anderen: Gemeinsam statt einsam

Der wunderschöne Leitspruch der Katzen-Hilfen Uelzen sei hier nochmals zitiert:
Ein Funken ist kein Feuer,
ein Sandkorn kein Strand,
ein Blatt kein Baum,
ein Tropfen kein Meer.

Hilft einer den Tieren allein – ist es schwer,
doch zusammen sind wir das Feuer, der Strand, der Baum und das Meer.

Lasst uns alle zusammenarbeiten – überregional, grenzüberschreitend – es geht nicht um uns. Es ist keine Schande, nicht alles zu wissen – aber die Grösse zu haben, an andere zu verweisen, die es wissen, ist auch ein Zeichen von Intelligenz und Herzensgüte. Es geht hier allein um Wesen, die ohne uns niemanden haben, der für sie spricht.

Danke euch allen ❤

Die wichtigsten Links nochmal: Aktion „Gemeinsam statt einsam“:
Für Facebooker: https://www.facebook.com/events/1583306448550069/
Für alle anderen: Gemeinsam statt einsam

Seriöse Aufklärung über FIV:
FIV – Überblick über die wichtigsten Fragen

Dieser Beitrag ist in Abstimmung mit der Katzen-Hilfe Uelzen allen Fivies gewidmet. Meine seht ihr hier, die hier mit Nicht-Fivies friedlich, gesund und glücklich zusammenleben ❤

 

Wir alle haben unsere Ängste, unsere Ideologien, unsere Meinungen, was wir richtig oder falsch finden, was wir selber tun können und was nicht – das ist ok. Aber wenn es um das Wohlergehen oder gar das nackte Überleben anderer Mitgeschöpfe geht, lasst uns alle kurz innehalten, bevor wir urteilen und unsere Meinung hinterfragen. Lasst uns ein wenig demütig sein und uns fragen: Was wäre, wenn… Lasst uns Hand in Hand, Pfote in Pfote gehen.

Danke! ❤