Mad Max – bis zum bitteren Ende

Vor rund zwei Wochen bekam mein Kater Max die Diagnose Krebs. Lymphom. Unheilbar. Nichts zu machen.

Er: „Wie, nichts zu machen? Ich mache das Beste draus! Kannste drauf wetten.“

Als mein Kater Max hier vor rund anderthalb Jahren einzog, kannte man seinen Namen nicht. Ich entschied mich für den Namen Max. Mad Max. Besser hätt ichs nicht treffen können.

Wie treue Blog-Leser bereits wissen, ist Max ja im Endstadium Krebs (Lymphom inkl. Metastasen ohne Ende) und die Prognose – wie es im Bericht des Tierspitals dezent formuliert wird: „vorsichtig“. Auf Deutsch: Er wird sterben. Und das bald. Das hat man mir auch in keiner Weise verheimlicht.

Es geschah danach vieles. Mein Nervenkleid lag ein wenig in Fetzen. Nicht weil es Max gesundheitlich schlecht ginge. Im Gegenteil. Aber ich möchte es gerne für euch so „kurz“ 😉 wie möglich zusammenfassen.

Max hat nicht vor, einfach still zu sterben. Im Gegenteil nimmt er sich die noch schönen Seiten des Lebens. Glücklicherweise habe ich die grossartigsten Nachbarn der ganzen grossen weiten Welt ❤

Hier nun, die Story:

An einem Samstag vor rund zwei Wochen klingeln meine Nachbarn auf der rechten Seite im selben Haus bei mir: Mein roter Kater sei gerade bei ihnen.

Ich: Kreiiiiiiisch!!!!!! Wie das?

Die so: „Na, macht ja nix, wir wollten dich nur informieren, der stört nicht.“

Ich: *herzinfarkt* Ich bin schuld. Ich habe mit dem Leinengang seinen Freiheitstrieb reaktiviert. Wir werden hier nie wieder in Ruhe die Terrassentüren offen haben können. Und vor allem: Wie kommt er da rüber? In 25 Metern Höhe?

Max stürzt in den Tod. Minimum!

Meine lieben Nachbarn – im Gegensatz zu mir sehr gelassen: „Du echt, der stört nicht – der kann hier rein und raus wie er mag. Wir mögen ihn sehr – und unsere eigenen Katzen haben auch kein Problem mit ihm.“

Ich: „Danke, lieb von euch!“

In Gedanken: Ich mache Fort Knox aus unserer Terrasse!

Ich mache also Fort Knox aus unserer Terrasse.

Max‘ Ausbruchversuche werden immer waghalsiger und gefährlicher. Ich habe keine ruhige Minute mehr – Horror.

Max bricht sich fast das Genick beim Versuch, Fort Knox zu überwinden.

Ich klingel bei den Nachbarn: „Duhuuu, isses wirklich ok, wenn der Max bei euch regelmässig auf der Matte steht? Ich wüsste nicht, wie ich ihn daran noch hindern könnte.“

Die so: „Ja, echt cool – wir haben ihn gerne hier!“

Ich so: „Mein grösster Horror ist halt, dass er bei den Nachbarn auf der linken Seite landet – die kenne ich nicht, ist ein anderes Haus und ich wüsste nicht einmal, wo klingeln.“

So einigte sich unsere katzenfreundliche Hausgemeinschaft darauf, dass unsere Katzen alle ne Macke haben, wir uns aber damit arrangieren. Wir tauschten Handynummern, gar Schlüssel und Fütterungszeiten aus und Max tat, was er immer tut: Er wickelte alle um seine rotgoldenen Pfötchen.

Prima. Dachte ich.

Ich reisse Fort Knox also wieder ab.

Dann brach Max doch auf die andere Seite zu den Nachbarn links aus. Ich zitterte vor Angst um ihn: Er dackelt da dann auch über sonen Dings, wos bei einem Fehltritt direkt wie auf einer Rutschbahn runter auf die Strasse geht, kein Halten. *ich-still-und-leise-eingeh-vor-Sorge*

Ich rief nach ihm, wollte ihn zurücklocken. Wir sind hier in mind. 25 Metern Höhe – wenn er da runterfällt oder nicht zurückfindet.

Nein, Panik haben andere. Ich war in HELLER Panik.

Da sah ich den Nachbarn auf der linken Seite rauskommen auf die Terrasse. Ich so: „Hallo, hallo, Herr Nachbar!“

Er so: „Ja?“

Ich: „Der Rote da – das ist mein Kater. Finden Sie es schlimm, dass er bei Ihnen auf der Terrasse rumstreunt? Und vor allem: Wie kriegen wir den jetzt zurück?“ Ich setzte mein möglichst unschuldigstes Lächeln auf – und hoffte, die Panik wäre dadurch weniger erkennbar.

Er: „Nö, stört gar nicht. Wir mögen den sehr. Der macht das ja auch schon seit immer. Wussten Sie das nicht? Der springt dann irgendwann wieder aufs Dach und geht zu Ihnen zurück.“

Ich: ????????

Er: „Ja, der ist ständig hier. Kein Problem.“

Ich in Gedanken: Max, du bist echt ein….

Kurzum: Wenn Max mich wie alle meine Katzen etwas lehrte. Dann, dass ich sie nicht vor allem beschützen kann. Ich konnte Max nicht vor dem Krebs beschützen. Und ich kann ihn nicht vor seinem Freiheitsdrang beschützen. Wenn er über Dächer und Regenrinnen zu den Nachbarn balancieren will (was er offenbar seit Monaten tut!) – dann sei es so.

Wie gesagt habe ich zum Glück die allerallerbesten Nachbarn der Welt. Würden sie es nicht tolerieren wollen, bliebe nur Max einzuschläfern. Aber dank diesen grossartigen Leuten darf sich Max zum Ende seines Lebens doch noch ein wenig „austoben“. DANKE! ❤

Und  unser grandioses Schutzengelchen hat über glitschige Regenrinnen und Dächer eine neue Aufgabe 😉

Wie gerade heute eine liebe Freundin (Babs ❤ ) meinte: „Max‘ Geschichte ist fast wie ein Drehbuch: Verwahrlost und alleingelassen fand er dank lieben Menschen den Weg ins Kamikatze-Zwerglis-Land, Der Ausgang völlig ungewiss – aber die Zwerge arrangierten sich zumindest. Dann fand euer Schutzengel Mittel und Wege sein Schicksal bekannt zu machen bei jenen, die es wissen müssen. Und dann bricht Max nochmals aus – und trifft auf die tollsten Nachbarn der Welt – und in gewisser Weise auch seine neue Familie – auf Zeit. (Er fühlt sich dort scheints wirklich wohler als bei uns – weniger Katzen, weniger Medis, so sei es!). Als hätte es für diesen armen so lange unverstandenen Kater genau so sein müssen.“

Mad Max. Er weiss, was er tut. Ich habe selten ein intelligenteres Lebewesen getroffen ❤

Lebe dein Leben solange du es kannst – und geniesse es! ❤

17 Gedanken zu „Mad Max – bis zum bitteren Ende

    1. kamikatzezwerglis Autor

      Liebe Mareike,

      Ja, ich bin auch stolz auf ihn. Wenn jemand jeden Tag wie eine Blume pflückt, dann er. Er denkt nicht an gestern und nicht an morgen, sondern nimmt sich genau jetzt, was er braucht. Naja – er muss ja auch kein Katzenfutter verdienen gehen😉

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  1. neome

    Liebe iwon,
    Du kannst so herrlich bildlich schreiben, und ich musste erst mal lachen. Entschuldige bitte 🙂
    Ich kann deine Panik, nein, deine helle Panik nachvollziehen, mir ginge es wohl nicht anders.
    Aber erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt.
    Mad Mad Max zeigt dir, dass er sich nicht einschränken lässt, und dass du dies auch nicht machen solltest. Trotz Sorge und Kummer, dass du die Tage mit ihm Leben sollst, wie es bis vorher war. Ohne wenn und aber, denn ein Mad Max geht keine Kompromisse ein. 🙂
    Mir hat es Spass gemacht zu lesen, dass Mäxchen Mad seinen Spass hat und den sollst du auch haben, mit ihm und um ihn herum. Und wenn die Nachbarn einverstanden sind, umso besser!
    Scheinen ja recht in Ordnung zu sein – zum Glück

    Versuch, dich nicht zu sehr zu Sorgen, Schicksal ist nicht berechenbar, alles andere jedoch schon (bis zu einem gewissen Punkt)
    Einen grossen Knutscher an Max und dir einen wunderschönen Sonntag

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    1. kamikatzezwerglis Autor

      Liebe Neome,
      „Aber erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt“ – das ist defnitiv Max‘ Lebensmotto ❤ Und das Wort "Kompromiss" kennt er gar nicht 😛

      Ich hatte mir ja auch schon länger überlegt, ob ich ihn nicht doch an einen Freigang-Platz weitervermitteln sollte. Aber – wer nimmt schon einen Kater guten Alters, mit gesundheitlichen Vorbelastungen, der auch noch FIV+ ist, wenn er bei Ebay Kitten billig kriegen kann? Und ich hätte ihn ja auch nicht jedem gegeben. Naja – und nun mit Krebs in der finalen Phase…

      Ich bin darum zwar schon etwas traurig, dass Max es hier nicht genug ist und er inzwischen auch öfter bei den lieben Nachbarn ist als bei uns (Shakti macht ihm aber auch zunehmend das Leben gällig hier – vielleicht ahnt sie seinen Krebs, kanns nicht einschätzen und versucht ihn von der Gruppe fernzuhalten, wie Ex-Wildlinge es mit kranken Katzen bisweilen tun?).

      Aber für Max hat sich unterm Strich angesichts seines unabänderlichen Schicksals so weit nunmal möglich alles zum Besten gefügt. Und wenn er glücklich ist, bin ich es auch. Komme, was da kommen mag.

      Und das klingt jetzt vielleicht doof, aber ich bin froh, diesen palliativen Weg nicht zum ersten Mal gehen zu müssen. Ich weiss in etwa, was auf uns zukommt und habe keine Angst davor – umso weniger, je glücklicher ich Max erleben darf ❤

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      1. neome

        Liebe Iwon,
        Ich wollte wieder mal nachfragen, wie es bei euch zu Hause so läuft ? Wie sehr strapaziert Mad McMad Max deine Nerven ? Hoffentlich sehr, denn dies hiesse dass es ihm gut geht und er allen beweist, dass die Theorie nur eine Theorie bleibt -schlussendlich.
        Wer sagt, dass es Max bei dir nicht genügt ? Wenn er bei dir nicht zu Hause wäre, wäre er längstens bei den Nachbarn eingezogen und auch dort geblieben, zumal er sich ja ihre Herzen um sein rot-goldenes Pfötchen wickeln kann 😉
        Mach dir nicht zuviele Gedanken, ob es reicht was du ihm bietest. Max hätte dir das schon längstens Mittgeteilt (spätestens mit Pseudo – Markieren)
        Er ist dort, wo er hingehört.
        Ich denke, dass es einfacher ist, bezüglich dem palliativen Weg, wenn man weiss, dass der Tag kommen wird und sich schrittweise Verabschieden kann. Das macht sehr viel aus. Und denoch, auch wenn man sich darauf vorbereitet, es ist nie einfacher und doch kann man zurückblicken und sagen, dass man die Zeit genützt hat
        Ich hoffe, das Fell ist unterdessen nachgewachsen und das Max viele sonnige Stunden genossen hat und noch viele erleben darf

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        1. kamikatzezwerglis Autor

          Liebe neome,

          Entschuldige bitte die späte Antwort, ich habe gerade etwas sehr viel um die Ohren 🐱

          Max geht es allem Anschein nach gesundheitlich gut, er frisst mit grossem Appetit, wandert über die Dächer und gibt seinem Wunsch nach Freigang lauthals Ausdruck – aber Letzteres bleibt ein Wunsch, der leider unerfüllt bleiben muss, Dafür gehen wir so oft wie möglich an der Leine mit ihm raus, was ihm sehr viel Spass macht ❤

          Ansonsten ist er inzwischen tatsächlich bei den Nachbarn eingezogen, die ihn glücklicherweise sehr sehr herzlich aufgenommen haben. Hierher kommt er nur noch zum Fressen und manchmal, um mir bei der Arbeit über die Schulter zu gucken 😀

          Aber so weit ich das beurteilen kann, geniesst Max sein Dasein – sei es kurz hier oder mehrheitlich bei den lieben Nachbarn, Hauptsache, er ist happy ❤

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  2. Brigitte

    Selbst ich hatte ja schon fast herzinfarkt-reife Empfindungen, als Du an anderer Stelle die Abentuer von Max geschildert hattest – aber inzwischen bin auch der Meinung: Max lebt sein Leben – auf seine Art – und sein Schutzengel macht einen tollen Job! ❤ ❤

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    1. kamikatzezwerglis Autor

      Liebste Brigitte,

      Ich bekam heute zwar erneut fast einen Infarkt, als Max beim Absprung von Nachbarns Terrasse auf der Mauer ausrutschte und direkt in meinen lieben Busch fiel. Ich wunderte mich die Tage schon, warum der Busch zunehmend Scheisse aussieht. Aber kein Wunder, wenn ständig ein 7-Kilo-Kater drauffällt. Er könnte von dort auch schlimmstenfalls nur entweder in den Busch, in mein Planschbecken oder zurück auf die Nachbarterrasse fallen – also nicht zig Meter tief auf den Asphalt.

      Aber nur schon immer diese „Wusch-bumms“-Geräusche ständig – aber so lange ich sie höre, ist alles gut, schätze ich.

      Puh 😛

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  3. Lotte Grefenstein

    So lange war ich nicht hier – und jetzt muss ich die traurigen Nachrichten von Maxens Schicksal lesen. Nicht schön…
    Am Anfang sehr traurig, habe ich jetzt, wo ich beim letzten Beitrag angekommen bin, ein vorsichtiges Lächeln im Gesicht.
    Auch Mad Max, dieser Kamikaze-Pilot par excellence, will dich, liebe Iwon, will uns etwas lehren.
    Ich interpretiere sein Verhalten so:
    Nimm dir vom Leben ein großes Stück, beiß es ab und genieße es. Lebe wild und gefährlich, aber vor allem: lebe!
    Wenn dir jemand Liebe gibt, nimm sie an, denn du verdienst es, geliebt zu werden. Gib viel Liebe zurück, gern auch vehement und mit Nachdruck.
    Freunde kann man gar nicht genug haben. Auch unbekannte Nachbarn können zu Freunden werden.
    Lebe jeden Tag so, als sei es dein letzter. Gib alles! Schieb nichts auf, denn keiner weiß, wieviel Zeit ihm noch zur Verfügung steht.
    Ich drück euch aus der Ferne und bin in Gedanken bei euch. Alles Liebe wünsch ich euch.

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    1. Monika

      Ach so ein toller Kater, finde die „Roten“ schon immer imponierend. Diese Kletterei kenn ich von meiner Klettermäxin, die als junge Katze immer in den Schornstein schaute und auch heute noch die Höhen liebt. Da schiebt man ständig Panik.
      Deinem Mad Max wünsche ich noch viele schöne Klettertouren, er genießt sein Leben in vollen Zügen, schlaues Tier. Ich denke an euch und knuddel den Süßen von mir.

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      1. kamikatzezwerglis Autor

        Liebe Monika,

        Ja, gell: So rote Kater sind ein heimlicher Traum vieler Katzenliebhaber? Nach Max werde ich aber erstmal auf 1. Neuzugänge verzichten und 2. auf rote Kater 😛 😉

        Deine Knuddler richte ich gerne aus, wenn er dann mal wieder hier aufschlägt, um zu futtern 😀

        Deiner Klettermäxin schicke ich Max‘ Schutzengel vorbei – möge sie immer auf die Füsschen fallen, Krönchen richten und weiterklettern ❤

        Ganz liebe Grüsse, Iwon

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    2. kamikatzezwerglis Autor

      Liebe Lotte ❤

      Du triffst es wie so oft auf den Punkt genau: "Lebe wild und gefährlich, aber vor allem: lebe!" – ja, genau darum geht es doch ❤

      Max perfektioniert meine Vorstellung von "carpe diem" 😛

      Und du hast recht: richtig so! Niemand von uns weiss, wie viel Zeit er noch hat, also nimm sie dir für das, was im Leben wirklich zählt ❤

      Danke für deine lieben Wünsche und seid aus der Ferne zurück gedrückt ❤

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  4. Gisela

    Max, der Liebe und die Nachbarn, die Lieben haben das Geschehen voll im Griff.
    Da bleibt dir gaaaanz viel Zeit, die Schnapp- und Schock-Atmung zum normalen, entspannten Maß runterzudimmen.

    Liebe Iwon, ich wünsche euch ganz viel schöne Zeit miteinander!
    Und das Foto von Max auf’m Kandel ist einfach: Spitze!

    Herzlichen Gruß von der Ruhrschiene,

    Gisela.

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  5. Miss Baileyvally

    Das ist doch klasse das du so tolle Nachbarn hast! Ich drücke so sehr die Daumen das er noch lange seine Freiheit und sein Leben so genießen kann. Tolles Foto von Mad Max! Und ja – der name hätte nicht besser sein können. Lg Indra

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  6. Pingback: Ich liebe dich, Max – in Memoriam | kamikatze-zwerglis

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