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Notruf aus Italien: Katze von Ast aufgespiesst und Schnupfen-Kitten

Liebe Freunde, liebe Besucher. Ich möchte euch um Hilfe bitten ❤

Ich hatte vor, hier in den nächsten Wochen mal in Ruhe die Arbeit einer befreundeten lieben Tierschützerin und Künstlerin aus Italien vorzustellen: Stefania Re. Doch nun ereilen mich gleich zwei dringliche Notrufe aus Italien, weshalb ich diese nun erstmal vorziehe.

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Portrait einer Katze von Stefania Re. Weitere ihrer Werke: → www.illustrations.it

Die Kunstmalerin Stefania Re hat nicht nur ein ausserordentlich grosses Talent als Malerin, sondern auch ein ausserordentlich grosses Herz für Tiere. Doch wo sie lebt, kann man als Tierschützer nicht auf die Hilfe von Behörden oder grösserer Vereine setzen: Wenn man notleidenden Tieren helfen will, muss man es selbst tun. Und Stefania und ihre Freunde haben täglich alle Hände voll zu tun.

Stefania lebt mit ihrem Mann in einem alten Landhaus im «Nirgendwo» 😉 zwischen Turin und Mailand – wirklich wunderschöne Gegend, aber leider auch sehr arm. Das einzige, was es dort im Überfluss gibt, ist Platz – und den stellt Stefania beinahe vollumfänglich ihren Notfellchen zur Verfügung: Es gibt in ihrem Haus verschiedene Katzenzimmer mit Quarantänestationen sowie ein Extrahaus mit Auslauf für ihre aus einem Labor «entlassenen» ehemaligen Versuchskatzen. Bei ihr finden unzählige Notfellchen Unterschlupf, wo sie aufgepeppelt und nach Möglichkeit dann vermittelt werden.

Ich werde euch demnächst Bilder von meinem Besuch bei ihr zeigen, hier nur mal ein erster Eindruck:

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Und das Laborkatzen-Haus:
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Notruf 1: Katze von Ast aufgespiesst
Ein mit Stefania befreundetes Ehepaar, das sich selber auch aktiv im Tierschutz engagiert, hat vor einiger Zeit zwei Katzen von einem Mann übernommen, der erst seine Arbeitsstelle und dann seine Wohnung verlor, weshalb er wieder zu seinen Eltern ziehen musste. Doch seine Mutter wollte die Katzen nicht, so dass sie bei Stefanias Freunden landeten.

Nun hatte eine dieser beiden Katzen bei Stefanias Freunden einen Unfall: «Pipi» fiel so unglücklich auf einen Stapel gelagertes Brennholz, dass sich ein gut 2 Zentimeter dicker Ast rund 12 Zentimeter tief in ihren Körper bohrte. Wie durch ein Wunder wurden keine Organe verletzt, so dass der Ast in der Notfallklinik entfernt werden konnte und «Pipi» beste Aussichten hat, wieder ganz gesund zu werden. Doch die OP-Kosten von rund 550 Euro frassen die Ersparnisse des tierlieben Ehepaars auf, das nun nicht weiss, wovon es eigene lebensnotwendige Bedürfnisse bezahlen soll (etwa einen dringend benötigten Heizofen für den nächsten Winter).

«Pipi» nach der OP:
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→ Beleg OP-Rechnung (PDF)

Mag jemand den Leuten helfen? ❤

Notruf 2: Kranke Kitten
Auch bei Stefania selbst herrscht wiedermal akuter Notstand: Allein in den letzten Wochen kamen 40 Kleinkatzen in ihr kleines privates Katzenheim, davon 10 Flaschenkinder, 6 aus einem Mülleimer in Alessandria, die das Veterinäramt an Stefania übergab. Auch 7 an Katzenschnupfen erkrankte Kätzchen, die in einem Hundeheim in Tivoli abgegeben und dann an Stefania übergeben wurden, brauchen derzeit besonders viel Pflege – und Medikamente. Im Moment fehlen dafür rund 500 Euro.

Tivoli-Schnupfen-Kitten:
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Hier findet ihr weitere Fotos der → Tivoli-Schnupfen-Katzen
Fotos der → Alessandria-Mülleimer-Babys

Spendenkonto
Spenden für «Pipi» oder Stefanias Katzenkinder können auf das Konto von Stefanias Verein «Mille Vite» überwiesen werden:

Ufficio Postale Mortara
Via Vittorio Veneto 7/9 – 27036
Mortara

Intestatario Associazione Millevite
c/c n. 1022802126
IBAN:IT43U0760111300001022802126
BIC/SWIFT: BPPIITRRXXX

Selbstverständlich erhält jeder wenn gewünscht eine Spendenquittung.

PayPal: Wer gern über PayPal eine Kleinigkeit überweisen möchte, kann das gern über mich tun – Stefania hat leider kein PayPal, sie ist froh, wenn ihr Computer bzw. ihre Internetverbindung überhaupt funktioniert. Bei PayPal bitte die gewünschte Summe mit gewünschtem Betreff (Pipi, Katzenschupfen, Stefania allgemein) an iwon(at)ameise.com überweisen – Gebühren übernehme alle ich! Ich verspreche, dass jeder von euch hart verdiente Cent den Katzen zugute kommt ❤

Ich selbst werde natürlich auch überweisen. Es muss ja nicht viel sein – wirklich jeder Euro zählt. Lieber viele wenig, als keiner viel 😉

Ja, ich weiss: Man könnte ständig und überall spenden und es wäre doch nie genug, um das Leid zu beenden. Aber lasst euch davon bitte nicht entmutigen, jenen zu helfen, die sich auch nicht entmutigen lassen und sich weit über ihre Möglichkeiten hinaus und unter grossem persönlichen Verzicht für notleidende Wesen einsetzen.

Danke! <3<3<3

Stefanias kleiner → Tierschutzverein «Mille Vite» bei Facebook
Homepage von «Mille Vite»: → www.millevite.it

Moriah: Therapie geht aktiv weiter

Trotz allen Trubels rund um Felize und Umzug ging Moriah natürlich nicht unter. Hier mal wieder ein Zwischenbericht: Katzenhasserin lebt sich in Katzengruppe ein 😉

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Ich habe heute unserer Verhaltenstherapeutin Frau Hauschild mal endlich wieder einen Bericht geschickt. Das Folgende nur für unsere Belange – ich betone immer wieder gerne, dass daraus keine Rückschlüsse für eigene Situationen gezogen werden dürfen, da keine Konstellation eins zu eins auf die andere übertragbar ist. Aber vielleicht interessierts ja trotzdem jemanden 🙂

Ausgangslage nochmal für alle, die uns auch teils noch nicht so gut kennen: Moriah wurde mir als sehr katzensozial vermittelt – nun, ähm. Es erwies sich, dass sie vielmehr panische Angst vor anderen Katzen hat. Kann bei internationalen Vermittlungen schon mal passieren… (wirklich – ich mache auch niemandem einen Vorwurf. Naja: Nicht mehr. Zuerst war ich schon sauer. Aber nun bin ich glücklich, dass Möhrchen hier ist. Wir kriegen das irgendwie hin, dass ihre Zukunft einfach nur toll wird. Sogar wenn das bedeutete, dass ich sie doch abgeben müsste :_( Aber vorher versuchen wir ALLES, dass es hier funzt. Dies nur als Update für jene, die unsere Geschichten vielleicht noch nicht auswendig kennen 😉 Bei Fragen: Immer her damit!).

Moriah zog zu Weihnachten 2012 dank der unbeschreiblich grossartigen Hilfe lieber Menschen (Bericht dazu folgt dann auch noch) hier ein. Sie wurde erst wegen gesundheitlicher Abklärungen sicherheitshalber separiert. Als in dieser Hinsicht alles geklärt war, begann die Zusammenführung – die schnell in ein Desaster mündete: Moriah griff aus schierer Panik die anderen Katzen an. Da sie FIV+ ist (→ FIV wird über Bisse übertragen), konnte ich hier Beissereien umso weniger «dulden» – was ich eh nicht täte, aber so konnte ich das nicht mal riskieren.

Irgendwann im März diesen Jahres sah ich ein, dass ich allein trotz aller Erfahrung hier nicht weiterkomme, und zog eine Verhaltenstherapeutin hinzu, die uns schon viel geholfen hatte – telefonisch, per Mail oder auch durch ihre wunderbaren Bücher: → Frau Christine Hauschild.

Als Moriah hier ankam, hatte sie einfach nur vor ALLEM Angst, tiefe, tiefe Angst – nicht mal mehr Panik: Sie schien sich vielmehr aufgegeben zu haben: Nichts machte ihr Freude, nichts liess sie flüchten. Es war ihr alles egal.

Moriah fasste jedoch relativ schnell weitgehend Vertrauen zu mir – nicht aber zu den anderen sechs Katzen, die hier leben… Und als sie sich eines Abends auf Felize stürzte und auf diese einprügelte, war der Moment der Einsicht gekommen: Wir brauchen Hilfe.

Stark abgekürzt: Seither ist wieder eine Gittertür im Einsatz, Bachblüten und Telizen S sowie Clickertraining und weitere unbezahlbare Tipps. Moriah hat sich dank dessen zu einer aufgeweckten, ja fast kecken Katze entwickelt ❤ Mir vertraut sie inzwischen fast blind – ich kann sie streicheln, hochheben, rumtragen (die Letzteren beiden nach Bedarf halt – nicht, dass ich das dauernd tät ;-)). Alles super so weit. Jetzt müssen «nur» noch die Katzen zusammenfinden….

Der Hauptknackpunkt sind hier: Übermutti Shakti (die Olivia Jones der Katzen, falls ihr Dschungelcamp kennt…) und Scheuchen Moriah.

Huch – das ist ja schon wieder sooooooooo viel Text 😳 Gut also: Das war mal so die Ausgangslage, damit auch alle nachvollziehen können, worum es sich hier gerade mit dem Möhrchen dreht ❤

Und hier gehts weiter: → Moriahs Training, Teil 1

Felize, kleine Heldin <3

Heute waren wir mit Felize zur Kontrolle im Tierspital – und ich bin sehr stolz auf das Maus, äh: Katz 😀

Ihr Lieben ❤

Danke ganz herzlich an alle, die heute an uns dachten und Daumen drückten – der Zauber wirkt auch hier 😀 😉 ❤

Ok – das Eintüten meiner kleinen Panikmaus war wie vermutet ein Desaster 😦 Ich habe gar nicht irgendwelche sanftmütigen Tricks probiert, sondern habe direkt das Fixleintuch bzw. zu Deutsch Spannbettlaken (danke Frau Vegasfan für die Übersetzung! :D) und die Transportbox geschnappt und bin so bewaffnet wie ein Gladiator auf Felize zu, derweil das Mantra im Kopf: «Wir ziehen das jetzt durch, basta.» Naja – ok: Eher nicht ganz so cool. Spätestens als Felize versuchte, flundermässig mit dem Boden zu verschmelzen, und verweifelt fragend in Todesangst mauzte, brach mir mehrfach das Herz – aber hilft ja auch nix.

Kaum war ich jeweils halbwegs in ihrer Nähe, entflunderte sie sich jeweils pfeilschnell und schoss nach oben in die erste Etage, von dort nach unten, dann wieder hoch, wieder runter – ins Fitnesscenter muss ich heute nicht mehr, püh. In einer zweigeschossigen Wohnung ohne Türen echt kein leichtes Unterfangen, eine Katze in die Enge zu treiben… Schliesslich beging sie endlich wieder den strategischen Fehler, sich ins Bad zu flüchten, worauf ich ja gehofft hatte. Diesmal aber war die Waschmaschine zugestellt, damit sie sich nicht wieder dahinter festklemmt, und alles weggeräumt, was in Scherben darnieder fallen könnte. Nachdem sie ein paar Mal die Wände hoch ist, konnte ich endlich das Bettlaken über sie werfen – Schachmatt.

Ich hatte das von einer lieben Tierschützerin gelernt: Wenn man eine Katze unter einer Decke oder eben einem Laken versenkt, rührt sie sich nicht mehr – man kann dann einfach hin und sie einpacken. Nicht, dass ich diese Methode dem Miteinander langfristig für zuträglich halte und empfehlen würde – aber in der Not… 😦 Bei Felize funktionierts jedenfalls – man muss nur gut genug werfen. Nicht nett – aber für den Moment unsere Rettung.

Als ich Felize also endlich in der Box hatte, war ich erstmal fertisch mit den Nerven. Aber ab dann wurde es gut – richtig gut 😀

Während der Autofahrt war sie recht ruhig (Handtuch über der Box hilft auch). Sie mauzte nicht und hechelte auch nicht wie sonst. Schonmal gut.

In der Klinik aber räumte sie jeden nicht vorhandenen Restzweifel am TA-Training bei mir aus: Sie liess sich diesmal komplett ohne Handtuchwickel behandeln – sie hatte sichtlich Angst, aber keine Panik, immerhin. Das überzeugte mich restlos davon, dass Situationsvermeidung falsch und nur Training unser Weg sein kann.

Das Beste aber: Obwohl ich Felize die Ohrentropfen nicht geben konnte, verheilt alles wunderbar – was natürlich meine grosse Sorge war 😦 Aber wir haben Glück – und noch mehr davon:

+++ breaking news +++

Felizes rechtes Trommelfell wächst zu!!! :-O Das heisst: Sie müsste dann in absehbarer Zeit wieder vollumfänglich hören können. Aus medizinischer Sicht. Boah – wow!!! Krass.

Als wir heimkamen, schoss sie aus der Box – blieb dann aber sofort stehen und sah sich um. Ich liess alles so stehen und ging nochmal weg, weil ich einkaufen musste und auch dachte, dass wegzugehen genau JETZT für mein Mäuschen genau das Richtige sei 😛

Als ich wieder heimkam, sass Felize diesmal nicht verängstigt unterm Bett, sondern hockte draussen auf der Terrasse in ihrem Lieblings-Gras-Topf ❤ Als sie mich sah, erstarrte sie zwar sofort wieder, aber rannte nicht wie die letzten Wochen weg. Sie futterte auch sofort ihr Abendessen und kam vorhin sogar gaaaaaaaaaaaaaaaanz kurz zu mir aufs Sofa – aber das war ihr dann doch zu gruselig 😉

Zwei für uns ganz wichtige Dinge habe ich heute gelernt:
1. Felize wird voraussichtlich vollkommen gesund – die Prognosen stehen jedenfalls sehr gut ❤
2. Vermeidung ist Sch*** – mit jedem Tierarztbesuch wird Panikkatz Felize «cooler» (und ich auch :P), was mir klar zeigt: Man kann auch einer absolut panischen Katze die Panik nehmen. Im Moment leider mit Gewalt 😦 Aber demnächst mit der bedachten Anleitung der Verhaltenstherapeutin unseres vertieften Vertrauens: → Tierarzttraining für Katzen

Wenn ihr auch verängstigte oder gar panische Katzen daheim habt: Bitte arbeitet mit ihnen daran ❤ Sie müssen diese Ängste nicht auf Dauer erleiden – weder beim Tierarzt, noch bei Besuch, noch bei Gewitter oder beim Staubsaugen. Muss alles nicht sein.

Wir sind gerad ein bisschen fix und foxy – aber SEHR zuversichtlich ❤

Herzlichst, Iwon & Kamikatze-Zwerglis

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Fortsetzung: → Lieber Besuch aus Köln

Umzug vollzogen.

Liebe Besucher, liebe Freunde,

Bisher habe ich in einem Katzenforum fleissig von unseren Geschicken berichtet, dann auch hier – und diese Doppelspurigkeit macht einfach keinen Sinn. Obwohl es mir wirklich schwer fällt, unseren Foren-Thread nun brachliegen zu lassen, zumal wir viele tolle Menschen dort kennenlernten, habe ich beschlossen, nur noch hier regelmässig zu berichten, somit auch öfter als bisher 😀

Wie ihr ja wisst, kann man den Blog auch «abonnieren»: Einfach in der Randspalte rechts oben E-Mail-Adresse eingeben, auf «folgen» klicken und nichts verpassen 😀 Wenn ihr selber auch bloggt, verweist doch bitte im Kommentarfeld darauf – gerne abonniere und verlinke ich eure Blogs dann auch 🙂

Eine kleine Vorschau auf die nächsten Beiträge:

1. Am Mittwoch muss Felize wieder ins Tierspital zur Kontrolle wegen ihrer → Mittelohrentzündung. Das Eintüten wird sicherlich wieder ein Desaster: Seit der letzten Kontrolle vor rund drei Wochen sehe ich Felize eh kaum noch, solche Angst hat sie immer noch vor mir :_( Kaum sieht sie mich, wars das Letzte, was ich von ihr sah 😦 Ich hoffe, dass es mit diesem Termin vorerst getan ist und wir dann bald endlich unser → Tierarzttraining konsequent angehen können. So kann das einfach nicht weitergehen. So entspannt sehe ich Felize seit langem nicht mehr:

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2. Möchte ich euch die Kunst und Tierschutzarbeit der grossartigen → italienischen Künstlerin Stefania Re nächer vorstellen, zumal ich vorhabe, selber bald wieder zwei Portraits bei ihr in Auftrag zu geben und damit auch gleich ihren grossartigen Einsatz für italienische Notfellchen zu unterstützen. ❤

3. Weiter ist geplant, die Infoseiten hier auszubauen – etwa zu Krankheitsthemen und Futterfragen. Hier wäre ich auch sehr dankbar für allfällige Gastbeiträge: Wenn ihr euch in einem Katzenthema besonders gut auskennt (zB. eine Krankheit oder Barfen oder was auch immer) und Lust habt, euer Wissen hier zu teilen (→ Anschauungsbeispiel: FIV), wäre das grossartig ❤ Selbstverständlich werdet ihr als Autoren genannt und gern auch auf eure Websites/Blogs verlinkt! 🙂

4. Habt ihr vielleicht Themenwünsche? Mehr Sachinfos oder eher mehr Berichte von den Zwerglis mit Fotostrecken? Euer Wunsch ist mir Befehl 😉

Ich freue mich darauf, unser neues virtuelles «Zuhause» gemeinsam mit euch stetig weiter auszubauen, und hoffe auf freudvolle, spannende, lehrreiche, lustige Zeiten – im Wissen, dass auch traurige oder bange Momente kommen werden. Schön, dass ihr bei uns seid ❤

Herzlich, Iwon & Zwerglis

Tierarzt-Trainings-Tagebuch – Teil 1

Mir machen ernst: Gestern habe ich das Tierarzttraining mit meiner Panikkatze Felize begonnen.

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WICHTIGER HINWEIS:

Dieses «Tagebuch» ist keinesfalls als Anleitung für andere zu verstehen. In dem Buch, an dem wir uns orientieren → «Tierarzttraining für Katzen» von Christine Hauschild, steht sehr detailliert, worauf beim Training zu achten ist – und was man alles falsch machen kann. Im schlimmsten Fall ist das Training dann nicht nur wirkungslos, sondern man verschlimmert die Angst der Katze womöglich noch. Darum: Don’t try this at home! 😉

Dieser Bericht ist einerseits als Tagebuch für uns selbst gedacht – und allenfalls als Ermutigung (hoffentlich dann nicht das Gegenteil :P) für andere, selber mit ihren Katzen mehr zu arbeiten. Wer ein solches Training angehen möchte, orientiert sich dabei bitte an entsprechender Lektüre oder zieht direkt eine Fachperson hinzu.
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Ausgangslage:
Dieses süsse kleine Dingelchen hier:

Felize

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…heisst Felize, ist ca. 3 Jahre alt, seit bald 2 Jahren bei uns und super verschmust. Allerdings wird sie mit ihren niedlichen 3,5 Kilo «Kampfgewicht» zur Furie, wenn man versucht, sie festzuhalten geschweige denn in eine Transporttasche zu setzen. Und ich meine NICHT, dass sie ein bisschen austickt und rumspuckt – sie macht das da, mit allem was sie dann zu greifen und zu beissen kriegt:

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Bei unserem ersten Tierarztbesuch hat sie zudem in der Transportbox dermassen getobt, dass sie sich die Nase blau schlug und die Box ramponierte, in der Praxis ist sie die Wände nicht nur sprichwörtlich hoch, hat alles runtergeschmissen und war absolut unhändelbar. Als man sie mit Ach und Krach wieder eingefangen hatte, steckte der Tierarzt sie sofort zurück in die Box, weil sie solches Herzrasen hatte, dass er fürchtete, ihr Herz werde gleich explodieren.

Das war letzten Herbst.

Wir waren seither (bis vor kurzem) nicht mehr beim Tierarzt und haben – leider – auch nicht daran gearbeitet. Der Tierarzt und ich waren uns sicher, dass Felize nicht im Wachzustand behandelbar sei und nur im Notfall unter Betäubung behandelt werden soll. Sie war mir auch als absolut panisches taubes Ataxi-Mäuschen vermittelt worden – verblüfft war daher keiner.

Doch dann passierte etwas.

Vor ziemlich genau drei Wochen sah ich abends, wie Felize torkelte, stark speichelte, dann umfiel und krampfte. Nur kurz dachte ich an ihre Unbehandelbarkeit – dann setzte ich sie in die Box und raste mir ihr zur Notaufnahme. Sie musste schlussendlich drei Tage in der Klinik bleiben und das klappte eigentlich auch ganz gut – sie liess sich dort einigermassen behandeln. Gut, sie war ja auch geschwächt und verängstigt – und vor allem verweigerte sie kategorisch das Futter.

Also kam sie nach drei Tagen wieder nach Hause, wo ich ihr zahlreiche Medikamente geben sollte… Es kam, was kommen musste: Nach kurzer Zeit scheiterte ich kläglich – die Medikamente gingen nicht ins Katz, sie hasste mich, verweigerte wieder das Fressen und liess mich nicht näher als zwei Meter an sich ran und hockte nur noch unterm Bett. Meine Verzweiflung war gross – wie soll ich ihr dreimal täglich die notwendige Versorgung zukommen lassen, wenn ich nicht an sie rankomme?

Eine Woche nach der Notaufnahme mussten wir zur Kontrolle. Mit List und Tücke klappte es ganz gut, Felize in die Transportbox zu kriegen – aber Felizes Panik minderte das nicht wirklich.

Und dann: die Offenbarung. (Stellen Sie sich hier bitte eine → theatralisch-hoffnungsfrohe Musikeinspielung vor, um die Wirkung in voller Epik zu entfalten.)

In der Klinik wurde sie untersucht – eingewickelt in ein Handtuch ging das ganz ok. Und dann kam der Neurologe. Ich warnte ihn noch, dass sie vermutlich ausflippt, wenn er sie aus dem Handtuch wickelt. Doch der Mann lächelte erst mich an, dann Felize – hob sie hoch, machte mit ihr die neurologischen Tests, setzte sie auf den Boden, hob sie wieder hoch, drehte sie um die eigene Achse, tanzte sanft mit ihr durch den Raum und setzte sie dann zurück in die Box.

o.O

Und ich traf eine Entscheidung: Wir werden daran arbeiten, dass Felize auch im Alltag behandelbar wird – ich kann den Neurologen ja nicht heiraten, nur weil er der einzige ist, der mit Felize umgehen kann.

Obs klappt, weiss ich nicht – aber wir werden es versuchen.

Alle meine anderen Katzen – auch die ehemals unberührbaren Wildchen wie Shakti und Faramee – sind inzwischen problemlos eintüt- und behandelbar. Sicher kann ich da und dort auch bei denen noch einiges optimieren und eventuell gehe ich einzelne Übungen dann erstmal mit einer weniger dramatisch veranlagten Katze an, bevor ich mich an Felize versuche 😉 Aber noch nie war die Ausgangslage so schwierig – eine solche Panik wie bei Felize kannte ich zuvor nicht bei einer eigentlich «zahmen» Katze. Und ich möchte einfach nicht mehr, dass meine Katze weiterhin solche Todesangst hat, wenn man versucht ihr zu helfen, geschweige denn, dass man ihr nicht helfen kann, weil sie solche Todesangst hat.

Ich gehe wie oben erwähnt nach den Anleitungen vor, die man dem Buch → «Tierarzttraining für Katzen» von Christine Hauschild entnehmen kann. Das Grundprinzip ist positive Konditionierung bzw. Clickern. Im Moment bin ich auf Seite 49/50, wo mir geraten wird, schonmal mit den ersten Übungen zu beginnen, während ich weiterlese:

Aufgabe eins: Etablierung der Verknüpfung von Markersignal und Belohnung
Aufgabe zwei: Marker und Belohnung im Alltag

Noch sind wir optimistisch 😀

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Nachtrag: Zur Zeit pausiert das Training leider auch schon wieder, da Felize sich seit dem letzten Tierarzt-Besuch wenn überhaupt nur unter grösstem Misstrauen im selben Raum wie ich aufhält, was das Training irgendwie recht massiv erschwert… 😦

Nachtrag 2: → Es geht nun doch wieder weiter

Jetzt ist es amtlich: Felize verarscht mich

Ich war heute mit Patientin Felize im Tierspital zur Kontrolle. Und weiss seit heute sicher: Diese Katze veräppelt mich – von wegen Panikkatze. Pf.

Felize ist ja – dachte ich bis heute – meine kleine unhändelbare Panikmaus, die einen bei Einfangversuchen krankenhausreif kratzt und beisst, Transportboxen auseinandernimmt und Tierarztpraxen kurz und klein schlägt. Als ich ihr zur Behandlung ihrer → Mittelohrentzündung Ohrentropfen geben sollte, geriet sie letzte Woche wieder dermassen in Panik, dass sie das Fressen verweigerte und ich zwei Tage lang nicht näher als zwei Meter an sie rankam, bevor sie jeweils blindlings die Flucht vor mir ergriff. Eine solche Katze medizinisch versorgen zu müssen, treibt einen zur Verzweiflung. Bis heute. Seit heute ist es mein neuer Ehrgeiz.

Vor dem Eintüten für unseren Kontrolltermin heute graute mir schon seit Tagen. Als Felize dann ca. eine halbe Stunde vor dem Termin anderthalb Meter von der strategisch durchdacht positionierten Transportbox entfernt sass und sich wiedermal im Wassernapf spiegelte, erkannte ich die Gunst der Stunde: Ich hob sie hoch und setzte sie rein (also in die Box, nicht in den Wassernapf). Eiskalt. Basta. Auch wenn ich dabei gezittert hab vor Nervosität 😛 Als ich versuchte den Deckel zu schliessen, hat sie mich noch am Arm erwischt, als sie raus wollte, aber sonst gings diesmal ohne Blutvergiessen .

In der Box hat sie erstmal wieder getobt und randaliert wie ein Berserk – aber nur rund 5 Minuten, dann sass sie brav die Autofahrt ab. Dennoch fürchtete ich, dass sie dann im Spital wieder die Wände hochgehen würde und warnte die Ärzte entsprechend vor. Die Ärztin: «Soso, ausrasten könnte sie – ja, das hatten wir letzte Woche mit ihr schon. Gucken wir mal.» Macht die Tasche auf und holt Felize raus, die alles klaglos mit sich machen lässt – inkl. in die Ohren gucken und Ohrentropfen reinmachen. Ich guckte derweil doof.

Dann kam der Neurologe und machte diverse Tests mit ihr bezüglich Koordination – und pf: Felize macht alles mit. Ich kam aus dem Doofgucken gar nicht mehr raus.

Ok – JETZT ist mein Ehrgeiz geweckt.

Die Ohrentropfen seien zwar nicht lebenswichtig – ich soll aber dennoch versuchen, sie zu geben, solange es Felize nicht total verängstigt – also nicht um jeden Preis, aber gewissermassen als Trainingseinheit. Und wenn ich am Anfang nur so tue, bis ichs dann schaffe, sie auch tatsächlich in die Ohren reinzumachen.

Als wir heimkamen, wollte Felize erst reflexartig wieder hoch und unters Bett huschen, blieb dann aber auf halbem Weg stehen, sah sich um, setzte sich hin und schien zu denken: «Ist ja alles gar nicht so schlimm.»

In zwei Wochen müssen wir wieder zur Kontrolle – wir sehen das jetzt als unser Tierarzttraining an 😉

Puh – wieso war ich eigentlich so nervös?

ps: Gerade sitzt Felize in ihrer (offenen) Transporttasche und guckt niedlich ❤

Felize tut keinem was – die will nur spielen:felize_sofa

Mittelohrentzündung – Felize ist wieder daheim

Ich hab mein Felize-Mäuschen wieder. Sie sitzt grad mit Tünn unterm Bett und hasst mich.

Was ist passiert: Felizes Mittelohrentzündung führte zu einem → Vestibulärsyndrom, das sich in Schwindelanfall, Hinfallen, Speicheln und Krampfen zeigte. Die Kopfschiefhaltung war ja vorher schon – erkennen könnte der Katzenhalter so etwas genau an der Kopfschiefhaltung, was bei Felize halt als Früherkennung nicht möglich war 😦 Als sie am Dienstagabend stark speichelte, umfiel und krampfte, fuhr ich mit ihr in die Notaufnahme des Zürcher Tierspitals.

Wie entsteht eine Mittelohrentzündung? Es ist wohl so, dass Bakterien aus dem Rachen durch die Eustachische Röhre ins Mittelohr wandern können, wo sie nicht hingehören und eben zu einer Entzündung führen. Im Eiter, den sie aus Felizes Ohr abgesaugt haben, wurden denn auch Bakterien gefunden, die sonst im Rachen heimisch sind.

So sah das aus:

Im roten Kreis sieht man den Eiter im Mittelohr. Der Eiter wurde dann eben gestern rausgesaugt und ausgespült.

Prognose: Mit den Medikamenten (Ohrentropfen (juhu), AB und Cortison) sollte die Entzündung innert zwei Wochen komplett abheilen. ABER: Es sei möglich, dass noch Eiter drin ist – etwas weiter innen, wo man mit dem Saugdings nicht hinkommt. Dann müsste operiert werden.

Blindheit: In der Notaufnahme am Dienstag wurde ja vermutet, dass Felize blind sein könnte, da sie auf optische Reize keine Reaktion zeigte. Die Neurologen haben diesen Verdacht nun genauer abgeklärt: Aufgrund der bisher erfolgten medizinischen Untersuchungen gebe es keinen Grund anzunehmen, dass Felize blind sei. Dass sie auf Sehreize (Finger, Wattestäbchen, Blickkontakt) nicht reagierte, könne zwei Ursachen haben:
1. Sie hat kurzzeitig tatsächlich nichts oder schlecht gesehen, weil der Eiter im Mittelohr auf Nerven drückte, die für den Sehsinn relevant sind.
2. Sie war aufgrund des Krampfanfalls und der Stressituation so ausser sich, dass sie im wahrsten Sinne keinen Sinn für Sehtests hatte. Ich soll ihre Reaktionen hier zu Hause in der gewohnten Umgebung beobachten.

Fest steht – behaupte ich Laie jetzt mal – dass sie mich heute im Krankenhaus beim Abholen angeblinzelt hat, dass sie Blickkontakt mit mir hatte und sie hier zu Hause den Bewegungen der anderen Katzen mit ihren Blicken folgt. Also ich – als Laie – behaupte jetzt mal ganz vorlaut: Sie kann sehen 🙂

Taubheit: Ich fragte die Ärztin, ob man bei den Untersuchungen feststellen konnte, ob Felize wirklich völlig taub sei (aufgrund einer früheren lange unbehandelten Mittelohrentzündung als sie noch in Deutschland war). Die Ärztin sagte, dass es zumindest fürs linke Ohr keinen Grund für Taubheit gebe, da dort alles intakt sei. Beim rechten Ohr werde man das in den kommenden Tagen/Wochen besser beurteilen können, wenn alles verheilt ist. Die Neurologen werden mir das genauer erläutern und mit Felize auch nochmal Tests machen. Es ist also – sofern die Dermatologin und ich nicht alles falsch verstanden haben – zumindest theoretisch möglich, dass Felize gar nicht komplett taub ist. Mal abwarten, was da noch kommt…

Felize: Sie hat im Krankenhaus offenbar alle Untersuchungen total kooperativ mitgemacht. Sie liess sich vorhin sogar von der Helferin ganz ohne irgendwas in die Transportbox umsetzen und hat auch auf der Fahrt null gemuckst oder sich wieder die Nase blau gehauen, vielmehr guckte (!!!) sie interessiert umher. Ich bin mal gespannt, wie kooperativ sie dann bei mir und ihren Ohrentropfen ist 😛 Im Moment ist sie sauer auf mich und sitzt wie gesagt unterm Bett. Ich lasse sie einfach mal in Ruhe. Die anderen Zwerglis reagieren sehr interessiert auf sie, keiner faucht oder brummt sie an, vielmehr wird genasbusselt ❤

Problem: Sie hat all die Tage im Krankenhaus nichts selbständig gefressen 😦 Das Allerwichtigste sei nun, dass sie spätestens bis übermorgen wieder selber Futter aufnimmt – andernfalls muss ich mich sofort wieder im Spital melden und sie zur Not zwangsernähren, weil sonst → Leberschäden drohen. Aber ich bin jetzt mal zuversichtlich, dass sie sich in der gewohnten Umgebung beruhigt und dann Appetit und Hunger siegen.

Und nun wünsche ich der kleinen Motte einfach mal gute Besserung ❤

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Update: Felize hat mich wieder lieb 😀

Sie frisst auch wieder mit gutem Appetit – nur die Ohrentropfen findet sie grauslich 😉

Besuch im Tierspital

Ich komme gerade aus dem Tierspital, wo ich Felize besucht habe. Und bin sehr froh, dass ich dort war – Felize glaub ich auch ❤

Eine Vergiftung konnte glücklicherweise inzwischen ausgeschlossen werden. Nicht nur Symptome wie Speicheln und Krampfen führten meinerseits zu der Befürchtung. Es war so, dass ich kurz vor Felizes Zusammenbruch die Rosen mit Antiblattlausmittel gespritzt hatte – eigtl. stelle ich die Rosen dann jeweils so, dass die Katzen da nicht hinkommen, und eigtl. wurde mir das Mittel als ungefährlich für Katzen verkauft. Aber weil das wirklich fast zeitgleich zusammenfiel, fiel mein Verdacht natürlich sofort auf das Blattlausmittel, das ich deshalb auch mit ins Spital nahm, damit die TAs im Falle einer Vergiftung die Substanzen kennen. Aber dort wurde mir bestätigt, dass das Mittel für Katzen ungefährlich sei – das glaubte ich aber halt wirklich erst, als eine Vergiftung definitiv ausgeschlossen werden konnte.

Man tippt jetzt auf eine Sache im Bereich Mittelohr. Dafür gibt es Fachbegriffe – aber ich bin im Moment so konfus und müde und überfordert, dass ich wohl alles durcheinanderbringen würde. Morgen wird ein MRI gemacht – dann wissen wir hoffentlich mehr.

Als ich Felize heute besuchte, wirkte sie auf mich jetzt auch nicht total verängstigt (wie ich mir das vorgestellt hatte), eher aufgeregt – so ein bisschen wie ein Hundebaby. Sie macht das supertapfer, meine kleine Panikmaus – von Panik war jedenfalls null zu merken. Felize wirkt alles in allem auf mich den Umständen entsprechend gut beieinander – ich bin positiv überrascht. Zumal nachdem ich sie ja schon bei unserem Tierarzt erlebte, dem sie die Praxis auseinandernahm :-O

Gestern wurde ja auch vermutet (und heute der Verdacht nochmal bestätigt), dass Felize blind sein könnte (was kombiniert mit ihrer Taubheit natürlich jetzt nicht so klasse wäre…): Mir ist heute auch aufgefallen, dass sie zwar „guckt“ wie verrückt – also sie guckt wirklich um sich als würde sie überall Schmetterlinge sehen. Aber sie guckt einen nicht an – und reagiert anscheinend nicht auf direkte optische Signale. Hm. Mal „sehen“, was da die Untersuchungen noch ergeben.

Ich habe verschiedener Seite tolle Inpunts bekommen, welche Fragen ich dann im „richtigen“ Gespräch stellen will/muss. Im Moment habe ich so viele Fragen, dass ich nur eine Aussage treffen kann: Ich habe keine Ahnung.

Und die telefonischen Updates sind ja nur für den jeweils momentanen Gesamtstatus – da ist keine Musse für detaillierte Fragen, da gehts mehr so um Fragen wie „lebt sie noch?“

Ich brauch jetzt einen Schnaps.

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Felize ist in der Notaufnahme :_(

Heute am frühen Abend sah ich wie meine Katze Felize von der ersten Etage die Treppe runterkommt – aus ihrem Mäulchen hing ein Speichelteppich wie ich so etwas noch nie gesehen habe :-O

Dann torkelte sie, fiel um und krampfte. In meinem Schock rannte ich erst zu ihr statt zum Telefon – als ich bei ihr war, war mir klar, dass ich jetzt sofort in der Notaufnahme des Tierspitals anrufen und mit ihr losfahren musste.

Sie schleppte sich derweil auf die Terrasse, fiel wieder um, krampfte erneut. Noch nie hatte ich eine Katze so schnell in die Transportbox gesetzt – vor allem nicht Felize.

Und noch nie musste ich so lange auf ein Taxi warten. Kam mir jedenfalls so vor. Als wir endlich in der Notaufnahme waren, kümmerte man sich sehr gut um uns. Ich verstand dann aber auch, warum die Dame am Telefon noch mehr als wir gehofft hatte, dass wir doch keinen Notfall hätten: Es wimmelte nur so von Leuten mit Notfalltierchen (es war ja schon 19.30 Uhr als wir dort waren – keine reguläre Behandlungszeit mehr). Sofern etwas „schön“ sein kann in der Notaufnahme, dann die Solidarität unter den wartenden Leuten – man kommt ins Gespräch, bringt einander Kaffee vom Automaten mit, tröstet einander.

Vor uns waren noch dringlicher eine Katze, die vom Mähdrescher erwischt worden war, und ein angefahrener Hund. Zuvor vergewisserte man sich aber, dass die Reihenfolge nach Dringlichkeit auch stimmt. Eine seltsame „Zwischenwelt“, so ein Wartezimmer im Tierspital… So weit ich mitbekam, leben zurzeit noch alle, die in dieser Zeit dort eingeliefert wurden. ❤

Das ist jetzt rund vier Stunden her. Ich bin inzwischen wieder zu Hause. Felize muss zur Notversorgung und Überwachung im Spital bleiben. Es zeigte sich, dass sie offenbar auch blind ist. Ob bleibend oder vorübergehend, wird sich zeigen. Die Tierärzte tippen im Moment auf etwas Neurologisches, es wird aber nichts ausgeschlossen und Felize eingehend untersucht. Falls heute Nacht etwas wäre, ruft man mich an. Sonst morgen Vormittag. Je länger ich nichts höre, desto besser, sagten sie.

Meine kleine Panikmaus hat sich nicht einmal gegen irgendwas gewehrt, hat alles mit sich machen lassen – ein klares Zeichen, dass es ihr elend geht :_(

Sie muss wieder heimkommen. Sie darf doch nicht denken, dass ich sie im Stich gelassen habe. Sie muss gesund werden. Muss.

Meine kleine Krummnase, mein kleines Guck-in-die-Luft – komm heim. Bald ❤

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Katze eintüten? Katze eintüten.

Heute morgen musste ich mit Katze Shakti zur Gebisssanierung zum Tierarzt. Es geht uns gut. Ich meine: uns beiden. Das war nach Tierarztbesuchen nicht immer so.

Früher, wenn ich Shakti in eine Transporttasche packen musste, ging das nicht ohne Blutvergiessen. Mein Blut wohlgemerkt. Das lief jeweils etwa so ab:

Meine Katze Shakti schätzt es nicht, hochgehoben zu werden. Normalerweise respektiere ich das. Aber wenn ich sie in eine Transportkiste setzen muss, geht es nunmal nicht anders. Zumal sie Transportkisten noch mehr hasst, als hochgehoben zu werden, und daher im Leben nicht freiwillig in so ein Ding reinlaufen würde. Den ersten Tierarzttermin hatte ich denn auch absagen müssen: Ich bekam die Katze einfach nicht transportfähig. Also schickte mir der Tierarzt vor dem zweiten Termin eine Beruhigungstablette, auf dass ihr Widerstand auf ein brechbares Mass reduziert werde. Die Katze ist aber nicht doof – als ich am fraglichen Tag mit der Pille ankam, merkte sie sofort, dass da was läuft.

Da stand ich nun mit meiner blöden Tablette vor einer finster blickenden Katze, die beschlossen hatte, das Teil unter gar keinen Umständen zu schlucken. Der Tierarzttermin rückte unerbittlich näher. Ich überdachte Alternativstrategien: Trichter? Durchs Nasenloch hochschieben? Ins Ohr werfen? Als die Zeit langsam richtig knapp wurde, besann ich mich auf das Recht des Stärkeren (ha-ha): Ich beschloss, sie halt doch ohne Betäubung in die Kiste zu packen. Was folgte, war wenig ruhmreich für mich.

Ich – leicht gebückt – gehe langsam auf Shakti zu, flöte dabei in meiner zuckrigsten Stimmlage etwas, das ich für beruhigend halte. Shakti sieht darin jedoch eine Aufforderung zum Kampf: Ihr Blick fixiert den meinen. Vorerst geht sie auf Halbdistanz, weicht Schritt für Schritt zurück, gleichfalls leicht geduckt. Ich breite in Zeitlupe meine Arme aus, will sie in die Zimmerecke drängen. Shakti bleibt kurz stehen – macht eine Finte nach rechts, um dann pfeilschnell links an mir vorbeizuziehen. Ich – ZACK – werfe mich ihr in den Weg, schlage dabei unsanft auf dem Boden auf. Shakti zuckt zurück, springt dann über mich drüber und rast über den Parkett schlingernd in ein anderes Zimmer.

Ich rapple mich auf, justiere meine ausgerenkten Knochen und folge ihr. Shakti hat sich nicht etwa verkrochen: Breitbeinig steht sie mitten im Raum, wiegt sich leicht hin und her wie ein Boxer, bereit für den Infight. Wieder gehe ich langsam auf sie zu, wieder weicht sie Schritt für Schritt zurück. Als sie realisiert, dass direkt hinter ihr die Wand ist, guckt sie erst mich an, dann die Transportkiste neben der Tür – und entschliesst sich zur Attacke: Sie macht einen grossen Satz direkt auf mich zu, ich bekomme sie kurz zu fassen, sie aber windet sich aus meinem Griff, hackt mit einem wuchtigen Rechtsausleger ihre Krallen in meinen rechten Arm, zieht sich – sehr zu meinem Leidwesen – daran hoch, um über meine Schulter auf den Türrahmen zu springen. Der aber bietet nicht genug Halt, sie fällt herunter – direkt in die oben offene und glücklicherweise weich gepolsterte Transportkiste. Noch bevor sie wieder auf die Beine kommt, hechte ich zur Kiste und klappe den Deckel zu.

Nach Atem ringend betrachtete ich das Ergebnis meiner Bemühungen: Die Wohnungseinrichtung verwüstet, mein rechter Arm hing in Fetzen, als hätte ich in einen Aktenshredder gefasst, auch mein Gesicht hatte einiges abbekommen, und in der Transportkiste miaute meine Katze in Todesangst. Letzteres brach mir fast das Herz. Als ich blutüberströmt in der Praxis ankam, blickte die junge Dame hinter dem Empfangstresen auf, ihr Gesichtsausdruck verblüfft: «Sind Sie sicher, dass Sie hier richtig sind? Geht es Ihnen gut?» Ja, nein, also doch, erwiderte ich etwas überfordert, das sei schon richtig, ich hätte vor einer Woche einen Termin vereinbart. Als die Tierarzthelferin beim Anblick der blutverschmierten Katzentransportkiste ganz blass wird, beruhigte ich sie: «Keine Sorge, das ist alles meins, dem Tier geht es gut.»

Für solche Auftritte waren Shakti und ich in unserer Tierarztpraxis schon bekannt – Verbandszeug lag stets bereit, wenn Shakti einen Termin hatte.

Heute ist das nicht mehr so. Irgendjemand erzählte mir nämlich irgendwann, dass man panische Katzen durchaus zu handzahmen Patienten umpolen könne. Aha?

Also fingen wir an zu trainieren.

Heute hebe ich Shakti hoch, trage sie zur Transportbox, setze sie rein und mache den Deckel zu. Kein Problem. Ich weiss inzwischen auch, dass das jeweils klappt. Doch wer unsere Eintütvergangenheit nun kennt, versteht vielleicht, warum ich trotzdem jedesmal vorher scheissnervös bin 😛 

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Buchtipp
→ Tierarzttraining für Katzen von Christine Hauschild