Archiv der Kategorie: Tierpsychologie

Moriahs Training, Teil 2

Nach dem Gespräch mit unserer Verhaltenstherapeutin treten wir nun mit jeder Menge neuen Inputs und Hausaufgaben in die zweite Phase von Moriahs Training.

→ Ausgangslage
→ Moriahs Training, Teil 1

Gestern Abend telefonierte ich ja wie gesagt wieder mit Frau Hauschild, um das weitere Vorgehen für Moriah und auch Shakti zu besprechen. Wie der eine oder andere von euch in den Kommentaren auch schon empfahl ❤ muss aufgrund der Entwicklungen hier nun auch Shakti aktiv in die Therapie miteinbezogen werden.

1. Shakti konditionieren: So wie ich Moriah belohne, wenn sie den Anblick anderer Katzen aushält, wird Shakti nun belohnt, wenn sie sich von Moriah/der Gittertür abwendet und nicht maunzt. Shakti ist nicht der Typ, der sich mit Leckerli fangen lässt – ihre Schwäche sind Streicheleinheiten. Da sie inzwischen Klopfen auch schon als Ankündigung für Streicheleinheiten kennt, soll uns das als Markersignal dienen (also analog wie beim «normalen» Clickern der Click, der eine Belohnung ankündigt, wodurch die Katze mit der Zeit lernt: Wenn ich dieses Geräusch höre, habe ich gerade etwas ganz prima gemacht :D).

2. Bachblüten (BB) für Shakti: Ich werde für sie folgende BB besorgen: White Chestnut (zur Auflösung mentaler Fixierungen), Verveine (gegen das Sich-in-etwas-Reinsteigern), Holly (löst Wut, Frust) und Impatians (fördert die Geduld). Eine wichtige Anmerkung am Rande für stille Mitleser ohne BB-Erfahrung: Für Tiere bitte immer Bachblüten ohne Alkohol drin! 🙂

3. Tünn kommt ins Spiel: Moriah soll sanft an andere Katzen herangeführt werden. Tünn ist der harmloseste und argloseste kleine Kerl, den man sich vorstellen kann. Moriah hatte ihn damals auch nie angefaucht. Wie ich die Zusammentreffen gestalten soll, wurde auch besprochen, aber das wird dann zu spezifisch, das interessiert ja keinen in der Theorie, das schildere ich dann ggf. aus der Praxis 🙂

Ich habe auch noch weitere Hausaufgaben bekommen und Hinweise, was ich wobei unbedingt beachten muss, aber das alles zu schildern, führte jetzt ebenfalls zu weit 🙂

Nach dem Gespräch gestern bin ich jedenfalls wieder sehr zuversichtlich und habe das schöne Gefühl, einen Plan zu haben 😀

Also starten wir somit frohgemut in Runde zwei ❤

Moriahs Training, Teil 1

Wer schon einmal mit einer Katze eine professionell begleitete Verhaltenstherapie absolviert hat, machte vielleicht auch die Erfahrung, dass man anfangs – und teils auch zwischendrin – denkt: Oh Gott – da liegt soooooo viel Arbeit vor uns. Dies soll eine Ermutigung sein, sie anzugehen.

Nachdem Neuzugang Moriah bei der Zusammenführung Felize attackiert und massiv verprügelt hatte (→ Ausgangslage), bat ich Ende März endlich unsere Verhaltenstherapeutin um Rat. Diese riet mir in einem beruhigenden und zugleich sehr motivierenden Telefonat Folgendes:

1. Zusammenführung abbrechen: Die sowieso schon völlig verängstigte Moriah war bzw. ist mit den anderen Katzen total überfordert, was sich dann unter anderem in Aggression äusserte. Darum galt es, erstmal ihr Selbstbewusstsein grundsätzlich aufzubauen.

2. Ummöblieren: Moriah wohnt gewissermassen in meinem Arbeitszimmer, das durch eine Gittertür vom Rest der Wohnung abgetrennt ist. So kann sie die anderen Katzen sehen, hören und riechen, aber es kann nicht zu körperlichen Konfrontationen kommen. Ihre Versteck- und Rückzugsmöglichkeiten wurden so umgestellt, dass sie mindestens zwei Ausgänge haben. Weiter gab es zu viele freie Flächen im Zimmer: von einem Rückzugsort zum nächsten waren die Distanzen zu weit. Darum wurden strategisch sinnig Stühle und Cubes mitten in den Raum gestellt, damit Moriah bei Bedarf von einem zum nächsten huschen kann, um sich darunter, darauf oder dahinter zurückzuziehen.

3. Konditionierung: Moriahs Begegnungen mit den anderen Zwerglis finden nur noch durch die Gittertür statt und wann immer sie positiv reagiert (zB. nicht faucht, sich nicht entzieht), wird das belohnt. Geclickert wurde darüber hinaus auch zur Beschäftigung, Stärkung des Selbstbewusstseins und zum Vertrauensaufbau zwischen ihr und mir.

4. Pflanzliche und homöopathische Hilfsmittel: Moriah bekommt verschiedene, auf sie abgestimmte Bachblüten und Telizen S, was ihr Selbstbewusstsein stärken soll.

5. Tagebuch: Ich führe Tagebuch, damit ich Veränderungen welcher Art auch immer besser nachvollziehen kann und nix vergesse. Leider verpasse ich es dennoch manchmal, auf die wirklich wichtigen Dinge zu achten rolleyes

Ergebnis: Diese Schritte wurden wie gesagt Ende März eingeleitet – und erwiesen sich als goldrichtig. Moriah hat sich von einer verängstigten, freudlosen, scheuen Katze zu einer aufgeweckten, neugierigen und zutraulichen Mietz entwickelt ❤

Zeit also für weitere Schritte, da wir ja doch immer noch eine Zusammenführung anstreben 😉

Ausgangslage aktuell: Wenn meine anderen Katzen zu Moriahs Gittertür kommen, interessiert Moriah das im Moment nicht weiter – weder positiv noch negativ. Sie faucht auch nicht mehr. Nur bei Shakti ist es anders: Shakti ist inzwischen dermassen besessen von Moriah bzw. der Gittertür, dass ich ein Zusammentreffen der beiden im Moment echt fürchte 😦 Wobei Moriah auch Shakti nicht (mehr) anfaucht – es ist mehr Shaktis Fixierung auf Moriah, die ich inzwischen unheimlich finde… Damit man das nachvollziehen kann, hier die Videos.

Zur Erklärung vorab: Ich sollte idealerweise alles auf EIN Video kriegen – also: Moriahs Reaktion, wenn Shakti an der Gittertür hängt, Shaktis Verhalten/Körperhaltung und vor allem auch das Mauzen der beiden. Klappte natürlich nicht rolleyes Darum also drei Videos, die man sich bitte im Kopf als ein und dieselbe Situation zusammensetzt 😀 Man soll Phantasie ja fördern *g*

Video 1: Moriahs Reaktion (inkl. ihr Piepsen – evtl. Ton lauter stellen), wenn ich mit Futter komme und Shakti zombiemässig an der Gittertür ruppelt:


(Die Madonnenfigur im Vordergrund hab ich übrigens in einer Ich-bin-künstlerisch-kreativ-grad-fixiert-auf-religiöse-Symbole-Phase selbst gemacht 😀 und nun steht sie da, um die Gittertür bei Shaktis Dranrumgezuppel zu verstärken, weniger aus – öhm – klerikalen Gründen ;-))

Video 2: Shaktis Besessenheit, die Gittertür aufzubrechen (ich rufe hier nach Moriah nicht um sie anzulocken, sondern weil sie dann normalerweise mauzt, und dann auch Shakti, damit ich das aufnehmen kann – klappte aber nicht):

Video 3: Shaktis Mauzen (evtl. Ton lauter stellen) – sogar bei geschlossener Zimmertür 😦

Mir scheinen beide in Verhalten und Mauzen einander nicht unfreundlich gesonnen (oder?), nur Shakti halt deutlich zu aufdringlich – aber was die Freundlichkeit angeht, kann ich total falsch liegen 😦

Zusätzlich sollte ich Frau Hauschild unter anderem noch folgende Frage beantworten (die ich im Tagebuch natürlich nicht festgehalten hatte :P):

Ruft Shakti manchmal andere aus der Gruppe, wenn sie weit weg sind? Mauzt sie, wenn sie auf die Terasse will und die Tür zu ist?
Shakti ist kein Plappermaul in dem Sinne, aber sie mauzt, wenn sie was will – meine Aufmerksamkeit, Futter… manchmal auch, wenn sie von den anderen Katzen was will, dann kommen zwei, drei der anderen Katzen auch angedüst, gerade so als habe sie sie gerufen, dann leckt sie deren Köpfchen und alles ist wieder gut.

Detaillierter möchte ich die Korrespondenz mit Frau Hauschild nicht wiedergeben – ich hoffe, ihr versteht das ❤ Meine Schilderungen hier dienen ja lediglich der Anschauung, wie sowas alles abläuft, und vor allem was bei uns hier gerade abläuft 🙂

Uff – ganz schön viel, nicht? Das ist hier unser Alltag… Ich hoffe, wir haben euch nicht gelangweilt 🙂 ❤

Morgen um 19 Uhr habe ich den nächsten telefonischen Termin mit ihr (telefonisch, weil ich in Zürich wohne und sie in Hamburg – dies nur am Rande für allfällige Neueinsteiger :-))

Ich bin sehr gespannt, was sie zu all dem meint 🙂 Es darf derweil gern auch spekuliert werden 😉 ❤

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Nachtrag: Hier gehts weiter → Moriahs Training, Teil 2

Moriah: Therapie geht aktiv weiter

Trotz allen Trubels rund um Felize und Umzug ging Moriah natürlich nicht unter. Hier mal wieder ein Zwischenbericht: Katzenhasserin lebt sich in Katzengruppe ein 😉

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Ich habe heute unserer Verhaltenstherapeutin Frau Hauschild mal endlich wieder einen Bericht geschickt. Das Folgende nur für unsere Belange – ich betone immer wieder gerne, dass daraus keine Rückschlüsse für eigene Situationen gezogen werden dürfen, da keine Konstellation eins zu eins auf die andere übertragbar ist. Aber vielleicht interessierts ja trotzdem jemanden 🙂

Ausgangslage nochmal für alle, die uns auch teils noch nicht so gut kennen: Moriah wurde mir als sehr katzensozial vermittelt – nun, ähm. Es erwies sich, dass sie vielmehr panische Angst vor anderen Katzen hat. Kann bei internationalen Vermittlungen schon mal passieren… (wirklich – ich mache auch niemandem einen Vorwurf. Naja: Nicht mehr. Zuerst war ich schon sauer. Aber nun bin ich glücklich, dass Möhrchen hier ist. Wir kriegen das irgendwie hin, dass ihre Zukunft einfach nur toll wird. Sogar wenn das bedeutete, dass ich sie doch abgeben müsste :_( Aber vorher versuchen wir ALLES, dass es hier funzt. Dies nur als Update für jene, die unsere Geschichten vielleicht noch nicht auswendig kennen 😉 Bei Fragen: Immer her damit!).

Moriah zog zu Weihnachten 2012 dank der unbeschreiblich grossartigen Hilfe lieber Menschen (Bericht dazu folgt dann auch noch) hier ein. Sie wurde erst wegen gesundheitlicher Abklärungen sicherheitshalber separiert. Als in dieser Hinsicht alles geklärt war, begann die Zusammenführung – die schnell in ein Desaster mündete: Moriah griff aus schierer Panik die anderen Katzen an. Da sie FIV+ ist (→ FIV wird über Bisse übertragen), konnte ich hier Beissereien umso weniger «dulden» – was ich eh nicht täte, aber so konnte ich das nicht mal riskieren.

Irgendwann im März diesen Jahres sah ich ein, dass ich allein trotz aller Erfahrung hier nicht weiterkomme, und zog eine Verhaltenstherapeutin hinzu, die uns schon viel geholfen hatte – telefonisch, per Mail oder auch durch ihre wunderbaren Bücher: → Frau Christine Hauschild.

Als Moriah hier ankam, hatte sie einfach nur vor ALLEM Angst, tiefe, tiefe Angst – nicht mal mehr Panik: Sie schien sich vielmehr aufgegeben zu haben: Nichts machte ihr Freude, nichts liess sie flüchten. Es war ihr alles egal.

Moriah fasste jedoch relativ schnell weitgehend Vertrauen zu mir – nicht aber zu den anderen sechs Katzen, die hier leben… Und als sie sich eines Abends auf Felize stürzte und auf diese einprügelte, war der Moment der Einsicht gekommen: Wir brauchen Hilfe.

Stark abgekürzt: Seither ist wieder eine Gittertür im Einsatz, Bachblüten und Telizen S sowie Clickertraining und weitere unbezahlbare Tipps. Moriah hat sich dank dessen zu einer aufgeweckten, ja fast kecken Katze entwickelt ❤ Mir vertraut sie inzwischen fast blind – ich kann sie streicheln, hochheben, rumtragen (die Letzteren beiden nach Bedarf halt – nicht, dass ich das dauernd tät ;-)). Alles super so weit. Jetzt müssen «nur» noch die Katzen zusammenfinden….

Der Hauptknackpunkt sind hier: Übermutti Shakti (die Olivia Jones der Katzen, falls ihr Dschungelcamp kennt…) und Scheuchen Moriah.

Huch – das ist ja schon wieder sooooooooo viel Text 😳 Gut also: Das war mal so die Ausgangslage, damit auch alle nachvollziehen können, worum es sich hier gerade mit dem Möhrchen dreht ❤

Und hier gehts weiter: → Moriahs Training, Teil 1

Felize, kleine Heldin <3

Heute waren wir mit Felize zur Kontrolle im Tierspital – und ich bin sehr stolz auf das Maus, äh: Katz 😀

Ihr Lieben ❤

Danke ganz herzlich an alle, die heute an uns dachten und Daumen drückten – der Zauber wirkt auch hier 😀 😉 ❤

Ok – das Eintüten meiner kleinen Panikmaus war wie vermutet ein Desaster 😦 Ich habe gar nicht irgendwelche sanftmütigen Tricks probiert, sondern habe direkt das Fixleintuch bzw. zu Deutsch Spannbettlaken (danke Frau Vegasfan für die Übersetzung! :D) und die Transportbox geschnappt und bin so bewaffnet wie ein Gladiator auf Felize zu, derweil das Mantra im Kopf: «Wir ziehen das jetzt durch, basta.» Naja – ok: Eher nicht ganz so cool. Spätestens als Felize versuchte, flundermässig mit dem Boden zu verschmelzen, und verweifelt fragend in Todesangst mauzte, brach mir mehrfach das Herz – aber hilft ja auch nix.

Kaum war ich jeweils halbwegs in ihrer Nähe, entflunderte sie sich jeweils pfeilschnell und schoss nach oben in die erste Etage, von dort nach unten, dann wieder hoch, wieder runter – ins Fitnesscenter muss ich heute nicht mehr, püh. In einer zweigeschossigen Wohnung ohne Türen echt kein leichtes Unterfangen, eine Katze in die Enge zu treiben… Schliesslich beging sie endlich wieder den strategischen Fehler, sich ins Bad zu flüchten, worauf ich ja gehofft hatte. Diesmal aber war die Waschmaschine zugestellt, damit sie sich nicht wieder dahinter festklemmt, und alles weggeräumt, was in Scherben darnieder fallen könnte. Nachdem sie ein paar Mal die Wände hoch ist, konnte ich endlich das Bettlaken über sie werfen – Schachmatt.

Ich hatte das von einer lieben Tierschützerin gelernt: Wenn man eine Katze unter einer Decke oder eben einem Laken versenkt, rührt sie sich nicht mehr – man kann dann einfach hin und sie einpacken. Nicht, dass ich diese Methode dem Miteinander langfristig für zuträglich halte und empfehlen würde – aber in der Not… 😦 Bei Felize funktionierts jedenfalls – man muss nur gut genug werfen. Nicht nett – aber für den Moment unsere Rettung.

Als ich Felize also endlich in der Box hatte, war ich erstmal fertisch mit den Nerven. Aber ab dann wurde es gut – richtig gut 😀

Während der Autofahrt war sie recht ruhig (Handtuch über der Box hilft auch). Sie mauzte nicht und hechelte auch nicht wie sonst. Schonmal gut.

In der Klinik aber räumte sie jeden nicht vorhandenen Restzweifel am TA-Training bei mir aus: Sie liess sich diesmal komplett ohne Handtuchwickel behandeln – sie hatte sichtlich Angst, aber keine Panik, immerhin. Das überzeugte mich restlos davon, dass Situationsvermeidung falsch und nur Training unser Weg sein kann.

Das Beste aber: Obwohl ich Felize die Ohrentropfen nicht geben konnte, verheilt alles wunderbar – was natürlich meine grosse Sorge war 😦 Aber wir haben Glück – und noch mehr davon:

+++ breaking news +++

Felizes rechtes Trommelfell wächst zu!!! :-O Das heisst: Sie müsste dann in absehbarer Zeit wieder vollumfänglich hören können. Aus medizinischer Sicht. Boah – wow!!! Krass.

Als wir heimkamen, schoss sie aus der Box – blieb dann aber sofort stehen und sah sich um. Ich liess alles so stehen und ging nochmal weg, weil ich einkaufen musste und auch dachte, dass wegzugehen genau JETZT für mein Mäuschen genau das Richtige sei 😛

Als ich wieder heimkam, sass Felize diesmal nicht verängstigt unterm Bett, sondern hockte draussen auf der Terrasse in ihrem Lieblings-Gras-Topf ❤ Als sie mich sah, erstarrte sie zwar sofort wieder, aber rannte nicht wie die letzten Wochen weg. Sie futterte auch sofort ihr Abendessen und kam vorhin sogar gaaaaaaaaaaaaaaaanz kurz zu mir aufs Sofa – aber das war ihr dann doch zu gruselig 😉

Zwei für uns ganz wichtige Dinge habe ich heute gelernt:
1. Felize wird voraussichtlich vollkommen gesund – die Prognosen stehen jedenfalls sehr gut ❤
2. Vermeidung ist Sch*** – mit jedem Tierarztbesuch wird Panikkatz Felize «cooler» (und ich auch :P), was mir klar zeigt: Man kann auch einer absolut panischen Katze die Panik nehmen. Im Moment leider mit Gewalt 😦 Aber demnächst mit der bedachten Anleitung der Verhaltenstherapeutin unseres vertieften Vertrauens: → Tierarzttraining für Katzen

Wenn ihr auch verängstigte oder gar panische Katzen daheim habt: Bitte arbeitet mit ihnen daran ❤ Sie müssen diese Ängste nicht auf Dauer erleiden – weder beim Tierarzt, noch bei Besuch, noch bei Gewitter oder beim Staubsaugen. Muss alles nicht sein.

Wir sind gerad ein bisschen fix und foxy – aber SEHR zuversichtlich ❤

Herzlichst, Iwon & Kamikatze-Zwerglis

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Fortsetzung: → Lieber Besuch aus Köln

Tierarzt-Trainings-Tagebuch – Teil 1

Mir machen ernst: Gestern habe ich das Tierarzttraining mit meiner Panikkatze Felize begonnen.

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WICHTIGER HINWEIS:

Dieses «Tagebuch» ist keinesfalls als Anleitung für andere zu verstehen. In dem Buch, an dem wir uns orientieren → «Tierarzttraining für Katzen» von Christine Hauschild, steht sehr detailliert, worauf beim Training zu achten ist – und was man alles falsch machen kann. Im schlimmsten Fall ist das Training dann nicht nur wirkungslos, sondern man verschlimmert die Angst der Katze womöglich noch. Darum: Don’t try this at home! 😉

Dieser Bericht ist einerseits als Tagebuch für uns selbst gedacht – und allenfalls als Ermutigung (hoffentlich dann nicht das Gegenteil :P) für andere, selber mit ihren Katzen mehr zu arbeiten. Wer ein solches Training angehen möchte, orientiert sich dabei bitte an entsprechender Lektüre oder zieht direkt eine Fachperson hinzu.
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Ausgangslage:
Dieses süsse kleine Dingelchen hier:

Felize

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…heisst Felize, ist ca. 3 Jahre alt, seit bald 2 Jahren bei uns und super verschmust. Allerdings wird sie mit ihren niedlichen 3,5 Kilo «Kampfgewicht» zur Furie, wenn man versucht, sie festzuhalten geschweige denn in eine Transporttasche zu setzen. Und ich meine NICHT, dass sie ein bisschen austickt und rumspuckt – sie macht das da, mit allem was sie dann zu greifen und zu beissen kriegt:

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Bei unserem ersten Tierarztbesuch hat sie zudem in der Transportbox dermassen getobt, dass sie sich die Nase blau schlug und die Box ramponierte, in der Praxis ist sie die Wände nicht nur sprichwörtlich hoch, hat alles runtergeschmissen und war absolut unhändelbar. Als man sie mit Ach und Krach wieder eingefangen hatte, steckte der Tierarzt sie sofort zurück in die Box, weil sie solches Herzrasen hatte, dass er fürchtete, ihr Herz werde gleich explodieren.

Das war letzten Herbst.

Wir waren seither (bis vor kurzem) nicht mehr beim Tierarzt und haben – leider – auch nicht daran gearbeitet. Der Tierarzt und ich waren uns sicher, dass Felize nicht im Wachzustand behandelbar sei und nur im Notfall unter Betäubung behandelt werden soll. Sie war mir auch als absolut panisches taubes Ataxi-Mäuschen vermittelt worden – verblüfft war daher keiner.

Doch dann passierte etwas.

Vor ziemlich genau drei Wochen sah ich abends, wie Felize torkelte, stark speichelte, dann umfiel und krampfte. Nur kurz dachte ich an ihre Unbehandelbarkeit – dann setzte ich sie in die Box und raste mir ihr zur Notaufnahme. Sie musste schlussendlich drei Tage in der Klinik bleiben und das klappte eigentlich auch ganz gut – sie liess sich dort einigermassen behandeln. Gut, sie war ja auch geschwächt und verängstigt – und vor allem verweigerte sie kategorisch das Futter.

Also kam sie nach drei Tagen wieder nach Hause, wo ich ihr zahlreiche Medikamente geben sollte… Es kam, was kommen musste: Nach kurzer Zeit scheiterte ich kläglich – die Medikamente gingen nicht ins Katz, sie hasste mich, verweigerte wieder das Fressen und liess mich nicht näher als zwei Meter an sich ran und hockte nur noch unterm Bett. Meine Verzweiflung war gross – wie soll ich ihr dreimal täglich die notwendige Versorgung zukommen lassen, wenn ich nicht an sie rankomme?

Eine Woche nach der Notaufnahme mussten wir zur Kontrolle. Mit List und Tücke klappte es ganz gut, Felize in die Transportbox zu kriegen – aber Felizes Panik minderte das nicht wirklich.

Und dann: die Offenbarung. (Stellen Sie sich hier bitte eine → theatralisch-hoffnungsfrohe Musikeinspielung vor, um die Wirkung in voller Epik zu entfalten.)

In der Klinik wurde sie untersucht – eingewickelt in ein Handtuch ging das ganz ok. Und dann kam der Neurologe. Ich warnte ihn noch, dass sie vermutlich ausflippt, wenn er sie aus dem Handtuch wickelt. Doch der Mann lächelte erst mich an, dann Felize – hob sie hoch, machte mit ihr die neurologischen Tests, setzte sie auf den Boden, hob sie wieder hoch, drehte sie um die eigene Achse, tanzte sanft mit ihr durch den Raum und setzte sie dann zurück in die Box.

o.O

Und ich traf eine Entscheidung: Wir werden daran arbeiten, dass Felize auch im Alltag behandelbar wird – ich kann den Neurologen ja nicht heiraten, nur weil er der einzige ist, der mit Felize umgehen kann.

Obs klappt, weiss ich nicht – aber wir werden es versuchen.

Alle meine anderen Katzen – auch die ehemals unberührbaren Wildchen wie Shakti und Faramee – sind inzwischen problemlos eintüt- und behandelbar. Sicher kann ich da und dort auch bei denen noch einiges optimieren und eventuell gehe ich einzelne Übungen dann erstmal mit einer weniger dramatisch veranlagten Katze an, bevor ich mich an Felize versuche 😉 Aber noch nie war die Ausgangslage so schwierig – eine solche Panik wie bei Felize kannte ich zuvor nicht bei einer eigentlich «zahmen» Katze. Und ich möchte einfach nicht mehr, dass meine Katze weiterhin solche Todesangst hat, wenn man versucht ihr zu helfen, geschweige denn, dass man ihr nicht helfen kann, weil sie solche Todesangst hat.

Ich gehe wie oben erwähnt nach den Anleitungen vor, die man dem Buch → «Tierarzttraining für Katzen» von Christine Hauschild entnehmen kann. Das Grundprinzip ist positive Konditionierung bzw. Clickern. Im Moment bin ich auf Seite 49/50, wo mir geraten wird, schonmal mit den ersten Übungen zu beginnen, während ich weiterlese:

Aufgabe eins: Etablierung der Verknüpfung von Markersignal und Belohnung
Aufgabe zwei: Marker und Belohnung im Alltag

Noch sind wir optimistisch 😀

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Nachtrag: Zur Zeit pausiert das Training leider auch schon wieder, da Felize sich seit dem letzten Tierarzt-Besuch wenn überhaupt nur unter grösstem Misstrauen im selben Raum wie ich aufhält, was das Training irgendwie recht massiv erschwert… 😦

Nachtrag 2: → Es geht nun doch wieder weiter

Die wollen doch nur spielen

Katzen, die raus in die Natur können, verbringen Stunden damit, zu beobachten, zu erkunden, zu lauern, zu jagen. Stuuuuuuuuunden. Das entspricht den natürlichen Bedürfnissen einer Katze.

Wohnungskatzen leben vergleichsweise in sehr statischer Umgebung mit wenig Abwechslung und brauchen deshalb unbedingt regelmässige Beschäftigung, um zufrieden und glücklich zu sein.

Häufig klagen Wohnungskatzenhalter, dass ihre Katzen aber gar nicht spielen wollen. Dann lassen Sie sich was einfallen 😉 Denn häufig machen wir Menschen beim Spiel mit der Katze einiges falsch. Lesen Sie hierzu folgende interessante Ausführungen:

→ Richtiges Spielen
→ Unterforderung vermeiden
→ Katzen verstehen: Jagdverhalten

Eins der allerallerbesten Katzenspielzeuge überhaupt ist: Katzenkumpels 😉

Lucie und Tünn:

Ein weiterer Klassiker ist natürlich:

Die Spielangel – besonders bewährt hat sich hier der DaBird von GoCat. Sogar meine beiden behinderten Lucie und Mathilde können zu reissenden Bestien werden – naja, zumindest ein bisschen 😉

Dreibeiniges fahnlofef Mathilde-Raubtier:
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Shakti mit DaBird:
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Lucie: Got it!
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Neben klassischen Federangeln und Spielzeugmäuschen und -bällchen hat die Tierbedarfsindustrie aber auch allerlei mehr hervorgebracht. Häufig fehlt es den Katzenhaltern ja auch – seien wir ehrlich – an Zeit/Musse/Lust, stundenlang Federangeln zu schwingen oder Bällchen zu werfen. Darum haben sich schlaue Leute was für faule Leute einfallen lassen:

Fummelbretter: Eine super Sache, zumal der Jagderfolg gleich belohnt wird.

Sogar meine Katzenseniorin LouLou konnte sich dafür begeistern (auch wenn sie auf dem Bild nicht begeistert guckt ;-))
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Infoseite zu Sinn und Zweck von Fummelspielen mit Bastelideen für eigene Fummelbrettdesigns: → www.katzenfummelbrett.ch

Fling-ama-String: Sehr praktisch für faule Dosis 😉 Vier von sieben Katzen sind beschäftigt, während Dosi döst:

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Weitere Infos zu Fling-ama-String: → www.moodypet.com

Nano-Mouse/Hexbug: Auch sehr praktisch für faule Dosis 😉
Nano-Mouse

→ Hexbugs

Laserpointer:
Ein weiterer Klassiker für faule Dosis ist natürlich der gute alte → Laserpointer zB. von Trixie (doch Vorsicht: Niemals den Laser auf die Augen Katze direkt richten – schwere Verbrennungen der Netzhaut drohen!). Und für ganz ganz faule Dosis gibts sogar den → FroliCat BOLT, den muss man nur einschalten 😛 Da der Laserstrahl beim FroliCat BOLT über einen Spiegel abgelenkt wird, geht keine Gefahr von ihm aus. Dennoch sollte man die Katzen auch damit nicht unbeaufsichtigt spielen lassen.
Hinweis zu Laserpointern: Einer nicht greifbaren Beute hinterher zu jagen, ist auf Dauer für die Katze frustrierend. Darum sollte zwischendurch ein Leckerli gegeben oder das Spiel mit einem greifbaren Spielzeug (Federangel, Ball oder Spielzeugmaus) fortgeführt/beendet werden.

Der Klassiker überhaupt: Karton
Und manchmal kann man all das für viel Geld bestellte Zeug auch gleich weiterverschenken und einfach den Lieferkarton hinstellen, denn: Nichts geht über → Kartongggg 😉

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Lucie_karton

Wem die profane Kartonschachtel optisch zu wenig hergibt, könnte sich für die sehr schicken Kratzmöbel von cat-on interessieren: → cat-on

Es gibt auch günstigere Kartonkratzmöbel für 9 Euro oder so. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die nicht nur in aller Regel fürchterlich fusseln, sondern nach spätestens 3 Monaten einfach wirklich grauslich ausschauen. Unsere cat-on-Möbel hier sind inzwischen rund 3 Jahre alt, halten immer noch und sehen weiterhin schnieke aus (nein: Ich kriege keine Provision :P)

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Na, dann: Viel Spass! 😀

Buchtipp Beschäftigung für Wohnungskatzen:
→ «Katzenhaltung mit Köpfchen» von Christine Hauschild

Jetzt ist es amtlich: Felize verarscht mich

Ich war heute mit Patientin Felize im Tierspital zur Kontrolle. Und weiss seit heute sicher: Diese Katze veräppelt mich – von wegen Panikkatze. Pf.

Felize ist ja – dachte ich bis heute – meine kleine unhändelbare Panikmaus, die einen bei Einfangversuchen krankenhausreif kratzt und beisst, Transportboxen auseinandernimmt und Tierarztpraxen kurz und klein schlägt. Als ich ihr zur Behandlung ihrer → Mittelohrentzündung Ohrentropfen geben sollte, geriet sie letzte Woche wieder dermassen in Panik, dass sie das Fressen verweigerte und ich zwei Tage lang nicht näher als zwei Meter an sie rankam, bevor sie jeweils blindlings die Flucht vor mir ergriff. Eine solche Katze medizinisch versorgen zu müssen, treibt einen zur Verzweiflung. Bis heute. Seit heute ist es mein neuer Ehrgeiz.

Vor dem Eintüten für unseren Kontrolltermin heute graute mir schon seit Tagen. Als Felize dann ca. eine halbe Stunde vor dem Termin anderthalb Meter von der strategisch durchdacht positionierten Transportbox entfernt sass und sich wiedermal im Wassernapf spiegelte, erkannte ich die Gunst der Stunde: Ich hob sie hoch und setzte sie rein (also in die Box, nicht in den Wassernapf). Eiskalt. Basta. Auch wenn ich dabei gezittert hab vor Nervosität 😛 Als ich versuchte den Deckel zu schliessen, hat sie mich noch am Arm erwischt, als sie raus wollte, aber sonst gings diesmal ohne Blutvergiessen .

In der Box hat sie erstmal wieder getobt und randaliert wie ein Berserk – aber nur rund 5 Minuten, dann sass sie brav die Autofahrt ab. Dennoch fürchtete ich, dass sie dann im Spital wieder die Wände hochgehen würde und warnte die Ärzte entsprechend vor. Die Ärztin: «Soso, ausrasten könnte sie – ja, das hatten wir letzte Woche mit ihr schon. Gucken wir mal.» Macht die Tasche auf und holt Felize raus, die alles klaglos mit sich machen lässt – inkl. in die Ohren gucken und Ohrentropfen reinmachen. Ich guckte derweil doof.

Dann kam der Neurologe und machte diverse Tests mit ihr bezüglich Koordination – und pf: Felize macht alles mit. Ich kam aus dem Doofgucken gar nicht mehr raus.

Ok – JETZT ist mein Ehrgeiz geweckt.

Die Ohrentropfen seien zwar nicht lebenswichtig – ich soll aber dennoch versuchen, sie zu geben, solange es Felize nicht total verängstigt – also nicht um jeden Preis, aber gewissermassen als Trainingseinheit. Und wenn ich am Anfang nur so tue, bis ichs dann schaffe, sie auch tatsächlich in die Ohren reinzumachen.

Als wir heimkamen, wollte Felize erst reflexartig wieder hoch und unters Bett huschen, blieb dann aber auf halbem Weg stehen, sah sich um, setzte sich hin und schien zu denken: «Ist ja alles gar nicht so schlimm.»

In zwei Wochen müssen wir wieder zur Kontrolle – wir sehen das jetzt als unser Tierarzttraining an 😉

Puh – wieso war ich eigentlich so nervös?

ps: Gerade sitzt Felize in ihrer (offenen) Transporttasche und guckt niedlich ❤

Felize tut keinem was – die will nur spielen:felize_sofa

Katze eintüten? Katze eintüten.

Heute morgen musste ich mit Katze Shakti zur Gebisssanierung zum Tierarzt. Es geht uns gut. Ich meine: uns beiden. Das war nach Tierarztbesuchen nicht immer so.

Früher, wenn ich Shakti in eine Transporttasche packen musste, ging das nicht ohne Blutvergiessen. Mein Blut wohlgemerkt. Das lief jeweils etwa so ab:

Meine Katze Shakti schätzt es nicht, hochgehoben zu werden. Normalerweise respektiere ich das. Aber wenn ich sie in eine Transportkiste setzen muss, geht es nunmal nicht anders. Zumal sie Transportkisten noch mehr hasst, als hochgehoben zu werden, und daher im Leben nicht freiwillig in so ein Ding reinlaufen würde. Den ersten Tierarzttermin hatte ich denn auch absagen müssen: Ich bekam die Katze einfach nicht transportfähig. Also schickte mir der Tierarzt vor dem zweiten Termin eine Beruhigungstablette, auf dass ihr Widerstand auf ein brechbares Mass reduziert werde. Die Katze ist aber nicht doof – als ich am fraglichen Tag mit der Pille ankam, merkte sie sofort, dass da was läuft.

Da stand ich nun mit meiner blöden Tablette vor einer finster blickenden Katze, die beschlossen hatte, das Teil unter gar keinen Umständen zu schlucken. Der Tierarzttermin rückte unerbittlich näher. Ich überdachte Alternativstrategien: Trichter? Durchs Nasenloch hochschieben? Ins Ohr werfen? Als die Zeit langsam richtig knapp wurde, besann ich mich auf das Recht des Stärkeren (ha-ha): Ich beschloss, sie halt doch ohne Betäubung in die Kiste zu packen. Was folgte, war wenig ruhmreich für mich.

Ich – leicht gebückt – gehe langsam auf Shakti zu, flöte dabei in meiner zuckrigsten Stimmlage etwas, das ich für beruhigend halte. Shakti sieht darin jedoch eine Aufforderung zum Kampf: Ihr Blick fixiert den meinen. Vorerst geht sie auf Halbdistanz, weicht Schritt für Schritt zurück, gleichfalls leicht geduckt. Ich breite in Zeitlupe meine Arme aus, will sie in die Zimmerecke drängen. Shakti bleibt kurz stehen – macht eine Finte nach rechts, um dann pfeilschnell links an mir vorbeizuziehen. Ich – ZACK – werfe mich ihr in den Weg, schlage dabei unsanft auf dem Boden auf. Shakti zuckt zurück, springt dann über mich drüber und rast über den Parkett schlingernd in ein anderes Zimmer.

Ich rapple mich auf, justiere meine ausgerenkten Knochen und folge ihr. Shakti hat sich nicht etwa verkrochen: Breitbeinig steht sie mitten im Raum, wiegt sich leicht hin und her wie ein Boxer, bereit für den Infight. Wieder gehe ich langsam auf sie zu, wieder weicht sie Schritt für Schritt zurück. Als sie realisiert, dass direkt hinter ihr die Wand ist, guckt sie erst mich an, dann die Transportkiste neben der Tür – und entschliesst sich zur Attacke: Sie macht einen grossen Satz direkt auf mich zu, ich bekomme sie kurz zu fassen, sie aber windet sich aus meinem Griff, hackt mit einem wuchtigen Rechtsausleger ihre Krallen in meinen rechten Arm, zieht sich – sehr zu meinem Leidwesen – daran hoch, um über meine Schulter auf den Türrahmen zu springen. Der aber bietet nicht genug Halt, sie fällt herunter – direkt in die oben offene und glücklicherweise weich gepolsterte Transportkiste. Noch bevor sie wieder auf die Beine kommt, hechte ich zur Kiste und klappe den Deckel zu.

Nach Atem ringend betrachtete ich das Ergebnis meiner Bemühungen: Die Wohnungseinrichtung verwüstet, mein rechter Arm hing in Fetzen, als hätte ich in einen Aktenshredder gefasst, auch mein Gesicht hatte einiges abbekommen, und in der Transportkiste miaute meine Katze in Todesangst. Letzteres brach mir fast das Herz. Als ich blutüberströmt in der Praxis ankam, blickte die junge Dame hinter dem Empfangstresen auf, ihr Gesichtsausdruck verblüfft: «Sind Sie sicher, dass Sie hier richtig sind? Geht es Ihnen gut?» Ja, nein, also doch, erwiderte ich etwas überfordert, das sei schon richtig, ich hätte vor einer Woche einen Termin vereinbart. Als die Tierarzthelferin beim Anblick der blutverschmierten Katzentransportkiste ganz blass wird, beruhigte ich sie: «Keine Sorge, das ist alles meins, dem Tier geht es gut.»

Für solche Auftritte waren Shakti und ich in unserer Tierarztpraxis schon bekannt – Verbandszeug lag stets bereit, wenn Shakti einen Termin hatte.

Heute ist das nicht mehr so. Irgendjemand erzählte mir nämlich irgendwann, dass man panische Katzen durchaus zu handzahmen Patienten umpolen könne. Aha?

Also fingen wir an zu trainieren.

Heute hebe ich Shakti hoch, trage sie zur Transportbox, setze sie rein und mache den Deckel zu. Kein Problem. Ich weiss inzwischen auch, dass das jeweils klappt. Doch wer unsere Eintütvergangenheit nun kennt, versteht vielleicht, warum ich trotzdem jedesmal vorher scheissnervös bin 😛 

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Buchtipp
→ Tierarzttraining für Katzen von Christine Hauschild 

LouLou und Omar – unvergessen

Heute ist es zwei Jahre her, dass ich grumpy old Bambibärchen LouLou auf ihre letzte Reise begleiten musste.

LouLou kam am 22. Januar 2010 als 18-jährige Katzenomi «notfallmässig» zu mir, weil sie in ihrem alten Zuhause von 8 anderen Katzen aufs Heftigste gemobbt wurde. Zunächst war ich zuversichtlich, dass sie schnell begreifen würde, dass ihr hier nichts mehr passiert und ihr keiner Böses will. Doch nachdem sie sich wochenlang weigerte, meinen Schreibtisch zu verlassen, begriff ich, dass wir professionelle Hilfe brauchten. So fand ich zur Tierpsychologie.

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In Memoriam:

Ratlos blickt Katze LouLou auf das Stöckchen, das ich vor ihr hin- und herbewege. Dann hebt sie den Blick und schaut mich fragend an. Ich wedle beharrlich mit dem Stöckchen.

Die Katze starrt wieder auf das Stöckchen und scheint nachzudenken.

LouLou kam nach ein paar verstörenden Erlebnissen zu mir und lebt nun seit bald drei Monaten auf meinem Schreibtisch. Da sie bislang keine Anstalten machte, ihn je wieder zu verlassen, habe ich mir inzwischen tierpsychologischen Rat geholt, der unter anderem auf diese Stöckchenübungen hinauslief.

Betont fröhlich strahle ich LouLou also an und versuche sie zum Mitmachen zu bewegen: «Schnuffelchen, guck mal da: ein Stöckchen. Fang das Stöckchen, komm.» Doch die 18-jährige Katze zeigt sich nicht wirklich kooperativ: Die Situation ist seit etwas mehr als 30 Minuten unverändert.

Ich wedle tapfer weiter mit meinem blöden Stöckchen, die ersten Anzeichen einer Sehnenscheidenentzündung machen sich schmerzhaft bemerkbar.

Da geschieht das Wunder: LouLou hebt zaghaft die Pfote Richtung Stöckchen.

Schnell gebe ich ihr ein Leckerchen und freue mich, indem ich ganz leise durchs Zimmer hüpfe – denn was sich für Aussenstehende ziemlich ereignisarm anhören mag, ist für uns eine kleine Sensation.

Als ich vor rund zehn Jahren zur Überzeugung gelangte, mein Lebenswandel sei nun seriös und beständig genug, um mich in der verantwortungsvollen Rolle als Katzenhalterin zu versuchen, ahnte ich nicht, worauf ich mich einliess. Obwohl ich mit vier Katzen aufgewachsen bin. Doch irgendjemand muss meine Kindheitserinnerungen manipuliert haben.

Schon eine seelisch unversehrte Katze ist ja nicht unbedingt als «psychologisch unauffällig» einzustufen. So kennen Katzen bekanntlich Mittel und Wege, ihren Bedürfnissen Nachdruck zu verleihen, die zumindest auf eine psychoterroristische Grundveranlagung schliessen lassen. Als zum Beispiel mein gemütstechnisch völlig intakter Kater Sahib vor einigen Jahren der Meinung war, ich tät ihn vernachlässigen, brachte er seine Sichtweise zum Ausdruck, indem er anfing, in meine Schuhe zu pinkeln. Aber nur in meine Lieblingsschuhe. Da ich seinen zarten Wink jedoch zunächst nicht verstand, sondern einfach meine Schuhe in einem Schrank verstaute, wurde er deutlicher: Eines morgens pinkelte er mir auf dem Kopfkissen in die Haare. Da wusste ich: Oha – dieser Kater möchte mir etwas mitteilen.

Damals hatte ich das erste Mal Kontakt mit einem Katzenflüsterer, der nach einem längeren Gespräch über unsere Lebensumstände zum Schluss kam, dass ich mehr Zeit mit dem Kater verbringen solle. Ich schraubte also meine ausserhäuslichen Sozialkontakte auf ein nahezu autistisches Mass herunter und siehe: Sahib benutzte wieder brav das Katzenklo.

Die Seele einer Katze ist ein zartes Mobile mit zahlreichen Nebensträngen und filigranen Verästelungen: Wenn man aus Versehen irgendwo an eine heikle Stelle tippt, macht es womöglich schon bald an ganz anderer Stelle «plopp» – und schon hat einem die Katze in die Küche gekackt. Das Gute daran: Diese feinstofflichen Mechanismen funktionieren auch umgekehrt in die positive Richtung.

Seit ich nun jedoch auch einige misshandelte und traumatisierte Katzen aufgenommen habe, ist mit «gesundem Menschenverstand» allein gar nichts mehr zu wollen. Also lese ich Bücher über Katzenpsychologie, habe Termine mit Tierheilpraktikern, wedle brav jeden Tag wie verordnet mit Stöckchen, tausche mich in Katzenforen aus und habe mich ein bisschen über Homöopathie und Bachblüten schlau gemacht. Kurz: Man kann Katzenhaltung problemlos als Wissenschaft betreiben.

Und auch wenn ich manchmal denke: Eigentlich wollte ich doch nur Haustiere, fing ich fast an zu heulen vor Glück, als meine Fass-mich-nicht-an-Katze Shakti nach anderthalb Jahren plötzlich zum Schmusemonster mutierte oder als Sofakatze Mathilde nach drei Monaten Couch-Dasein ihren Hintern endlich vom Polster hob, um mit den anderen Katzen durch die Wohnung zu toben, als wäre es nie anders gewesen.

Und so übe ich weiter mit Schreibtischkatze LouLou Stöckchen hauen. Auch wenn LouLou mich dabei jeweils ansieht, als wollte sie sagen: Armer Mensch – was musstest du nur Schreckliches erleiden, dass du diesen schlimmen Stöckchen-Tick hast?
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Gerade als LouLou anfing, ihre Ängste endgültig abzulegen und endlich die Welt zu erkunden, baute sie gesundheitlich plötzlich radikal ab. Wir konnten nichts mehr für sie tun – am 9. Mai 2011 liess ich sie gehen.

Und Omar wäre heute 24 Jahre alt geworden.
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Omar und LouLou – ihr seid nicht fort, nur woanders ❤

Buchempfehlungen für Katzenhalter

Ich möchte hier einige Bücher über Katzenhaltung vorstellen, von denen ich persönlich begeistert bin – und das liegt nicht (nur) daran, dass ich bei zwei der Bücher die Illustrationen beisteuern durfte 😀

Katzenhaltung mit Köpfchen
von Christine Hauschild
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→ Klappentext:
Was passiert eigentlich, wenn wir Katzen als intelligente und fühlende Lebewesen wahrnehmen? Wie würden Katzen ihr Katzenleben draußen gestalten? Und was kann man daraus für die Haltung in der Wohnung lernen? Wie kommt es eigentlich dazu, dass manche Katzen ihre Halter zu nachtschlafender Zeit wecken, andere sofort verschwinden, wenn es ander Tür klingelt, und wieder andere freudig und neugierig durchs Leben tapsen? Dieses Buch zeigt, wie eine bedürfnisorientierte und respektvolle Katzenhaltung praktisch aussehen kann. Außerdem widmet es sich dem Lernen. Es erklärt, wie Sie alltägliche Ereignisse bewusst so gestalten können, dass Ihre Katze das Richtige lernt, ganz ohne unerwünschteNebenwirkungen für Sie beide.

→ Mein Urteil:
Wir alle kennen die Klischees: Katzen sind nicht «erziehbar», man muss halt damit leben, dass sie Möbel und Tapeten zerkratzen und einen mitten in der Nacht wach heulen, weil sie Hunger haben, die Katzen ihrerseits müssen halt damit leben, dass sie vor Tierärzten und Besuch panische Angst haben… – alles Quatsch. Dieses Buch zeigt unterhaltsam, aber auch anhand eindringlicher und nachvollziehbarer Beispiele praxisnah, wie Katzenhalter und Katzen sich künftig besser verstehen können – zum Wohl beider 😉 Meines Erachtens ein Must-have für jeden modernen Katzenhalter. Extra-Bonus: Ich durfte die Illustrationen machen 😀 ❤

→ Weitere Informationen: Katzenhaltung mit Köpfchen

Tricktraining für Katzen
von Christine Hauschild
tricktraining

→ Klappentext:
Dieses Pfötchen-Protokoll soll Ihnen als Tagebuch für das Tricktraining mit Ihrer Katze dienen. Wenn Sie Ihr Training intensiv beobachten und dokumentieren, werden Sie viel über sich als Trainer und über Ihre Katze lernen. Sie werden Ihrer Katze ein verlässlicher und kompetenter Trickpartner sein.

Auf übersichtlichen Protokollseiten können Sie festhalten: Welche Tricks haben Sie heute mit Ihrer Katze geübt? Wer von Ihnen hat das Training initiiert? Wie lange hat es gedauert? Wie viele Clicks hat Ihre Katze sich in dieser Zeit verdient? Welche Belohnungen haben Sie benutzt? Wer hat das Training beendet? Gab es besondere Vorkommnisse? Diese Notizen können Ihnen helfen, die Stärken und Schwächen in Ihrem Tricktraining herauszufinden und so das Tricktraining mit Ihrer Katze zu verbessern.

Darüber hinaus werden Sie angeregt, Ihre verschiedenen Tricks, Signale sowie Ihre Fortschritte in zusammenfassenden Listen festzuhalten. So können Sie Ihre Erfolge auf einen Blick sehen. Außerdem enthält das Pfötchen-Protokoll Tricktraining zu Beginn einen Info-Teil mit wichtigen Trainingsregeln – damit Sie und Ihre Katze lange Spaß am gemeinsamen Tricktraining haben.

→ Mein Urteil:
Wirklich toll gemacht – ein Tagebuch fürs Clickertraining gespickt mit Tipps und Anregungen, die immer neu motivieren, selbst wenn Katze und Mensch mal ne Trainingsflaute haben sollten. Macht richtig Lust, es täglich hervorzunehmen, um alles festzuhalten! Extra-Bonus: Ich durfte das Cover zeichnen 😀

→ Weitere Informationen: Tricktraining für Katzen

Clickertraining
von Birgit Laser
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→ Erläuterungen der Autorin:
Auf den ersten Blick mag es wie ein Widerspruch erscheinen: Ausgerechnet Katzen, diese Wesen, an denen viele Menschen besonders ihre Unabhängigkeit schätzen, soll man trainieren? Ihnen ihre Individualität nehmen, sie gar zu Marionetten machen?

Keine Sorge; sollte dies überhaupt möglich sein, dann ganz sicher nicht durch Clickertraining. Die Katze wird zu nichts gezwungen. Sie kann jederzeit frei entscheiden, ob sie mitmachen möchte oder nicht. Zu keinem Zeitpunkt muss sie unangenehme Konsequenzen befürchten.

Clickertraining ist eine hervorragende Möglichkeit, Katzen zu beschäftigen, eine intensivere Beziehung zu ihnen aufzubauen, ihnen zu helfen, Ängste zu überwinden und/oder evtl. notwendige medizinische Behandlungen gelassener zu akzeptieren, ihnen auch ein paar Tricks beizubringen und vieles mehr. In erster Linie macht es aber einfach Spaß, und zwar sowohl dem Menschen als auch der Katze!

Clickertraining folgt einfachen Regeln, die leicht zu verstehen und absolut verlässlich sind. Dazu gehört, dass die Katze im Training durch ihr Verhalten ihr Umfeld manipulieren kann. Das heißt, sie kann aktiv mitbestimmen, was mit ihr und um sie herum passiert. Das stärkt das Selbstbewusstsein der Katze und hilft, Verhaltensstörungen vorzubeugen.

→ Mein Urteil:
Dieses Buch führte mich in die Welt des Clickerns ein, bevor ich von Tierpsychologie auch nur den Hauch einer Ahnung hatte. Sinn und Zweck des Clickerns werden wirklich idiotensicher erläutert, man bekommt zahlreiche Anregungen und Ermutigungen, wenn man als Anfänger mal wieder nicht weiterkommt und die Katze einen nur ratlos anschaut 😉 Sehr empfehlenswert.

→ Weitere Informationen: Clickertraining

Tierarzttraining für Katzen
von Christine Hauschild
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→ Klappentext:
Mit der Katze zum Tierarzt? Für viele Katzenhalter beginnt der Stress bereits beim bloßen Gedanken daran. Katzen gelten zu recht als besonders schwierige Patienten und zeigen häufig Angst oder Abwehrverhalten während des Transports und bei der tierärztlichen Behandlung. Dahinter steckt seitens der Katze jedoch keine böse Absicht. Sie reagiert so, weil sie durch die Situation überfordert ist und diese als unangenehm empfindet. Das muss nicht so bleiben.

Werden Sie ein Team mit Ihrer Katze und überwinden Sie gemeinsam Ihre individuellen Hürden! Erfahren Sie, welche Aspekte rund um den Tierarztbesuch für die Katze eine besondere Herausforderung darstellen. Dieses Buch erklärt in ausführlichen Trainingsanleitungen, wie Sie mit Ihrer Katze für den Tierarztbesuch und für verschiedene Untersuchungen und Behandlungen üben können.

Sie lernen, wie Sie bislang Unbekanntes und Beängstigendes für Ihre Katze spielerisch in etwas Tolerierbares verwandeln. Egal ob Ihre Katze beim Tierarzt richtige Panik empfindet, „nur“ ein klein wenig ungehalten wird oder ob Sie aufgrund einer Erkrankung plötzlich bestimmte Prozeduren durchführen müssen: Hier finden Sie die richtigen Trainingsansätze. Behandelt werden u.a. Grundlagen des Tierarzttrainings, besondere Trainingstechniken, Transportboxtraining, Berührungstraining, Training für Blutabnahme, Spritzen und Co, Medikamenteneingabe, katzenfreundliche Tierarztpraxis.

→ Mein Urteil:
Ich konnte dem Buch noch nicht meine volle Aufmerksamkeit schenken (Zeitgründe) – aber wenn ich die Fotos darin sehe, was diese Katzen alles klaglos mit sich machen lassen, werde ich das bestimmt so bald wie möglich nachholen 😀 Wir haben hier ja das Glück, dass 5 von 7 Katzen inzwischen (dank Training!) vollkommen problemlos eingetütet und behandelt werden können ❤ Beim neusten Zugang Tünn bin ich zuversichtlich, dass wir das auch hinbekommen. Meine (behinderte) Katze Felize allerdings hat dermassen Panik, wenn sie festgehalten geschweige denn in eine Transportbox gesetzt wird, dass sie sich beim letzten Tierarztbesuch an der Box ne blaue Nase schlug und dann in der Praxis nicht nur sprichwörtlich die Wände hochging – der Tierarzt machte sich grosse Sorgen, dass Felize einen Infarkt erleidet. Da erhoffe ich mir doch auch noch Besserung mit der Zeit. Wir werden sehen – ich bin zuversichtlich 🙂

→ Weitere Informationen: Tierarzttraining für Katzen

Wenn sich jemand wundert, warum hier 3 von bislang 4 vorgestellten Büchern von Christine Hauschild verfasst wurden: Sie ist halt die Tierpsychologin, die uns aktiv begleitet und mit der ich inzwischen auch als Illustratorin zusammenarbeiten darf. Logischerweise habe ich zu ihren Büchern einen persönlichen Zugang – aus Überzeugung von der Qualität ihrer Arbeit. Und ich möchte hier halt Bücher vorstellen, hinter denen ich persönlich felsenfest stehen kann. 

Falls Sie hier Bücher empfehlen möchten, die SIE total überzeugen – immer her damit! 🙂 Falls Sie eins der genannten Bücher gelesen haben und Ihre Meinung dazu äussern möchten: Auch immer her damit! 😀