Archiv der Kategorie: Katzenkrankheiten

Hohe Tierarztkosten? Mitmachen und mit etwas Glück gewinnen!

Heute möchte ich euch auf eine Verlosung aufmerksam machen, die ich für eine gute Sache halte: Schickt eure Tierarztrechnungen der letzten 24 Monate bis spätestens 31. Oktober 2014 an http://www.vergleichen-und-sparen.de – und mit etwas Glück wird eure eingeschickte Rechnung bezahlt.

Text des Veranstalters (leider können nur in Deutschland wohnhafte Tierhalter mitmachen): 

vergleichen-und-sparen.de zahlt Ihre Tierarztrechnung: Jetzt großes Gewinnspiel!

Waren Sie mit Ihrem Hund oder ihrer Katze in den letzten 24 Monaten (Rechnungsdatum ab 01.08.2012) bei Ihrem Tierarzt? Dann nehmen Sie jetzt an der Verlosung teil.

Senden Sie uns Rechnungen Ihres Tierarztes aus den letzten 24 Monaten und mit ein wenig Glück übernehmen wir die Kosten einer Rechnung für Sie. Noch bis 31. Oktober ziehen wir aus allen Einsendungen jeweils an jedem Freitag einen Gewinner und erstatten diesem umgehend den Betrag der Rechnung auf sein Konto.

Wenn Sie mehrfach beim Tierarzt waren, können Sie uns natürlich alle Rechnungen übersenden. Jede Rechnung ist wie ein einzelnes Los. Dabei ist es völlig unerheblich, ob Ihr Tier versichert ist oder nicht – auch NICHT-Kunden sind herzlich eingeladen, an unserer Verlosung teilzunehmen. → Teilnahmebedingungen und -formular (Bildnachweis: http://www.vergleichen-und-sparen.de)


 

Wie erkennt man, dass eine Katze krank ist?

Katzen sind wahre Meister darin, Schmerzen zu verbergen. Es kann Leben retten, ihre verbissene Tapferkeit zu ignorieren.

«Meine Katze jault laut auf, wenn ich sie hochhebe», erzählte mir der Bekannte, «warum macht sie das?» Ich sah ihn leicht irritiert an: «In welchen Momenten des Lebens jaulst du laut auf? Na?» Der Bekannte war ehrlich verblüfft: «Meinst du, ihr tut etwas weh?»

Liebe Katzenhalter dieser Welt: Wenn Ihre Katze auf eine Berührung hin laut aufjault, hat sie Schmerzen. Die Ursache dafür sollten Sie bitte umgehend von einem Tierarzt abklären lassen. Danke.

Oft machen es uns Katzen aber tatsächlich sehr schwer zu erkennen, dass sie krank sind oder Schmerzen haben. Denn Katzen sind Meister darin, jede Schwäche zu verbergen – das liegt an ihrem Selbsterhaltungstrieb: In freier Wildbahn würde ein durch Krankheit oder Verletzung angeschlagenes Tier im täglichen Überlebenskampf schnell zum Opfer von Angriffen. Dieses Wissen liegt ihr so sehr im Blut, dass sich eine Katze eher die Zunge abbeisst als rumzujammern.

Wie zeigt eine Katze Schmerzen?

Grundsätzlich ist jede Verhaltensänderung einer Katze Anlass, sich genauer mit ihr zu befassen und die Beobachtungen allenfalls einem Tierarzt zu schildern: Wer nicht gleich hinfahren möchte, kann auch erstmal telefonisch um eine fachliche Einschätzung bitten. Typische Anzeichen für mögliche Erkrankungen sind zum Beispiel:

  • Wenn sie matt wirkt und/oder deutlich mehr schläft als normalerweise, kann das auf verschiedenste gesundheitliche Probleme hindeuten.
  • Wenn sie keinen Appetit zeigt oder trotz Appetit nicht recht fressen mag, könnten zum Beispiel Zahn- oder Zahnfleischprobleme die Ursache sein – oder ungefähr tausend andere Erkrankungen.
  • Wenn die Katze unangenehm aus dem Maul riecht, könnten ebenfalls kaputte Zähne oder entzündetes Zahnfleisch die Ursache sein.
  • Wenn die Katze unrein wird, muss zunächst abgeklärt werden, ob als wahrscheinlichste Ursachen schmerzhafte Blasen- oder Nierenprobleme vorliegen – und nicht etwa «Protest»-Verhalten wie oft fälschlich vermutet. Besonders in Stresssituationen (Umzug, neue Katze ist eingezogen et cetera) wird der unreinen Katze oft Trotzigkeit unterstellt. Sinnvoller wäre es, zunächst abzuklären, ob der Stress bei dem sensiblen Tier nicht womöglich eine Blasenentzündung ausgelöst hat.
  • Wenn die Katze aggressiv ist, gar kratzt oder beisst, kann auch das auf Schmerzen hindeuten – und nicht etwa auf die Katzen zu Unrecht oft unterstellte Arglist und Heimtücke.
  • Wenn sie sich weniger bewegt als früher, nicht mehr spielt oder weniger springt, quälen sie allenfalls Gelenkprobleme.
  • Wenn sie plötzlich viel mehr trinkt als gewöhnlich, könnte das unter anderem ein Indiz für eine Nierenerkrankung sein.
  • Wenn sie sich häufig übergibt, sollte man ebenfalls alarmiert sein, da die Katze dann auch schnell dehydrieren kann.
  • Wenn sie sich nicht mehr richtig putzt, ist ihr Bewegungsapparat eventuell eingeschränkt.
  • Wenn sie sich plötzlich selber Haare ausreisst oder sich wie verrückt putzt, könnte sie womöglich Juckreiz quälen – ausgelöst zum Beispiel durch Parasiten oder eine Futtermittelallergie.
  • Wenn sie sich plötzlich verkriecht, ist das auch selten ein gutes Zeichen.
  • Wenn sie plötzlich mehr miaut als gewohnt, könnten unter anderem Gehörprobleme die Ursache sein. Oder natürlich einfach Schmerzen – dann ist es aber aus den genannten Gründen allerhöchste Zeit, einen Tierarzt zu konsultieren.

Dies ist nur eine bescheidene kleine Auswahl an Verhaltensauffälligkeiten, die Katzenhalter alarmieren sollten – zumal wenn sie über mehrere Tage auftreten.

Das heisst nun nicht, dass Sie bei jedem Pups Ihrer Katze gleich an Darmkrebs denken müssen – aber Sie sollten Auffälligkeiten bitte ernst nehmen. Und wenn Sie jetzt denken: «Das ist doch übertrieben, meine Katze zeigt mehrere dieser Verhaltensweisen», dann wissen Sie ja jetzt, was zu tun ist…

Und noch eine Bitte: Sollten Sie bei Ihrer Katze eine beunruhigende Verhaltensänderung feststellen, fragen Sie bitte zuerst den Tierarzt Ihres Vertrauens und nicht ein Forum oder eine Internetsuchmaschine: Denn während Sie googeln oder in einem Forum diskutieren, leidet Ihre Katze womöglich bitterlich – schlimmstenfalls ringt sie sogar gerade mit dem Tod und hält sich dabei einfach nur ihrer Natur gemäss verdammt tapfer. Alles schon vorgekommen.

Als mein Bekannter sich dann doch noch aufraffen konnte, seine jaulende Katze zu einem Tierarzt zu bringen, stellte sich heraus, dass sie am Schwanzansatz einen üblen Abszess hatte, die Wunde durch und durch vereitert war und zweifellos scheusslich weh tat. Gut, haben wir darüber geredet.

Tierärzte/Notfälle

  • Hier können Sie schweizweit nach Tierärzten suchen: → www.vet-look.ch
  • → Tierkliniken mit 24-h-Notdienst (CH) – suchen Sie bitte eine Klinik raus, bevor Sie sie brauchen und speichern die Nummer im Handy.
  • Tierarztsuche Deutschland: → www.tierarzt-onlineverzeichnis.de
  • Vergiftungen: 24-h-Notruf (Tel. 145) und viele Infos rund um Vergiftungen bei Mensch und Tier: → www.toxi.ch

Könnte auch interessant sein:
→ Erste Hilfe
→ FIV – «kleiner» Überblick über wichtige Fragen
→ Mittelohrentzündung/Vestibulärsyndrom
umfassende CNI-Infoseite

Selinas Bericht über das Schicksal der ungarischen Tötungskatzen

Liebe ihr, mit Selinas Erlaubnis möchte ich euch hier gern berichten, was aus den Katzen in der Tötungsstation im ungarischen Nyirbator wurde.

Ich hatte ja gestern schon einen Zwischenstand zu den → ungarischen Tötungskatzen gepostet und mich damit grad mit Selina überschnitten, die just heute ihren neusten Bericht in ihrer Facebook-Gruppe veröffentlichte.

Ich habe die grosse Freude, euch die Ungarn-Katzis nun einzeln vorstellen zu dürfen ❤

Ihr erinnert euch vielleicht an die Ausgangslage:
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Die Tötung ist voll und zudem verstarb ein alter Mann, der 11 Katzen zurückließ.
Sie wurden in die Tötung gebracht.
Sie sind in winzige Käfige eingepfercht, die Tötung ist nicht auf Katzen eingestellt.
Wir haben kaum Platz für Katzen vor Ort, da wir mit Hunden voll sind 😦
Wer kann helfen?
(so der Aufruf damals von No Art – die ich euch auch noch näher vorstellen werde ❤ )
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Ja, jemand konnte helfen: Selina V Mhyre Monk. Darüber, was dann geschah, zitiere ich Selinas Bericht:
„eine Notlösung wurde gefunden und die Katzen wurden in eine Hundebox verlegt, damit sie wenigstens aufrecht stehen können und zu essen und ein „Bettchen“ haben. — hier: Gyor, Hungary.
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Die Katzen beim Tierarzt, nachdem Gaby sie aus der Tötung geholt hat.
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Erste Eindrücke der Katzen auf ihrer Pflegestelle in Ungarn:
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Und das sind sie, ich darf vorstellen:


Das ist Blackweit, ca. 3 Jahre alt. Leider positiv auf Leukose getestet. Er ist sehr ängstlich, aber er frisst brav.

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Das ist die Mami, ca 4 Jahre alt. Sie redet gern, schnurrt auch gerne – und fressen tut sie auch sehr gerne ❤ Auf alles negativ getestet. Die süsse Maus muss noch zunehmen und gesund werden.
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Das ist Baby, ca 2 Jahre alter Kater. Noch schüchtern, aber gar nix wild oder grob, kann man ruhig streicheln ❤ Er frisst sehr brav. Alle Tests negativ.
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Das ist Happy, 5-6 Jahre alt. Auf alles negativ getestet. Lieb und zutraulich. Muss noch zunehmen, noch immer sehr ausgetrocknet und schmal 😦
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Das ist Frenky, ca. 3 Jahre alt. Er ist auch noch schüchtern. Wurde auf Leukose positiv getestet. Ist noch ängstlich, lässt sich aber immer lieber streicheln ❤
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Das ist Heidi, 2-3 Jahre alt. Positiv auf → FIV (Katzenaids) getestet. Am Anfang schüchti, aber absolut nicht grob. Frisst auch sehr brav.
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Das ist Sandy, ca. 2 Jahre alt. Auf Leukose positiv getestet. Frisst sehr brav, ist noch bissi schüchtern, aber lässt sich schon streicheln.
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Das ganze Album mit allen Bildern findet ihr auf Facebook.

Und hier der aktuelle Stand in Ungarn:
hallo Freunde, um euch auf dem Laufenden zu halten: hier ein Bericht über die Tötungskatzen von Nyirbator. Wie ihr ja wisst, habe ich die Katzen aus der Hundetötung in Nyirbator holen lassen. Nach langer Suche habe ich bei Viktória Tímea Graf eine super Pflegestelle gefunden, wo die Katzen aufgepäppelt werden, ausreisefertig gemacht werden und was mir besonders wichtig war: Alle beisammen bleiben können.

Ich habe Vicky versprochen, dass ich für die gesamten Kosten aufkomme und auch für genug Futter sorge ich laufend. 450 Euro habe ich bis jetzt überwiesen und ein Auto voll Futter, Streu, Kittenfutter und Milch, Decken usw. gleich zu Beginn zu Vicky gebracht. Diese Woche habe ich sicherheitshalber Futter und Milch bei Amazon bestellt, damit es den Tieren an nichts fehlt.

Vicky umsorgt die Katzen sehr lieb und macht wirklich alles Menschenmögliche, anfangs waren sie zusammen bei Vicky in der Sauna untergebracht, doch dann mussten sie separiert werden, damit man feststellen kann, wer von den Mietzen frisst und wer nicht. Leider sind auch Leukose- und FIV-Katzen unter den sieben Seelen.

Ich denke, es wird noch ein bisschen dauern, bis Vicky die Katzen soweit fit hat und auch ausreisefertig.

Wenn jemand einen sehr guten Platz hat für die Katzen (Vergabe gerne paarweise), freue ich mich über eine Nachricht von euch. Für die Katzen ist bei Vermittlung innerhalb Österreich nichts zu bezahlen, den (seriösen) Interessenten entstehen keinerlei Kosten – ich wünsche mir nur, dass es sehr sehr gute Plätze sind. Und natürlich bringe ich die Katzen in ihr neues Zuhause, sofern es für mich von der Strecke her machbar ist. Bitte teilt das →  Album.

Und schaut auf meinem → Amazon-Wunschzettel vorbei – das würde mich sehr freuen.
lg, eure seli und mietzen

Wer Selina über ihren → Amazon-Wunschzettel etwas helfen möchte, bitte gebt als Versand- bzw. Lieferadresse Folgendes ein:
Selina Myhre
Libellenweg 3
4030 Linz, Österreich

♥ ♥ ♥ ♥

Trauer. Du seltsam Ding.

Letzten Donnerstag war es genau 4 Wochen her, dass ich meine geliebte Katze Mathilde gehen lassen musste. Es geht mir gut damit. Ich bin nicht sicher, was ich davon halten soll.

Am 17. April kurz nach 11 Uhr musste ich meine so → sehr geliebte Katze Mathilde nach zwei Tagen stationärem Aufenthalt im Zürcher Tierspital gehen lassen.

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Ich liebe alle meine Katzen gleichermassen. Aber zu Mathilde hatte ich schon eine besonders innige Beziehung. Sehr innig – sie war mein Herz, mein Pulsschlag, mein Alles. Zeit ihres Lebens war ich mir sicher: Wenn sie stirbt, geht meine Welt unter.

Doch. So war es nicht.

Was Mathilde betrifft, bin ich ehrlich gesagt selber ein wenig irritiert: Seltsamerweise fühlt es sich „ok“ an. Sozusagen. Manchmal frage ich mich, ob ich langsam mit 5 toten Katzen in nur 4 Jahren irgendwie abgestumpft bin? 😦

Ich bin traurig, dass sie nicht mehr da ist, natürlich.  Aber irgendwie weniger als mir selber angenehm ist sozusagen. Es ist ok. Ich verstehe das irgendwie nicht ganz.

Ähnlich war es schon nach → Omars Tod – er war ja mein erster eigener Kater und ich dachte, wenn er stirbt, sterbe auch ich. Zumindest ein bisschen. Aber so war es nicht.

Ich vermute, es hängt damit zusammen, dass ich jene meiner Katzen (und auch die Menschen in meinem Umfeld, die starben), die aufgrund ihres hohen Alters und/oder schwerer Krankheit starben, auf ihrem Weg begleiten durfte – und wir wussten immer, wohin dieser Weg letztlich führt, und dass wir nicht mehr alle Zeit der Welt haben.

Ihr Tod war jeweils Teil des Lebens sozusagen – er kam nicht überraschend, sondern war einfach nur die logische Konsequenz des Kreislaufs.

Anders war es bei meiner → Mogwai damals, die für mich völlig überraschend im Alter von nicht einmal 3 Jahren starb. Das konnte ich kaum akzeptieren, weil es so plötzlich kam, ich überhaupt nicht damit gerechnet hatte, im Gegenteil davon ausging, dass wir noch viele schöne Jahre zusammen haben würden – und dann war sie plötzlich weg. Weil ich nicht aufgepasst hatte. Das hat mich total unter Schock gesetzt und ich kann noch heute nicht begreifen, was überhaupt passiert ist 😦

Kurz: Ich bin irritiert. Einerseits bin ich natürlich irgendwie schon erleichtert, dass mich nicht jeder Tod eines geliebten Wesens (ich könnte das alles analog zu geliebten verstorbenen Menschen der letzten Jahre schreiben – da wars genau so) jedesmal komplett in die Tonne haut. Zugleich – komme ich irgendwie nicht so richtig damit klar, dass ich mit dem Tod klarkomme. Unter bestimmten Umständen zumindest.

Nachdem Mogwai starb, war ich emotional in einem so unvergleichlichen Ausnahmezustand – über Wochen, wenn nicht Jahre. Und ich sagte mir immer: All deine Trauer, deine Wut, deine negative emotionale Energie – die ist doch nichts anderes als die dunkle Seite der Liebe. Irgendwie muss sich aus dieser Wucht der Emotionen doch irgendwie etwas „Gutes“ ziehen lassen – es ist doch „nur“ eine Frage der Sichtweise bzw. Wahrnehmung.

Und nun, da es mir zu „gelingen“ scheint – find ichs unheimlich.

Über Tod und Trauer wird in unserer Gesellschaft kaum je gesprochen, jeder ist auf seine Art allein damit. Wäre es nicht besser, wir würden uns mit diesen unvermeidlichen Themen bewusst auseinandersetzen? Was meint ihr?

Vielleicht interessant zum Thema: 5 Phasen der Trauer Ich kenne diese Phasen – so ging ich früher egal ob Mensch oder Tier mit Trauer schön regelkonform um. Aber spätestens bei Omar und nun bei Thillie trat direkt Phase 5 ein.

Ich weiss nicht genau, was ich davon halten soll. Aber ich weiss, dass meine Sternchen – egal ob Mensch oder Tier – für immer in meinem Herzen weiterleben, auch wenn ich nicht am Boden zerstört bin ❤ Aber verstehen kann ichs irgendwie nicht 😦 Bin ich einfach nur kaltherzig geworden?

Alles, was ich aus diesen Erfahrungen im Moment für mich selber schliessen kann – einmal mehr in aller Klarheit: carpe diem. Lebe jetzt. Und geniesse es, solange du kannst.

Versteht mich jemand – hat ähnliche Erfahrungen mit Trauer gemacht?

So wie du warst, bleibst du hier

Der 9. Mai – wiedermal…

Der 9. Mai. Ein „spezielles“ Datum für uns hier: Omar wurde am selben Tag 22 Jahre alt, an dem ich LouLou mit 19 einschläfern lassen musste.

«Ich kann leider nichts mehr für Ihre Katze tun.» Der Tierarzt sah mich traurig an. Zwei Minuten zuvor war meine Welt noch in Ordnung gewesen, nichts hatte mich ahnen lassen, dass ich LouLou nun so schnell verlieren würde.

«Wie lange noch?», fragte ich.
«Eine Woche, vielleicht auch zwei. Viel mehr nicht.»

Gute zwei Wochen später stellte LouLou das Fressen gänzlich ein. Von einem Tag auf den anderen war der Ausdruck in ihrem Blick ein anderer: Sie konnte nicht mehr. Das war am 9. Mai 2011.

Geliebtes grumpy old Bambibärchen LouLou Heute vor drei Jahren musste ich dich nach kurzer, aber schwerster Krankheit ohne Heilungschance schwersten Herzens auf die Reise schicken.

Nur anderthalb Jahre zuvor kam die einst so stolze Freigängerkönigin LouLou «notfallmässig» zu mir, weil sie in ihrem alten Zuhause bei einer Arbeitskollegin von 8 anderen Katzen aufs Heftigste gemobbt wurde. Zunächst war ich zuversichtlich, dass sie schnell begreifen würde, dass ihr hier nichts mehr passiert und ihr keiner Böses will. Doch nachdem sie sich wochenlang weigerte, meinen Schreibtisch zu verlassen, begriff ich, dass wir professionelle Hilfe brauchten. So fand ich zur Tierpsychologie.

Gerade als LouLou endlich auftaute und langsam aus ihrer Schockstarre erwachte, kam die furchtbare Diagnose. Keine Hoffnung.

LouLou – es tut mir von ganzem Herzen unendlich leid, dass ich es nicht geschafft habe, dir zu Lebzeiten deine Würde und dein Selbstbewusstsein vollumfänglich zurückzugeben. Das brach mir vielleicht noch mehr das Herz als dein Tod selbst.

Ein Video aus deinem alten Zuhause – damals als du noch glücklich warst.

Nachdem du hier als zutiefst verstörtes Elend ankamst, und ich einsah, dass wir ohne professionelle Hilfe nicht weiterkommen, schrieb ich mehrere Tierpsychologen an. Frau Christine Hauschild war die einzige, die uns helfen wollte – und es auch tat. Neben vielen weiteren hilfreichen Tipps, gehörte natürlich auch Clickern zum Behandlungsplan. Es dauerte, bis LouLou und ich es begriffen 😛 Aber dann klappte es immer besser:

Doch der Tod war schneller als wir zwei 😦

Bitte an alle noch etwas unerfahrenen Katzenhalter „da draussen“: Informiert euch über Katzenhaltung. Katzen sind NICHT (!) per se Einzelgänger – im Gegenteil: Als Strassentiere schliessen sich die meisten zu sogenannten Kolonien zusammen. Aber man sollte schon ein wenig vertieft sich damit auseinandersetzen, wen man zu wem setzt – das wäre bei uns Menschen ja nicht anders. Oder würde jemand von euch einem Passanten auf der Strasse ad hoc ein Zimmer in der eigenen Wohnung anbieten? Eben.

LouLou – geliebtes grumpy old Bambibärchen Auch du hast mich so viel gelehrt – und dank dir und unseren Erfahrungen mit Verhaltenstherapie profitierten wir alle hier. Nachhaltig. Du hast unser Leben für immer verändert – zum Besseren. Es tut mir so leid, dass ich deines nicht ebenso zum Besseren verändern konnte.

Nie wieder wollte ich mich auf eine solche Konstellation einlassen und eine Katze hier aufnehmen, die panische Angst vor anderen Katzen hat. Nie wieder wollte ich diese Hilflosigkeit erleben, wieder monatelang mit einer Gittertür leben und mich als Tierquäler fühlen, der einem Wesen einfach nicht geben kann, was es sich wünscht. Aber hat euch je interessiert, was ich will? Nein. Und das ist gut so.

Und so wurde mir Moriah vermittelt. Als katzensozial. Was sie aber leider nicht war. Sie war genau wie du, LouLou: Sie hatte Angst vor allem und jedem – am meisten aber vor anderen Katzen. Wenn ich versuchte zu verstehen, fühlte es sich so an, als müsste ich in einem Haus voller Zombies leben – ohne zu wissen, dass die inzwischen alle Veganer wurden. So verstand ich deine Angst. Und so ging gewissermassen „alles von vorne los“: Gittertür, Clickertraining, Vertrauensaufbau, Kartons und Handtücher rumtragen, um gezielt eingreifen zu können. Über Monate. Ich hätte schreien können. Ständig musste ich an mein Versagen bei dir, LouLou, denken – und konnte oftmals einfach keine Hoffnung fassen, es diesmal hinzukriegen 😦

Doch was sollte ich sonst tun? Moriah war genau wie du aufgrund der Umstände nicht einfach so „weiterzuvermitteln“. Wohin denn?

Also mussten wir es versuchen – wenigstens versuchen. Mit allem, was ich habe.

Ich weiss, du sitzt jetzt auf deinem himmlischen Wölkchen (das ist halt meine Vorstellung 😛 ) und grinst frech, denn du weisst: Bei Moriah konnte ich vollenden, was ich bei dir nicht geschafft habe. Die Gittertür ist schon lange nicht mehr im Einsatz und wandert dieses Wochenende definitiv wieder in den Keller.

Und so schliesst sich der Kreis.

Manchmal denke ich, man muss Situationen so oft immer wieder erleben, bis man sozusagen ein nächstes „Level“ erreicht. Wie bei einem Computerspiel sozusagen. Oder wie früher in der Schule.

Wer es ist, der sich die Prüfungen für einen ausdenkt, vermag ich nicht zu sagen. Aber rückblickend ergibt oft vieles Sinn, das einem in der Prüfung selber einfach nur als Schikane erscheint.

Ich danke dir, LouLou – für alles. Und speziell auch dafür, dass du Moriah ein neues Leben geschenkt hast. Denn ohne dich, weiss ich nicht, ob wir das hinbekommen hätten

Ihr wacht sogar noch nach dem Tod übereinander.

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Und Omar – mein Omar  Von dir habe ich auch noch tolle alte Videos gefunden, als ich kürzlich in den Archiven stöberte. Ach, mein Herz, mein Schöner – du wärst heute 25 geworden, ein Vierteljahrhundert. Doch was ist das im Vergleich zur Ewigkeit, die du in meinem Herzen ruhst 

Ich denke eh so oft an dich Ich gratuliere dir aber heute nach drüben von ganzem Herzen. Ihr habt heute ennet der Regenbogenbrücke bestimmt ne tolle Geburtstagsparty gefeiert 😉 Und nun liegst du „bequem“ da wie so oft einst hier
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All meine lieben Sternchen: Ich denke oft an euch Ihr seid nicht fort. Nur woanders.

LouLou und Omar: Unsere Kerze brennt heute besonders hell für euch. Ich liebe euch unverdrossen abgöttisch – ob damals hier oder nun woanders

Liebe Blog-Lesende: Bitte verzeiht, dass es hier gerade so „multipelmorbide“ zugeht (ein Wort aus Mathildes letzter Diagnose – das kannte ich vorher gar nicht). Ich muss das gerade verarbeiten, dass ich innert nur rund 4 Jahren nun schon 5 Sternchen gehen lassen musste. Ich möchte aber nicht, dass ihr weint Denn: Absurderweise ist das alles nicht „nur“ traurig – dieser „Prozess“ hat auch sein Gutes. Irgendwie. Schwer zu erklären. Das alles zu verstehen und vielleicht sogar irgendwann zu begreifen – es hilft mir einfach, das niederzuschreiben. Ich danke euch allen, die meine Zwerglis ins Herz geschlossen haben. Ich verspreche euch: Es werden auch wieder fröhliche und unbesorgte Zeiten kommen

Der 100. Beitrag im Kamikatze-Zwerglis-Blog geht an…

… meine absolut grossartigen Zwerglis, euch absolut grossartigsten Leute und die grösste Grösse der Welt: Die Liebe.

Drei Wochen ist es heute her, dass ich Mathilde in die Notaufnahme des Tierspitals brachte – und trotz allem nicht damit rechnete, was dann folgen sollte. Ich habe gerade all die lieben und aufmunternden Kommentare hier im Zwerglis-Blog nochmal gelesen – wie wir gemeinsam hofften und bangten. Ich danke allen nochmal für eure Anteilnahme, eure Gebete und aufmunternden Worte!

Drei Wochen schon.

Für mich hat Trauer meiner Erfahrung nach viel damit zu tun – mal abgesehen vom offensichtlichen Schmerz über den Verlust eines geliebten Wesens -, dass es einem täglich tausend kleine Stiche ins Herz setzt, wenn man den alten Alltag gegen einen neuen austauschen muss. Ihr wisst, was ich meine? Nichts ist mehr, wie es war – und doch ist es so ähnlich. Es klingt banal. Aber ich finds schwer.

Wobei… Sie helfen mir. Schwer zu erkären. Ich versuche es mal.

Der Alltag ist hier inzwischen ein anderer. Keiner braucht mehr Medikamente, die mit Leckerli für alle einhergingen – darum glaubt Faramee, mich nun immer lauthals an die alten Rituale erinnern zu müssen: Määääääääääääääääääk = LECKERLIEEEEEEEEEEEEEEEEEE! Jetzt. Das war früher Thillies „Job“

Moriah hat inzwischen den Battle der letzten Monate zwischen ihr, mir und Mathilde um das Kopfkissen klar gewonnen: Ok, es ist ihrs 😛

Übermutter Shakti kommt nun viel öfter zu mir – wo immer ich bin. Setzt sich einfach neben mich und schaut nach mir

Die Lieblingsplätze wurden neu verteilt – wo Mathilde früher gern lag und keinem es je in den Sinn gekommen wäre, ihr das streitig zu machen, liegt nun immer ein anderer Zwerg – fast, als wollten sie die Plätze warm halten

Überhaupt sind die Zwerglis irgendwie „näher zusammengerückt“ – nicht weil Mathilde sie daran je gehindert hätte. Es wirkt mehr so, als würden sie den Kreis enger schliessen – als würden sie den Zusammenhalt verstärken. Mag eine vermenschlichte Interpretation sein. Aber irgendwie sind sie noch liebe- und respektvoller zueinander als zuvor eh schon.

Sogar Moriah und Shakti haben definitiv aufgehört, sich zu „bekämpfen“. Wenn ich die beiden im Umgang miteinander beobachte, habe ich sogar bisweilen das Gefühl, dass dies nun der Beginn einer grossen Freundschaft sein könnte. Es gibt kein Fauchen, geschweige denn Angriffe oder panisches Einkoten mehr – nur sanfte Annäherungen, die die beiden inzwischen ganz ohne meine strikt nach TP-Vorgaben Interventionen von selbst abbrechen, wenns eine oder andere realisiert, dass es dem andern grad zu viel wird. Es ist wahrlich zauberhaft, das erleben zu dürfen Die Gittertür kann nun wieder in den Keller.

Ich habe mich inzwischen sogar daran gewöhnt, nur noch sechs Näpfe paratzumachen. 😦

Mathilde – du bist noch immer hier. Deine unerschütterliche Art, dein Herz voller Liebe, dein Selbstbewusstsein, deine Einsprachen, dein typisches: „Holla – so gehts aber ned, du!“ *g*  – dein alles, dein du.

Und doch vermisse ich dich schmerzlichst und kann es noch immer nicht begreifen, dass du nie wieder deine Nase in mein Gesicht drücken wirst.

Aber sogar diese Eigenart hast du jemandem hier vererbt – Moriah macht das jetzt immer

Du bist hier – und doch nicht. Ich danke dir von Herzen, dass ich dich kennenlernen durfte, liebes intergalaktisches Kampfschiffchen

Du hast ein so krasses Leben gehabt – dieses Grauen, das du einst erleiden musstest, diese unendliche Einsamkeit und Verlorenheit – unvorstellbar eigentlich. Und du hast mir die Augen geöffnet für so vieles, mich mit Menschen zusammengebracht, die mir weiter halfen, klarer zu sehen, zu begreifen.

Du bist und bleibst wahrlich ein Wunder auf drei Beinen

Grüsse sie uns alle, alle, die wir so sehr lieben und vermissen – dort, wo ihr jetzt seid.

Eines Tages werden wir uns wiedersehen. ♥ Und bis dahin werden wir tapfer sein, versuchen das Beste aus allem zu machen und unverdrossen das Gute sehen. So wie du. Genau so wie du

thenose

thillieurne

Wir denken an dich.

Geliebte Mathilde. Heute habe ich mir all die alten Fotos und Videos angeschaut. Ich durfte so oft lachen, mein Herz

Hier ist irgendwie gerade alles auf „Pause“ gestellt. Es gäbe so vieles zu tun – was wir Menschen halt so tun: Haushalt, Wäsche, Spaziergänge und so vieles mehr. Ich habe es noch nicht einmal geschafft, all den lieben Menschen zu antworten, die mit uns hofften, bangten und nun trauern. Aber ich denke, sie verstehen das

Ich habe heute alle Fotoarchive durchwühlt – Bilder von dir angeschaut. Ich habe ja trillarden gemacht. Fotos von Omar und LouLou auch. Von Mogwai und Sahib gibt es ja leider kaum welche 😦 Die Zeit vergeht so schnell – wo ist sie nur geblieben?

Heute Nacht habe ich das erste Mal seit 2 Jahren wieder in meinem Bett geschlafen, liebstes Thildchen. Ich muss ja nun deine Atmung nicht mehr überwachen. Und du nicht meine. Es war seltsam. Aber weisst du, was dann passiert ist? Faramee, Moriah, Tünn und Shakti stürmten das Bett – ich musste so lachen. Ich dachte, ich hätte mal wieder Platz zum Schlafen und müsste meine Knochen nicht um Katzen herum im Slalom arrangieren. Ganz schön naiv, gell?

Faramee hörte nicht auf, mich anzustarren
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Moriah war der Meinung, dass das Kopfkissen ihrs ist. Aber das kennst du ja von ihr 😀
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Sogar Tünn kam ganz selbstverständlich ins Bett als hätte er nie etwas anderes getan. Hat er vielleicht auch nicht – wir waren ja nie dort.
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Shakti wurde es dann doch zu eng und so beobachtete sie alles von ihrem Hochsitz aus.
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Schon in der Nacht musste ich also lachen, als ich weiterhin mit Moriah ums Kopfkissen kämpfte 😀

Und heute Morgen war mir danach, alte Fotos anzuschauen – und so wurde es Abend. Ich bin sehr froh, dass ich dank meiner Forenaktivitäten so viele Fotos von euch habe. Ohne diese „fotogeilen“ 😉 verhaltensoriginellen Katzen-Mädels gäbe es die meisten dieser Aufnahmen wohl nicht. Fotografieren ist ja nicht meine Stärke, wie du weisst.

Besonders schön fand ich aber das eine oder andere Video, das ich von dir fand. Sie anzuschauen, macht alles wieder so greifbar, was für immer verloren schien. Weisst du, nun da ich auf den Bildern auch die ganze Entwicklung nachvollziehen kann, kann ich besser begreifen, dass unsere gemeinsame Zeit hier auf Erden um war. Es war schon lange nicht mehr so wie einst – ich wollte oder konnte das nur nicht erkennen. Es schien mir nur so als wäre vor drei Tagen noch alles wie immer gewesen. Bei Omar und LouLou hatte ich Zeit, weisst du – ich wusste, dass der Abschied naht. Bei dir schien es so aus „heiterem Himmel“, deswegen kam es irgendwie nicht bei mir an.

Nun erkenne ich, dass du wirklich wie eine Blume warst, die hier zunächst nochmal zur vollen Blüte fand – und dann ihren Herbst verlebte. Doch du hast dabei immer so gestrahlt, dass ich dein Verblühen nicht erkennen wollte. Aber das ist der Kreislauf des Lebens

Ich verstehe das jetzt und werde es irgendwann auch begreifen. Aber noch ist alles in Watte gehüllt – sanft und weich, aber doch auch unwirklich, taub und reduziert. Es sind die tausend kleinen Dinge, die plötzlich anders sind. Sogar Dinge, die vor kaum drei Tagen noch nervten, sie fehlen nun schmerzlich. So konnte ich gestern zB. staubsaugen, ohne dass du dauernd dazwischen gesprungen bist, du albernes kleines Ding, du  Und dann konnte ich nicht mehr staubsaugen, weil mir einfiel, dass ich gerade alles wegsauge, was von dir physisch noch da ist. Dumm, gell?

 

Aber genug gelabert – du weisst eh, was ich denke und fühle ♥ Schwelgen wir einfach nochmal in Erinnerungen.

Wie alles begann, wissen wir beide ja noch zu gut.

Deine Küsse waren die nassesten und kratzendsten – und schönsten ever

Und du warst der grösste Leckerli-Junkie, den man sich denken kann. Weisst du – als du nicht mal die mehr haben wolltest, war mir klar, was los ist 😦

Mathilde, my love

Bei Omar sprachen wir immer vom omaresken Blick (oh – dazu habe ich heute auch wieder Fotos gefunden – so ein bezaubernder Griesgram 😀 ). Aber du hattest ganz eindeutig deinen thilliesken Blick – so wunderbar doof, verpennt und weise zugleich zu gucken. Das soll dir mal einer nachmachen

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Tiersterne.de

 

 

Mathilde: Zwischenbericht aus dem Tierspital

Ich war gerade Mathilde besuchen. Was soll ich sagen?

Die nunmehr für Mathildchen zuständige Tierärztin im Spital hat lange mit mir gesprochen. Hoffnung machte sie mir wenig. Die Ärzte nennen Mathildes Gesamtkonstitution „multimorbide“ – ich bevorzuge den Ausdruck „ungünstig“.

Aufgrund von Mathildes Zustand mit all ihren Vorerkrankungen sowie ihres FIV ist das Leben an sich für Mathilde im Moment lebensgefährlich. Sozusagen. Das Herz als Ursache für die Atemnot wurde inzwischen von den Kardiologen ausgeschlossen. Sie sind sich sicher, dass die Lunge nicht nur Symptom, sondern auch Ursache für ihren momentanen Zustand ist. Die eine Lungenhälfte ist vollkommen deformiert und ingesamt hochgradig in Mitleidenschaft gezogen. Sie gehen davon aus, dass es entweder ein Infekt sei oder Krebs (sie nennen es anders – aber es sei faktisch dasselbe).

Medizinisch gesehen gibt es jetzt – wiedermal… – genau zwei Möglichkeiten:
1. direkt einschläfern
2. eine Biopsie und ein CT unter Narkose

Ihre Chancen, die dafür notwendige Narkose überhaupt zu überstehen, stehen etwa 50:50. Wenn man nichts unternimmt, stirbt sie sowieso.

Wenn es Krebs ist, lässt man sie gar nicht erst wieder aufwachen.

Wenn es ein Infekt ist, schicken sei ein Atomwaffenarsenal an Antibiotika in meine kleine Maus – aber ihre Chancen seien dann doch relativ intakt, das alles zu schaffen. Ich habe gefragt, ob ich sie angesteckt haben könnte – ich könnte nur schwer damit umgehen. Die Ärztin meinte, dass das sehr sehr sehr unwahrscheinlich sei – bei Katz und Mensch seien da wohl unterschiedliche Bakterien im Spiel. Ich habe nicht genauer nachgefragt. Ich will einfach glauben, dass ich nicht schuld bin.

Ich vermute, es gibt Stimmen, die meinen, ich solle es gut sein und Mathilde gehen lassen. Ich halte dagegen: Wenn sie die Narkose nicht übersteht, ist das ja faktisch wie einschläfern. Und wenn sie Krebs feststellen, wird die Narkose so weit vertieft, dass es ist wie einschläfern. Wenn es hingegen eine Chance gibt, dass das nur ein vermaledeiter Infekt ist, werden wir sie ergreifen. Mathilde hat jederzeit „die Wahl“ aufzugeben, man wird sie zu nichts zwingen.

Morgen zwischen 10 und 12 Uhr finden also Biopsie und CT statt. Wann immer davor oder während irgendwas anders läuft als geplant, werde ich benachrichtigt. Sonst danach.

Ich habe Mathilde selber heute nur kurz sehen können – auf der Intensiv sind Besuche immer ein wenig schwierig. Dennoch durfte ich sie kurz streicheln und ihr sagen, dass wir alle an sie denken – und ihre Entscheidung akzeptieren. Sie sah wirklich ziemlich schlecht aus, ehrlich gesagt. Aber sie habe heute „munter gefuttert, dabei schon fast abenteuerlustig geschaut“, sagte die betreuende Pflegerin.

Was ich am Zürcher Tierspital – neben der medizinischen Versorgung natürlich – wirklich grossartig finde, ist die „Stimmung“ dort. Das klingt jetzt seltsam, oder? Aber wirklich jeder dort vom Chefarzt bis zum Pfleger, von der Empfangsdame zu den teils verzweifelten Menschen in der Wartehalle – Fragen werden geduldig beantwortet, es werden wortlos Taschentücher gereicht, man versteht einander, hofft und bangt mit, wildfremde Menschen drücken einem die Schulter und wünschen alles Gute – nur schon deswegen muss ich dort immer heulen. Ich weiss Mathilde an einem der liebevollsten Orte der Welt

Morgen also. Mir ist schlecht.

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Nachtrag: Ein grosses Kämpferherz hat aufgehört zu schlagen

Geliebte Mathilde – atme! Atme und lebe! ♥

Ich komme gerade aus der Notaufnahme des Tierspitals. Mit einer leeren Transporttasche 😦

Am 12. April jährte sich ein schrecklicher Vorfall zum zweiten Mal. Ganz bewusst hatte ich das Datum nirgends erwähnt: Solch → schlimmer Ereignisse sollte nicht extra gedacht werden. Meinte ich. Nun werde ich exakt 2 Jahre und 3 Tage später doch dazu gezwungen: Mathildes und mein Albtraum wiederholt sich gerade.

Ich vegetiere ja hier seit bald 2 Wochen krankheitshalber zu Hause rum. Meistens schlafe ich und bekomme eh nichts mit. Heute gegen 15 Uhr ging ich verpennt auf der Terrasse ein wenig Luft schnappen. Ich sah Mathilde da liegen – aber irgendwie anders als sonst. Nicht entspannt sonnend, sondern irgendwie … seltsam. Ich sah näher hin und bemerkte, dass sie statt relaxed zu atmen die Luft regelrecht pumpte, dazu das Mäulchen immer wieder öffnete und verkrampft wirkte.

Irgendwie in meinem eigenen Delirium entscheidungsunfähig, zählte ich ihre Atmung: 40 Atemzüge pro Minute – so weit ich von ihrer Perikarditis damals wusste, durchaus noch im „OK-Bereich“. Dennoch kam mir das alles nicht gut vor und so rief ich unseren Tierarzt an und schilderte ihm meine Beobachtung. Er meinte nur: „Wie schnell können Sie hier sein?“

15 Minuten später stand ich unfrisiert, aber notdürftig öffentlichkeitsfähig mit Mathilde in der Praxis. Dort wurde sie geröntgt: Die eine Lungenhälfte zeigte deutliche weisse Masse auf den Röntgenbildern, auch schien die Lunge dort deformiert – womöglich kollabiert. Unser Tierarzt überwies uns umgehend an die Notaufnahme des Tierspitals. Während man uns ein Taxi rief, wurden die Ärzte im Spital auf unser Kommen vorbereitet – mit allem, was sie wissen mussten. Inzwischen zeigte Mathilde Maulatmung.

Wir waren Ende März zur Kardio-Kontrolle. Alles war prima. Wir waren letzte Woche zum erneuten grossen Blutbild. Alles war prima – naja, so weit. Ich hab die Schallbilder und das Blutbild gesehen. Alles unverdächtig. So schnell kann es gehen. All das schiesst mir durch den Kopf, während wir zum Tierspital rasen.

Weitere 10 Minuten später wurden wir in der Notaufnahme schon erwartet, Mathilde wurde umgehend in eine Sauerstoffbox gesetzt und zusätzlich per Schlauch beatmet. Derweil erzählte ich alles zu ihrer → Vorgeschichte und auch, dass ich selber seit rund zwei Wochen mit einer Bronchitis/Lungenentzündung kämpfe – ob ich sie vielleicht angesteckt habe, was bei bakteriellen Infekten (anders als bei viralen offenbar) durchaus denkbar sei.

Die Ärzte meinten, Letzteres sei Mathildes beste Chance. Aber leider unwahrscheinlich, da sie kein Fieber hat. Wahrscheinlicher als Ursache seien ein Ödem oder auch ein Tumor.

Dass Mathilde stationär bleibt, war eh schnell klar. Sie liegt jetzt auf der Intensivstation – dort wird sie von Maschinen und Menschen rund um die Uhr überwacht. Sterben kann sie trotzdem. Das hat man mir auch noch mal ganz klar gesagt. Mathildes Gesamtsystem kann derzeit jederzeit kollabieren. Aber immerhin kann sie nicht elendiglich unbemerkt lautlos ersticken. Das immerhin nicht. Und wer schonmal ein Wesen (fast) ersticken gesehen hat (oder es selbst erlebte), weiss, dass das schon viel wert ist.

Und dann wie immer diese grauenvolle Frage: „Wie weit sollen wir gehen? Rot, gelb oder grün?“ Rot = keine lebensrettenden Massnahmen, im Zweifel ausknippsen. Gelb = teure Massnahmen nur nach Rücksprache. Grün: Go for it!!!!!!!!!!!!!!!!!! Alles, was Medizin hergibt und Ethik erlaubt.

Natürlich tiefgrün. Was sonst?

Sie melden sich – je länger nicht, desto besser. Spätestens morgen mittag. Sagten sie.

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Geliebte Mathilde. Ich weiss dich in den besten Händen der Tierarztwelt. Ich weiss, dass du eine Kämpferin bist, die schon das Undenkbare geschafft hat. Wenn du magst – wenn du magst, dann bitte kämpfe weiter. Komm zu uns zurück, ja? Und aber wenn nicht, dann lass los. Ok? Quäle dich nicht. Aber wenn du nur den geringsten Grund siehst, hier bei uns zu bleiben, dann kämpfe. Wir sind bereit, diesen Weg mit dir zu gehen – so weit er uns trägt. Gemeinsam – für immer ♥ Ich liebe dich weit weit mehr, als Worte es je sagen könnten. Ich bin bei dir, auch wenn ich gerade nicht da bin.

Mathilde, ich liebe dich – whatever it takes.

ps: Ich hatte mir ja zum Geburtstag eine dieser supertollen Filzhöhlen von Dornröschen gewünscht – das haben vielleicht einige über FB gesehen. Falls jemand ernsthaft daran dachte, uns sowas Tolles zu schenken (was ich ja nicht glauben könnte) – wir brauchen bitte im Moment eher jeden Cent für Mathildes Behandlung ♥ Das ist kein Spendenaufruf! Ich nehme keine Spenden an, da bin ich stur. Aber man schenke mir wenn denn überhaupt zum Geburtstag bitte keine Bücher, Weine, Gutscheine oder sonstwas – wer mir etwas schenken möchte, drückt meiner Mathilde die Daumen. Und vielleicht – ob man dran glaubt oder nicht – betet er für sie?

Danke! smiley_emoticons_liebhab

Gerade hat Faramee im Schlaf gefiepst – ich stand sofort bei ihr wie die Weltallpolizei. Ich weiss gerade nicht, ob Tierhaltung mich nicht überfordert.

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Nachtrag: Zwischenbericht aus dem Tierspital

Lernfähigkeit ist eine Gnade – für Mensch und Tier

Nachdem ich endlich begriffen hatte, welch grosse Verantwortung ich als Tierhalter trage, und dass es definitiv nicht reicht, das Beste nur zu wollen, versuchte ich mich darin, das Bestmögliche zu tun.

Nach → Sahibs unnötig langem Todeskampf und → Mogwais ebenso unnötigem Leiden, stürzte meine Welt ein: Ich hatte bei beiden auf ganzer Linie versagt. Ich hatte bis zu diesem Punkt meine Verantwortung als Tierhalter komplett unterschätzt, war der Aufgabe ganz offenkundig nicht gewachsen und musste also dringend dazulernen.

Als Erstes wechselte ich die Tierarztpraxis. Ich liess mir in einem Schweizer Katzenforum einige Zürcher Kliniken empfehlen und schrieb jener, die mir den modernsten Eindruck machte, eine E-Mail, in der ich freundlich aber bestimmt darauf hinwies, dass ich alte, chronisch kranke und behinderte Katzen habe – ja: auch solche aus dem Ausland – und sie mir bitte direkt sagen möchten, falls sie da eine „kritische“ Haltung haben, so dass ich weitersuchen kann.

Die Antwort der noch heute dort tätigen Assistentin war herzerwärmend ♥

Als Nächstes las ich mich in alles ein, was bei meinen Katzen bisher diagnostiziert worden war. Namentlich hier genannt Omars CNI und Mathildes → FIV. Ich vermied dabei Communities, da ich keine Horrorgeschichten wie zB. über Mathildes FIV damals, sondern so weit vorhanden Fakten wollte. Das ist jetzt keine Kritik an Communities – sie sind nur oftmals einfach nicht der richtige Ort, um sich inhaltlich auf womöglich dereinst lebenswichtige Entscheidungen vorzubereiten.  Aber ich erfuhr damals in einer Community grossartige emotionale Unterstützung dabei, diese teils sehr schweren Entscheidungen dann auch durchzuziehen – das ist die Stärke von Communities ♥

Und dann kam unsere grosse Prüfung. Das Jahr 2012.

Es wäre zu viel, alles hier nochmals zu erzählen, und einigen von euch geht die ewige Leier wahrscheinlich auch schon langsam auf die Nerven 😛 Doch der Zeitraffer zeigt vielleicht jenen, die uns noch nicht kennen, welche Lawine der Angst, des Schmerzes und auch des Lernens uns damals plattwalzte.

Ich beginne den Rückblick sinnigerweise dort, wo alles anfing, und beschränke mich auf die Aspekte, um die es mir hier geht:

Februar 2012
Ruhe vor dem Sturm

Anfang Februar beginnt der damals 22-jährige CNI-Patient Omar stark abzubauen – sein Zahnfleisch ist extrem entzündet und er nimmt weiter drastisch ab. Iwon verkracht sich mit Omars Homöopathen – man trennt sich im Streit. Na – Hauptsache, man trennte sich.

März
5. März: Schock-Diagnose für Mathilde. Beim jährlichen Kardio-Schalltermin (wegen HCM) zeigt sich, dass einer von Mathildes rechten Lungenlappen kollabiert ist. Nur eine OP kann die Ursache klären und mutmasslich – wenn überhaupt – ihr Leben retten. Sollte sich bei der OP zeigen, dass ein Tumor oder ein Infekt schon weit fortgeschritten ist, würde man sie schlafen lassen. Die OP wird schliesslich für Donnerstag, den 8. März, angesetzt. Ein langer Leidensweg nimmt seinen Lauf…

8. März: Mathilde übersteht die OP mit Bravour! Kein Tumor, „nur“ ein Abszess.

Schicke Frisur:

12. März: Mathilde darf nach Hause.

Mathilde braucht unendlich viele Medikamente, die sie aber brav annimmt. Sie erholt sich langsam, aber stetig.

Auch Omar hält sich derweil tapfer. Er speichelt sich zwar regelmässig voll und muss von mir entsprechend regelmässig „gebadet“ werden, um den blutverschmierten Kleister aus seinem Fell zu bekommen – aber ansonsten ist er fidel und munter. Wohlwollende Menschen empfehlen mir dennoch, „dem ein Ende zu setzen“.

21. März: Omar muss nun doch in Narkose – die Zahnfleischentzündung ist so schlimm, dass man nicht mehr drumrum kommt. Erneut wird mir geraten, ihn direkt einschläfern zu lassen, weil er die OP ja eh kaum überleben könne. Oder sonst die OP zu unterlassen, weil er ja dabei sterben könnte. Ich sehe das nicht ein: Ihn direkt töten oder sonst leiden lassen, weil ihn die Hilfe töten könnte?

Bei der OP sollte sich herausstellen, dass seine Zähne wider Erwarten in gutem Zustand sind – er aber eine urämische Anämie hat, die es notwendig macht, 2x pro Woche zur Infusion zu fahren. Gut, dann machen wir das.

Mathilde erholt sich derweil weiter von der schweren OP:

23. März: Mathildes Fäden werden gezogen. Inzwischen weiss man, dass ein eingeatmeter Fremdkörper Ursache für den Lungenlappenkollaps war. Also keine weiteren Folgen zu erwarten, keine Krankheit.

April
12. April: Die schlimmste Nacht überhaupt: → Ich fand Mathilde gegen 0.30 Uhr erstickend halb unter dem Sofa. In der Notaufnahme konnte ihr Leben in allerletzter Sekunde gerettet werden.

Diagnose: Perikarditis, Herzbeutelentzündung. Eine Krankheit, die bei Katzen eigentlich gar nicht vorkommt.

Wieder eine endlose Zeit der Ungewissheit, des Hoffens und Bangens – des nicht Wissens, was richtig oder falsch ist… Die Ärzte im Tierspital kommen zum Schluss, eine erneute Brustkorböffnung sei Mathildes einzige Chance: Herzbeutelentfernung. Die OP wird auf den 25. April angesetzt.

Nette Menschen, die es wirklich gut mit uns meinen, raten mir davon ab, Mathilde erneut durch diese Strapazen zu schicken. Ich dachte natürlich darüber nach und kam zum Schluss: „Es gibt nur drei Möglichkeiten. 1. Ich lasse sie direkt einschläfern. 2. Ich lasse sie langsam ersticken – denn die Flüssigkeit wird bald wieder auf Lunge und Herz drücken. 3. Die OP. Ich wähle die OP.“ Wenn Mathilde die OP nicht überlebt, hatte sie dennoch wenigstens eine Chance.

Der eine oder andere meint, wie vielen notleidenden Katzen ich mit dem Geld für die OP helfen könnte, statt „nur einer“. Auch diese Überlegung nehme ich ernst: Mehrere Tausend Franken, was könnte man damit alles machen… Aber darf man so rechnen? Ich halte mich an Antoine de Saint-Exupery: „Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast.“

Mehrmals täglich muss ich Mathildes Atmung kontrollieren: Maximal 40 Atemzüge pro Minute sind noch ok, 50 wären kritisch, bei 60 alles stehen und liegen lassen und ab zur Notaufnahme. Mathildes Atmung ist stabil zwischen 38 und 42. Ich schlafe nachts bei ihr auf dem Sofa.

23. April: Lucie kommt heute mit zu Omars Infusion, weil sie wieder geröchelt und gekeucht hat. Das wird schnell behoben, aber es zeigt sich, dass ihre süssen Vampirzähne raus müssen.

24. April: Lucie bekommt die Zähne gezogen und übersteht die OP einwandfrei. Vampirzähnchen in loving memory:

Lufie ift auch ohne Fangfähne fön:

25. April: Mein Geburtstag. Mathilde wird am Herzen operiert. Sie überlebt. Von nun an wird es UNSER Geburtstag sein. Meine herzensgute Freundin Cheesy half mir auf diesem so angstvollen und schmerzlichen Weg so sehr – danke! ♥

Doch Mathilde erholt sich nicht wie erhofft – das Bangen geht weiter.

30. April: Mathilde darf heim.

Mai
7. Mai: Mathilde schien sich inzwischen doch sehr gut gefangen zu haben, Atemfrequenz an der oberen Grenze knapp über 40. Beim Entfernen der Tacker im Spital wurde nochmal ein Schall gemacht. Die Flüssigkeit ist wieder da: Die OP habe nichts gebracht, die Entzündung sei wohl schon aufs ganze Herz übergesprungen – nichts mehr zu machen. Ausser: Cortison. Die letzte Hoffnung… Trotz FIV.

8. Mai: Wir beginnen mit dem Cortison. Wenig Hoffnung ist besser als keine.

9. Mai: Omar feiert seinen 23. Geburtstag. Und wir begehen auch LouLous ersten Todestag.

14. Mai: Mathilde hat Kardio-Kontrolle. Der worst case ist eingetreten: Das Cortison schlägt nicht an – Mathildes Herz vernarbt weiter. Die Ärzte geben sie auf.

Es folgt eine nervenaufreibende Zeit, in der ich (scheinbar) zwei sterbende Katzen begleite und oft nicht ein noch aus weiss. Ich messe Atemfrequenzen, wasche nun täglich einen verspeichelten Katzenopi ♥, vertüfftle mich darin, wie ich all die Medis in Katzis bekomme, fahre zweimal pro Woche mit Omar morgens vor der Arbeit zur Infusion in die Praxis – er geniesst diese Ausflüge. Aber ich muss irgendwie auch Job, Haushalt und alles andere irgendwie hinkriegen. Freunde kommen zu kurz, werden teils wütend, wenden sich von uns ab.

22. Mai: Kontrolltermin mit Omar und Mathilde. Mathilde ist stabil, aber sehr schwach. Omar baut nun radikal ab: nur noch 3 Kilo von einst über 7. Der Tierarzt will am 25. Mai entscheiden, ob Omars Lebensqualität noch ausreichend gegeben ist.

Es ist, als hinge ein Damoklesschwert über uns: Wie verbringt man „letzte Tage“?

25. Mai: Omar wiegt nur noch 2,8 Kilo. Aber der Tierarzt meint, Omar sei noch voll da – und solle noch bleiben dürfen.

Juni
Eine emotional sehr wacklige Zeit. Aber es gibt viele schöne Momente, die wir bewusster als sonst geniessen. Es ist wahnsinnig schwierig – irgendwie soll diese letzte Zeit „besonders“ sein. Wie dumm. Unsere Lebenszeit sollte immer besonders sein ♥

Juli

Mathilde nimmt zu, Omar ab. Erst freute ich mich über Mathildes Gewichtszunahme, bis mir klar wurde, dass diese zusätzlichen 400 Gramm auch Flüssigkeit sein können. Es stellt sich jedoch heraus, dass das runde halbe Kilo mehr durch und durch Mathilde ist, keine Flüssigkeit ♥

Omar wird inkontinent. Erst tappe ich in alte Muster und bin geneigt, dies auf seinen Gesamtzustand zu schieben. Aber ich habe ja dazugelernt: Der Tierarzt stellt einen Harnwegsinfekt fest, der schnell kuriert ist. Omar bleibt dennoch inkontinent. Der Parkett wird grossflächig mit Windelunterlagen abgedeckt. Omar kann ja nichts dafür. Der Parkett auch nicht.

18. Juli: Der Tierarzt hatte darauf gedrängt, dass wir Mathilde nochmal zum Kardio-Schall bringen, um zu sehen, wie es um die Herzentzündung steht. Grosses Erstaunen in der Kardio-Abteilung des Tierspitals: Mathilde ist stabil – weiterhin keine Flüssigkeitsansammlung.

27. Juli: Wir sind erneut beim Tierarzt wie so oft. Er gibt Omar noch letzte 24 Stunden – nun steht es fest: Omar tritt seine grosse Reise am 28. Juli um 11 Uhr an. Der Tierarzt erklärt mir sanft aber eindringlich, was nun mit Omar passieren wird. Ich weine. Der Tierarzt gibt Omar ein letztes Mal Schmerzmittel und seine Infusion, damit er seine letzten 24 Stunden einfach noch leben kann, ohne zu leiden.

28. Juli: Ein grosser Kämpfer hat diese Welt verlassen – der Übertritt war ganz sanft.

Omars Tod schmerzt mich sehr – so viele gemeinsame Jahre ♥ Doch es zerfetzt mich diesmal nicht. Der Tod steht nunmal am Ende eines jeden Lebens, das ist unvermeidlich. Was es auf dem Weg dorthin zu vermeiden gilt, ist Leid. Diesmal habe ich alles richtig gemacht.

August
Das erste Mal seit einem Jahr besuche ich wieder meine Familie in Berlin – zuvor war ich fast ein Jahr lang nicht mehr verreist um Omars Willen.

22. August: Das Wunder. Mathildes Kardio-Kontrolltermin ergibt: Sie ist geheilt – ihr Herz zeigt keine Entzündungsanzeichen mehr. Das war medizinisch eigentlich gar nicht möglich. Der Chef-Kardiologe hat Tränen in den Augen – er kann es selber nicht fassen und sagt: „Wenn eine das schafft, dann eine gebeutelte Strassenkatze – die sind so stark.“ War ich je glücklicher?

Zurück im Jahr 2014
Mathilde liegt gerade glücklich schnarchend neben mir auf dem Sofa ♥ Ich weiss nicht, wie viel Zeit ihr noch bleibt (das weiss man eh nie). Sie ist ca. 14 Jahre alt (eher älter gemäss Schätzung der Klinik), ist FIV-positiv, hat SDÜ, Herzprobleme… Aber sie geniesst ihr Leben, sie spielt auf ihren drei dürren Beinchen, meckert, geniesst die ersten Anzeichen des Frühlings. Und sie hat – HEY – die tiermedizinische Fachwelt mal eben umgehauen 😀

An Omar kann ich dankbar zurückdenken, ohne jedesmal in Tränen und Selbstzerfleischung auszubrechen ♥ Sein letzter Weg war richtig und gut begleitet von einem einfühlsamen und fachkundigen Tierarzt, der stets auf ihn und mich achtete.

Omars letzte Monate hier bei uns waren eine stete Zerreissprobe für mich. Ich hatte jedes Urteilsvermögen über sein Wohlbefinden verloren – ich pendelte immer nur zwischen der Sorge, ihn zu früh aufzugeben oder aber ihn zu lange hier zu halten. Er war am Ende kein schöner Anblick mehr (fürs Auge – fürs Herz war ers immer) – ich habe auch keine Fotos mehr von ihm gezeigt. Einerseits, um seine Würde zu wahren, anderseits weil bei seinem Anblick wohl viele entsetzt einen Schritt zurückgewichen wären. Doch Omar war das Einerlei: Er sah zwar teils aus wie ein blutverklebtes strubbeliges Gerippe, sprang aber dennoch weiterhin auf die Küchenanrichte, ging auf die Terrasse, spielte sogar noch mit den anderen Zwerglis.

Aber an jenem 27. Juli, als es „so weit war“, sah sogar ich das in seinen Augen: Er war müde, unendlich müde.

Wer diesen Weg noch nie oder vielleicht erst einmal so traumatisch wie ich damals bei Sahib gehen musste, traut sich womöglich zu wenig oder auch zu viel zu. Man kann sich ohne eigene – wiederholte – Erfahrungswerte auf „so etwas“ nicht emotional vorbereiten – ich glaube nicht, dass das geht. Aber man kann sich thematisch und dahingehend darauf vorbereiten, dass man sich eingesteht, keine Ahnung zu haben, was nicht nur emotional auf einen zukommt. Und bereit zu sein, dazuzulernen, indem man Fehler nicht beschönigt, sondern daraus lernt. Auch aus den Fehlern anderer. Damit ist sowohl Tier wie Mensch geholfen ♥

Und darum wird mein Rat in allen Krankheitsfällen immer nur einer sein: Sucht euch einen fähigen Tierarzt, der sowohl seine Patienten wie auch seine Kunden stets ernst nimmt. Fürchtet nicht den Tod eures geliebten Wegbegleiters, sondern sein Sterben. Erspart eurem geliebten Wesen nichts, was klischeehaft als „stressig“ gilt. Wir haben Verantwortung übernommen – lasst sie uns wahrnehmen.

Sterbebegleitung für jemanden, für den man die vollumfängliche alleinige Verantwortung übernommen hat, ist schwer, ja. Aber: Sie kann auch in gewisser Weise „schön“ sein. Doch, ehrlich ♥ Man kann einem geliebten Wesen bis zuletzt an der Seite stehen und es dann sanft an der Hand nehmen, um es in Liebe, Geborgenheit und Respekt loszulassen.

Seid tapfer, wenn es so weit ist, und lasst euch auf eurem Weg nicht beirren ♥

Siehe dazu auch unser neues Kapitel: → Der Abschied

„Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast.“
Antoine de Saint-Exupery

Ich gestehe: Ich habe versagt. Teil 2

Wohin es führt, wenn man Vorurteilen glaubt, statt sich zu informieren und selber Verantwortung zu übernehmen. Bitte nicht nachmachen.

Kürzlich habe ich hier ja schon die relativ unrühmliche Geschichte erzählt, wie bei meinem damals 20-jährigen Kater Sahib voreilig und allein → aufgrund seines Alters Demenz diagnostiziert wurde, da er nachts lauthals rumschrie. Dabei hatte der arme Kerl „einfach“ aufgrund massiver Zahnsteinverwucherungen schlichtweg – aus meiner Sicht zur Unzeit – Hunger.

Heute würde ich nach so einem Diagnoseverlauf sehr sehr misstrauisch gegenüber dem betreffenden Tierarzt und mindestens eine Zweitmeinung einholen (kann übrigens fast nie schaden, wenn man Zweifel hat). Doch damals war ich ahnungslos. Ich hatte noch nie zuvor die Verantwortung für eine so doch recht alte Katze und auch irgendwie zu keiner Zeit damit gerechnet, dass Katzen so alt werden. Es gab damals zwar schon Internet, ich hätte mich also kundig machen können. Theoretisch. Aber ich sag mal so: Ich bin kein Digital Native 😛 (und nach allem, was ich inzwischen im Internet schon so gelesen habe, bin ich darüber auch nicht nur traurig… Doch das ist eine andere Geschichte).

Unser damaliger Tierarzt hatte mir schon eingeredet, dass meine beiden Kater nun demnächst tot umfallen, als sie so ca. das Alter von 16 erreicht hatten. Die Katzen meiner Eltern, mit denen ich aufgewachsen war, wurden auch nicht älter. Es wäre jetzt ein wenig bösartig, wenn ich sage: Logisch nicht, die waren ja auch in der Obhut dieses besagten Tierarztes…

Kurz: Ich dachte damals, so mit 16/17 ist ne Katze sozusagen eine Art fitter Zombie  smiley_emoticons_rolleyesnew smiley_emoticons_motz

Nur so kann ich mir heute rückblickend erklären, warum ich zuliess, was ich dann zuliess – entschuldigen kann und will ich es nicht. Aber wenn man sich selbst wie ein hirntoter Idiot benahm, was ein geliebtes Wesen in grosses Leid führte, dann möchte man das ja gern irgendwie verstehen können, wie in Gottes Namen das möglich war.

Es begab sich jener Tage….: Sahib war inzwischen 21 Jahre alt. Ein Alter, mit dem ich damals wie gesagt nie gerechnet hätte. Irgendwann gab er brutal ab. Von praktisch einem Tag auf den anderen interessierte ihn nichts mehr, er frass kaum noch (siehe dazu bitte unbedingt: → hepatische Lipidose!) und der einst so anhängliche Kater zog sich merklichst zurück.

Heute würde ich eine Katze, die sich so verhält, umgehend in eine fachkundige Tierklinik verfrachten und abklären lassen, was los ist – es geht dabei nicht um Lebensverlängerung um „jeden Preis“, wie manche abgeklärte Leute das kritisieren – es geht allein darum, abzuklären, wie man einem Wesen, das sich selbst nicht helfen kann und für das man die vollumfängliche Verantwortung übernommen hat, helfen kann. Sei es durch palliative Pflege oder auch Einschläferung. Was immer nötig ist, damit der Schutzbefohlene so wenig wie möglich leiden möge.

Doch damals war ich doof. Ich hatte „gehört“, dass sich sterbende Tiere zurückziehen, dass dies „natürlich“ sei und man es geschehen lassen soll. Grobfahrlässig, wer sowas so verallgemeinernd-verniedlichend darstellt. Denn weil ich Dummerchen es damals nicht besser wusste, tat ich genau das meinem armen Kater an 😦

Unpraktisch war nur: Der hielt sich leider nicht an meinen schönen Plan für ihn. Er starb einfach nicht. Herrgottgopfertellinomal. Er starb einfach nicht.

Stattdessen litt er.

Aber ich hatte ja gelernt: Natur und so. Machen lassen. Katzen hassen Tierarztbesuche, zwecks Einschläferung nochmal mehr. Das kann ich meinem geliebten Tier doch nicht antun :-O Ich IDIOT.

Kurz: Es kam der Punkt, an dem mein Glaube brach. Es gibt in Zürich nicht so viele Tierärzte, die Hausbesuche machen. Ich machte ab einem gewissen Punkt des Leidens meines Tiers panikartig einen ausfindig. Der kam dann auch, stiess mich von meinem sterbenden Kater weg und rammte ihm die Todesspritze direkt ins Herz. Und noch während mein Kater starb, schimpfte er mich in Grund und Boden. Und erklärte mir haarklein, durch welche Hölle ich meinen Kater mit meiner dummdasseligen Haltung geschickt hatte.

Gut. Der Tierarzt gewann jetzt nicht auf voller Linie an Sympathiepunkten. Aber er lehrte mich, wie naiv ich war und was ich meinem Kater angetan hatte – weil ich es „ja nur gut gemeint“ hatte. Natur und so. Ich war am Boden zerstört. Und werde mir das nie verzeihen.

Solche Fragen sind auch in haustierthematischen Social-Media-Bereichen immer wieder Thema. Und wenn ich teils – mit diesem Bild meines im Todeskampf zitternden Katers vor Augen – solche Themen lese, könnte ich schreien. Wenn ich zum Beispiel lese, dass jemand in einem Forum zum Thema schreibt, der „’natürliche‘ Tod“ sei „ganz sanft, ganz friedlich – als wenn eine Kerze ausgeblasen wird“ – dann kann ich wirklich nur den Kopf schütteln.

Mag mal jemand „natürlichen Tod“ als Begriff definieren? Man kann auf mannigfaltigste Weise „natürlich“ sterben. Es ist auch nicht so sehr der Tod, der mich hier beschäftigt. Sondern das Sterben.

Und das sollte man jedem Lebewesen so „leicht“, kurz und schmerzlos wie nur möglich wünschen. „Natur“ hin oder her.

Sahib – mein Herz. Ich hoffe, du kannst mir verzeihen. Nein – ich weiss: Du hast ♥ Ich war damals in diesen Belangen unbedarft ohne Ende. Es tut mir so leid, dass dich das mit voller Wucht traf.

Und darum schreibe ich all das zu meiner Schande und deiner Ehre nieder. Mögen andere meine Fehler nicht wiederholen – ich weiss gewiss, dass du für jede Katze lächelst, die auf ein klügeres Dosi als mich trifft. Sahib, ich liebe dich ♥

Sahib †

Sahib †

Was ich aus all dem lernte und worauf bei mutmasslich todbringenden Diagnosen und palliativer Pflege aus meiner Erfahrung zu achten ist, erfährt man hier: →Lernfähigkeit ist eine Gnade – für Mensch und Tier.

Passt bitte auf eure Schützlinge auf – achtet gut auf sie und gedeiht alle wohl ♥