Der 9. Mai. Ein „spezielles“ Datum für uns hier: Omar wurde am selben Tag 22 Jahre alt, an dem ich LouLou mit 19 einschläfern lassen musste.
«Ich kann leider nichts mehr für Ihre Katze tun.» Der Tierarzt sah mich traurig an. Zwei Minuten zuvor war meine Welt noch in Ordnung gewesen, nichts hatte mich ahnen lassen, dass ich LouLou nun so schnell verlieren würde.
«Wie lange noch?», fragte ich.
«Eine Woche, vielleicht auch zwei. Viel mehr nicht.»
Gute zwei Wochen später stellte LouLou das Fressen gänzlich ein. Von einem Tag auf den anderen war der Ausdruck in ihrem Blick ein anderer: Sie konnte nicht mehr. Das war am 9. Mai 2011.
Geliebtes grumpy old Bambibärchen LouLou ♥ Heute vor drei Jahren musste ich dich nach kurzer, aber schwerster Krankheit ohne Heilungschance schwersten Herzens auf die Reise schicken.
Nur anderthalb Jahre zuvor kam die einst so stolze Freigängerkönigin LouLou «notfallmässig» zu mir, weil sie in ihrem alten Zuhause bei einer Arbeitskollegin von 8 anderen Katzen aufs Heftigste gemobbt wurde. Zunächst war ich zuversichtlich, dass sie schnell begreifen würde, dass ihr hier nichts mehr passiert und ihr keiner Böses will. Doch nachdem sie sich wochenlang weigerte, meinen Schreibtisch zu verlassen, begriff ich, dass wir professionelle Hilfe brauchten. So fand ich zur →Tierpsychologie.
Gerade als LouLou endlich auftaute und langsam aus ihrer Schockstarre erwachte, kam die furchtbare Diagnose. Keine Hoffnung.
LouLou – es tut mir von ganzem Herzen unendlich leid, dass ich es nicht geschafft habe, dir zu Lebzeiten deine Würde und dein Selbstbewusstsein vollumfänglich zurückzugeben. Das brach mir vielleicht noch mehr das Herz als dein Tod selbst.
Ein Video aus deinem alten Zuhause – damals als du noch glücklich warst.
Nachdem du hier als zutiefst verstörtes Elend ankamst, und ich einsah, dass wir ohne professionelle Hilfe nicht weiterkommen, schrieb ich mehrere Tierpsychologen an. Frau Christine Hauschild war die einzige, die uns helfen wollte – und es auch tat. Neben vielen weiteren hilfreichen Tipps, gehörte natürlich auch Clickern zum Behandlungsplan. Es dauerte, bis LouLou und ich es begriffen 😛 Aber dann klappte es immer besser:
Doch der Tod war schneller als wir zwei 😦
Bitte an alle noch etwas unerfahrenen Katzenhalter „da draussen“: Informiert euch über → Katzenhaltung. Katzen sind NICHT (!) per se Einzelgänger – im Gegenteil: Als Strassentiere schliessen sich die meisten zu sogenannten Kolonien zusammen. Aber man sollte schon ein wenig vertieft sich damit auseinandersetzen, wen man zu wem setzt – das wäre bei uns Menschen ja nicht anders. Oder würde jemand von euch einem Passanten auf der Strasse ad hoc ein Zimmer in der eigenen Wohnung anbieten? Eben.
LouLou – geliebtes grumpy old Bambibärchen ♥ Auch du hast mich so viel gelehrt – und dank dir und unseren Erfahrungen mit Verhaltenstherapie profitierten wir alle hier. Nachhaltig. Du hast unser Leben für immer verändert – zum Besseren. Es tut mir so leid, dass ich deines nicht ebenso zum Besseren verändern konnte.
Nie wieder wollte ich mich auf eine solche Konstellation einlassen und eine Katze hier aufnehmen, die panische Angst vor anderen Katzen hat. Nie wieder wollte ich diese Hilflosigkeit erleben, wieder monatelang mit einer Gittertür leben und mich als Tierquäler fühlen, der einem Wesen einfach nicht geben kann, was es sich wünscht. Aber hat euch je interessiert, was ich will? Nein. Und das ist gut so.
Und so wurde mir → Moriah vermittelt. Als katzensozial. Was sie aber leider nicht war. Sie war genau wie du, LouLou: Sie hatte Angst vor allem und jedem – am meisten aber vor anderen Katzen. Wenn ich versuchte zu verstehen, fühlte es sich so an, als müsste ich in einem Haus voller Zombies leben – ohne zu wissen, dass die inzwischen alle Veganer wurden. So verstand ich deine Angst. Und so ging gewissermassen „alles von vorne los“: Gittertür, Clickertraining, Vertrauensaufbau, Kartons und Handtücher rumtragen, um gezielt eingreifen zu können. Über Monate. Ich hätte schreien können. Ständig musste ich an mein Versagen bei dir, LouLou, denken – und konnte oftmals einfach keine Hoffnung fassen, es diesmal hinzukriegen 😦
Doch was sollte ich sonst tun? Moriah war genau wie du aufgrund der Umstände nicht einfach so „weiterzuvermitteln“. Wohin denn?
Also mussten wir es versuchen – wenigstens versuchen. Mit allem, was ich habe.
Ich weiss, du sitzt jetzt auf deinem himmlischen Wölkchen (das ist halt meine Vorstellung 😛 ) und grinst frech, denn du weisst: Bei Moriah konnte ich vollenden, was ich bei dir nicht geschafft habe. Die Gittertür ist schon lange nicht mehr im Einsatz und wandert dieses Wochenende definitiv wieder in den Keller.
Und so schliesst sich der Kreis.
Manchmal denke ich, man muss Situationen so oft immer wieder erleben, bis man sozusagen ein nächstes „Level“ erreicht. Wie bei einem Computerspiel sozusagen. Oder wie früher in der Schule.
Wer es ist, der sich die Prüfungen für einen ausdenkt, vermag ich nicht zu sagen. Aber rückblickend ergibt oft vieles Sinn, das einem in der Prüfung selber einfach nur als Schikane erscheint.
Ich danke dir, LouLou – für alles. Und speziell auch dafür, dass du Moriah ein neues Leben geschenkt hast. Denn ohne dich, weiss ich nicht, ob wir das hinbekommen hätten ♥
Ihr wacht sogar noch nach dem Tod übereinander.
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Und Omar – mein Omar ♥ Von dir habe ich auch noch tolle alte Videos gefunden, als ich kürzlich in den Archiven stöberte. Ach, mein Herz, mein Schöner – du wärst heute 25 geworden, ein Vierteljahrhundert. Doch was ist das im Vergleich zur Ewigkeit, die du in meinem Herzen ruhst ♥
Ich denke eh so oft an dich ♥ Ich gratuliere dir aber heute nach drüben von ganzem Herzen. Ihr habt heute ennet der Regenbogenbrücke bestimmt ne tolle Geburtstagsparty gefeiert 😉 Und nun liegst du „bequem“ da wie so oft einst hier ♥

All meine lieben Sternchen: Ich denke oft an euch ♥ Ihr seid nicht fort. Nur woanders.
LouLou und Omar: Unsere Kerze brennt heute besonders hell für euch. Ich liebe euch unverdrossen abgöttisch – ob damals hier oder nun woanders ♥
Liebe Blog-Lesende: Bitte verzeiht, dass es hier gerade so „multipelmorbide“ zugeht (ein Wort aus Mathildes letzter Diagnose – das kannte ich vorher gar nicht). Ich muss das gerade verarbeiten, dass ich innert nur rund 4 Jahren nun schon 5 Sternchen gehen lassen musste. Ich möchte aber nicht, dass ihr weint ♥ Denn: Absurderweise ist das alles nicht „nur“ traurig – dieser „Prozess“ hat auch sein Gutes. Irgendwie. Schwer zu erklären. Das alles zu verstehen und vielleicht sogar irgendwann zu begreifen – es hilft mir einfach, das niederzuschreiben. Ich danke euch allen, die meine Zwerglis ins Herz geschlossen haben. Ich verspreche euch: Es werden auch wieder fröhliche und unbesorgte Zeiten kommen ♥