Genau heute vor einem Jahr zitterte ich um das Leben meiner Katze Mathilde.
Normalerweise gehöre ich zu den Menschen, die ihren Geburtstag mit Inbrunst und viel Trallala begehen. Doch heute vor einem Jahr stand ausgerechnet an jenem Tag Mathildes schwere Herz-OP an. Die Chancen für sie standen schlecht. (→ die Vorgeschichte)
Sollte sie all das aber überstehen, würden wir künftig gemeinsam «Geburtstag» feiern. Zum ersten Mal darf ich ihr damit heute gratulieren.
Die Operation sollte gegen Mittag beginnen. Den ganzen Tag sass ich vor dem Telefon und wartete Fingernägel knabbernd auf eine Nachricht von den Tierärzten.
Am späten Nachmittag dann endlich die erlösende Nachricht: Es wurde ein Tag zum Feiern. Mathilde hatte auch diese Operation mit Bravour überstanden. Meine tapfere kleine Kampfkatze.
Jetzt wird alles gut.
Weit gefehlt.
Mein Nervenkostüm sollte noch einmal auf die Probe gestellt werden.
Bei der Nachkontrolle eine Woche nach der OP erklärte mir ein offensichtlich sehr zerknirschter Kardiologe: «Die Operation hat leider nichts gebracht: Die Atemnot auslösende Flüssigkeit ist wieder nachgekommen.»
Und dann dieser niederschmetternde Satz: «Wir können nichts mehr für Mathilde tun.»
Da stand ich nun in meiner Fassungslosigkeit und kapierte einfach nicht, was das alles sollte. Wir hatten doch alles getan! Aber Mathildes Herzentzündung schritt also weiter voran und würde sie in wenigen Wochen töten. Das ist nicht fair.
Es gab nun nur noch eine allerletzte schwache Chance: Kortison, das wiederum ihre Immunschwächekrankheit zum Ausbruch bringen und sie damit umbringen könnte. Herrgott nochmal: Langsam konnte ich das einfach nicht mehr hören, was meiner Katze alles zum Verhängnis werden könnte.
Viel Hoffnung machte man uns nicht. Zum Abschied meinte der Kardiologe aber noch: «Unterschätzen Sie niemals eine Katze! Diese erstaunlichen Wesen haben mitunter die wundervolle Gabe, sich um medizinische Prognosen zu foutieren.»
In den Monaten nach der OP bekam Mathilde bis zu viermal täglich ihre Medikamente, mehrmals am Tag kontrollierte ich ihre Atmung – liess sie nachts nie allein. Und siehe: Dieses erstaunliche Wesen interessierte sich tatsächlich nicht die Bohne für medizinische Prognosen – und wurde wieder putzmunter.
Vier Monate später, Kardiologie-Kontrolle im Tierspital: Rund 40 Minuten lang untersuchte der Kardiologe Mathilde schweigend – ich hatte inzwischen gelernt, dass es gut ist, wenn ein Kardiologe während der Untersuchung schweigt: Denn wenn etwas alarmierend ist, machen sie gern «Hmmm» oder «Ououou» oder sie seufzen. Und dann kommen sie mit irgendwelchen Hiobsbotschaften.
Doch diesmal sah mich der Kardiologe nach der Untersuchung freudestrahlend an: «Ihrer Katze geht es gut – ich kann nichts Auffälliges mehr entdecken. Ich würde sagen, sie hat es überstanden.» Mir war danach, auf die Knie zu sinken und ihm die Füsse zu küssen.
Die Herz-OP ist nun genau ein Jahr her – mehrfache Kontrolluntersuchungen zeigten, dass Mathilde vollkommen genesen ist. Ihre Narben sind längst verheilt, ihr Fell ist nachgewachsen, ihre Atmung so wie sie sein soll und nichts erinnert an die dramatischen Momente damals vor einem Jahr.
Ach so, doch: Mein Bankguthaben wurde empfindlich getroffen. Allein Mathildes medizinische Versorgung kostete letztes Jahr alles in allem rund 8000 Franken. Sie ist damit wohl eine der teuersten – äh: wertvollsten ❤ – Katzen der Schweiz 😉 Doch Geld kann das Glück nicht bezahlen, das ich empfinde, wenn ich heute meine Mathilde anschaue und sehe, wie sehr sie ihr Leben wieder geniesst. Gerade jetzt sonnt sie sich auf der Terrasse als wäre nie irgendwas gewesen.
Happy Birthday, mein kleines graues intergalaktisches Kampfschiffchen! ❤ Ich liebe dich mehr als Worte sagen können ❤





