Der Frühling hat nun doch noch nach Zürich gefunden 😀
Archiv der Kategorie: die Zwerglis
«Happy Birthday», Mathilde!
Genau heute vor einem Jahr zitterte ich um das Leben meiner Katze Mathilde.
Normalerweise gehöre ich zu den Menschen, die ihren Geburtstag mit Inbrunst und viel Trallala begehen. Doch heute vor einem Jahr stand ausgerechnet an jenem Tag Mathildes schwere Herz-OP an. Die Chancen für sie standen schlecht. (→ die Vorgeschichte)
Sollte sie all das aber überstehen, würden wir künftig gemeinsam «Geburtstag» feiern. Zum ersten Mal darf ich ihr damit heute gratulieren.
Die Operation sollte gegen Mittag beginnen. Den ganzen Tag sass ich vor dem Telefon und wartete Fingernägel knabbernd auf eine Nachricht von den Tierärzten.
Am späten Nachmittag dann endlich die erlösende Nachricht: Es wurde ein Tag zum Feiern. Mathilde hatte auch diese Operation mit Bravour überstanden. Meine tapfere kleine Kampfkatze.
Jetzt wird alles gut.
Weit gefehlt.
Mein Nervenkostüm sollte noch einmal auf die Probe gestellt werden.
Bei der Nachkontrolle eine Woche nach der OP erklärte mir ein offensichtlich sehr zerknirschter Kardiologe: «Die Operation hat leider nichts gebracht: Die Atemnot auslösende Flüssigkeit ist wieder nachgekommen.»
Und dann dieser niederschmetternde Satz: «Wir können nichts mehr für Mathilde tun.»
Da stand ich nun in meiner Fassungslosigkeit und kapierte einfach nicht, was das alles sollte. Wir hatten doch alles getan! Aber Mathildes Herzentzündung schritt also weiter voran und würde sie in wenigen Wochen töten. Das ist nicht fair.
Es gab nun nur noch eine allerletzte schwache Chance: Kortison, das wiederum ihre Immunschwächekrankheit zum Ausbruch bringen und sie damit umbringen könnte. Herrgott nochmal: Langsam konnte ich das einfach nicht mehr hören, was meiner Katze alles zum Verhängnis werden könnte.
Viel Hoffnung machte man uns nicht. Zum Abschied meinte der Kardiologe aber noch: «Unterschätzen Sie niemals eine Katze! Diese erstaunlichen Wesen haben mitunter die wundervolle Gabe, sich um medizinische Prognosen zu foutieren.»
In den Monaten nach der OP bekam Mathilde bis zu viermal täglich ihre Medikamente, mehrmals am Tag kontrollierte ich ihre Atmung – liess sie nachts nie allein. Und siehe: Dieses erstaunliche Wesen interessierte sich tatsächlich nicht die Bohne für medizinische Prognosen – und wurde wieder putzmunter.
Vier Monate später, Kardiologie-Kontrolle im Tierspital: Rund 40 Minuten lang untersuchte der Kardiologe Mathilde schweigend – ich hatte inzwischen gelernt, dass es gut ist, wenn ein Kardiologe während der Untersuchung schweigt: Denn wenn etwas alarmierend ist, machen sie gern «Hmmm» oder «Ououou» oder sie seufzen. Und dann kommen sie mit irgendwelchen Hiobsbotschaften.
Doch diesmal sah mich der Kardiologe nach der Untersuchung freudestrahlend an: «Ihrer Katze geht es gut – ich kann nichts Auffälliges mehr entdecken. Ich würde sagen, sie hat es überstanden.» Mir war danach, auf die Knie zu sinken und ihm die Füsse zu küssen.
Die Herz-OP ist nun genau ein Jahr her – mehrfache Kontrolluntersuchungen zeigten, dass Mathilde vollkommen genesen ist. Ihre Narben sind längst verheilt, ihr Fell ist nachgewachsen, ihre Atmung so wie sie sein soll und nichts erinnert an die dramatischen Momente damals vor einem Jahr.
Ach so, doch: Mein Bankguthaben wurde empfindlich getroffen. Allein Mathildes medizinische Versorgung kostete letztes Jahr alles in allem rund 8000 Franken. Sie ist damit wohl eine der teuersten – äh: wertvollsten ❤ – Katzen der Schweiz 😉 Doch Geld kann das Glück nicht bezahlen, das ich empfinde, wenn ich heute meine Mathilde anschaue und sehe, wie sehr sie ihr Leben wieder geniesst. Gerade jetzt sonnt sie sich auf der Terrasse als wäre nie irgendwas gewesen.
Happy Birthday, mein kleines graues intergalaktisches Kampfschiffchen! ❤ Ich liebe dich mehr als Worte sagen können ❤
Mathilde: Todesangst
Wie eine Aprilnacht für Katze Mathilde und mich zum ultimativen Alptraum wurde. In 12 Stunden ist das genau ein Jahr her. Doch der Horror ist mir noch sehr präsent – wir erinnern uns:
«Schnell, kommen Sie schnell, das ist ein Notfall!», schrie ich ins Telefon, stürmte ins Bad, zog mich an, schnappte mir Mathilde und rannte auf die Strasse. Dort stand tatsächlich schon das Taxi, das uns durch die Nacht in die Notaufnahme des Tierspitals raste.
Im Spital angekommen, hämmerte ich auf den Notfallknopf und rief in die Gegensprechanlage: «Hilfe, meine Katze erstickt, helfen Sie uns bitte!» Sofort kamen vier oder fünf Menschen in den leeren Empfangsraum gerannt, öffneten die Tür und nahmen mir Mathilde ab. Als die Notärztin in die Transporttasche auf Mathilde blickte, wurde sie kreideweiss. Sie sah mich an und meinte: «Ich weiss nicht, ob wir noch was tun können», dann rannte sie mit ihr ins Behandlungszimmer.
Ich bezahlte den Taxifahrer und setzte mich ins Wartezimmer. Völlig verdattert.
Inzwischen war es ein Uhr nachts. Eine halbe Stunde zuvor hatte ich gerade ins Bett gehen wollen, als ich bemerkte, dass Mathilde seltsam verdreht auf dem Sofa lag und sich wand. Als ich zu ihr ging, sah ich, dass Augen und Maul weit aufgerissen waren – in ihrem Blick schiere Verzweiflung. Es dauerte einen Moment, ehe ich begriff, dass ich genau jetzt etwas unternehmen musste. Dann rief ich das Taxi.
Nun sass ich da im leeren Wartezimmer des Tierspitals. Schon wieder. Mathildes Lungen-OP war gerade mal einen Monat her. Eine Ewigkeit schien zu vergehen, ohne dass ich wusste, ob Mathilde noch lebt.
Gegen zwei Uhr kam die Notärztin, meinte, dass Mathilde noch lebe – es aber nicht gut aussehe. Sie wollte von mir wissen, wie weit sie gehen sollen, was sie alles unternehmen sollten, um ihr Leben zu retten. Ich sah sie an und meinte etwas perplex: «Einfach alles?» Sie antwortete, dass aber alles vergebens sein könnte. Ich bat sie, einfach alles zu tun, was medizinisch sinnvoll sei und Mathilde kein unnötiges Leid verursache – und es mir scheissegal sei, was das kostet.
Gegen vier Uhr morgens kam die Ärztin erneut zu mir und erklärte, dass Mathilde nun stabil sei. Ob sie die Nacht überlebe, hänge nun allein von ihr ab – man könne in den nächsten
Stunden nicht mehr tun als sie zu überwachen und abzuwarten…
Da lag meine kleine graue Katze nun also zwischen unzähligen Schläuchen, Maschinen und Gerätschaften auf der Intensivstation des Tierspitals – aber sie atmete.
Gegen fünf Uhr morgens war ich wieder zu Hause. Noch immer wie betäubt. Als wäre das alles nur ein Alptraum. Kann mich bitte jemand kneifen? Ich möchte gerne aufwachen und feststellen, dass das alles nie passiert ist.
Kurz vor Mittag kam der erlösende Anruf: Mathilde sei weiterhin stabil, müsse aber noch einige Tage auf der Intensivstation bleiben. Sie hatte Flüssigkeit in Brust- und Bauchraum, die auf Herz und Lunge gedrückt hatte, daher die akute Erstickungsgefahr.
Es stellte sich schliesslich heraus, dass sie eine Herzbeutelentzündung (Perikarditis) hatte. Eine Krankheit, die bei Katzen offenbar äusserst selten – also wirklich sozusagen eigentlich überhaupt nie – vorkomme. Na grossartig. Mathilde, was soll denn das?
Die Fachärzte des Tierspitals meinten, dass Mathilde ohne erneute Brustkorböffnung in Kürze ersticken werde. Ob eine OP sie tatsächlich retten würde, konnte man mir jedoch nicht sagen. Auch nicht, ob eine erneute OP ihren eh schon geschwächten Körper nicht endgültig umhaut. Wenn sich bei der OP zeigen sollte, dass alles schon zu spät ist, würde man Mathilde gar nicht mehr aufwachen lassen. Mit anderen Worten: Es gab wenig Grund, so richtig zuversichtlich zu sein.
Da der Verzicht auf eine OP sie aber so oder so umgebracht hätte, entschied ich mich für den Eingriff – immerhin eine Chance. Die einzige.
Weil die letzte Operation erst wenige Wochen zurücklag, wollte man noch etwas warten – doch allzu viel Zeit hatten wir nicht, denn die Flüssigkeit konnte sie jederzeit wieder in diese lebensbedrohliche Lage bringen. Und so verbrachte ich die Tage bis zur OP damit, Mathildes Atmung zu kontrollieren und zu hoffen, dass wir mit dem Eingriff nicht zu lange warten…
Die Operation wurde auf den 25. April angesetzt. Meinen Geburtstag.
Wir stellen uns vor, Teil 2: Das sind die Zwerglis heute
Wie ich hier schon beschrieben hatte, blieb es nicht bei zwei Katern… Hier stellen sich die Zwerglis vor: Die sieben Zwerge und vier Sternchen
Wir stellen uns vor: Nr. 1 und Nr. 2
Es war einmal vor rund 15 Jahren…
Die Dame am Telefon: «Sie wollen Wohnungskatzen?»
Ich: «Ja, gern.»
Sie: «Sowas haben wir nicht.»
Ich: «Sie haben keine Wohnungskatzen?»
Sie: «Nein, nur Freigänger. Unsere Katzen brauchen alle Freigang.»
Ich: «Sie sind ein überfülltes Tierheim mit Hunderten von Katzen und da ist keine einzige
Wohnungskatze dabei?»
Sie: «Nein, keine einzige.»
Ich: ?
Sie: «Wir können uns ja bei Ihnen melden, falls wir mal zwei ältere Wohnungskatzen abzugeben haben.»
Ich: «Ja, das wäre schön.»
Ich hörte bis heute nie mehr von der Dame.
Das war vor rund 15 Jahren als ich gerade beschlossen hatte, dass ich jetzt erwachsen sei und das wilde Studentenleben mit rauschenden Partys genügend ausgekostet hatte. Zur Belohnung für diese reife Lebenshaltung wollte ich mir einen lang gehegten Traum erfüllen: zwei eigene Katzen. Mein Plan war, zwei ältere Katzen aus einem Tierheim aufzunehmen, weil man ja auch immer liest, dass gerade ältere Katzen es schwer haben, vermittelt zu werden. Ich dachte, ich würde mich vor Angeboten kaum retten können.
Weit gefehlt. Vor 15 Jahren gab es in Zürcher Tierheimen keine einzige ältere Wohnungskatze. Und schon gar nicht zwei. Zumindest musste ich das annehmen, nachdem mir drei Tierheime telefonisch versicherten, dass sie nichts Derartiges im Angebot hätten.
Ich war verblüfft. Ich war so verblüfft, dass ich nicht aufhören konnte, meinen gesamten Bekanntenkreis mit dieser Geschichte zu langweilen. Eines Abends gab ich sie anlässlich eines Essens mit Freunden gerade mal wieder zum Besten, als mir auffiel, dass meine Sitznachbarin immer breiter grinste. Jetzt war ich erst recht verblüfft: Was bitteschön war denn daran so erheiternd?
Meine Bekannte fragte mich, ob es mir ernst sei und ich wirklich zwei ältere Wohnungskatzen haben wolle. Ich bejahte. Sie: «Ich glaube, da kann ich dir helfen.»
Es stellte sich heraus, dass ihre Schwägerin seit Wochen händeringend jemanden suchte, der ihre beiden Wohnungskater übernimmt, da sie in Kürze auswandern wollte.
Und so kamen Sahib und Omar zu mir, damals 9 und 8 Jahre alt.
Wenn mir damals jemand gesagt hätte, dass ich dereinst 7 Katzen haben würde, hätte ich ihm geraten, mit den Drogen aufzuhören.
Katzen: Nicht von dieser Welt
1,4 Millionen Katzen sind in der Schweiz zu Hause. Fünf davon leben in einer Wohnung in Zürich und offenbaren ihrer Halterin, was sie mit Kindern und Ausserirdischen gemeinsam haben.
Wenn mich morgens der Wecker aus dem Schlaf reisst, starren mich aus der Dunkelheit fünf Augenpaare an – also eigentlich nur viereinhalb, doch dazu später. Ich sehe sie zwar nicht. Aber ich weiss es. Und ich höre Stimmen. Zunächst nur leise, bezirzend, aber klar in der Botschaft: «Füttere uns. Tu es. Du hast den dringenden Wunsch, uns jetzt zu füttern.» Während ich schlaftrunken noch damit beschäftigt bin, mein Bewusstsein fürs Jetzt zurechtzuzupfen, wird die Ansage aus den Tiefen des Universums deutlicher: «Nun mach mal vorwärts, Mensch: aus dem Bett, Dosen öffnen, Inhalt in Näpfe abfüllen – wie schwer kann denn das sein?» Und so weiss ich jeweils wieder, wozu ich jeden Morgen aufstehe.
Ich finde meine Katzen grossartig. Dass ich aber fünf von diesen kleinen Naturgewalten habe, war eigentlich ein Unfall. Angefangen hat es mit den zwei Katern: dem schwarzen 7,5-Kilo-Teddy, der etwas aus der Schnauze riecht, und dem braun-weiss gescheckten Irren mit seiner Staubsauger- und Gewitterphobie. Fast zehn Jahre lang fristete ich mit Nr. 1 und 2 ein vergleichsweise beschauliches Dasein.
Doch dann wurden sie alt: So ist Kater Nr. 1 nun schon 19, und das bereits seit drei Jahren, weil der Tierarzt sagt, der könne gar nicht älter sein als 19, dafür sei er zu fit. Wobei «fit» ein bisschen relativ ist. Der Kater fällt nämlich langsam auseinander: Fellbüschel, Zähne, Krallen – alles lässt er irgendwo liegen. Als zudem bei Nr. 2 vor zwei Jahren im Alter von 16 eine schwere Nierenkrankheit festgestellt wurde, hiess es, er habe noch maximal ein Jahr zu leben. Wie man heute weiss, war zumindest das «maximal» an der Prognose falsch. Doch vor gut zwei Jahren dachte ich, dass ich nun kurz davorstehe, mindestens eine Katze verabschieden zu müssen, und beschloss daher, eine dritte dazuzuholen, damit wenn eine abtritt, keine einsam ist. Zu jenem Zeitpunkt schien mir das ein brillanter Plan.
Über eine Organisation, die misshandelte Strassenkatzen aus Spanien in die Schweiz vermittelt, kam also vor anderthalb Jahren Katze Nr. 3 ins Haus: eine damals einjährige Mini-Tigerdame, die ein ausgerenktes steifes Bein hat, seit man sie daran festgehalten hatte, um sie kopfvoran gegen eine Wand zu hauen. Ihre Gehbehinderung ist jedoch vergessen, wenn sie jeweils nach dem Verzehr von rohem Fleisch wie ein beklopptes Eichhörnchen durch die Wohnung rast. Ich bin sehr glücklich, dass sie nun bei mir ist, wo sie garantiert keiner gegen irgendwelche Wände schlägt.
Nicht ganz so entzückt waren jedoch die beiden Kater, die den Neuankömmling prompt mobbten, was meinen Plan in der Praxis etwas ruinierte, denn nun war die süsse behinderte Babykatze einsam. Konsequenterweise musste also eine vierte her, um der dritten Gesellschaft zu leisten. So kam Nr. 4 ins Haus: eine knapp dreijährige Grautigerkatze, ebenfalls aus Spanien, Typ hysterische Sphinx, die bestimmt auch eine schwere Kindheit hatte: Was die mit Zimmerpflanzen macht, würde jeden Botaniker in tiefe Trauer stürzen. Mittlerweile kommen aber immerhin alle vier Katzen sehr gut miteinander klar, und so sollte das Rudel nach meinem Willen komplett sein.
Doch dann funkte das Schicksal dazwischen: Vor einigen Monaten erfuhr ich ganz ungewollt von einem weiteren spanischen Katzennotfall. Zwar scheute ich mich zunächst, die magische Vier-Katzen-Grenze zu überschreiten. Doch dann meinte jemand: «Ob nun vier oder fünf ist ja nun auch schon egal. Du spinnst doch sowieso.» Also holte ich diese unterernährte, kranke Tigerkatze auch noch dazu. Sie hat nur noch ein Auge. Aber damit kann die süss gucken – unglaublich. Und so waren es halt plötzlich fünf.
Ein Umstand, den ich übrigens bislang lieber für mich behalten habe. Menschen sagen nämlich seltsame Sachen, wenn man sich als fünffache Katzenhalterin outet: «Fünf Katzen? Aha. Etwas verschroben, was? Und wahrscheinlich keine eigene Familie, oder?» – Hä? Natürlich hab ich eine eigene Familie: Vater, Mutter, Bruder, Onkel, Tanten, Cousinen und was man halt so hat. Ich habe sogar eine recht grosse «eigene Familie».
Wenn gemeint ist, dass ich keine Kinder habe – so weit, so korrekt. Aber davon auszugehen, dass mir die Katzen Kinder ersetzen sollen, ist so trivialpsychologisch wie undifferenziert: Katzen sind keine kleinen Menschen. Bei Kindern ist die Pubertät irgendwann vorbei, Katzen haben ihr ganzes Leben lang einen Knall. Ausserdem kann ich rechnen: Würde ich in meinen Katzen einen Ersatz für Kinder sehen, hätte ich laut Statistik ja nur 1,4 und nicht fünf.
Die Zahl 1,4 ist in diesem Zusammenhang übrigens verblüffender als man vielleicht zuerst denkt: Das ist ja die aktuelle Geburtenziffer – so viele Kinder gebärt statistisch gesehen jede Frau in der Schweiz. 1,4 ist aber auch die Anzahl Millionen Katzen, die im Moment offiziell in der Schweiz leben. Interessant. Nicht?
Mathematisch interessant ist auch der Umstand, dass vier Katzen irgendwie nicht viel mehr zu sein schienen als drei, fünf jedoch wesentlich mehr sind als vier. Meine Freizeit zum Beispiel ist mittlerweile im eigentlichen Sinne komplett für die Katz: Haarbällchen einsammeln, Katzenklos säubern, streicheln, spielen, füttern, spielen, streicheln, putzen – und wenn ich dann abends nudelfertig ins Bett sinken möchte, hat sich bereits eine zufrieden schnurrende Katzenmeute darin breitgemacht. Der Schriftsteller Ernest Hemingway soll ja zeitweise 150 Katzen gehabt haben. Ich weiss nicht, wo der geschlafen hat. Und ob Hemingway wirklich einen derart ausgeprägten Kinderwunsch hatte?
Katzen und Kinder haben ja tatsächlich doch auch einige Gemeinsamkeiten: Etwa die Eigenart, sich auf den Boden zu werfen und zu quietschen, wenn sie nicht bekommen, was sie haben wollen. Oder partout etwas anderes essen zu wollen als das, was man ihnen vorsetzt. Beide machen zudem recht viel Dreck und sind manchmal ein freches Pack. Und beide liebt man; zumindest die eigenen. Aber Kinder zahlen irgendwann AHV-Beiträge. Katzen hingegen schaffen es, in praktischer Hinsicht vollkommen unnütz zu sein und trotzdem von Menschen umsorgt und betütelt zu werden. Ich meine: Klar sind Katzen knuffig, aber entschädigt das für zerkratzte Möbel, zerfetzte Vorhänge und vollgepinkelte Blumentöpfe? Ja. Das tut es. Aber warum?
Ich habe da eine These: Katzen sind heimatlose Ausserirdische, die uns durch Hypnose dazu bringen, sie auf der Erde mitdurchzufüttern. Haben Sie schon mal einer Katze tief in die Augen geschaut? Dann wissen Sie, was ich meine. Und wer Katzen gegen Wände haut, einäugig macht oder sonstwie schlecht behandelt, wird eines dunklen Tages von einem riesigen Raumschiff eingesammelt und in einer weit entfernten Katzenklo-Galaxie als Streueinlage benutzt. Das hat er dann davon. Und sollte ich nun das Vorurteil, Katzenhalterinnen seien halt etwas seltsam im Kopf, weiter zementiert haben – wer Katzen kennt, ahnt zumindest, dass ich recht habe.




