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FIV – «kleiner» Überblick über wichtige Fragen

Als ich 2009 das erste Mal mit FIV (felines Immundefizienzvirus) konfrontiert war, war ich erstmal komplett überfordert. In der Folge habe ich mir die Augen blutig gelesen und den Mund fusselig geredet in Gesprächen mit Tierärzten und FIV-Katzenhaltern, um mehr über die Krankheit und vor allem die Ansteckungsgefahr zu lernen.

Mein Fazit: Wer bei seiner Katze die Diagnose FIV oder salopp «Katzenaids» erhält – bitte erstmal ruhig durchatmen. Keine Panik. Das ist nicht schön, aber es gibt wesentlich Schlimmeres.

Im Namen meiner Fivies Mathilde, Faramee und Moriah und inzwischen auch Max, die hier mit vier FIV-negativen Katzen zusammenleben, hoffe ich mit diesem Beitrag ein wenig zur Aufklärung beizutragen und die Angst vor FIV zu mildern. Folgendes natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit, sondern lediglich als Orientierungshilfe:

Was ist FIV?
FIV (felines Immundefizienzvirus) ist quasi bei Katzen was beim Menschen HIV ist: Genau wie Aids beim Menschen führt eine FIV-Infektion zu einer geschwächten Immunabwehr. Eine FIV-Infektion ist nicht heilbar. Und genau wie bei HIV werden auch FIV-Patienten noch immer häufig stigmatisiert.

Wichtig: Nur der Western-Blot-Test weist FIV sicher nach – der Schnelltest kann falsch positiv sein.

FIV kann nicht auf den Menschen oder andere Tierarten übertragen werden.

Wie kann sich eine Katze mit FIV anstecken?
FIV wird hauptsächlich durch Bissverletzungen übertragen. Hier einige Ausführungen:

«Der Virus wird über den Speichel übertragen. Deswegen sind Bisse der Hauptübertragungsweg, hierbei kommt es zu einem direkten Kontakt zwischen dem infizierten Speichel und dem Blut der noch nicht erkrankten Katze.» Quelle: petsnature.de

«Katzen, die sich in der ‚Ruhephase‘ der Infektion befinden scheiden nur geringfügig Virus mit dem Speichel aus, so dass eine Ansteckung über Futterschalen so gut wie ausgeschlossen werden kann.» Quelle: laboklin.de

«Übertragen wird das FIV-Virus in erster Linie durch Bissverletzungen (meist im Rahmen von Revierkämpfen, aber auch durch den Nackenbiss beim Paarungsakt), weit seltener erfolgt die Ansteckung von Kitten bei der Geburt oder durch die Muttermilch einer infizierten Kätzin.

Außerhalb der Katze ist das Virus äußerst instabil und kann unter normalen Bedingungen kaum überleben, das bedeutet, dass eine Ansteckung beim friedlichen Zusammenleben mehrerer Katzen sehr unwahrscheinlich ist.» Quelle: respektiere.com

«Eine Übertragung der FIV-Infektion unter sozial gut angepassten Tieren ist wenig wahrscheinlich, da gut verträgliche Katzen sich nicht bekämpfen und es daher nicht zu Bissverletzungen kommt. So wurden Katzenkollektive beobachtet, in denen während vieler Jahre einzelne mit FIV infizierte Katzen mit nicht infizierten zusammenlebten, ohne dass es zu weiteren Infektionsfällen kam. Das FIV wird zwar durch den Speichel einer infizierten Katze ausgeschieden, verliert aber seine Infektiosität an der Aussenwelt sofort.» Quelle: virbac.de (Achtung: unschönes Foto)

Der Klarheit halber: Meine Fivies haben sich nicht untereinander angesteckt, sondern wurden wissentlich als FIV+ aus dem Tierschutz übernommen.

Gibt es eine Impfung gegen FIV?
Nein. In den USA gibt es zwar offenbar einen zugelassenen Impfstoff, doch die Resultate überzeugen scheints bislang nicht. Gemäss tierärztlichen Informationen unserer Tierklinik wie auch des Tierspitals Zürich kann man in absehbarer Zeit hierzulande nicht auf eine FIV-Impfung hoffen.

Welche Symptome zeigt FIV?
FIV selber zeigt keine Symptome – es kann aber aufgrund der zunehmend geschwächten Immunabwehr zu sogenannten sekundären beziehungsweise opportunistischen Infektionen kommen.

→ Sekundäre Infektion: Eine sekundäre Erkrankung ist eine, für die das Tier auch ohne Immundefizienz empfänglich ist wie zum Beispiel eine FeLV-Infektion.

→ Opportunistische Infektion: Bei fortgeschrittener Immunschwäche kann sich die Empfänglichkeit für gewisse Krankheitserreger erhöhen, die ohne FIV für die Katze kein Problem wären. Das können zum Beispiel verschiedene Viren oder Pilze sein.

Krankheitsverlauf
Wie bei jeder Krankheit ist der Verlauf auch bei FIV sehr individuell. Heruntergebrochen aufs Wesentliche: Bei FIV baut sich das Immunsystem nach und nach über die Jahre immer weiter ab – bis ein kritischer Punkt erreicht werden kann, an dem es anfängt zusammenzubrechen. Bis dahin kann das Immunsystem weiterhin gut funktionieren – evtl. etwas langsamer als bei einer FIV-negativen Katze, aber genauso erfolgreich. Hier ist das zum Beispiel ganz gut erklärt (unter «3. Klinische Symptomatik»): Felines Immundefizienz-Virus

Wichtig: FIV-positive Katzen sind nicht automatisch kränklich – und kränkliche Katzen sind umgekehrt nicht automatisch FIV-positiv. Mein Fivie Mathilde hatte unabhängig von FIV neben Herz- auch Lungenprobleme, die letztlich zu ihrem Tod führten. Ansonsten waren weder sie noch meine anderen FIV-Katzen Faramee, Moriah und Max seit sie bei uns sind je krank. Den Tierarzt kennen Faramee, Moriah und Max nur vom jährlichen Routine-Gesundheitscheck, den ich mit all meinen Katzen machen lasse.

FIV-Katzen können sehr alt werden und schliesslich an was auch immer sterben, das mit FIV gar nichts zu tun hat. FIV ist KEIN Todesurteil.

Ist FIV behandelbar?
Die Meinung der Fachwelt geht hier auseinander: Manche Tierärzte empfehlen bei FIV, das Immunsystem zu unterstützen, andere raten genau davon dringend ab, da es Hinweise gibt, dass eine Immunstimulation zu einer Progression der FIV-Infektion führen kann (siehe auch: «Sollen FIV-Katzen geimpft werden?»).

Unsere Tierklinik rät dazu, das Immunsystem von FIV-Katzen möglichst in Ruhe zu lassen, ganz nach dem Motto: «Man soll schlafende Hunde nicht wecken». Meine drei FIV-Katzen bekommen darum keine immunstärkenden Medikamente und werden auch nach ihrer Grundimmunisierung nicht mehr geimpft. Bislang gibt es bei uns im Zusammenhang mit FIV keinerlei Probleme.

→ Wichtig: Erkrankt eine FIV-Katze an was auch immer, wird sie bitte genauso behandelt, wie eine FIV-negative Katze. Es gibt einige Medikamente (zB. Cortison), die bei FIV nach Möglichkeit gemieden werden sollten – im Zweifelsfall sollte aber nicht darauf verzichtet werden, wenn es die einzige Chance auf Heilung einer sekundären/opportunistischen Erkrankung ist.

Auf keinen Fall sollte man auf medizinische Therapien verzichten, nur weil eine Katze FIV-positiv ist und das Immunsystem das vermeintlich «sowieso nicht schafft». Meine FIV-positive Mathilde überstand 2012 eine Lungen- und eine Herz-OP sowie eine Cortison-Therapie. Sie erholte sich vollständig. Ihre Erkrankungen hatten nichts mit FIV zu tun. (Nachtrag 2014: am 17. April 2014 musste ich Mathilde im Alter von rund 14 Jahren gehen lassen. FIV war nicht der Grund)

Sollen FIV-Katzen geimpft werden? (Zb. gegen Leukose, Seuche/Schnupfen)
Auch hier teilt sich die Fachwelt in zwei Lager:

Befürworter: «Zudem können Medikamente, die in der Lage sind das Immunsystem anzuregen, eingesetzt werden. Begleitend sollte im Bedarfsfall eine Therapie der auftretenden bakteriellen Infektionen und der Organerkrankungen durchgeführt werden. Eine FIV-positive Katze sollte zudem regelmäßig geimpft und entwurmt werden.» Quelle: laboklin.de

→ Gegner: «… scheint nicht nur eine Immunsuppression, sondern auch eine Immunstimulation zu einer Progression der Fiv-Infektion zu führen. (…) Daher sollten nur Katzen geimpft werden, die einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind. Wird eine Katze ausschliesslich im Haus gehalten, scheint die Gefahr von Sekundärinfektionen geringer zu sein, als der mögliche negative Einfluss der Impfung.» Quelle: Infektionskrankheiten der Katze

Auf Anraten unserer Tierklinik werden meine Fivies seit ihrer Grundimmunisierung gegen Seuche/Schnupfen wie schon gesagt nicht mehr geimpft, um FIV nicht «aufzuwecken».

FIV-Katze in Freigang?
Die meisten mir bekannten Quellen empfehlen, FIV-Katzen nach Möglichkeit keinen Freigang mehr zu gewähren. Sie argumentieren wie folgt:

«Mit Fiv infizierte Katzen sollten ausschliesslich im Haus gehalten werden, um eine Übertragung auf andere Katzen zu vermeiden und um die immunsupprimierte Katze vor Infektionen durch andere Tiere zu schützen. (…) Sekundäre Infektionen können nicht nur gravierende klinische Symptome bei Fiv-infizierten Katzen verursachen, sondern auch eine wesentliche Rolle in der Progression der Fiv-Infektion spielen. Sie führen als Kofaktoren zur Beschleunigung der Infektionsphasen und zum früheren Eintreten des terminalen Stadiums.» Quelle: Infektionskrankheiten der Katze

Handkehrum: «Grundsätzlich muss sich jeder Halter von Freigänger-Katzen fragen, ob sein Tier wirklich FIV negativ ist. Denn wenn Katzen draußen herumstreunen, erfahren wir nur in den seltensten Fällen, mit wem es gerade Streit gibt. Wenn die Tiere dann mit einer Schramme hier, einer kleinen Wunde dort nach Hause kommen, wird niemand einen erneuten FIV-Test machen lassen.» Quelle: respektiere.com

Zudem: Wenn die positiv getestete Katze Freigang kennt und liebt, ist es natürlich enormer Stress für sie, plötzlich keinen Freigang mehr zu bekommen und Stress wiederum ist bei FIV unbedingt zu vermeiden, da Stress das Fortschreiten der Krankheit fördert.

Prävention
Auch hier – wie so oft, wenn in der Katzenwelt Unheil verhindert werden soll – ist die Kastration der Katzen bzw. Kater die beste Vorbeugung, dass FIV sich nicht weiter in der Katzenpopulation ausbreitet. Über blutige Revierkämpfe und Deckungsakte sind unkastrierte Freilaufkampfkater die massgeblichen FIV-Überträger bzw. auch selbst die häufigsten Opfer der Krankheit, weshalb bei FIV auch oft vom „dirty old man desease“ gesprochen wird.

In der Schweiz werden Katzen nicht standardmässig auf FIV getestet – daher wissen viele Katzenbesitzer wohl gar nicht, ob ihre Katzen/Kater FIV-positiv oder -negativ sind. Wenn die Katzen/Kater aber kastriert sind, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass sie andere Katzen bei blutigen Beissereien anstecken, um ein Vielfaches.

Sollten Sie bei Ihrer Katze die Diagnose FIV bekommen: Bleiben Sie ruhig. Klären Sie alle offenen Fragen für Ihre individuelle Situation (Freigang, Impfung etc.) – aber geben Sie Ihre Katze bitte auf keinen Fall auf. Sollte Ihr Tierarzt das tun: Gehen Sie bitte zu einem anderen.

Wichtige Ergänzung

Bitte die drei bösen «F» nicht durcheinanderbringen: FIP, FIV und FeLV

Es zeigt sich im Austausch mit anderen Katzenhaltern über FIV häufig, dass viele offenbar nicht so richtig unterscheiden können zwischen FIV, FIP und FeLV. Diese Krankheiten zu verwechseln, kann jedoch zu tödlichen Irrtümern führen – zumindest für unsere Katzen. Darum hier ein kleines «Lexikon der drei bösen ‚F’»:

Besonders FIV und FIP werden zum Leidwesen der Katzenwelt sehr oft verwechselt. Sie sind aber – trotz ähnlicher Abkürzung – zwei vollkommen unterschiedliche Krankheiten, die miteinander in keinerlei Zusammenhang stehen:

  • FIV (felines Immundefizienzvirus oder umgangssprachlich Katzenaids) ist eine fortschreitende Immunschwäche, die durch ein Virus aus der Familie der Retroviren ausgelöst wird. Mehr Informationen finden sich im Beitrag oben: FIV – «kleiner» Überblick über wichtige Fragen 
  • FIP (feline infektiöse Peritonitis) hingegen entsteht durch die Mutation des an sich harmlosen Corona-Virus und endet leider immer innert kurzer Zeit tödlich. Für die betroffenen Katzen gibt es keine Chance auf Rettung. Leider. Mehr Informationen zu FIP finden Sie zB. in diesem Beitrag: http://www.katzenkrankheiten.net/katzenkrankheiten/fip.html 
  • FeLV (Leukose – früher oft irrigerweise mit Katzenaids (FIV) gleichgesetzt): Die Leukose, auch Leukämie genannt, wird zwar wie FIV von einem Virus aus der Familie der Retroviren ausgelöst, die Krankheit ist jedoch in verschiedener Hinsicht einiges komplexer und leider auch wesentlich ansteckender als FIV. Dennoch können auch FeLV-Katzen ein hohes Alter erreichen. FeLV-Katzen sollten jedoch aufgrund der hohen Ansteckungsgefahr für ihre Artgenossen – so weit ich es lernte – von nicht-infizierten Tieren separiert und zB. in Gesellschaft mit anderen FeLV-Katzen gehalten werden. Besprechen Sie das mit einem gut informierten Tierarzt. Bis dahin einige Grundlageninfos zu FeLV: http://www.katzenkrankheiten.net/katzenkrankhe…/leukose.html

Es entscheidet mitunter über Leben und Tod, ob Katzenhalter diese Unterscheidungen begreifen.

Oder so rum: Bevor ihr Entscheidungen über eure Tiere trefft: Lest. Euch. Ein. !

Euch und euren Liebsten von Herzen alles Gute ❤

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Meine Zwerglis und ich wünschen allen Fivies ein langes, beschwerdefreies Leben ♥

Mathilde, FIV+ ( 17. April 2014 – ihr Tod hatte nichts mit FIV zu tun)
FIV_Mathilde

Faramee, geb. ca. 2007/2008, FIV+ (seit 2010 bei uns – nie krank gewesen)
FIV_Faramee

Moriah, geb. ca. 2010, FIV+ (seit 2012 bei uns – nie krank gewesen)
FIV_Moriah

Max, FIV+ ( 16. November 2016 – er starb an einem Lymphom (Krebs), das mit FIV nichts zu tun hatte)
max2015-2

Tierpsychologie? Ja, is klar…

Kennen Sie das: Sie haben von einem Thema null Ahnung, aber dafür eine umso klarere Haltung dazu? Als Journalistin bin ich mit solchen Kenntnis-Meinungs-Unvereinbarkeiten immer wieder konfrontiert. Besonders entsetzt bin ich, wenns bei mir selbst ist…

Bis vor einigen Jahren hatte ich keinen Schimmer, was Tierpsychologen den ganzen Tag so tun – aber ich war mir sicher: Bei denen tickts doch nicht richtig. Ich meine: Tierpsychologie – aber hallo? Das brauchen vielleicht Leute, die nicht mehr wissen, welchen neuen strassbesteinten Schnickschnack sie ihrem überzüchteten Handtaschen-Wauwau kaufen könnten, weil sie schon alles haben, aber um jeden Preis Geld ausgeben möchten. DIE brauchen vielleicht Tierpsychologen – aber doch kein normaler Mensch. Ts.

Heute ist mir diese schlecht informierte Denkweise äusserst peinlich. Denn heute weiss ich vergleichsweise sehr viel mehr über Tierpsychologie bzw. Verhaltenstherapie und meine Meinung hat sich analog zu meinem Wissenszuwachs radikal verändert.

Der Weg zur Erkenntnis ist bekanntlich beschwerlich. So war es auch bei mir. Als ich erstmals mit einer meiner Katzen an einem Punkt war, an dem ich keinen anderen Weg mehr sah, als einen Katzenflüsterer beizuziehen, machte ich einige – öhm… – spezielle Bekanntschaften mit Tierpsychologen, die meine Vorurteile nur bestätigten. Doch wo Verzweiflung, da ein Wille: Ich suchte weiter.

Meine ersten wirklich positiven – oder präziser: geradezu erleuchtenden – Erfahrungen mit Verhaltenstherapie/Tierpsychologie machte ich, als ich Hilfe für mein damals 17-jähriges Mobbing-Opfer LouLou suchte: Wir fanden die Fachfrau Christine Hauschild. Sie vollbrachte nicht nur an meiner Katze LouLou Wunder (LouLous Geschichte können Sie hier nachlesen) – sondern auch an mir: Ich öffnete mich für ein Thema, das ich fast 40 Jahre lang vollkommen grundlos für Humbug gehalten hatte.

Verhaltenstherapie ist kein Hokuspokus, sondern eine sehr praxis- und situationsbezogene Herangehensweise Menschen- und Katzenverhalten in schwierigen Situationen aufeinander abzustimmen – oft sind wir Menschen in einer Problemsituation betriebsblind und sehen gar nicht, warum ein Tier um Hilfe ruft (es ist nie «Protest», der ja auch eine gewisse negative Grundhaltung voraussetzt – Tiere haben so etwas nicht). Manchmal helfen schon kleinste Änderungen im Alltag: Manchmal werden Katzenklos, Kratzbäume oder Schlafplätze neu platziert, manchmal das Verhalten (der Tierhalter ;-)) überdacht. Es ist meist gar nicht so schwer – wenn man mal bereit ist, sich in das Tier hineinzuversetzen, das nicht aus seiner Natur heraus kann.

Heute bin ich der Meinung, dass jeder Tierhalter Grundkenntnisse über Verhaltenstherapie haben sollte. Wirklich JEDER. Vor allem aber Katzenhalter. Vermeintlich katzentypische Ängste (Tierarzt, Türklingel, Feuerwerk) sind oft mitnichten katzentypisch: Wir Katzenhalter haben den Katzen diese Ängste allzu oft überhaupt erst anerzogen. Und vielleicht fände es dann endlich mal ein Ende, dass immer noch arme Katzen zu Erziehungszwecken mit Wasserpistolen malträtiert werden (eine Massnahme übrigens, die ich persönlich schon allein vom gesunden Menschenverstand her ganz ohne Grundkenntnisse über Konditionierung zu keiner Zeit jemals auch nur in Betracht gezogen hätte – geht’s noch?). Meine Katzen haben heute jedenfalls keine Angst mehr vor Besuchern, Staubsaugern, Feuerwerken oder Tierärzten. Eine huldvolle Verneigung an die Tierpsychologie!

Aktuell werden wir ja auch wieder tierpsychologisch betreut wegen meiner Katze Moriah.

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Sie wurde mir als menschenscheu, aber absolut katzensozial vermittelt. Der Scheiss ist: Es ist genau umgekehrt. Moriah hat null Probleme mit mir – aber sie hat panische Angst vor anderen Katzen. Das Problem: Hier leben ausser Moriah sechs davon. Doofe Situation.

Als ich diese Ausgangslage in Katzenforen schilderte, vermisste ich ehrlich gesagt teils ein wenig das Verständnis für Moriahs Situation. Es hiess oft: Ja, sie ist halt scheu, die taut schon noch auf, nur Geduld, gnägnä…. Aber: Sie findet ihr Leben hier bei uns nicht einfach ein bisschen gruselig. Sie lebte 24 Stunden am Tag in schierer Panik. Ich erkläre es jeweils gern so: Moriah muss sich hier gefühlt haben wie ich mich fühlen würde, wenn ich plötzlich in ein Haus voller Zombies gesetzt würde – ohne zu wissen, dass das alles Veganer sind. Und natürlich ginge ich auch mit allem, was ich habe, auf einen Zombie los, wenn der sich mir nähert – und so tat es Moriah auch bei meinen anderen Katzen. Das geht so nicht. Weder für Moriah noch für die anderen Zwerglis. Zumal Moriah FIV+ ist – und FIV wird über Bisse übertragen…

Uns wurde nun von fachkundigster Seite geraten, die Zusammenführung komplett abzubrechen, und erstmal an Moriahs Selbstvertrauen und Zuversicht zu arbeiten. Sie wohnt in einem separaten Raum, der durch eine Gittertür vom Rest der Wohnung getrennt ist. So bekommt sie zwar alles mit – aber keiner kann sie dabei stören, selber herauszufinden wie neugierig sie damit umgehen möchte. Zusätzlich praktizieren wir positive Konditionierung und sie bekommt auch diverse chemiefreie Hilfsmittelchen (Bachblüten & Co. – ist doch egal, ob ich dran glaube).

Und siehe: Ich habe Moriah seit ihrem Einzug hier vor dreieinhalb Monaten noch nie so neugierig, aufgeweckt und vor Freude strahlend erlebt wie die letzten Tage. Mein Herz hüpft, wenn ich sie heute sehe: eine glückliche Katze. Die heute das allerallererste Mal ganz freiwillig aus schierer katzentypischer Neugierde ganz von selbst das an ihren Raum angrenzende (dafür extra für die anderen Katzen unzugänglich gemachte) Zimmer erkundete.

Moriah entdeckt sich selbst – und ihre Welt. Und irgendwann wird sie sehen, dass moderne Zombies vegan leben und keine Katzen fressen 😉 Jep. Wir sind zuversichtlich!

Katzenerziehung
Finger weg von der Sprühflasche!

Buchtipps
Katzenhaltung mit Köpfchen. Christine Hauschild, 2012. Meines Erachtens ein Meilenstein fürs Verständnis von Mensch fürs Katz.
Tierartztraining für Katzen. Christine Hauschild, 2013
Tricktraining für Katzen. Christine Hauschild, 2013
Clickertraining – mehr als Spass für Katzen. Birgit Laser, 2. Auflage 2012

Was macht ein Tierpsychologe eigentlich genau?
Interview mit Tierpsychologin Gloria Isler

Tierpsychologinnen meines Vertrauens
Christine Hauschild (D): Mobile Katzenschule Happy Miez
Gloria Isler (CH): Animalsense
Berufsverband tierpsychologischer Beraterinnen 
und Berater (CH): www.vieta.ch
Suche nach Tierpsychologen/Verhaltenstherapeuten international: Verband der Tierpsychologen und Tiertrainer

Klicker-Tutorial
Wer mehr über Klickertrainig erfahren möchte, findet im Katzentraining-Blog Schritt für Schritt alles leicht verständlich erklärt: Klicker-Tutorial

LouLous Geschichte
Der Wahnsinn hat Methode