Archiv der Kategorie: Krankheiten/Notfälle/Prävention

Katze eintüten? Katze eintüten.

Heute morgen musste ich mit Katze Shakti zur Gebisssanierung zum Tierarzt. Es geht uns gut. Ich meine: uns beiden. Das war nach Tierarztbesuchen nicht immer so.

Früher, wenn ich Shakti in eine Transporttasche packen musste, ging das nicht ohne Blutvergiessen. Mein Blut wohlgemerkt. Das lief jeweils etwa so ab:

Meine Katze Shakti schätzt es nicht, hochgehoben zu werden. Normalerweise respektiere ich das. Aber wenn ich sie in eine Transportkiste setzen muss, geht es nunmal nicht anders. Zumal sie Transportkisten noch mehr hasst, als hochgehoben zu werden, und daher im Leben nicht freiwillig in so ein Ding reinlaufen würde. Den ersten Tierarzttermin hatte ich denn auch absagen müssen: Ich bekam die Katze einfach nicht transportfähig. Also schickte mir der Tierarzt vor dem zweiten Termin eine Beruhigungstablette, auf dass ihr Widerstand auf ein brechbares Mass reduziert werde. Die Katze ist aber nicht doof – als ich am fraglichen Tag mit der Pille ankam, merkte sie sofort, dass da was läuft.

Da stand ich nun mit meiner blöden Tablette vor einer finster blickenden Katze, die beschlossen hatte, das Teil unter gar keinen Umständen zu schlucken. Der Tierarzttermin rückte unerbittlich näher. Ich überdachte Alternativstrategien: Trichter? Durchs Nasenloch hochschieben? Ins Ohr werfen? Als die Zeit langsam richtig knapp wurde, besann ich mich auf das Recht des Stärkeren (ha-ha): Ich beschloss, sie halt doch ohne Betäubung in die Kiste zu packen. Was folgte, war wenig ruhmreich für mich.

Ich – leicht gebückt – gehe langsam auf Shakti zu, flöte dabei in meiner zuckrigsten Stimmlage etwas, das ich für beruhigend halte. Shakti sieht darin jedoch eine Aufforderung zum Kampf: Ihr Blick fixiert den meinen. Vorerst geht sie auf Halbdistanz, weicht Schritt für Schritt zurück, gleichfalls leicht geduckt. Ich breite in Zeitlupe meine Arme aus, will sie in die Zimmerecke drängen. Shakti bleibt kurz stehen – macht eine Finte nach rechts, um dann pfeilschnell links an mir vorbeizuziehen. Ich – ZACK – werfe mich ihr in den Weg, schlage dabei unsanft auf dem Boden auf. Shakti zuckt zurück, springt dann über mich drüber und rast über den Parkett schlingernd in ein anderes Zimmer.

Ich rapple mich auf, justiere meine ausgerenkten Knochen und folge ihr. Shakti hat sich nicht etwa verkrochen: Breitbeinig steht sie mitten im Raum, wiegt sich leicht hin und her wie ein Boxer, bereit für den Infight. Wieder gehe ich langsam auf sie zu, wieder weicht sie Schritt für Schritt zurück. Als sie realisiert, dass direkt hinter ihr die Wand ist, guckt sie erst mich an, dann die Transportkiste neben der Tür – und entschliesst sich zur Attacke: Sie macht einen grossen Satz direkt auf mich zu, ich bekomme sie kurz zu fassen, sie aber windet sich aus meinem Griff, hackt mit einem wuchtigen Rechtsausleger ihre Krallen in meinen rechten Arm, zieht sich – sehr zu meinem Leidwesen – daran hoch, um über meine Schulter auf den Türrahmen zu springen. Der aber bietet nicht genug Halt, sie fällt herunter – direkt in die oben offene und glücklicherweise weich gepolsterte Transportkiste. Noch bevor sie wieder auf die Beine kommt, hechte ich zur Kiste und klappe den Deckel zu.

Nach Atem ringend betrachtete ich das Ergebnis meiner Bemühungen: Die Wohnungseinrichtung verwüstet, mein rechter Arm hing in Fetzen, als hätte ich in einen Aktenshredder gefasst, auch mein Gesicht hatte einiges abbekommen, und in der Transportkiste miaute meine Katze in Todesangst. Letzteres brach mir fast das Herz. Als ich blutüberströmt in der Praxis ankam, blickte die junge Dame hinter dem Empfangstresen auf, ihr Gesichtsausdruck verblüfft: «Sind Sie sicher, dass Sie hier richtig sind? Geht es Ihnen gut?» Ja, nein, also doch, erwiderte ich etwas überfordert, das sei schon richtig, ich hätte vor einer Woche einen Termin vereinbart. Als die Tierarzthelferin beim Anblick der blutverschmierten Katzentransportkiste ganz blass wird, beruhigte ich sie: «Keine Sorge, das ist alles meins, dem Tier geht es gut.»

Für solche Auftritte waren Shakti und ich in unserer Tierarztpraxis schon bekannt – Verbandszeug lag stets bereit, wenn Shakti einen Termin hatte.

Heute ist das nicht mehr so. Irgendjemand erzählte mir nämlich irgendwann, dass man panische Katzen durchaus zu handzahmen Patienten umpolen könne. Aha?

Also fingen wir an zu trainieren.

Heute hebe ich Shakti hoch, trage sie zur Transportbox, setze sie rein und mache den Deckel zu. Kein Problem. Ich weiss inzwischen auch, dass das jeweils klappt. Doch wer unsere Eintütvergangenheit nun kennt, versteht vielleicht, warum ich trotzdem jedesmal vorher scheissnervös bin 😛 

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FIV – «kleiner» Überblick über wichtige Fragen

Als ich 2009 das erste Mal mit FIV (felines Immundefizienzvirus) konfrontiert war, war ich erstmal komplett überfordert. In der Folge habe ich mir die Augen blutig gelesen und den Mund fusselig geredet in Gesprächen mit Tierärzten und FIV-Katzenhaltern, um mehr über die Krankheit und vor allem die Ansteckungsgefahr zu lernen.

Mein Fazit: Wer bei seiner Katze die Diagnose FIV oder salopp «Katzenaids» erhält – bitte erstmal ruhig durchatmen. Keine Panik. Das ist nicht schön, aber es gibt wesentlich Schlimmeres.

Im Namen meiner Fivies Mathilde, Faramee und Moriah und inzwischen auch Max, die hier mit vier FIV-negativen Katzen zusammenleben, hoffe ich mit diesem Beitrag ein wenig zur Aufklärung beizutragen und die Angst vor FIV zu mildern. Folgendes natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit, sondern lediglich als Orientierungshilfe:

Was ist FIV?
FIV (felines Immundefizienzvirus) ist quasi bei Katzen was beim Menschen HIV ist: Genau wie Aids beim Menschen führt eine FIV-Infektion zu einer geschwächten Immunabwehr. Eine FIV-Infektion ist nicht heilbar. Und genau wie bei HIV werden auch FIV-Patienten noch immer häufig stigmatisiert.

Wichtig: Nur der Western-Blot-Test weist FIV sicher nach – der Schnelltest kann falsch positiv sein.

FIV kann nicht auf den Menschen oder andere Tierarten übertragen werden.

Wie kann sich eine Katze mit FIV anstecken?
FIV wird hauptsächlich durch Bissverletzungen übertragen. Hier einige Ausführungen:

«Der Virus wird über den Speichel übertragen. Deswegen sind Bisse der Hauptübertragungsweg, hierbei kommt es zu einem direkten Kontakt zwischen dem infizierten Speichel und dem Blut der noch nicht erkrankten Katze.» Quelle: petsnature.de

«Katzen, die sich in der ‚Ruhephase‘ der Infektion befinden scheiden nur geringfügig Virus mit dem Speichel aus, so dass eine Ansteckung über Futterschalen so gut wie ausgeschlossen werden kann.» Quelle: laboklin.de

«Übertragen wird das FIV-Virus in erster Linie durch Bissverletzungen (meist im Rahmen von Revierkämpfen, aber auch durch den Nackenbiss beim Paarungsakt), weit seltener erfolgt die Ansteckung von Kitten bei der Geburt oder durch die Muttermilch einer infizierten Kätzin.

Außerhalb der Katze ist das Virus äußerst instabil und kann unter normalen Bedingungen kaum überleben, das bedeutet, dass eine Ansteckung beim friedlichen Zusammenleben mehrerer Katzen sehr unwahrscheinlich ist.» Quelle: respektiere.com

«Eine Übertragung der FIV-Infektion unter sozial gut angepassten Tieren ist wenig wahrscheinlich, da gut verträgliche Katzen sich nicht bekämpfen und es daher nicht zu Bissverletzungen kommt. So wurden Katzenkollektive beobachtet, in denen während vieler Jahre einzelne mit FIV infizierte Katzen mit nicht infizierten zusammenlebten, ohne dass es zu weiteren Infektionsfällen kam. Das FIV wird zwar durch den Speichel einer infizierten Katze ausgeschieden, verliert aber seine Infektiosität an der Aussenwelt sofort.» Quelle: virbac.de (Achtung: unschönes Foto)

Der Klarheit halber: Meine Fivies haben sich nicht untereinander angesteckt, sondern wurden wissentlich als FIV+ aus dem Tierschutz übernommen.

Gibt es eine Impfung gegen FIV?
Nein. In den USA gibt es zwar offenbar einen zugelassenen Impfstoff, doch die Resultate überzeugen scheints bislang nicht. Gemäss tierärztlichen Informationen unserer Tierklinik wie auch des Tierspitals Zürich kann man in absehbarer Zeit hierzulande nicht auf eine FIV-Impfung hoffen.

Welche Symptome zeigt FIV?
FIV selber zeigt keine Symptome – es kann aber aufgrund der zunehmend geschwächten Immunabwehr zu sogenannten sekundären beziehungsweise opportunistischen Infektionen kommen.

→ Sekundäre Infektion: Eine sekundäre Erkrankung ist eine, für die das Tier auch ohne Immundefizienz empfänglich ist wie zum Beispiel eine FeLV-Infektion.

→ Opportunistische Infektion: Bei fortgeschrittener Immunschwäche kann sich die Empfänglichkeit für gewisse Krankheitserreger erhöhen, die ohne FIV für die Katze kein Problem wären. Das können zum Beispiel verschiedene Viren oder Pilze sein.

Krankheitsverlauf
Wie bei jeder Krankheit ist der Verlauf auch bei FIV sehr individuell. Heruntergebrochen aufs Wesentliche: Bei FIV baut sich das Immunsystem nach und nach über die Jahre immer weiter ab – bis ein kritischer Punkt erreicht werden kann, an dem es anfängt zusammenzubrechen. Bis dahin kann das Immunsystem weiterhin gut funktionieren – evtl. etwas langsamer als bei einer FIV-negativen Katze, aber genauso erfolgreich. Hier ist das zum Beispiel ganz gut erklärt (unter «3. Klinische Symptomatik»): Felines Immundefizienz-Virus

Wichtig: FIV-positive Katzen sind nicht automatisch kränklich – und kränkliche Katzen sind umgekehrt nicht automatisch FIV-positiv. Mein Fivie Mathilde hatte unabhängig von FIV neben Herz- auch Lungenprobleme, die letztlich zu ihrem Tod führten. Ansonsten waren weder sie noch meine anderen FIV-Katzen Faramee, Moriah und Max seit sie bei uns sind je krank. Den Tierarzt kennen Faramee, Moriah und Max nur vom jährlichen Routine-Gesundheitscheck, den ich mit all meinen Katzen machen lasse.

FIV-Katzen können sehr alt werden und schliesslich an was auch immer sterben, das mit FIV gar nichts zu tun hat. FIV ist KEIN Todesurteil.

Ist FIV behandelbar?
Die Meinung der Fachwelt geht hier auseinander: Manche Tierärzte empfehlen bei FIV, das Immunsystem zu unterstützen, andere raten genau davon dringend ab, da es Hinweise gibt, dass eine Immunstimulation zu einer Progression der FIV-Infektion führen kann (siehe auch: «Sollen FIV-Katzen geimpft werden?»).

Unsere Tierklinik rät dazu, das Immunsystem von FIV-Katzen möglichst in Ruhe zu lassen, ganz nach dem Motto: «Man soll schlafende Hunde nicht wecken». Meine drei FIV-Katzen bekommen darum keine immunstärkenden Medikamente und werden auch nach ihrer Grundimmunisierung nicht mehr geimpft. Bislang gibt es bei uns im Zusammenhang mit FIV keinerlei Probleme.

→ Wichtig: Erkrankt eine FIV-Katze an was auch immer, wird sie bitte genauso behandelt, wie eine FIV-negative Katze. Es gibt einige Medikamente (zB. Cortison), die bei FIV nach Möglichkeit gemieden werden sollten – im Zweifelsfall sollte aber nicht darauf verzichtet werden, wenn es die einzige Chance auf Heilung einer sekundären/opportunistischen Erkrankung ist.

Auf keinen Fall sollte man auf medizinische Therapien verzichten, nur weil eine Katze FIV-positiv ist und das Immunsystem das vermeintlich «sowieso nicht schafft». Meine FIV-positive Mathilde überstand 2012 eine Lungen- und eine Herz-OP sowie eine Cortison-Therapie. Sie erholte sich vollständig. Ihre Erkrankungen hatten nichts mit FIV zu tun. (Nachtrag 2014: am 17. April 2014 musste ich Mathilde im Alter von rund 14 Jahren gehen lassen. FIV war nicht der Grund)

Sollen FIV-Katzen geimpft werden? (Zb. gegen Leukose, Seuche/Schnupfen)
Auch hier teilt sich die Fachwelt in zwei Lager:

Befürworter: «Zudem können Medikamente, die in der Lage sind das Immunsystem anzuregen, eingesetzt werden. Begleitend sollte im Bedarfsfall eine Therapie der auftretenden bakteriellen Infektionen und der Organerkrankungen durchgeführt werden. Eine FIV-positive Katze sollte zudem regelmäßig geimpft und entwurmt werden.» Quelle: laboklin.de

→ Gegner: «… scheint nicht nur eine Immunsuppression, sondern auch eine Immunstimulation zu einer Progression der Fiv-Infektion zu führen. (…) Daher sollten nur Katzen geimpft werden, die einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind. Wird eine Katze ausschliesslich im Haus gehalten, scheint die Gefahr von Sekundärinfektionen geringer zu sein, als der mögliche negative Einfluss der Impfung.» Quelle: Infektionskrankheiten der Katze

Auf Anraten unserer Tierklinik werden meine Fivies seit ihrer Grundimmunisierung gegen Seuche/Schnupfen wie schon gesagt nicht mehr geimpft, um FIV nicht «aufzuwecken».

FIV-Katze in Freigang?
Die meisten mir bekannten Quellen empfehlen, FIV-Katzen nach Möglichkeit keinen Freigang mehr zu gewähren. Sie argumentieren wie folgt:

«Mit Fiv infizierte Katzen sollten ausschliesslich im Haus gehalten werden, um eine Übertragung auf andere Katzen zu vermeiden und um die immunsupprimierte Katze vor Infektionen durch andere Tiere zu schützen. (…) Sekundäre Infektionen können nicht nur gravierende klinische Symptome bei Fiv-infizierten Katzen verursachen, sondern auch eine wesentliche Rolle in der Progression der Fiv-Infektion spielen. Sie führen als Kofaktoren zur Beschleunigung der Infektionsphasen und zum früheren Eintreten des terminalen Stadiums.» Quelle: Infektionskrankheiten der Katze

Handkehrum: «Grundsätzlich muss sich jeder Halter von Freigänger-Katzen fragen, ob sein Tier wirklich FIV negativ ist. Denn wenn Katzen draußen herumstreunen, erfahren wir nur in den seltensten Fällen, mit wem es gerade Streit gibt. Wenn die Tiere dann mit einer Schramme hier, einer kleinen Wunde dort nach Hause kommen, wird niemand einen erneuten FIV-Test machen lassen.» Quelle: respektiere.com

Zudem: Wenn die positiv getestete Katze Freigang kennt und liebt, ist es natürlich enormer Stress für sie, plötzlich keinen Freigang mehr zu bekommen und Stress wiederum ist bei FIV unbedingt zu vermeiden, da Stress das Fortschreiten der Krankheit fördert.

Prävention
Auch hier – wie so oft, wenn in der Katzenwelt Unheil verhindert werden soll – ist die Kastration der Katzen bzw. Kater die beste Vorbeugung, dass FIV sich nicht weiter in der Katzenpopulation ausbreitet. Über blutige Revierkämpfe und Deckungsakte sind unkastrierte Freilaufkampfkater die massgeblichen FIV-Überträger bzw. auch selbst die häufigsten Opfer der Krankheit, weshalb bei FIV auch oft vom „dirty old man desease“ gesprochen wird.

In der Schweiz werden Katzen nicht standardmässig auf FIV getestet – daher wissen viele Katzenbesitzer wohl gar nicht, ob ihre Katzen/Kater FIV-positiv oder -negativ sind. Wenn die Katzen/Kater aber kastriert sind, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass sie andere Katzen bei blutigen Beissereien anstecken, um ein Vielfaches.

Sollten Sie bei Ihrer Katze die Diagnose FIV bekommen: Bleiben Sie ruhig. Klären Sie alle offenen Fragen für Ihre individuelle Situation (Freigang, Impfung etc.) – aber geben Sie Ihre Katze bitte auf keinen Fall auf. Sollte Ihr Tierarzt das tun: Gehen Sie bitte zu einem anderen.

Wichtige Ergänzung

Bitte die drei bösen «F» nicht durcheinanderbringen: FIP, FIV und FeLV

Es zeigt sich im Austausch mit anderen Katzenhaltern über FIV häufig, dass viele offenbar nicht so richtig unterscheiden können zwischen FIV, FIP und FeLV. Diese Krankheiten zu verwechseln, kann jedoch zu tödlichen Irrtümern führen – zumindest für unsere Katzen. Darum hier ein kleines «Lexikon der drei bösen ‚F’»:

Besonders FIV und FIP werden zum Leidwesen der Katzenwelt sehr oft verwechselt. Sie sind aber – trotz ähnlicher Abkürzung – zwei vollkommen unterschiedliche Krankheiten, die miteinander in keinerlei Zusammenhang stehen:

  • FIV (felines Immundefizienzvirus oder umgangssprachlich Katzenaids) ist eine fortschreitende Immunschwäche, die durch ein Virus aus der Familie der Retroviren ausgelöst wird. Mehr Informationen finden sich im Beitrag oben: FIV – «kleiner» Überblick über wichtige Fragen 
  • FIP (feline infektiöse Peritonitis) hingegen entsteht durch die Mutation des an sich harmlosen Corona-Virus und endet leider immer innert kurzer Zeit tödlich. Für die betroffenen Katzen gibt es keine Chance auf Rettung. Leider. Mehr Informationen zu FIP finden Sie zB. in diesem Beitrag: http://www.katzenkrankheiten.net/katzenkrankheiten/fip.html 
  • FeLV (Leukose – früher oft irrigerweise mit Katzenaids (FIV) gleichgesetzt): Die Leukose, auch Leukämie genannt, wird zwar wie FIV von einem Virus aus der Familie der Retroviren ausgelöst, die Krankheit ist jedoch in verschiedener Hinsicht einiges komplexer und leider auch wesentlich ansteckender als FIV. Dennoch können auch FeLV-Katzen ein hohes Alter erreichen. FeLV-Katzen sollten jedoch aufgrund der hohen Ansteckungsgefahr für ihre Artgenossen – so weit ich es lernte – von nicht-infizierten Tieren separiert und zB. in Gesellschaft mit anderen FeLV-Katzen gehalten werden. Besprechen Sie das mit einem gut informierten Tierarzt. Bis dahin einige Grundlageninfos zu FeLV: http://www.katzenkrankheiten.net/katzenkrankhe…/leukose.html

Es entscheidet mitunter über Leben und Tod, ob Katzenhalter diese Unterscheidungen begreifen.

Oder so rum: Bevor ihr Entscheidungen über eure Tiere trefft: Lest. Euch. Ein. !

Euch und euren Liebsten von Herzen alles Gute ❤

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Meine Zwerglis und ich wünschen allen Fivies ein langes, beschwerdefreies Leben ♥

Mathilde, FIV+ ( 17. April 2014 – ihr Tod hatte nichts mit FIV zu tun)
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Faramee, geb. ca. 2007/2008, FIV+ (seit 2010 bei uns – nie krank gewesen)
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Moriah, geb. ca. 2010, FIV+ (seit 2012 bei uns – nie krank gewesen)
FIV_Moriah

Max, FIV+ ( 16. November 2016 – er starb an einem Lymphom (Krebs), das mit FIV nichts zu tun hatte)
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Tödliche Gefahren im Katzen-Haushalt

Im Haushalt lauern allerlei Gefahren für Katzen. Gerade Jungtiere entwickeln bisweilen eine erschreckende suizidale Kreativität.

Was Ihrer Katze zum Verhängnis werden kann:

  • Offene Fenster, ungesicherte Balkone, Kippfenster
  • Offene Toilettendeckel, Badewannen
  • Waschmaschinen, Wäschetrockner
  • Heisse Herdplatten, offenes Feuer (zB. Kerzen, Kamin)
  • Pflanzen
  • Ätherische Öle
  • Putzmittel, Chemikalien, Medikamente
  • Schokolade
  • Krimskrams

Ich hörte ein leises Zischen, drehte mich um und sah gerade noch, wie sein weisses Hinterteil über das Balkongeländer im Nichts verschwand. Fassungslos starrte ich auf das zerfetzte Katzennetz und wähnte meinen Kater Omar vier Stockwerke tiefer zerschmettert auf der Strasse liegend. Gerade als ich mich aus der Schockstarre lösen und hinunterschauen wollte, sah ich zwei Pfoten auf dem Geländer und kurz darauf erschien Omars Gesicht: Die Augen schreckgeweitet und in der Schnauze festgeklemmt der erste selbstgefangene Spatz seines Lebens.

Kein Strassenverkehr, keine Revierkämpfe mit anderen Katzen, keine fiesen Tierquäler: Viele Besitzer reiner Wohnungskatzen glauben ihre Tiere in absoluter Sicherheit – zu Unrecht. Ungesicherte Balkone, heisse Herdplatten, giftige Pflanzen und vieles mehr können zu tödlichen Fallen für die neugierigen Raubtierchen werden. Ein Überblick, was vor allem unerfahrene Katzenhalter bedenken sollten:

Offene Fenster, ungesicherte Balkone:
Tatsächlich können Katzen sehr geschickt balancieren, auch auf noch so halsbrecherisch schmalen Balkongeländern – bis: «Oh, ein Vogel!» Und schon sind die Vorsicht vergessen und das Gleichgewicht verloren. Die möglichen Folgen eines Sturzes sind je nach Höhe klar – und nein: Katzen fallen nicht immer auf die Pfoten. Doch sogar wenn die Katze den Sturz unverletzt übersteht, besteht die Gefahr, dass sie panisch reagiert und auf Nimmerwiedersehen wegrennt.

Sowohl für Fenster als auch für Balkone gibt es spezielle Netze, die Ihre Katze vor einem Sturz bewahren. Und vergessen Sie nicht: Kontrollieren Sie die Netzinstallation regelmässig auf ihre Stabilität.

Kippfenster:
Durch das gekippte Fenster erhascht die Katze einen Hauch der grossen weiten Welt – und kann womöglich dem Lockruf der Freiheit nicht widerstehen. Beim Versuch durch den Spalt hinaus zu gelangen, kann sie jedoch leicht in den nach unten enger werdenden Spalt rutschen und sich kläglich festklemmen. Innere Verletzungen, Lähmungen und ein qualvoller Tod können die Folgen sein.

Der Tierfachhandel bietet Sicherungen für Kippfenster an, die zum Schutz der Katze in den Spalt eingesetzt werden können.

Offene Toilettendeckel, Badewanne:
Viele Katzen verstehen offene Toiletten als Einladung, ihre triebhafte Neugierde auszuleben: Da kann man so schön reingucken und sich im Wasser spiegeln. Das muss die Katze sich natürlich genauer anschauen, sie springt also auf den Toilettenrand, hält den Kopf in die Schüssel – und schon rutscht sie aus und hängt kopfvoran im Klo. In Panik findet sie am glatten Porzellan keinen Halt und ertrinkt schlimmstenfalls jämmerlich.

Ähnlich gefährlich sind volle Badewannen: Katzen können zwar zur Not schwimmen, aber auch am Badewannenwand findet sie keinen Halt und kann ertrinken.

Toilettendeckel also geschlossen halten und beim Badewasser Einlassen die Tür schliessen.

Waschmaschinen, Wäschetrockner:
Waschmaschinen oder Wäschetrockner sind für Katzen spannende Miniuniversen: Wenn die Türen zum Auslüften offen stehen, können viele Katzen gar nicht anders als in die Geräte zu krabbeln – einige Katzen schlafen sogar gerne darin. Wird das beim Befüllen nicht bemerkt und das Gerät eingeschaltet, hat das für die Katze ausgesprochen fatale Folgen.

Kontrollieren Sie darum bitte vor Benutzung immer, ob die Geräte auch wirklich gerade unbewohnt sind!

Heisse Herdplatten:
Eigentlich haben Katzen auf der Küchenanrichte und auf dem Herd nichts verloren – typisch für Katzen ist allerdings, dass sie sich um Verbote gern foutieren, was in diesem Fall bei eingeschalteten oder noch heissen Herdplatten zu schlimmen Verbrennungen führen kann. Auch Töpfe mit heissem Wasser können zu schrecklichen Verletzungen oder gar zum Tod führen, wenn die Katze etwa den Topf vom Herd reisst und sich mit dem heissen Wasser übergiesst.

Am besten hält man die Katzen während des Kochens von der Küche fern und deckt anschliessend die noch heissen Platten ab. Achten Sie auch darauf, dass der Griff der Pfanne nicht über den Herd hinausragt, damit die Katze ihn nicht als Spieleinladung missverstehen kann.

Offenes Feuer:
Brennende Kerzen oder ein Kaminfeuer können der Katze im wahrsten Sinne brandgefährlich werden. Wenn sie zu dicht herangeht, kann sie sich versengen – und womöglich wirft sie im Schreck noch die Kerze um und schon brennt die Wohnung lichterloh. Darum sollte offenes Feuer nie ohne Aufsicht gelassen werden.

Giftige Pflanzen:
Obwohl Katzen Karnivoren – also reine Fleischfresser – sind, knabbern die meisten ab und an gern auch Grünzeug an. Da Wohnungskatzen selten Zugang zu freiwachsendem Gras haben, nehmen sie alternativ Vorlieb mit Zimmerpflanzen oder Blumensträussen – was tödlich ausgehen kann, da viele beliebte Topfpflanzen und Schnittblumen giftig sind. Je nach Art des Giftes und Menge der gefressenen Pflanzenteile kann es zu den verschiedensten Vergiftungssymptomen von Durchfall und Erbrechen über Lähmungserscheinungen bis hin zum Tod kommen.

Einige besonders gefährliche Giftpflanzen sind:

  • Amaryllis
  • Azalee
  • Dieffenbachie
  • Efeu
  • Gummibaum
  • Hyazinthe
  • Lilien
  • Maiglöckchen
  • Narzissen
  • Weihnachtsstern

In der → Giftpflanzendatenbank der Uni Zürich kann man prüfen, ob eine Pflanze als giftig aufgeführt ist. Es findet sich dort auch eine Liste ungefährlicher Pflanzen.

Eine weitere Gefahr sind Schnittblumenwasser oder überschüssiges Giesswasser, das sich in Topfuntersetzern sammelt. Katzen trinken gerne von diesem Wasser und können sich dabei vergiften, wenn es Düngemittel oder andere Chemikalien enthält.

Wenn den Katzen ungiftiges Katzengras zur Verfügung steht, ist die Wahrscheinlichkeit etwas kleiner, dass sie sich an Blumen oder Topfpflanzen bedienen – aber ausgeschlossen ist es nicht.

Putzmittel, Chemikalien und Medikamente:
Um Vergiftungen vorzubeugen, sind Putzmittel und Chemikalien für Katzen unerreichbar, am besten gut verschlossen aufzubewahren. Achten Sie auch darauf, dass Ihre Katze den Eimer mit Putzwasser nicht als Trinknapf missversteht.

Lebensgefährlich sind auch Medikamente, die unverpackt herumliegen. Etwa Acetylsalizylsäure, die zum Beispiel in Aspirin enthalten ist.

Teebaumöl, ätherische Öle:
Noch immer findet man im Internet den Tipp, Teebaumöl aus Mittel zur Flohbekämpfung einzusetzen oder als Erziehungsmassnahme gegen Markieren zu verwenden. Tun Sie das um Gottes Willen nicht! Durch den Gehalt an Terpenen und Phenolen ist Teebaumöl für Katzen hochgiftig. Ebenso viele andere ätherische Öle. Folgen einer solchen Vergiftung sind Taumeln, Zittern, Unruhe und Schwäche bis hin zu Koma. Bei solchen Symptomen zählt jede Minute und die Katze gehört sofort zum Tierarzt.

→Ätherische Öle sind für Katzen giftig (PDF)

Schokolade:
Schon kleine Mengen an Schokolade können wegen des im Kakao enthaltenen Stoffes Theobromin für Katzen (und Hunde) stark toxisch wirken.

Herumliegender Krimskrams:
Viele Katzen haben den Tick, auf kleinen Gegenständen wie Reissnägeln, Gummiringen und Ähnlichem herumzukauen. Dabei kann es passieren, dass sie diese verschluckt, was zu inneren Verletzungen führen kann. Achten Sie auch beim Kauf von Spielzeugmäusen darauf, dass diese keine Augen und Nasen aus Plastik haben – beziehungsweise entfernen Sie die Plastikteile, bevor Sie das Spielzeug Ihrer Katze überlassen.

Langjährige Katzenhalter wissen in der Regel, dass die kätzische Phantasie in Bezug auf die Herstellung von Lebensgefahr schier grenzenlos ist – und werden doch immer wieder vom Einfallsreichtum der kleinen Spinner überrascht. Beugen Sie vor und ersparen Sie sich und vor allem Ihrer Katze solche Erfahrungen.

Warnung vor Swiffer-Tüchern: ein Hoax
Bereits seit Jahren kursiert im Internet die Warnung, Haustiere – insbesondere Hunde – seien durch Reinigungstücher der Marke Swiffer gefährdet. Es wird behauptet, die als «Swiffer Wet» vertriebenen feuchten Bodenreinigungstücher seien für Haustiere giftig und das Abschlecken des damit gereinigten Bodens könne zum Tod durch Organversagen führen. Wesentliche Inhaltsstoffe sollen giftigen Frostschutzmitteln sehr ähnlich sein. Lesen Sie hier den → Originaltext.

Die Technische Universität Berlin (TU-Berlin) sammelt seit Jahren solche «urban legends» und schreibt zur immer wieder auftauchenden Swiffer-Warnung: «Dies ist ein Hoax, eine Falschmeldung. Bitte verbreiten Sie den Text nicht weiter.» Lesen Sie mehr dazu bei der TU-Berlin: → Hoax-Liste

Fallen Ihnen weitere Gefahrenquellen im Haushalt ein? Dann nutzen Sie die Kommentarfunktion, um die Liste zu erweitern.

Erste Hilfe

Wenn ein Haustier einen Unfall hatte oder akut lebensbedrohlich erkrankt, ist der besorgte Tierhalter selbst in einem Ausnahmezustand und weiss oft nicht, wie reagieren. Als Erstes sollte man sich auf solch eine Situation vorbereiten.

Speichern Sie bitte die Notruf-Nummer einer Klinik in Ihrer Nähe im Handy oder notieren Sie die Nummer und stecken den Zettel ins Portemonnaie (je nachdem, ob Sie eher der digitale oder analoge Typ sind) – im Notfall werden Sie womöglich keine Nerven/Zeit haben, eine Notrufnummer herauszusuchen.

Schweiz:
24-Std.-Notrufnummer des Zürcher Tierspitals: 044 635 81 11
Tierrettungsdienst Kanton Zürich 24-Std.-Notfallzentrale: 044 211 22 22
24-Std.-Notrufnummer Tierspital Bern: 0900 900 960 (CHF 1.50/Min (für Anrufe ab dem Festnetz)
Weitere Tier-Notdienste in der Schweiz

Deutschland:
Bundesweite Tierrettungsleitstelle
24-h-Notruf: 0700 – 952 952 95 (12 Cent/Min.)
oder
01578 – 49 952 95

Österreich:
Österreichische Tierrettung Notrufzentrale: 0662 / 83 07 45 11

Merkblatt «Erste Hilfe für Hund und Katze»:
Was jeder Tierhalter verinnerlicht haben sollte. Idealerweise vor dem Notfall.
Direkt zum PDF: kostenlos herunterladen
Quelle: Website «Susy Utzinger – Stiftung für Tierschutz»: Erste Hilfe für Hund und Katze

Blutspendedatenbank für Katzen (CH, D, A):
24-Stunden NOTRUF-Hotline
1. Silvio Fuchs 0178 / 136 43 83
2. Susan Hülsmann: 0160 / 979 54 64

Noch eine kleine Anmerkung: Wenn Ihr Tier in akuter Not ist (das muss nicht immer dramatisch aussehen – es kann auch einfach apathisch in einer Ecke liegen), googeln Sie bitte nicht oder berichten in Internetforen darüber. Nein. RUFEN SIE BITTE DEN NÄCHSTEN TIERARZT/NOTDIENST AN. Wenn das Tier medizinisch versorgt ist, dann berichten Sie in einem Forum/Blog oder sonstwo.