Katzen-Zusammenführungen: Wirklich so schwierig?

Katzen gelten ja im Volksglauben immer noch oft als Einzelgänger. Leider.

Aber ich will hier jetzt gar nicht ausufernd erläutern, was einem jeder katzenerfahrene Tierschützer sowieso erzählt, wenn man ihn nur liesse 😉 Zwei Links zum Thema sollen erstmal reichen:
→ Wohnungskatze in Einzelhaltung
→ Einzelhaltung von Wohnungskatzen

Aus diesen Gründen habe ich hier mehrere Katzen. Angefangen hat es auch mal mit zwei, warum ich dann (ursprünglich zumindest 😉 ) erweiterte, habe ich halbernsthaft hier beschrieben:
→ Wie mit den Kamikatze-Geschichten alles begann

So weit, so klar. Als ich heute die lieben Kommentare zu
→ Zusammenführung reloaded, Teil 3 beantwortete, fiel mir auf, dass wohl manch einer, der hier zB. zufällig über Google dazukommt, vieles im Zusammenhang mit Moriahs Eingewöhnung hier evtl. nicht ganz nachvollziehen kann, und ich vieles in den Kommentaren erläuterte, was eigtl. in einen eigenen Beitrag gehört, auf den ich künftig erläuternd verlinken kann. Noch schlimmer finde ich die Vorstellung, dass jemand glauben könnte, unser Prozess hier mit Moriah entspreche einer „normalen“ Katzenzusammenführung und so evtl. abgeschreckt wird, selber eine zu wagen 😦

Es gibt ja beim Thema Katzenzusammenführungen wie bei fast jedem Thema verschiedene Glaubensrichtungen:

  • Manche sagen, man solle die Katzen einfach machen lassen. Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass das meistens gut geht – vielleicht ein bisschen Fauchen und Brummen zu Beginn, und dann wars das. Die Kehrseite: Die Katzen mancher Leute müssen in der Folge manchmal damit leben, monatelang Angst im eigenen Zuhause zu haben, sich deshalb ständig zu verkriechen und nie zu wissen, wann der (noch) ungeliebte Katzenkumpel einem wieder eine überbrät. Manche sagen, das sei „normal“. Manchmal wird eine Katze dabei allerdings auch derart traumatisiert, dass sie – einst ein soziales Wesen – nie wieder mit anderen Katzen zusammenleben kann. Blut muss dafür nicht geflossen sein. Das ist ja immer so der Spruch, der in Katzenforen als Massstab rumgeht: „Solange kein Blut fliesst“. Sehr gefährlicher Unfug, wenn ich dazu mal meine Meinung sagen darf. Meine LouLou war so ein Fall: Sie wurde nie körperlich direkt ernsthaft attackiert, dennoch hatte sie solche Angst vor den Neuzugängen in ihrem alten Zuhause, dass sie sich nur noch verkroch und bei Begegnungen mit anderen Katzen einpieselte. „Normal“, dachte ihre Halterin 😦 Als LouLou dann nach dieser ein Jahr lang andauernden gescheiterten Zusammenführung zu mir kam, war schon fast nichts mehr zu machen, das arme Tier war dermassen verstört 😦 Wir konnten nur noch daran arbeiten, dass die 19-jährige Katze nicht im Glauben stirbt, sie hätte etwas falsch gemacht 😦 Ich hoffe, das ist uns gelungen :_(
  • Andere pochen ebenso störrisch darauf, man müsse ein solches Projekt zwingend per Separation und Gittertür angehen.

Meine Meinung: Ich nehme jeweils das, was für die Situation bzw. die betroffenen Katzen am besten passt 😀

Wir durchlaufen hier gerade die 9. Zusammenführung in der bestehenden Katzengruppe (sieben Zwerglis und vier Sternchen). Davon wurden:

  • fünf Neuankömmlinge nicht separiert, sondern direkt in die Gruppe gesetzt (Lucie, Shakti, Mogwai, Faramee und Tünn).
  • vier Neuankömmlinge wurden (teils auch wegen gesundheitlicher Abklärungen sowieso) separiert (Mathilde, LouLou, Felize und Moriah – Moriah dann erneut, nachdem die „Laissez-faire“-Zusammenführung in Einpinkeln und Angriffen eskalierte).

Und jedes Mal war es goldrichtig. Es gibt kein: SO ist es richtig – das hängt ganz allein von den beteiligten Wesen ab (damit meine ich vor allem die Katzen 😉 ). Es ist wichtig, dass man beim Entscheid, eine Katze in eine bestehende Gruppe aufzunehmen, ehrlich beseelt ist vom Wunsch, für die Katzen das Beste zu wollen (und nicht für sich, weil der Neuzugang so hübsch, so niedlich ist – oder einfach: Ich will ein Kitten, die sind so süss smiley_emoticons_ins-auge-stechen) Und dann klappt das auch 😉

Unsere Zusammenführungen sahen bislang in der Regel so aus:

Aber im Moment sieht es halt so aus:
→ Moriah

Dass Moriah solche Angst vor fremden Katzen hat, hat keiner geahnt. Unsere schwierige Situation soll aber bitte niemanden entmutigen, das Projekt Katzenzusammenführung anzugehen ♥

Katzen sind – genau wie wir Menschen – soziale Wesen – im Grundsatz. Wenn ich sehe, wie meine Zwerge hier die Bude gemeinsam toben, miteinander liegen und einander respektieren – dann muss ich manchmal fast heulen vor Glück ♥
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Omelize <3

Lucie mit ihrer grossen Liebe Omar

Sahib und Omar ein paar Jahre später

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6 Gedanken zu „Katzen-Zusammenführungen: Wirklich so schwierig?

  1. Gudy mit Merlin

    Danke Iwon, dass du wieder einmal klar äußerst, dass es kein „nur dies ist richtig“ oder „das ist total falsch“ gibt. Jede Katze, jede Situation ist individuell und kann nur als solche beschrieben werden. Die Kamikatze-Zwerglis sind mit dem Einzug von Felize in mein Herz eingezogen, einer Ataxiekatze, die damals als taub galt. Die Beiträge über diese Zusammenführung habe ich geradezu verschlungen. Ich war begeistert davon, wie sehr du auf Bedürfnisse und Empfindungen geachtet hast und in die weiteren Schritte integriert hast. Es war total schön, diese Liebe, deine Liebe zu den Zwergen miterleben zu dürfen, diese Zuversicht zu spüren, auch wenn es mal einen Rückschlag gab. Seither lassen mich die Kamikatze-Zwerge nebst ihrer Dosine nicht mehr los. Tatsache, keine Lobhudelei 😉

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    1. kamikatzezwerglis Autor

      Danke dir, liebe Gudy, für deine schmeichelhaften Worte ♥ Ich probier hier ja auch nur rum *schäm* … Es gibt bestimmt viele „Grundsatz“-Regeln, die zu beachten, helfen kann 🙂 Aber wie du auch schreibst: Wichtig ist, auf das individuelle Wesen einzugehen. Dabei hilft natürlich, soweit möglich, sich vorher zu informieren, wer zu wem passen könnte – das allein tun leider viele schon nicht (ich früher auch nicht 😦 Shame on me. Es zeigt aber, dass man lernen kann). Doch sogar, wenn man alles versucht, „richtig“ zu machen, kann es schiefgehen 😦 Dann ist meines Erachtens wichtig, alle Register zu ziehen, sich über die Bedürfnisse/Ängste/Grenzen der involvierten Wesen vertieft kundig zu machen ♥ Sich auch mal professionelle Hilfe zu holen (was ja leider immer noch als exotisch gilt) und sonst – zum Wohle aller – die Konsequenzen zu ziehen. Nicht, weil es einem selbst zu viel wird (das kann aber auch ein Grund sein), sondern weil es auch den betroffenen Tieren dabei nicht gut geht. Wenn ich nun sehe, wie aktiv Mori wird, wie sehr sie spielen möchte ♥ Wir brauchen jetzt eine Lösung für sie – in ihrem Sinne ♥ Der Raum oben war ihr früher genug, nun nicht mehr. Es ist Zeit, eine Lösung zu finden. Das setzt mich unter Druck. Aber Druck macht bekanntlich Kohle zu Diamanten 😛 Ich hoffe sehr, dass Moriah sich hier bald rundum wohlfühlt… ♥

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  2. Britta

    Danke für deine Worte, Iwon, hätte ich nur schon früher mehr davon gelesen, dann wäre einiges vielleicht auch nicht passiert – oder doch? Keiner von uns weiß ja, wie Katzen untereinander wirklich reagieren, wenn sie auf ihre Artgenossen treffen. Mir wurde prophezeiht, dass es GARANTIERT gut geht und mit meinen beiden Mädels hatte ich genau diese Erfahrung gemacht. Leider war es bei der Zusammenführung mit dem Sir dann doch ganz anders, obwohl er gar nicht so ein Raufbold ist wie einige Kater es sind. Er ist vermutlich einfach ZU lieb. Ich hatte auch gelernt: Den Neuzugang nach Hause bringen und dann einfach machen lassen. Heute würde ich es anders anfangen, nämlich den Neuzugang doch erst einmal separieren und die Zusammenführung allmählich starten. Aber das merke ich mir auf alle Fälle fürs nächste Mal und bis dahin hoffe ich ganz einfach, dass meine Süßen ein Trio-Dreamteam sind 🙂 .

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  3. Pingback: Katzenzusammenführungen: Eine Wissenschaft für sich ;-) | kamikatze-zwerglis

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