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Lucie – mein kleiner grosser Zwerg ♥

Als ich dich heute vor sieben Jahren das erste Mal sah, entfuhr es mir: „Die wächst aber noch, oder?“ Deine Pflegemama sah mich daraufhin ein bisschen entgeistert an smiley_emoticons_muede

Bis zu jenem Zeitpunkt hatte ich mein ganzes Leben lang nur mit gut genährten und wohl behüteten erwachsenen Schweizer Katzen zu tun gehabt. Auf dem Vermittlungsbild damals war nicht erkennbar gewesen, dass du… Hm. Naja.

Ein Zwerg bist. Und zwar ein kleiner Zwerg.

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Und ein fröhlicher, unbeschwerter, seelisch scheinbar sonnendurchfluteter Zwerg. Sozusagen ein Sonnenscheinchen. Und das hat mich umgehauen.

Lucie

Lucie

Wer aus einer Vergangenheit wie deiner als Sonnenschein hervorgeht, gehört definitiv zu den ganz Grossen.

Dass du ein steifes Hinterbein und einen mittig abgerissenen Schwanz hast, wusste ich ja. Nur wie es dazu gekommen war, konnte niemand mit Sicherheit sagen, da du eine Fundkatze auf Madrids Strassen warst. Unfall?

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Der Spezalist, zu dem ich dich brachte, um abzuklären, ob man dein Beinchen wieder hinbekommt oder evtl. gar amputieren sollte, rekonstruierte aufgrund seiner Untersuchungen, deiner Verletzungen und der erhobenen Daten, was dir wohl widerfahren sein musste: Jemand habe dich wohl am Hinterbein festgehalten und dich mehrmals kopfvoran gegen eine Wand oder dergleichen geschlagen. Allein: Du mochtest nicht sterben. Dann muss es jemand wohl nochmals versucht haben, indem er dich diesmal am Schwanz festhielt, und gleich mit dir verfuhr wie jener zuvor. Doch dein Schwanz riss – und du musst die Chance wohl ergriffen haben, trotz der Verletzungen und des Schmerzes das Weite zu suchen.

In der Folge hieltest du das ausgerenkte und gnadenlos überdehnte Bein wohl lange Zeit in einer Schonhaltung, so dass die heilenden Sehnen es in einer grotesken Haltung fixierten und unwiederbringlich versteiften.

Wer schon einmal eine Bänderüberdehnung hatte, ahnt, welche Schmerzen du ertragen musstest, kleiner Zwerg. Dazu der mehrfache Schädelbruch und der abgerissene Schwanz.

Man versicherte mir  jedoch an verschiedener fachkundiger Stelle, dass du nun keine Schmerzen mehr in dem Bein hast, es ist halt einfach „nur“ steif. Aber wenn man dich an den Zehen kitzelt, lachst du und spreizt sie als würdest du sagen: „Ihhhh, geh weg, das kitzelt“

Ich las mal ein wunderschönes Gedicht einer halbseitig gelähmten, schwerst gehbehinderten klugen Frau. Sinngemäss schrieb sie, dass das, was für die meisten nicht mal einen Gedanken wert ist, nämlich von A nach B zu laufen, für sie ein Tanz sei, ein Tanz, den sie jedesmal spontan neu choreographiere – und auch wenn andre Menschen darob erschreckten, Mitleid empfänden oder sich sogar vielleicht „ekeln“, so sei es doch für sie ihr Tanz durch ihr Leben. Und sie tanze ihn leidenschaftlich gern.

Diese Sichtweise hat mich tief berührt. Ihre und deine Haltung im Umgang mit dem, was wir wohl „Behinderung“ nennen würden, hat meine Sicht auf Normabweichungen radikal verändert.

Ich sehe ja auch oft die erschreckten Blicke, wenn Menschen dich das erste Mal sehen.

Du weisst es aber auch perfekt zu nutzen, dein Beinchen: Wenn du langsam läufst, benutzt du es wie eine Krücke, wenn du aber wie ein adrenalingeschocktes Eichhörnchen durch die Bude rast, klappst du es einfach hoch und rast auf deinen drei gesunden Beinchen durch die Wohnung, Treppen hoch und runter. Und wenn deine Freundin Shakti mal wieder schräg-fies von der Seite kommt und dich mit einem gezielten Arsch-Bodycheck aus dem Gleichgewicht bringt, verdrehst du nur die Augen, um sie anschliessend spielerisch durch die Wohnung zu jagen.

Du bist so unerschütterlich freundlich – jeden Neuankömmling hier (und es waren ja viele nach dir), hast du immer liebevollst angeköpfelt und angegurrt Wenn ein Lieferant an der Tür klingelt, kommst du angesaust und willst wissen, welch nette Seele da Einlass verlangt. Auch Gäste beäugst du stets wohlwollend – nur anfassen muss dich ja dann doch nicht gleich jeder dürfen 😉 Der Tierarzt aber, der darf – auch wenn er wiedermal an deinem Bein rumzuppelt, um zu testen, ob dir Verschleisserscheinungen der „Fehlhaltung“ inzwischen Schmerzen bereiten. Und nach der Untersuchung fahren wir heim, damit alle anderen Zwerglis dich sofort auch wieder freudig begrüssen, und du ihnen deine Abenteuer in den schillerndsten Farben schildern kannst smiley_emoticons_hoplit_sword2_m

Ich habe dich noch nie fauchen oder knurren gehört – ich glaube, die Sprache sprichst du gar nicht.

Und nein: Du bist in den letzten sieben Jahren kein bisschen gewachsen. Du bist immer noch mein zauberhaftes Katzen-Bonsai Und mit deinen inzwischen acht Jahren so verspielt und verrückt wie eh und je.

Liebste Lucie – möge es noch viele viele Jahre so bleiben, mögest du dein sonniges Gemüt nie verlieren und nie wieder Schmerzen oder Sorgen erfahren. Und manchmal, wenn ich mich gräme, die Welt total doof finde oder einfach nur biorhythmusbedingt schlechte Laune habe – dann schaue ich einfach dich an und lache wieder

Bleib wie du bist, meine kleine dancing queen smiley_emoticons_kolobok-party-dancers – du bist perfekt in jedem erdenklichen Wortsinne.

Ich liebe dich mehr als Worte ausdrücken könnten.